Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Hauptschule in Zahlen und Fakten 4
3. Parteienstandpunkte zur Hauptschulthematik 6
4. Die Hauptschule in der pädagogischen Debatte. 9
5. Alternativansätze und -vorschläge 11
6. Fazit. 14
Literaturverzeichnis. 17
2
1. Einleitung
Immer wieder machten Hauptschulen in den letzten Jahren Schlagzeilen. Sei es durch Negativbeispiele wie die Rütlischule, Strukturveränderungen in einzelnen Bundesländern oder Ergebnisse von PISA und dem Nationalen Bildungsbericht. Die Diskussion um die Hauptschule ist in der Öffentlichkeit angekommen und wurde auch schon auf politischer Ebene im Wahlkampf benutzt.
Die Frage, die diskutiert wird, lautet: Soll die Hauptschule als eigenständige Schulform abgeschafft werden?
Auch im Folgenden soll dieser Frage nachgegangen werden, auf der Grundlage von Aussagen aus dem 2. Nationalen Bildungsbericht von 2008, einer statistischen Veröffentlichung des Hessischen Kultusministeriums von 2007 und einer Strukturanalyse jüngerer Arbeitsloser der Bundesanstalt für Arbeit von 2003. Wie sich bereits bei den Auftraggebern dieser Studien zeigt (Nation, Hessen, Bund) erweist sich die Diskussion als eine bildungspolitische, so dass auch der Standpunkt der verschiedenen Parteien dargestellt werden soll. Im direkten Vergleich zu diesen werden Meinungen von Pädagogen aufgezeigt. Hier erkennt man bereits die Vielschichtigkeit der Problematik und die unterschiedlichen Interessengemeinschaften, die sich mit dieser Frage beschäftigen. Doch nicht nur die Aneinanderreihung von Standpunkten und Argumenten kann das Ziel sein, sondern im Gegenteil das Aufzeigen von echten Alternativen und Lösungen. Aus diesem Grund muss der Frage nachgegangen werden, ob es ausreicht die Hauptschule zu reformieren oder ob sie gänzlich abgeschafft werden muss und vor allem durch was sie ersetzt wird. Denn die Schülerschaft der Hauptschule und auch ihre Probleme, lassen sich nur durch die Beseitigung ihrer Schulform nicht abschaffen. Im Folgenden wird bei der Erwähnung von Hauptschulen nicht differenziert, es sei jedoch hier darauf hingewiesen, dass nicht alle Hauptschulen mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Mancherorts gibt es Ausnahmen: In manchen ländlichen Gebieten und vor allem in Baden- Württemberg und Bayern wird die Hauptschule noch von vielen Schülern besucht und kämpft nicht mit einem so massiven Ansehensverlust wie anderorts, doch auch dort zeigen sich erste Krisenanzeichen 1 .
1 Vgl. Leschinsky, Achim, Die Hauptschule-Sorgenkind im Schulwesen, in: Cortina, Kai/Baumert, Jürgen u.a.
(Hg.), Das Bildungswesen in der Bundesrepublik Deutschland. Strukturen und Entwicklungen im Überblick,
Hamburg 2003, S. 392- 428., hier: S. 393.
3
2. Die Hauptschule in Zahlen und Fakten
Um eine sinnvolle Diskussion über die Abschaffung der Hauptschule führen zu können, muss man die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen und Statistiken berücksichtigen. Aus der Fülle der Veröffentlichungen der letzten Jahre, soll im Folgenden auf „Bildungspolitik in Zahlen. Daten aus dem Schulbereich 2007“ 2 des Hessischen Kultusministeriums, den 2. Nationalen Bildungsbericht von 2008 3 und eine Strukturanalyse bezüglich jüngerer Arbeitslosen 4 , die im September 2003 von der Bundesanstalt für Arbeit veröffentlicht wurde, eingegangen werden.
Prinzipiell ist bei bildungspolitischen Fragen zunächst einzubeziehen, welchen Zweck Schule erfüllen soll, dies soll kurz durch die Anforderungen, die in Hessen an eine Hauptschule gestellt werden, gezeigt werden. Diese Anforderungen decken sich im Wesentlichen mit denen der Kultusministerkonferenz und anderen Ländern.
Nach dem Bericht des Hessischen Kultusministeriums werden die Ziele wie folgt beschrieben: „Die Hauptschule vermittelt Allgemeinbildung und fördert die Schülerinnen und Schüler entsprechend ihren Leistungen und Neigungen. Sie bereitet auf die Berufs- und Arbeitswelt vor und hilft den Schülerinnen und Schülern, die für ihr Erwachsenenleben nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten zu erwerben“ 5 . Das es sich dabei um theoretische oktruierte Ziele handelt, muss hier nicht weiteraufgeführt werden, in Laufe der Arbeit soll geklärt werden, ob die Hauptschule diese Zielsetzung erfüllt.
Der 2. Nationale Bildungsbericht zeigt, dass sich „die Nachfrage nach der Hauptschule in den letzten 20 Jahren gravierend verändert“ 6 hat. Dies gilt „in faktisch (…) allen Ländern, in denen die Hauptschule angeboten wird - die Länder Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen führen keine Hauptschulen(…)“ 7 . Auch in Hessen zeigt sich diese Veränderung; während die Anzahl der Schulen seit 1985/86 insgesamt anstieg, verringerte sich die Zahl der Hauptschulen von 405 auf 300 8 . Doch nicht nur die Schulanzahl wurde weniger, sondern auch die Schülerschaft insgesamt
2 http://www.kultusministerium.hessen.de/irj/servlet/prt/portal/prtroot/slimp.CMReader/HKM_15/HKM_Internet
/med/862/86236097-be7d-021f-3efe-f91921321b2c,22222222-2222-2222-2222-222222222222.pdf (24.7.2009).
3 http://www.bildungsbericht.de/daten2008/bb_2008.pdf (23.7.2009).
4 http://www.pub.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/200312/iiia4/st4-jungd.pdf (23.7.2009).
5 http://www.kultusministerium.hessen.de/irj/servlet/prt/portal/prtroot/slimp.CMReader/HKM_15/HKM_Internet
/med/862/86236097-be7d-021f-3efe-f91921321b2c,22222222-2222-2222-2222-222222222222.pdf , S. 12
(24.7.2009).
6 http://www.bildungsbericht.de/daten2008/bb_2008.pdf, S. 12 (23.7.2009).
7 Ebd.
8 Vgl.http://www.kultusministerium.hessen.de/irj/servlet/prt/portal/prtroot/slimp.CMReader/HKM_15/HKM_Inte
rnet/med/862/86236097-be7d-021f-3efe-f91921321b2c,22222222-2222-2222-2222-222222222222.pdf , S. 37
(24.7.2009).
4
reduzierte sich enorm. 1980/81 besuchten durchschnittlich 25,9 Schüler/innen eine Klasse in hessischen Hauptschulen, 2007/08 waren es dagegen nur noch 18,0 (nur zum Vergleich in den Klassen der Gymnasien befanden sich 2007/08 durchschnittlich 27,8 Schüler/innen) 9 . Man könnte zunächst davon ausgehen, dass es sehr positiv für Hauptschüler/innen ist, in einer geringeren Klassengröße zu arbeiten, da dadurch mehr Zeit für den einzelnen Schüler und Förderung vorhanden ist, aber das Gegenteil ist der Fall. Der sinkende Hauptschulanteil führt zu ungünstigeren Lernbedingungen (lernarmes Umfeld) und zu einer Sammlung von Kindern aus Familien mit sozial niedrigen Status, hinzu kommt eine immer weiter steigende negative Wahrnehmung in der Öffentlichkeit 10 . So erscheint es nicht verwunderlich, dass immer weniger Eltern ihre Kinder auf die Hauptschule gehen lassen wollen, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass in Deutschland die Wechselquoten zwischen den Schulen sehr gering sind bzw. „die Abwärtswechsel in niedriger qualifizierende Schularten die Mehrzahl aller Schulartwechsel in Deutschland“ 11 ausmachen.
Die verringerten Zahlen der Hauptschüler/innen, wie auch die damit verbundenen Folgen, sind Auswirkungen der in den 60er Jahren vorangetriebenen Bildungsexpansion, die mehr Menschen den Weg zu einer höheren Bildung frei machen wollte. Wie auch Heike Solga und Sandra Wagner 12 darstellen, ermöglichte diese zwar prinzipiell mehr Kindern den Weg zu einer höheren Schule (vor allem Mädchen), verringerte aber keinesfalls soziale Ungleichheiten. Im Gegenteil, die Unterschiede bleiben auf höherem Niveau bestehen. Eine weitere Folge der Bildungsexpansion besteht darin, dass Menschen mit Hauptschulabschluss auf dem Arbeitsmarkt immer mehr durch Absolventen der Realschulen und Gymnasien verdrängt werden 13 . Sicherlich muss dabei berücksichtigt werden, dass nicht nur die Bildungsexpansion dazu geführt hat, sondern auch ein Anstieg der Anforderungen für verschiedene Berufe, aber das Ergebnis bleibt dasselbe: Absolventen von Hauptschulen haben immer weniger Chancen auf Ausbildungsplätze 14 . Die Berufe, die sie noch ergreifen können, sind überwiegend aus dem handwerklichen Bereich oder eine hauswirtschaftliche Betätigung, es handelt sich um „einerseits körperlich schwere, teilweise auch gesundheitsgefährdende Beschäftigungen, an-
9 Vgl.http://www.kultusministerium.hessen.de/irj/servlet/prt/portal/prtroot/slimp.CMReader/HKM_15/HKM_Inte
rnet/med/862/86236097-be7d-021f-3efe-f91921321b2c,22222222-2222-2222-2222-222222222222.pdf ,
S.40(24.7.2009).
10 http://www.bildungsbericht.de/daten2008/bb_2008.pdf, S.62 (23.7.2009).
11 http://www.bildungsbericht.de/daten2008/bb_2008.pdf, S.66 (23.7.2009).
12 Heike Solga und Sandra Wagner, Die Zurückgelassenen- die soziale Verarmung der Lernumwelt non Haupt-
schülerinnen und Hauptschülern, in: Rolf Becker und Wolfgang Lauterbach (Hg.), Bildung als Privileg?, Wies-
baden 2004, S. 195-224.
13 Vgl. http://www.bildungsbericht.de/daten2008/bb_2008.pdf S. 108 (23.7.2009).
14 Vgl. http://www.bildungsbericht.de/daten2008/bb_2008.pdf S. 111 (23.7.2009).
5
Arbeit zitieren:
Stella Tappert, 2009, Die Hauptschule abschaffen?, München, GRIN Verlag GmbH
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