1. Einleitung 3
2. Die Geschichte des Fußballs 3
2.1 Entwicklung und Frühgeschichte des Ballsports 3
2.2 Fußball im europäischen Mittelalter 4
2.3 Der moderne Fußball 5
3. Ausdifferenzierung von Fankultur 6
4. Hooligans 7
4.1 Historie und etymologische Ansätze 7
4.2 Charakterisierungen 10
4.2.1 Erscheinungsbild von Hooligans 11
4.2.2 Gewalt 12
4.2.2.1 Definition und gesellschaftlicher Stellenwert von Gewalt 12
4.2.2.2 Gewaltmotive 14
4.2.2.3 Hooligans und Gewalt 15
4.2.3 Provokation und Rassismus 18
4.3 Polizei und Medien 20
5. Fazit
21
2
1. Einleitung
Fußball als Sportart begeistert Millionen von Menschen und ist aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Neben dem sportlichen Event und seiner marktwirtschaftlichen Bedeutung, sind es in erster Linie die Fußballfans, die zu dieser Begeisterung als Massensportart und der erfolgreichen, länderübergreifenden Popularität beitragen. War im Jahr 2006 die „Welt zu Gast bei Freunden“, so lässt sich die dunkle und ungeliebte Seite dieser Sportart nicht verdecken. Hooligans, als aggressive und Gewalt befürwortende Gruppe unter den Fußballanhängern, sorgen in der Medienlandschaft immer wieder für Schlagzeilen. In meiner Ausarbeitung möchte ich mich diesem Phänomen annähern und aufzeigen, wo sich die historischen Wurzeln dieser Fans befinden, welchen Bezug Gewalt zum Fußball hat und welchen Stellenwert, sprich Bedeutung Gewalt innerhalb der Hooliganszene einnimmt. Dabei möchte ich mich an die geschichtlichen Bezüge des Fußballs und seiner Anhängerschaft annähern, da sie einen wichtigen Stellenwert für den modernen Fußball und seine Fangruppierungen haben. Für die Bestimmung von Gewalt auf Seiten der Hooligans, halte ich es außerdem für wichtig, einen Blick auf das gesellschaftliche Bild von gewalttätigem Verhalten zu werfen. Ebenso werde ich einen, meiner Meinung nach besonders wichtigen Erklärungsansatz für Gewalt beleuchten. Zum Ende meiner Ausarbeitung widme ich mich noch dem Thema des Rassismus innerhalb der Fußballfans und dem Verhältnis zwischen Hooligans und Polizei bzw. Medien.
2. Die Geschichte des Fußballs
Die Geschichte des Fußballs ist eine lange und bewegte Geschichte, in deren Fahrtwasser die Zuschauer und die Partei ergreifenden Fans eine entscheidende Rolle einnehmen. In den historischen Dokumenten gibt es zahlreiche Überlieferungen über diverse Arten von Ballspielen und so ist es nicht verwunderlich, wenn man den Fußball als eine der ältesten Sportarten der Welt einstufen kann.
2.1 Entwicklung und Frühgeschichte des Ballsports
Schon im Jahre 2697 v. Chr. stellt der chinesische Kaiser Huang-Ti die ersten Regeln für das ts’uh küh, „den Ball mit dem Fuß stoßen“, auf. 1 Im weiteren Verlauf der Geschichte wurde
1 vgl. Stemmler, Theo (1998): Kleine Geschichte des Fußballspiels, Frankfurt a.M. S.14-15
3
Fußball immer populärer und breitete sich weltweit aus. Wobei man davon ausgehen muss, dass sich diese Sportart an den unterschiedlichen altzivilisatorischen Plätzen dieser Erde getrennt voneinander entwickelte. So gibt es auch Berichte von Ballspielen bei den Griechen, Römern, der japanischen Version dem Kemari und Variationen des Ballsports bei den Mayas und Azteken. Vielfach lassen sich Verbindungen zwischen dem Spiel und mythologische und kultische Handlungen ziehen. Waren es bei den mittelamerikanischen Kulturen vielmals Menschenopfer, die im Zusammenhang mit Ballspielen dem Sonnengott geopfert wurden, ist es bei der friedlichen Variante des japanischen Kemari die Aufgabe der vier bis acht Spielers gewesen: „ […] den Ball mit Hilfe der Füße möglichst lange in der Luft zu halten, ohne einen Mitspieler zu berühren.“ 2 Stemmler erklärt den mythologischen Aspekt so: „Es wird in spielerischem Ritual versucht, den Ball [=die Sonne] vor dem Herabfallen [= dem Untergehen] zu bewahren.“ 3
2.2 Fußball im europäischen Mittelalter
Auch in Europa entwickelte sich der Fußball. Er erlebte im Mittelalter in den nördlichen Gebieten Frankreichs und in England eine neue Blütezeit. Die Urform des Fußballs nannte sich hier „Soule“ oder „Choule“ und Stemmler hält fest, dass die erste urkundliche Erwähnung im Zusammenhang mit dieser Spielart tragischer Natur sei. So ist in einer lateinischen Chronik des Jahres 1137 festgehalten, dass ein teilnehmender Junge durch Fußtritte zu Tode gekommen sei. 4 Die ersten Formen des europäischen Fußballspiels sind von hartem körperlichen Einsatz und einer Vielzahl von Verletzten und Toten geprägt. Es fehlte an klaren und ordnenden Regeln, die übergreifend für die verschiedenen Austragungsorte galten. Außerdem gab es keine Trennung von Spielern und Zuschauern. Dies ist eine wichtige Tatsache für die weitere Entwicklung des Fußballs und seiner Fans, hinsichtlich meiner Ausarbeitung. Diese traditionelle und volkstümliche Art des Fußballspiels war eine Mischung aus dem uns heute bekannten Fußball, Rugby und Völkerball. Das Spiel folgte keinem Regelwerk, war hart, schnell, impulsiv, gewalt- und körperbetont und Verletzungen waren an der Tagesordnung. Todesfälle stellten wohl auch keine Seltenheit dar. Ein abgegrenztes Spielfeld gab es nicht. Stattdessen gab es Kämpfe benachbarter Dörfer oder innerstädtische Kämpfe rivalisierender Clans, die sich über mehrere Kilometer erstreckten. Hierzu beschreibt Broder-Jürgen Trede: „Die Grenzen zwischen Zuschauern und Akteuren waren dabei meist
2 Stemmler, Theo (1998): Kleine Geschichte des Fußballspiels, Frankfurt a.M. S.20
3 Stemmler, Theo (1998): Kleine Geschichte des Fußballspiels, Frankfurt a.M. S.20
4 vgl. Stemmler, Theo (1998): Kleine Geschichte des Fußballspiels, Frankfurt a.M. S.30
4
fließend. Der Spielzweck lag darin, im Sieg über den Gegner Kraft und Fruchtbarkeit für die eigene Gemeinde zu sichern. […] Das Spiel endete entweder zu einem vorbestimmten Zeitpunkt oder, wenn eine Partei mit ihren Kräften am Ende war und das Weite suchte.“ 5 Diese rauen Spiele fielen der Obrigkeit vielfach negativ auf. Das ist durch eine Vielzahl von Verboten und Gesetzeserlassen belegt und spiegelt sich in zeitgenössischen Zitaten wieder. Die Gründe und Rechtfertigungen für diese juristischen Exkurse sind vielfältiger Natur und so verbietet 1314 der Bürgermeister von London aus Angst vor öffentlichem Aufruhr das Fußballspielen auf öffentlichen Plätzen: „Weil in der City große Unruhe herrscht, die durch das Raufen um den Fußball entsteht, verbieten wir unter Androhung von Gefängnisstrafen, dieses Spiel künftig hier zu spielen.“ 6 Dass diese Verbote nicht von durchschlagendem Erfolg gekrönt waren und das Spielen sich nicht durch Strafverfolgung unterdrücken ließ, lässt sich an den immer wiederkehrenden ähnlich gelagerten Drohungen und Gesetzen nachweisen. Der Ballsport wurde vorwiegend von den unteren Gesellschaftsschichten gespielt und setzte sich in dieser Art über die Jahrhunderte bis in das 19. Jahrhundert fort. In nur sehr wenigen historischen Quellen ist die Begeisterung des Adels für diese Sportart belegt und folglich ist es nicht verwunderlich, dass keine Entwicklung hinsichtlich der Spielweise stattfand. Jedoch nahm die Verbreitung und Begeisterung insbesondere in England und Schottland so zu, dass man schon zu jener Zeit getrost von einer Massensportart sprechen kann.
2.3 Der moderne Fußball
Seit Anfang des 19. Jahrhunderts waren die unterschiedlichen Formen des rohen und brutalen Volksfußballs im Rückgang begriffen und bis 1850 weitestgehend verschwunden. Für diese zeitliche Entwicklung war im zunehmenden Maße die Industrialisierung mitverantwortlich. Broder-Jürgen Trede schreibt dazu: „Als Bedrohung von Eigentum und öffentlicher Ordnung waren sie mit der neuen sozialen Lebenswelt, die sich im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung und Verstädterung entwickelte, nicht mehr vereinbar. Fußball existierte nur noch als spontanes Spiel in den Arbeitersiedlungen und auf den Pferdekoppeln der Gasthäuser.“ 7 Die Basis für den modernen und uns heute bekannten Fußball wurde in den etablierten Public Schools in England gelegt. Die Privatschulen für Sprössling der bürgerlichen und adligen Familien leisteten den Entwicklungsschub hin zum modernen
5 Trede, Broder-Jürgen (2005): Das Dorftor war das Ziel. In: Skrentny, Werner (2005): Fußlümmelei - Die
Anfänge des Fußballsports, Hannover S.10
6 vgl. Stemmler, Theo (1998): Kleine Geschichte des Fußballspiels, Frankfurt a.M. S.35
7 Trede, Broder-Jürgen (2005): Vom wilden Volksfußball zum geregelten Spiel. In: Skrentny, Werner (2005):
Fußlümmelei - Die Anfänge des Fußballsports, Hannover S.16
5
Sportspiel Fußball mit allgemeingültigen, fairen Regeln. Der Lehrkörper einiger Schulen war bestrebt, mit einer Verbesserung und Verreglung des Ballsports auch ein geregeltes Leben zwischen Schülern und Lehrern zu erreichen, welches bis dato ein spannungsreiches Machtspiel darstellte. Mit dem Spiel sollten neben gesteigertem Verantwortungsbewusstsein auch soziale Kontrolle und Disziplinierung durchgesetzt werden. Broder-Jürgen Trede fasst es folgendermaßen zusammen: „Dadurch, dass die Spiele klaren Regeln folgten und ein hohes Maß an Disziplin forderten, sollten den Schülern Tugenden wie Mut, Selbstlosigkeit, Teamwork und Härte anerzogen werden.“ 8 Mit den Jahren entstanden auch die ersten außeruniversitären Fußballclubs, die die Regeln der Schulen übernahmen. Im Jahre 1863 trafen sich Vertreter sechs verschiedener Schulen in Cambridge und stellten einheitliche Regeln für das Fußballspiel auf. Einige dieser Regeln sind bis heute gültig und daher stellt dieses Regelwerk den Endpunkt meiner Ausführungen zur Historie der Fußballentwicklung in dieser Arbeit dar.
3. Ausdifferenzierung von Fankultur
Im Zuge der Modernisierung des Fußballs mit Regeln zum Spiel und seiner Beschränkung auf eine einheitlich spielende Mannschaft, wurde auch deutlich, wer ab fortan zu den Zuschauern gehörte. Es gab nun keine Vermengung mehr von Spielern und Zuschauern. Die Fußballanhänger einer Mannschaft bilden dabei jedoch bis heute keine homogene Masse. Arndt Aschenbeck zitiert den Journalisten Ulrich Pramann wenn er auf eine Differenzierung bei Fußballfans hindeuten möchte: „Die Gruppe derer, die sich Fußballfans nennen, ist sicherlich ebenso unübersehbar wie die Schar der Teetrinker, Marlboro-Raucher oder Golf-Fahrer: Sie besteht aus ebenso unterschiedlichen Zeitgenossen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, unterschiedlicher Herkunft und Lebensauffassung.“ 9 Dabei ist der Fanbegriff etymologisch auf ‚fanum’ zurückzuführen und bedeutet ‚Tempel’. Dies impliziert folglich die enge Bindung eines Fußballanhängers an seinen Fußballverein, seine favorisierte Mannschaft und deren göttliche Stellenwert für den Fan. Diese verstärkte Identifizierung, insbesondere durch jugendliche Fans mit einem Verein, führt zu einer Forcierung von Gewalt in den Stadien, da es zu einer Fixierung auf die eigene Mannschaft kommt. Aufgrund dieser Polarisierung war die gegnerische Mannschaft mit ihrer Anhängerschaft folglich der Gegner. Um die nicht kohärente Gruppe von Fußballfans zu kategorisieren unterteilt Willhelm
8 Trede, Broder-Jürgen (2005): Vom wilden Volksfußball zum geregelten Spiel. In: Skrentny, Werner (2005):
Fußlümmelei - Die Anfänge des Fußballsports, Hannover S.17
9 Aschenbeck, Arndt (1998): Fußballfans im Abseits, Kassel S.89
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Arbeit zitieren:
Andreas Plundrich, 2007, Hooligans und Gewalt, München, GRIN Verlag GmbH
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