Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
I. Allgemeines zum Itinéraire de Paris à Jérusalem 2
1. Hintergründe der Entstehung 3
a. Chateaubriands Beweggründe und Ansprüche: Die Vorworte als ein
Ausdruck des Anspruchs auf Authentizität. 4
b. Der Verlust von Authentizität ? : Der Reisebericht als Auftragsarbeit 5
II. Zur Gattung des Reisebericht 6
1. Die Tradition des französischen Reisebericht im 19. Jahrhundert 6
a. Programmatik, Stil und Form. 7
b. die Einordnung Chateaubriands in die Gattung: le voyage romantique im
Orient und der Einzug des Ich 9
III. Textanalyse. 11
1. le voyage romantique und das Andere : Orient und andere Völker:
Einige Textbeispiele aus dem Itinéraire. 11
a. culture’ versus sauvage’ 12
Conclusio 15
Bibliographie 16
Der französische Reisebericht im 19. Jahrhundert Stefanie Weege
___________________________________________________________________________ Einleitung
Das Seminarthema „Der französische Reisebericht im 19. Jahrhundert“, und mein im Rahmen dessen ausgearbeitetes Referat zu François-René de Chateaubriands Reisebericht Itinéraire de Paris à Jérusalem, dienten als Ausgangspunkt für die Entstehung der vorliegenden Arbeit.
Faszinierend waren dabei mehrere Tatsachen, besonders aber sie Spezifizität des Reiseberichts als jene Gattung, die eine „literarisierte Formen der Wahrnehmung des Anderen
und Fremden umfasst“. 1
Für Chateaubriand habe ich mich nicht nur aufgrund des angegebenen Referats entschieden, sondern auch, weil bei der Recherche zum Thema das Faktum seiner sozialen Herkunft besonders auffällig war. Dass es sich bei Francois René Vicomte de Chateaubriand um
jemanden handelt, dessen Familie der “ancienne noblesse de Bretagne“ 2 zugehörig war, galt mir als Anreiz, mehr über ihn und die Beweggründe hinter seiner Reise in Erfahrung zu bringen.
Als weitere Inspiration diente die Tatsache, dass es sich bei dem Itinéraire ein Stück weit um einen Gründertext handelt. Dass heißt, Chateaubriand war als reisender Literat, der
„inventeur du voyage tel qu’il sera praqtiqué au XIXe et au XXe siècle“. 3 Seine Reiseberichte zogen eine Welle von Nachahmern mit sich, und trugen somit - ob im positiven oder im negativen Sinne sei außenvorgestellt - dazu bei, den modernen Tourismus zu begründen. Chateaubriand beeinflusste das Genre des Reiseberichts, und babei insbesonders die
Auffassung des Anderen im Allgemeinen. 4 Der Themenkreis erwies sich als schier unerschöpflich, und viele sehr interessante Aspekte mussten jedoch wie so oft unerwähnt bleiben.
Vorliegende Arbeit soll in ihrem ersten Teil einleitend Auskunft über Allgemeines zum Itinéraire, sowie über die Hintergründe dessen Entstehung geben. Dabei werden sich Chateaubriands Beweggründe und Ansprüche unter dem Aspekt der Authentizität anhand der Vorworte zu den ersten Ausgaben erläutert finden. Der zweite Teil soll der Gattung des Reiseberichts zugutekommen und einzelne Merkmale in der Tradition des französischen
1 Wolfzettel, Friedrich. Reiseberichte und mythische Struktur : Romanistische Aufsätze 1983-2003. Stuttgart : Franz Steiner Verlag, 2003 : 10.
2 Letessier, Fernand. Einleitung in: Chateaubriand, François-René de. Itinéraire de Paris à Jérusalem. Paris : Les Productions de Paris, 1963 : 9-21 (hier : 10).
3 Todorov, Tzvetan. Nous et les autres: la réflexion française sur la diversité humaine. Paris : Éditions du Seuil, 1989 : 315.
4 Vgl. ebda.
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Der französische Reisebericht im 19. Jahrhundert Stefanie Weege
___________________________________________________________________________ Reiseberichts des 19. Jahrhunderts beleuchten. In diesem Sinne sollen auch Programmatik, Stil und Form angerissen werden, um dann schließlich zu einer Einordnung Chateaubriands in die Gattung, und hier insbesondere die Reise in der Romantik, und die Reise als Ich-orientierter Prozess, dargelegt werden. Dabei wird die Rolle des Orients verstärkt im Vordergrund stehen. Der dritte Teil schließlich wird der Textanalyse im eigentlichen gewidmet sein. Hierbei sollen ‚voyage romantique‘ in Verbindung mit der Auffassung des Orients und der Darstellung des Anderen präsentiert werden. Den Abschluss werden einige Ausführungen zu Chateaubriands Charakterisierung anderer Völker als „culture“ und „sauvage“ bilden. Die in der Arbeit verwendeten Textbeispiele werden sich auf Beispiele aus dem Itinéraire beschränken.
I. Allgemeines zum Itinéraire de Paris à Jérusalem
Laut Fernand Lettessier ist es die „vocation d’explorateur“ 5 die Chateaubriand dazu bringt, das stattliche Projekt einer Orientreise anzutreten. Im Zuge dieser Reise wird François-René de Chateaubriand zum Pilger, der die heilige Reiseroute nach Jerusalem antritt. Mit seinem Itinéraire unternahm Chateaubriand allerdings nicht nur eine religiöse Reise, sondern auch eine kulturelle, im Zuge dessen er auch eine Suche nach dem Ich, nach dem
Selbst in verwirklichte. 6
Gemäß Friedrich Wolfzettel entdeckte Chateaubriand „geradezu an der Schwelle zur Romantik die Magie der räumlichen Weite, der Welt, die als Ab- und Sinnbild kosmischer
Größe und göttlicher Unendlichkeit fungiert“. 7 Und so soll das Itinéraire schließlich „Livre de voyages et d’aventures, livre d’art, livre d’histoire, livre de pensée et de foi, livre
simplement humain“ werden. 8 Und genau jene Aspekte erschließen sich dem Leser bei der Lektüre von Chateaubriands Werk, welches sich nach und nach als ein sich ganz in die Tradition des 19. Jahrhunderts passender Reisebericht entpuppt.
Über jene Gattung des Reiseberichts soll schließlich eine Annäherung an die Problematik der Darstellung, bzw. der Stellung des Anderen, oder des Fremden im Reisebericht erfolgen.
5 Letessier, in : Chateaubriand, 1963 : 9-21 (hier : 11).
6 So sagte Todorov bspw das während Chateaubriands voyage d’Amérique von 1791 noch die Reise eines „homme jeun et naïf“ war, sich die Reise in den Orient „se place dans sa maturité “. Vgl. Todorov, 1989 : 316.
7 Wolfzettel, Friedrich. Ce désir de vagabondage cosmopolite: Wege und Entwicklung des französischen Reiseberichts im 19. Jahrhundert. Tübingen: Max Niemeyer Verlag, 1986: 81.
8 Letessier, in : Chateaubriand, 1963 : 9-21 (hier : 21).
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Der französische Reisebericht im 19. Jahrhundert Stefanie Weege
___________________________________________________________________________ Hintergründe der Entstehung 1.
1811 wurde Chateaubriands Werk L’Itinéraire de Paris à Jérusalem et de Jérusalem à Paris, en allant par la Grèce et en revenant par l’Egypte, la Barbarie et l’Espagne - so der ‘schwerfällige’ und ‘ skrupulöse’ Titel 9 - erstmals veröffentlicht. Es handelte sich dabei um Notizen zu Reiseeindrücken, eines ganzen Jahres - von Juli 1806
bis Juni 1807. 10
Insgesamt präsentiert sich der Bericht als „Reise mit Reisen“, indem Chateaubriand, wie bereits der Titel des Werkes zeigt, einen konkreten Ausgangspunkt, ein konkretes Ziel, sowie mehrere Ziele als ‚Zwischenstationen‘ angibt, um schließlich fast den gesamten
Mittelmeerraum abzudecken. 11 Das Tagebuch ist hierbei in 7 Teile unterteilt: als ersten, die „Voyage de la Grèce“, die den umfangreichsten Teil einnimmt, die „Voyage de l'Archipel, de l'Anatolie et de Constantinople“ als zweiten Teil , die „Voyage de Rhodes, de Jaffa, de Béethléem et de la Mer Morte“ als dritte Station, die „Voyage de Jérusalem“ als zweiteilige Station bildet den vierten und fünften Anlaufpunkt, um schließlich mit der „Voyage d'Egypte“ und der „Voyage de Tunis et retour en France“ zu enden.
Bei der Beschäftigung mit gerade diesem Werk - geschrieben in einer Zeit, in der das Reisen in vielerlei Hinsicht keineswegs als ein müheloser Vorgang zu betrachten ist - drängt sich besonders eine Frage auf: Welche Beweggründe hatte Chateaubriand diese Reise anzutreten? Nun soll sich diese Arbeit nicht anschicken, Spekulationen über Chateaubriands Absichten in ihrer Gesamtheit und Vollständigkeit darzulegen, dennoch erscheint es relevant für diesen Kontext, zumindest ein wenig auf die von Chateaubriand selbst verfassten Vorworte zu den ersten drei Auflagen des Itinéraire einzugehen. Mit Hilfe dieser wird es möglich, einen ersten Eindruck entstehen zu lassen, welcher sich gleichsam als hilfreich für eine Einordnung in eine literarische Epoche, sowie in die chateaubriandsche ‚Denkweise‘ und Themenkreise erweisen soll.
9 Vgl. Mourot, Jean. Einleitung in: Chateaubriand, François-René de. Itinéraire de Paris à Jérusalem. Paris : Garnier-Flammarion, 1968 : 11-28 (hier: 11).
10 Chateaubriands beginnt seine Reise in Paris, am 13. Juli 1806 und betrittt am 5. Mai 1807 in Bayonne wieder französischen Boden „après avoir fait le tour entier de la Méditerranée“. Vgl. Chateaubriand, 1968 : 442.
11 Vgl. Wolfzettel, 1986: 101.
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Der französische Reisebericht im 19. Jahrhundert Stefanie Weege
___________________________________________________________________________ a. Chateaubriands Beweggründe und Ansprüche: Die Vorworte als ein Ausdruck des Anspruchs auf Authentizität 12
Chateaubriand Vorwortgebung fügt sich in die literarische Tradition ein 13 , denn zu seiner Zeit, so Berchet, unterlag das Reisen noch keiner Selbstverständlichkeit, und musste sich erst mit einer Erklärung des Reisegrunds im Vorwort bestätigt, bzw. gerechtfertigt
finden. 14
So betont Chateaubriand : „Je n’ai point fait un voyage pour l‘écrire; j’avais un autre dessein :
ce dessein, je l’ai rempli dans les Martyres. J’allais chercher des images. Voilà tout“. 15 µJ’avais arrêté le plan des martyrs : la plupart des livres de cet ouvrage étaient ébauchés ; je ne crus pas devoir y mettre la dernière main avant d’avoir vu le pays où ma scène était
placée“ [...] 16 Chateaubriand machte sich folglich auf, Bilder für sein Werk les Martyrs, ou le Triomphe de la religion chrétienne zu sammeln, um dieses kompetenter, exakter und vor allem anschaulicher ergänzen zu können. 17
Chateaubriands Schilderung beruft sich auf Bescheidenheit und sagt, der Text nicht zusammengefügt, sondern begnügt sich mit dem Sammeln von Bildern, mit Eindrücken und Gedanken, mit Tatsachen und Ereignissen, gemäß dem chronologischen Ablauf des Itinéraire,
12 Zum Thema „vermeintliche Authentizität“ siehe auch Jaeghere, Michel de. Le Menteur Magnifique : Chateaubriand en Grèce. Paris : Les Belles Lettres, 2006. Jaeghere schlug die von Chateaubriand bereiste Route ein, um die Reise zu rekonstruieren.
13 Vgl. Berchet, Jean-Claude. „La préface des récits de voyage au XIXème siècle“, in : Tverdota, György (Hrsg.). Écrire le Voyage. Paris : Presses de la Sorbonne Nouvelle, 1994 : 3-15. (hier : 4). Berchet unterstreicht in diesem Kontext, dass sich fast kein Reisebericht ab dem Ende des 18. Jahrhundert ohne Préface präsentiert. Vgl. ebda.
14 Vgl. ebda. Berchets Erklärung scheint jedoch zwiefelhaft, in Anbetracht der Tatsache, das das Reisen auch vor dem 19. Jahrhundert sicherlich auch keine Selbstverständlichkeit war, aber dennoch ohe Vorwort auskam.
15 Chateaubriand, 1968 : 41. „Préface de la première édition (1811).
16 Ebda. : 54. (Voyage de la Grèce)
17 Interessant ist in diesem Zusammenahng Tarek El-Ariss Betonung des Schreibprozesses bei diesem Werk, als ein “motor for the movement across space and time”. Vgl: El-Ariss, Tarek. „L'Itinéraire de Paris à Jérusalem de Chateaubriand: L'invention du voyage romantique“ (review). Nineteenth Century French Studies 37. 3 & 4 (2009) : 328-329. (Als Buchbesprechung zu : Guyot, Alain / Roland Le Huenen. L'Itinéraire de Paris à Jérusalem de Chateaubriand: L‘invention du voyage romantique. Paris: Presses de l'Université Paris-Sorbonne, 2006.)
18 Chateaubriand, 1968 : 48. „Préface de la troisième édition“ (1827).
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Arbeit zitieren:
Stefanie Weege, 2009, Die Suche nach dem ‘Ich’ ? Darstellungsweisen des Anderen im französischen Reisebericht des 19. Jahrhunderts am Beispiel von François-René de Chateaubriands 'Itinéraire de Paris à Jérusalem', München, GRIN Verlag GmbH
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