A.0 Einleitung. 2
A.1. Überblick über Literatur zur i-Bildung 3
A.2. Das „Vorläufer Experiment“ 4
A.2.1. Vorstellung. 4
A.2.2. Ergebnisse. 6
A.2.3. Offene Fragen. 10
B.0 Hauptteil 12
B.1. Vorüberlegungen 12
B.2. Der Versuch und sein Design. 15
B.2.1 Die Auswahl der Wörter 15
B.2.2 Die Auswahl der Methode 16
B.2.3. Die Population. 17
B.3. Hypothesen. 18
B.4. Die Auswertung. 19
B.4.1. Die Ergebnisse. 19
B.4.2. Die Hypothesen im Lichte der Ergebnisse. 23
B.4.3. Und immer noch offene Fragen. 25
B.5. Versuch einer Theorie. 26
C.0 Schluß. 27
D 0 Literaturverzeichnis 28
A.0 Einleitung
In dieser Arbeit möchte ich versuchen, etwas mehr Licht auf ein Phänomen der deutschen Sprache zu werden: den i-Bildungen.
Die Hausarbeit basiert auf einer Untersuchung, die ich mit zwei Kommilitonen im Rahmen des Hauptseminars „Morphologie Deutsch/Englisch“ bei Dr. Birgit Alber im Sommersemester 1999 durchgeführt habe. Unsere Studie wollte die Mechanismen der i-Bildung im Deutschen untersuchen. Natürlich hat sie neben einigen Vermutungen viele neue Fragen aufgeworfen, die nun der Verifizierung bedürfen. Im Rahmen dieser Arbeit habe ich mir die Aufgabe gestellt, die i-Bildungen bei exozentrischen Komposita zu untersuchen. Andere, benachbarte Fragestellungen werde ich in dieser Seminararbeit aus Gründen des Umfangs nicht bearbeiten. Warum ich gerade an diesen Komposita interessiert bin, soll an anderer Stelle, in den entsprechenden Kapiteln, dargelegt werden.
Um mich einer Antwort zu nähern werde ich zunächst einen Überblick über die Literatur geben, die sich bereits mit diesem Problem befasst hat. Darüber hinaus habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, einen eigenen Erklärungsansatz für die Mechanismen der i-Bildung zu wagen, den ich jedoch so weit wie möglich mit den bereits veröffentlichten Arbeiten in Einklang zu bringen hoffe. Um empirisches Material für einen eigenen Ansatz und die Beantwortung der offenen Fragen zu erhalten, werde ich einen Fragebogen entwerfen, den ich an eine geeignete Population austeilen werde. Der Fragebogen fragt i-Bildungsmöglichkeiten für verschiedene deutsche Komposita ab, um so ihrem Mechanismus auf die Spur zu kommen. Diese Vorgehensweise hat sich bereits im Seminar bewährt und scheint mir auch hier aussichtsreich.
Ich werde mich bei der Benennung von Gruppenbezeichnungen aus pragmatischen Gründen auf die maskuline Form beschränken. Geneigte Leserinnen mögen mir diese restaurative Vorgehensweise in Zeiten der Emanzipation verzeihen.
2
A.1. Überblick Literatur zur i-Bildung
Die Literatur zur i- Bildung füllt zwar keine Bibliotheken, doch auch hier soll das bereits erarbeitete zusammengefasst werden. Wiese (1996) schlägt vor, i-Bildungen als Reduplikationen zu betrachten. In seiner prosodisch orientierten Theorie wird zunächst der Stamm mit Hilfe eines kopierenden Präfixes affigiert und anschließend getilgt - übrig bleibt nur noch das Präffix. Als Evidenzen für seinen Ansatz, i-Bildungen und Reduplikation phänomenologisch äquivalent zu betrachten führt er folgende fünf Überlegungen an:
- Reduplikationen und i-Bildungen verdoppeln oft Reime oder Silben.
- Reduplikationen und i-Bildungen kennen „präspezifiziertes Material“.
- Reduplikationen und i-Bildungen sind meistens nominal (Wortartidentität).
- Bedeutungs- und Gebrauchsähnlichkeit zwischen Reduplikationen und i-Bildungen.
- Reduplikationen und i-Bildungen sind keine komplementär verteileten morphologischen Konstruktionen des Deutschen.
Dieser Sichtweise widerspricht Féry (1997). Sie nimmt zwar die o.a. Ähnlichkeiten an, weist aber darauf hin, dass echte Reduplikation immer durch die gemeinsame Realisation von Reduplikant und Basis gekennzeichnet sind. Dementsprechend schlägt sie einen eigenen Analyseansatz für die i-Bildungen vor. Sie klassifiziert die i-Bildungen als eine besondere Form der Derivation, wobei dem /i/ Suffixstatus zuerkannt wird, was Wiese jedoch bestreitet, da dem finale /i/ seiner Meinung nach schlicht die grammatischen Funktionen des Derivationssuffixes fehlen (Wiese 1996, 7).
Féry weist darauf hin, dass die i-Bildungen strengen prosodischen Wohlge-formtheitsbedingungen genügen müssen. In der Literatur herrscht Einigkeit darüber, dass die Kurzform aus zwei Silben mit Anfangsakzent bestehen muss. Féry bewertet die Bedeutung des Silbengefüges jedoch am stärksten: Die Form Studi wird also nicht aus Student abgeleitet oder herausge-
schnitten, sondern korrespondiert mit dieser in dem Sinne, daß sie der
Vollform Student so weit ähnelt, wie es einem Trochäus mit finalem i nur
möglich ist. Und diese Korrespondenz ist entscheidend, nicht die vollstän-
dige Kopie (Féry 1997, 471).
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A.2. Das „Vorläufer Experiment“
A.2.1. Vorstellung
Das „Vorläufer Experiment“, von nun an Prätest genannt, hatte sich zur Aufgabe gestellt, die Mechanismen der i-Bildung anhand von eigenem empirischen Material im Deutschen zu untersuchen. Zu diesem Zwecke wurde ein Fragebogen entworfen. Der Fragebogen bestand aus 27 Wörtern, aus denen eine Kurz-form auf -i- gebildet werden sollte. Im Einzelnen waren 14 Rektionskomposita, 5 endozentrische Komposita, 5 exozentrische Komposita und 3 „unechte Rektionskomposita“ aufgeführt. Die unechten Rektionskomposita waren Komposita mit einem Verb, die ihre ursprüngliche Semantik verloren hatten. Im Hauptteil werde ich diese Wörter den exozentrischen Komposita beifügen und dies begründen.
Der Fragebogen wurde an 30 Personen verteilt, die die Aufgabe hatten, ihre i-Bildungen neben das gegebene Wort zu schreiben. Die unterschiedlichen Kompositaklassen waren dabei gleichmäßig auf dem Fragebogen verteilt. Einer Fünfergruppe Rektionskomposita folgte eine Fünfergruppe endozentrischer Komposita, dann wieder fünf Rektionskomposita, fünf exozentrische Komposita, wieder fünf Rektionskomposita und zum Schluß die drei „Unechten“. Wir wollten ergründen, ob unterschiedliche Kompositaklassen unterschiedliche i-Bildungen provozieren.
Die Auswahl der Worte erfolgte nach einer ausgiebigen Prüfung der Kandidaten, die wir alle selbst zusammen gesucht hatten. Wichtig war uns dabei, dass die einzelnen Klassen ein großes semantisches Spektrum umfassten, damit wir bei der Auswertung nicht zu sehr von diesem Faktor abhängig sein würden.
4
Mit dem Prätest wollten wir heraus finden, ob das -i- an den Kopf oder das Argument des Kompositas angehängt wird, bzw. welcher Teil durch -i- ersetzt wird. Ebenso ob Semantik, Silbenstruktur oder Akzent eine Rolle spielen. Zur Vereinfachung der Diskussion möchte ich folgende Begriffe einführen: wird beispielsweise das Lexem `Pfadfinder` zu `Pfadi`, so spreche ich von einer Argumentbildung, wird es zu `Findi`, so nenne ich dies eine Kopfbildung.
Wir stellten die Hypothese auf, dass wenigstens 80% aller i-Bildungen durch eine Argumentbildung realisiert würden. Insgesamt erwarteten wir drei verschiedene Reaktionen unserer Probanden. Entweder sie setzten das -i an das Ende des Kopfes oder an das Ende des Arguments oder sie verweigerten die i-Bildungen, weil das entstandene Wort gegen ihr subjektives Sprachempfinden rebellieren würde.
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A.2.2. Ergebnisse
Das Ergebnis des Prätests war vielschichtig. Wir waren gezwungen insgesamt sieben Ergebniskategorien einzuführen, obwohl wir nur mit drei gerechnet hatten. Wir die i-Bildung entweder mit dem Kopf, mit dem Argument oder überhaupt nicht hatten erwartetet. Zu unserem Erstaunen waren unsere Probanden jedoch wesentlich einfallsreicher als wir es uns hatten träumen lassen. Zu den drei erwarteten Ergebniskategorien kamen die folgenden vier dazu:
• Das i- wurde an das gesamte Lexem angehängt. Es wurde keine Verkürzung des Ursprungswortes durchgeführt (Bspl: Salzstreuer-i).
• Es wurden Mischformen gebildet. Bei denen keine klare Regel zu erkennen war (Bspl: Salzstreui oder Strei).
• An das Ursprungslexem wurde das Suffix -li angehängt. Es kam zu keiner Verkürzung (Bspl: Salzstreuer-li).
• Es wurde Unfug gemacht. Die gebildeten Worte hatten teilweise überhaupt keinen morphologischen Bezug mehr zum Ursprungslexem (Bspl: Salzstreuer Pfuiinsuppi, Taktgeber Diri, ...).
Es wurde ein Gesamtergebnis und vier Teilergebnisse für die jeweilige Kompositaklasse erhoben. Die vier Teilergebnisse sind die Ergebnisse für die exozentrischen Komposita, für die endozentrischen Komposita, für die unechten Rektionskomposita und für die Rektionskomposita. Bemerkenswert war hierbei, dass die Ergebnisse je nach Kompositaklasse stark variierten. Zu den einzelnen Ergebnissen.
Gesamtergebnis
Insgesamt wurden von uns 30 Fragebögen ausgeteilt, was einem Umfang von 646 Wörtern entspricht. Zu unserem großen Unmut wurden jedoch genau 20% aller Wörter überhaupt nicht bearbeitet. Zählt man dazu, das aus 11% aller Ursprungslexeme Unfug gemacht wurde, so springt sofort die nüchterne Bilanz ins Auge, dass ca. 1/3 der Wörter überhaupt nicht bearbeitet wurden. In 4% aller Fälle wurde das Suffix -li an das Ursprungslexem angehängt. Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet. Wir führen diese Ergebnis auf die Tatsache zu-
6
rück, dass wir im Kopf des Fragebogens nicht ausdrücklich darauf hin gewiesen haben, dass die zu schaffenden i-Bildungen eine Verkürzung des ursprünglichen Wortes sein sollen. Auf die gleiche Sorglosigkeit führen wir zurück, dass 12% aller Antworten das Ursprungslexem um ein -i verlängerten; auch etwas, womit wir nicht gerechnet hatten. Fehlt in der Galerie der Lösungen, mit denen wir nicht gerechnet hatten, noch die Mischformen. Aus 14% aller Ausgangslexeme wurden mehr oder weniger bizarre Mischformen gebildet, die uns nicht die erhofften Auskünfte über die i-Bildungs-Prozesse geben konnten. Zählt man dies alles zusammen, so kommen wir auf 61% nicht erwarteter und nicht gewollter Antworten. Was ist mit dem „kümmerlichen“ Rest? Wenigstens hier hat sich eine klare Tendenz abgezeichnet. 8% Kopfbildungen stehen 31% Gesamtergebnis, Diag. 1
in 1/3 aller Fälle, die Bearbeitung verweigert haben (Nix-20%, Quatsch-11%); dass sie in 1/3 aller Fälle zwischen Kopf und Argument gewählt haben; dass sie in 1/3 aller Fälle eine i-Bildungen redlich versucht haben, dafür aber weder das Argument noch den Kopf benutzten (Lexem+i 12%, Lexem+li 4%, Mischf. 14%). Somit haben sich drei verschiedene Lösungs-
strategien herauskristallisiert: Die Verweigerung, die Annahme und das Ausweichen. Das folgende Diagramm soll veranschaulichen, stark diese drei Strategien in den einzelnen Kompositaklassen variiert haben. 7
Arbeit zitieren:
Dr. Martin Giese, 2000, i-Bildungen bei exozentrischen Komposita, München, GRIN Verlag GmbH
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