INHALTSVERZEICHNIS
1. Motiv, Ziel und Gliederung der Arbeit. 4
1.1 Eigene Betroffenheit, Biographie und Erfahrung. 6
1.2 Aufarbeitung eigener Erfahrungen und Umsetzung in pädagogische Aufgaben. 9
2.0 Kindheit - Begriffsdefinitionen. 11
2.1 Kindheit im geschichtlichen und sozialen Kontext. 13
2.2 Kindheit damals und heute. 17
2.3 Die Gegenwart: Veränderte Kindheit. 19
2.4 Der Status von Kindheit 26
3.0 Globalisierung als gesellschaftliches Problem. 29
3.1 Globalisierung nach Ulrich Beck. 30
3.2 Das Individualisierungstheorem nach Ulrich Beck. 31
3.3 Migration als gesellschaftliches Problem. 33
3.4 Globalisierung und Wandel der Kindheit. 38
3.5 Die Gegenwart: Aufwachsen von Kindern in unterschiedlichen Kulturen. 40
4.0 Familie und Familienkonstellationen - Begriffsdefinition. 42
4.1 Zur Bestimmung von Familie. 44
4.2 Das System Familie. 45
4.3 Zur Sozialisationsfunktion von Familie 47
4.4 Familie im Wandel: Mütter und Berufstätigkeit. 49
4.5 Die neuen Väter. 50
4.6 Kinder ohne Geschwister. 52
4.7 Frühe Bindungen und Sozialisation. 53
4.8. Sozialisation. 55
4.9. Multikulturelle Familien 56
4.9.1 Die multikulturelle Familie als Sozialisationsraum. 57
4.9.2 Formen der multikulturellen Familie. 60
5.0 Kindheit und multikulturelle Identität. 61
5.1 Identität. 63
5.1.1 soziale Wahrnehmung und Selbstbild. 64
5.1.2 soziale Rolle und Rollendistanz 65
5.1.3 das interaktionistische Modell. 66
5.2 Entwicklung von multikultureller Identität. 67
5.3 Umgang mit kulturellen Klischees und kulturellen Stereotypen. 69
5.4 Identität als Entwicklungsaufgabe in der Kindheit. 71
5.5 Identität als Lebensaufgabe. 74
6.0 Probleme von Kindern multikultureller Herkunft. 76
6.1 Schulische Sozialisation und Schulangst. 76
6.2 Eltern-Kind-Beziehung im Wandel. 77
7.0 Multikulturelle Identität als pädagogische Aufgabe. 78
7.1 Multikulturelle Identität als Problem und Aufgabe der
Familienbildung und Familienberatung 79
7.2 Umgang mit multikultureller Identität als Aufgabe pädagogische Einrichtungen (Kita, Schule) 82
8.0 Fazit und Ausblick. 84
9.0 Literaturverzeichnis. 87
1.0 Motiv, Ziel und Gliederung der Arbeit
[...]
1.1 Eigene Betroffenheit, Biographie und Erfahrung
[...]
1.2 Aufarbeitung eigener Erfahrungen und Umsetzung in pädagogische
Aufgaben.
[...]
2.0 Kindheit- Begriffsdefinitionen
Im nun folgenden Kapitel dieser Arbeit wir nun der Begriff Kindheit definiert.
Die Kindheit ist definiert als "die sich der Embryonalzeit anschließende
Lebensphase zwischen Geburt und Eintritt der Geschlechtsreife." Nach der
Kindheit beginnt die Phase der Jugend. Im rechtl. Sinne endet die Kindheit des
Menschen mit Erreichen des 14. Lebensjahres (Jugendliche). Für den einzelnen
Menschen (auch Anthropologie) ist die K. - hpts. durch das Zusammentreffen
biolog. Reifungs- und soziolog. Prägungsprozesse- der entscheidenste Abschnitt
seiner körperl., seel. und geistigen Entwicklung. (Meyers Lexikon 1973, S.
493) Dementsprechend ist die Kindheit eine Alters- und Entwicklungsphase, in
Abgrenzung zum Erwachsenenalter, mit ihren besonderen Eigenheiten, welche
geprägt ist durch spezifische Bedürfnissen von Seiten des Kindes. Kindheit
finden zu einem großen Teil in der Familie statt. Die Familie gilt - nach
Franz Weinert - als das wichtigste Milieu für kindliche Entwicklung. Die
wichtigsten Merkmale des Modells, welches er entworfen hat, lauten "1.) Das
emotionale Klima, das ein Kind umgibt, prägt seine Persönlichkeitsentwicklung."
(Renner 2001, S. 102)
Das emotionale Klima hilft dem Kind, seine geistigen Fähigkeiten, wie Piaget
sie in seinem Modell der Entwicklungsstufen, angefangen von der
sensumotorischen Phase, über die präoperationale Phase, die sich
anschließende Phase der konkreten Operation und der abschließenden Phase der
formalen Operationen beschreibt zu entwickeln. (vgl. Gudjons 1999, S. 126)
Kinder haben aufgrund ihrer kognitiven Fähigkeiten, wie Piaget sie beschreibt,
eine andere Wahrnehmung ihrer eigene Person sowie der Umwelt und ihrer
jeweiligen Beziehungspersonen.
Sie sind aufgrund ihres Entwicklungsstandes (noch) nicht in der Lage zu
unterscheiden, welche Emotionen sich auf die eigene Person beziehen. Insofern
ist ein gutes emotionales Klima in der Familie entscheidend wichtig für eine
gesunde Entwicklung des Kindes.
"2.) Sowohl direkte Verhaltensweisen als auch Einstellungen der Eltern dem
Kind gegenüber beeinflussen seine psychische Entwicklung. Einstellungen wirken
dabei stärker, da das Kind sie durch die Verhaltensweisen der Eltern
hindurchspürt." (Renner 2001, S. 102)
"3.) Auch Einstellungen der Eltern, die nicht auf das Kind selbst gerichtet
sind, z.B. dem Ehegatten, anderen Familienmitgliedern, dem Beruf gegenüber,
können die psychische Entwicklung des Kindes günstig oder ungünstig
beeinflussen." (ebenda)
"4.) Die Familie stellt für das Kind einen Filter
für Gesellschaft und Kultur dar, die dem Kind in familienspezifischer Form
übermittelt werden und so auf die psychische Entwicklung eines Kindes Einfluss
nehmen können." (ebenda) Eine der prägendsten Erfahrungen des Kindes finden
somit in der Familie statt: "Was Familie (und Familienerziehung) ist, wie
Familie in den Blick gerät und verhandelt wird, ist historisch spezifisch, ist
von Menschen unter konkreten Bedingungen hervorgebracht und damit auch
veränderlich (vgl. Mollenhauer/Brumlik/Wudtke 1975)." (Krüger 2004, S.204)
"Im aktuellen Alltagsverständnis unseres Kulturkreises bezeichnen wir mit
Familie das nicht berufsförmige Zusammenleben von über Ehe bzw. Partnerschaft
und Verwandtschaft bzw. Nachkommenschaft verbundene Personen, also eine private
Lebensform von Eltern und ihren Kindern. Familienerziehung meint dabei nicht
die Formen der erzieherischen Einflussnahme auf die Familie (z.B. in
Elternschule und Elternratgeber), sondern die Absichten und Einwirkungen der
Eltern auf die Entwicklung ihres Kindes bzw., ihrer Kinder." (Krüger 2004,
S. 204)
Generell gilt, dass innerhalb der Familie die Beziehungen unter den Personen,
welche speziell der sogenannten Kernfamilie angehören, unkündbar ist.
Dementsprechend herrscht eine emotionale Bindung zu den blutsverwandten
Personen.
Im Folgenden soll nun im Anschluss an die Begriffsdefinition von Kindheit, zu
aller erst die Kindheit im geschichtlichen und sozialen Kontext beleuchtet
werden (2.1). Anschließend folgt eine vergleichende Beobachtung von Kindheit
damals und heute (2.2). Unter 2.3 wird die Gegenwart von Kindheit beleuchtet
und unter 2.4 werden danach theoretische Zusammenhänge über den Status von
Kindheit dargestellt.
2.1 Kindheit im geschichtlichen und sozialen Kontext
"Ariès hat mit seiner ,Geschichte der Kindheit′ aufmerksam gemacht, dass die
gesellschaftliche Einschätzung der Kindheit einem historischen Wandel
unterworfen ist." (Renner 2001, S. 145)
Die Vorstellung davon, dass Kinder Individuen sind; menschliche Wesen, welche
aufgrund ihrer Persönlichkeit einzigartig seien, hat es nicht immer gegeben.
In der Gegenwart kommt uns dies selbstverständlich vor, doch die Vorstellungen
von Kindheit und Erziehung haben sich erst allmählich entwickelt. Im
Mittelalter herrschte eine andere Vorstellung von Erziehung vor:
"Es hat also vom Mittelalter an Jahrhunderte gedauert, ehe die Vorstellungen
von Persönlichkeit, Erziehung und Bedeutung des Kindes, so wie sie heute
bestehen, verwirklicht wurden. Im Frühmittelalter herrschte die Ansicht vor,
dass Kinder weder Persönlichkeit noch Individualität besitzen und dass jeweils
ein Kind durch ein anderes zu ersetzen sein. Heute überwiegt die Vorstellung
von der Einmaligkeit und der unverwechselbaren Persönlichkeit eines Kindes
..." (Hurrelmann/ Bründel 2003, S. 61)
Kindheit wie wir sie heute kennen, hat es nicht immer gegeben. Kindheit ist im
Zuge gesellschaftlicher Veränderungen innerhalb der modernen
Industriegesellschaft entstanden. "Es war die Vorstellung von Bildung und Erziehung zur ′reifen
Persönlichkeit′, die bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zur Entstehung des
Begriffs ,Kindheit` führte. Kinder nahmen nun nicht mehr direkt am
Erwachsenenleben teil, sondern wurden in speziellen Einrichtungen drauf
vorbereitet." (Hurrelmann/ Bründel 2003, S. 60)
Kindheit ist geschichtlich bedingt und eine in einem bestimmten sozialen
Kontext entstanden und konstituiert worden. Im Vergleich zu früher hat sich
Kindheit stark verändert, d.h. Kindheit ist einem Wandel unterworfen. (vgl.
Schottmayer 2000/2001, S. 7/1)
Wie bereits unter 1.2 zur Begriffsdefinition dargestellt und erläutert, ist
Kindheit u.a. auch historisch bedingt.
Kindheit ebenso im geschichtlichen wie im sozialen Kontext zu betrachten, ist
wichtig, da aus diesem Blickwinkel die Unterschiede, in welcher Weise Kinder
ihre Kindheit in den verschiedenen Generationen erlebt haben, aufgezeigt werden
können.
Vergleicht man die Kindheit in der heutigen Zeit mit jener im frühen
Mittelalter, im späten Mittelalter, im industriellen Zeitalter sowie der
heutigen Zeit, so stellt man fest, dass sich diese in erheblichen Maße
gewandelt hat und es noch immer tut. Postmann erklärt in seinem Werk "Das
Verschwinden der Kindheit" aus dem Jahre 1982, warum es Kindheit im
Mittelalter nicht gegeben hat: "Fehlen der Literalität, Fehlen einer Idee
von Erziehung, Abwesenheit von Schamgefühl - dies sind die Gründe dafür,
dass es in der Welt des Mittelalters keine Vorstellung von Kindheit gab."
(Postmann 1982, S. 27)
Die Kinder wuchsen somit in einer Familie auf, in der auf die Fähigkeit des
Lesens und Schreibens wenig Wert gelebt wurde. Erziehung wie wir sie in der
heutigen Zeit kennen, gab es nicht und eine gewisse Schamgrenze, auf die heute
viel Wert gelegt wird, wurde häufig nicht eingehalten.
"Die Sprache der Erwachsenen und der Kinder war die gleiche. Hinweise auf
eine besondere Kindersprache tauchten nicht vor dem 17. Jahrhundert auf, dann
allerdings sehr häufig. Und deshalb auch ging die Mehrzahl der Kinder nicht
zur Schule, denn es gab nichts Wichtiges, was sie dort hätten lernen können;
die meisten wurden von zu Hause fortgeschickt, um bei einem Herrn Dienst zu tun
oder um als Lehrling zu arbeiten." (Postman 1982, S. 29)
Die Umstände, unter denen die Menschen im Mittelalter lebten, waren andere als
in unserer modernen Gesellschaft. Dies muss in die Überlegungen über den
Wandel von Kindheit einbezogen werden:
"Natürlich müssen wir hier auch die Härte der Lebensumstände und vor
allem die hohe Kindersterblichkeit berücksichtigen. Zum Teil auch wegen der
geringen Überlebenschancen der Kinder entwickelten die Erwachsenen nicht jene
emotionale Beziehung zu ihnen (und konnten es auch nicht), die wir für normal
halten." (Postman 1982, S.27)
Dies bedeutet, dass demnach ein gravierender Unterschied zwischen der Kindheit
im 17. und 18. Jahrhundert - wie in dem Werk von Philippe Ariès, "Die
Geschichte der Kindheit" beschrieben - und der Kindheit heute festzustellen
ist. Aufgrund der technischen Entwicklung und der hervorragenden medizinischen
Versorgung in der modernen Zeit, ist die Kindersterblichkeit in Europa
vergleichsweise gering. Dementsprechend wird in der heutigen Zeit von Geburt an
eine enge Bindung zum Kind aufgebaut. Verständnis und Empathie für die
spezifischen Bedürfnisse der Kindes stehen bei der Erziehung im Vordergrund.
Der Anspruch von Seiten der Eltern in Bezug auf Erziehungsfragen und
Erziehungsberatung ist hoch. Des weiteren ist die Anzahl der Kinder, die in der
durchschnittlichen europäischen Familie leben bei Weitem geringer als im 17.
und 18. Jahrhundert.
Demnach werden die Kinder in größerem Maße individuell betreut und
befördert und die Erwachsenen Erziehungsberechtigten sind im positiven Falle
sehr daran interessiert, eine stabile emotionale Bindung zu ihren Kindern
aufzubauen. Kinder werden nicht mehr wie "kleine Erwachsene" behandelt. Sie
haben ihre eigene Sprache, eigene Spiele und tragen altersspezifische Kleidung.
Des Weiteren stellen die Kinder - nicht so wie früher oder in anderen z.B.
afrikanischen Kulturen - keine Altersversorgung mehr für die Erwachsenen dar.
Das Rentensystem sichert anstelle der Kinder den Lebensunterhalt der Eltern
bzw. der Erziehungsberechtigten.
Die Einbußen, welche Kinder in der damaligen Zeit als gegeben hinnehmen
mussten, bedeutet auf der einen Seite, dass Kinder wie Erwachsene behandelt
wurden, d.h. sie genossen nicht den Schonraum der Kindheit, wie es die Kinder
in der heutigen Zeit tun, so befähigt ihr Aufwachsen unter diesen widrigen
Umständen sie ggf. trotzdem oder gerade aufgrund der problematischen und
negativen Erfahrungen in der Familie zu mehr Autonomie, Entscheidungsfähigkeit
und Reife, so wie eine gewissen Ernsthaftigkeit.
Kinder, die in früherer Zeit in den Familien aufwuchsen, waren quasi gezwungen
-und zwar um ihrer selbst Willen - sich mit komplizierten Problemen des
alltäglichen Lebens auseinander zu setzen.
Erhalten sie hierbei pädagogische Unterstützung, von Seiten pädagogischen
Einrichtung sowie des Freundes und Bekanntenkreises und vielleicht auch von
Teilen der Familie - so muss die Zukunft dieser Personen nicht zwingender
maßen negativ sein, sondern kann sich durchaus auch zum positiven wenden.
Insofern ist es nach meiner persönlichen Meinung wichtig, auch die positiven
Eigenschaften der früheren Generation - ohne die Einbußen welche die Erziehung
früher auf die kindliche Entwicklung hatte - auszuklammern oder gar
auszublenden.
So standen in der damaligen Zeit die hauswirtschaftlichen Fähigkeiten im
Vordergrund, welche die spätere Generation weniger als wichtige Fähigkeit
ansieht. Die Interessen richten sich bei der nachfolgenden Generation auf
andere Bereiche, wie beispielsweise den technischen Bereich.
Eine der wichtigsten Unterschiede zwischen der Kindheit, wie sie sich heute
darstellt und der Kindheit früher ist, dass Kinder in früheren Zeiten zur
Belustigung und Unterhaltung der Erwachsenen quasi missbraucht wurden. (vgl.
Postman, S. 27) Es wurde kaum Rücksicht auf die entwicklungsspezifischen
Eigenheit der Kindern und den jeweils dazugehörigen Bedürfnissen genommen.
Von Wolfgang Amadeus Mozart beispielsweise weiß man, dass er von seinem Vater
Leopold Mozart regelrecht vermarktet wurde. Wie ein "dressierter Affe" mit
seinem überdurchschnittlich gutem musikalischen Können auf dem Klavier sowie
der Geige wurde er vor Erwachsenem Publikum vorgeführt. Eine Kindheit, wie wir
sie heute kennen, hat er demzufolge nicht gehabt.
"Wolfgang Amadeus Mozart (1756-91) war ein Wunderkind und wurde von seinem
Vater Leopold, einem berühmten Geiger, regelrecht vermarktet. Sein Verhältnis
zum Vater war nie ganz spannungsfrei."(Rademacher 2002, S. 85) Dieses
Beispiel eines berühmten Musikers - Wolfgang Amadeus Mozart, er lebte von 1756
bis 1791 - dient an dieser Stelle als Veranschaulichung der Situation des
Kindes im 18. Jahrhundert.
2.2 Kindheit damals und heute
Beschäftigt man sich mit dem Thema Kindheit und der Art und Weise, wie sich
Kindheit verändert hat, so ist ein Vergleich zwischen der Kindheit damals und
der heutigen Kindheit von Nöten.
Die Kindheit in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gestaltete sich anders
als die Kindheit heute. Es gab beispielsweise die Kindheit in der sogenannten
Großbürgerfamilie, die Kindheit in einer Kleinbürgerfamilie und die Kindheit
in einer sogenannten Häusler-(Kleinbauern-)familie. (vgl. Schottmayer
2000/2001, S.3/1)
"Hiervon setzt sich fast 150 Jahre später, als auch in Deutschland ein
verpflichtendes Schulsystem etabliert ist, die Bewegung der ,Reformpädagogik`
ab. Sie betrachtet Kinder nicht mehr als defizitäre Wesen, die nur durch
Erziehung zu vollständigen Subjekten werden können, sondern proklamiert zum
ersten Mal eine Vorstellung von der ,Autonomie` des Kindes. Ein Denken ,vom
Kinde aus` soll in Arbeitsschulen, Landerziehungsheimen und im
handwerklich-künstlerischen Unterricht verankert werden. Konzepte wie Erleben,
Selbstschöpfung, Gegenwart und kreative Spontanität des Kindes brechen mit
der traditionellen Vorstellung des Kindes als ,Objekt der Erziehung` (Honig
1999, S. 49) (Hurrelmann, Bründel 2003, S.63) "Das 20. Jahrhundert soll nach
der Vorstellung der schwedischen Reformpädagogin und Feministin Ellen Key zum
`Jahrhundert des Kindes´ werden, wie ihr 1902 erschienenes Buch heißt
(Andresen 1994; Key 1992). Key setzt sich für die Anerkennung des Kindes als einer
sich entwickelnden Persönlichkeit ein. Sie fordert eine Verwissenschaftlichung
der Erziehung in Familie, Kindergarten und Schule und eine Aufwertung der Rolle
von Müttern und verlangt zugleich ein Verbot von körperlicher Züchtigung und
Misshandlung der Kinder und eine umfassende Schutzgesetzgebung." (Hurrelmann,
Bründel 2003, S. 63)
Die Prügelstrafe wurde somit nicht mehr als Erziehungmittel toleriert.
Vielmehr war die körperliche Züchtigung des Kindes fortan verpönt. "Bis
zur Mitte des 20. Jahrhunderts steigert sich diese Vorstellung von der
Autonomie der kindlichen Entwicklung teilweise bis zu einem Mythos des Kindes
als reines Wesen und moralisches Vorbild des Erwachsenen. Ihren Ausdruck findet
diese Vorstellung in den zuerst 1950 erschienenen Schriften von Maria
Montessori (1994), in denen auf die völlige Andersartigkeit von Kindern
gegenüber Erwachsenen und ihr seelisches Leiden gegenüber den
Erziehungsansprüchen der
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2008, Kindheit im Wandel unter besonderer Berücksichtigung von Problemen in der Familie, München, GRIN Verlag GmbH
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