Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Wichtige Begriffe in der Eisen- und Stahlindustrie. 1
3 Heutige Standorte in der Eisen- und Stahlindustrie. 2
3.1 Frankreich 2
3.1.1 Nord-Pas-De-Calais 2
3.1.2 Lothringen 4
3.2 Großbritannien 5
3.2.2 Südwales 6
3.2.3 Teesside 7
4 Veränderung des Standortmuster seit Entstehung der Eisen- und Stahlindustrie 8
4.1 Dynamik des Standortmusters in Frankreich. 9
4.2 Dynamik des Standortmusters in Großbritannien 10
5 Strukturwandel in der Eisen- und Stahlindustrie beider Länder 11
5.1 Weltweite Entwicklung der Eisen- und Stahlindustrie 11
5.1 Die Entwicklung in Frankreich 12
5.2 Die Entwicklung in Großbritannien 13
6 Komparative Stärken und Schwächen der Eisen- und Stahlindustrie beider Länder 14
6.1 Stärken und Schwächen des Standortes Frankreich 14
6.2 Stärken und Schwächen des Standortes Großbritannien 15
7 Fazit 16
Literaturverzeichnis 17
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Bedeutende Standorte der Eisen- und Stahlindustrie in Großbritannien 5
Abbildung 2 Weltstahlproduktion 11
Abbildung 3 Eisen- und Stahlproduktion und Beschäftigungsentwicklung in Frankreich 12
Abbildung 4 Eisen- und Stahlproduktion und Beschäftigungsentwicklung in Großbritannien 14
1 Einleitung
Die Eisen- und Stahlindustrie in Frankreich und Großbritannien blickt auf eine lange Geschichte zurück und gehört zu einen der Stützpfeiler der Entwicklung beider Länder zu den heute führenden Wirtschaftsnationen. Die Eisen- und Stahlindustrie war neben der Textilindustrie und dem Bergbau einer der ersten Wirtschaftszweige in dem durch technologische Innovationen eine Industrialisierung stattfand. Sie verhalf vielen Menschen zu Arbeit und beschleunigte das wirtschaftliche Wachstum. Trotz tiefgreifender Veränderungen in der Branche, spielt die Schwerindustrie in beiden Ländern auch heute noch eine bedeutende Rolle, obwohl eine zunehmende Verdrängung durch den Dienstleistungssektor in beiden Ländern zu beobachten ist.
Im Folgenden werden zunächst einige Begriffe aus der Eisen- und Stahlerzeugung erklärt, um ein besseres Verständnis für nachfolgende Sachverhalte zu bekommen. Danach werden die heute bedeutenden Standorte der Eisen- und Stahlindustrie in Frankreich und Großbritannien vorgestellt. Welche Merkmale und Standortfaktoren haben zu der Entstehung des jeweiligen Standortes geführt und wie hat sich der Standort bis heute entwickelt? Welche Veränderungen lassen sich an den Standorten beider Länder beobachten? Nach dem Überblick über einzelne Standorte, wird die Dynamik des gesamten Standortmusters in Frankreich und Großbritannien untersucht. Gibt es typische Veränderungen oder Verlagerungen? Anschließend wird der Strukturwandel in der gesamten Eisen- und Stahlindustrie betrachtet. Wie haben sich Veränderungen auf dem Weltmarkt auf die Position beider Länder im internationalen Wettbewerb ausgewirkt? Wie haben sich die Beschäftigung und das Produktionsniveau für Eisen und Stahl seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelt? Schließlich werden noch die Stärken und Schwächen von Frankreich und Großbritannien im internationalen Vergleich betrachtet. Welche Vor- und Nachteile haben beide Länder in der heutigen Zeit, die durch zunehmende internationale Verflechtungen gekennzeichnet ist?
2 Wichtige Begriffe in der Eisen- und Stahlindustrie
Für ein leichteres Verständnis werden zunächst einige grundlegende Begriffe in der Eisen-und Stahlindustrie erklärt. Als wichtiger Energieträger bei der Eisenherstellung dient das Koks, das aus Steinkohle gewonnen wird. Im Hochofenprozess hilft das Koks den Sauerstoff aus dem Eisenerz zu entziehen. Dieser Prozess nennt sich Reduktion und man erhält Roheisen. Roheisen ist zur Weiterverarbeitung ungeeignet. Entzieht man dem Roheisen den Kohlenstoff und andere Begleitstoffe entsteht Stahl. Historische Verfahren zur Stahlerzeugung waren das Thomasverfahren und das Siemens-Martin-Verfahren. Nach
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Modernisierung der Produktionsverfahren werden heute größtenteils das Sauerstoffaufblas-oder LD-Verfahren und das Elektroverfahren angewendet. Beim LD-Verfahren wird das flüssige Roheisen in einem Konverter mit Hilfe von aufgeblasenem Sauerstoff zu Stahl. Beim Elektroverfahren wird Edelstahl durch Aufschmelzen von Stahl und Stahlschrott erzeugt. Der flüssige Stahl wird entweder in Blöcke oder Stränge gegossen. Dazu dienen Blockguss- oder Stranggussanlagen. Im Walzwerk kann der Stahl schließlich auf gewünschte Stärken gewalzt und auf Bandstahlrollen gerollt werden (vgl. HENGESBACH et al. 2000: 262ff). Zunächst erfolgt das Warmwalzen für die grobe Optimierung der Stahlstärke, anschließend können durch das Kaltwalzen feine Abstimmungen der Materialstärke vorgenommen werden. In einem integrierten Werk werden verschiedene Produktionsstufen zusammengefasst. Man spricht bei einem integrierten Werk in der Regel auch von einem Produktionszentrum.
3 Heutige Standorte in der Eisen- und Stahlindustrie
3.1 Frankreich
Das größte Unternehmen in der Eisen- und Stahlindustrie Frankreichs ist der Stahlkonzern ArcelorMittal. Er ist 2007 aus der Mittal Steel Company und Arcelor entstanden. Ein Teil des Arcelor-Konzerns ist der ehemalige staatliche, französische Stahlkonzern Usinor-Sacilor. Die Eisen- und Stahlindustrie in Frankreich konzentriert sich heute überwiegend auf die Region Nord-Pas-De-Calais und Lothringen. In Fos-sur-Mer an der Mittelmeerküste, in Nantes an der Atlantikküste und im Zentralmassiv finden sich ebenfalls Regionen der Eisen- und Stahlindustrie.
3.1.1 Nord-Pas-De-Calais
Die Region Nord-Pas-De-Calais ist die nördlichste Region Frankreichs und grenzt an Belgien sowie an den Ärmelkanal. Die Region ist untergliedert in die Departements Nord und Pas-De-Calais. Nord-Pas-De-Calais hat ca. 4 Millionen Einwohner und vereint 7,6% der Bevölkerung Frankreichs auf sich, obwohl der Anteil an der Gesamtfläche Frankreichs nur 2,2% beträgt. Sie gehört zu einer der ältesten europäischen Industrieregionen und war bis in die jüngere Vergangenheit eine der am stärksten industrialisierten Räume in Europa (vgl. DÖRRENBÄCHER/SCHULZ 2005a: 12) Auch in Frankreich war die Region Nord-Pas-De-Calais nach dem Zweiten Weltkrieg, neben der Hauptstadtregion Paris, eine der bedeutendsten Industrieregionen des Landes. Neben der Textilindustrie gehörten der Steinkohleabbau und die Eisen- und Stahlherstellung zu den prägenden Industrien der Region. Zu den historischen Standortfaktoren der Region gehörten die Verfügbarkeit heimischer Kohle, die Nähe zu den Eisenerzlagerstätten Lothringens und die gute Anbindung an das
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Eisenbahnnetz. Jedoch befinden sich die ehemaligen Schlüsselindustrien, die inzwischen zu den Altindustrien gehören, im Niedergang und viele Arbeitsplätze der Region sind davon betroffen. Die Kohleförderung wurde in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts aufgrund neu entstandener Substitute wie kostengünstigere Importkohle und Verwendung von Mineralöl als Energieträger komplett eingestellt. Weitere Gründe für die Krise der Region sind die einseitig ausgerichteten Monostrukturen in der regionalen Wirtschaft. Die Probleme der Wirtschaft sind vergleichbar mit denen von anderen altindustriellen Region: Es sind nur sehr wenige kleine und mittlere Unternehmen im Bereich der Hochtechnologie ansässig, die die Innovationstätigkeit der Region vorantreiben könnten (vgl. DÖRRENBÄCHER/SCHULZ 2005a: 15). Durch die Stahlkrise 1974 kam es in Nord-Pas-De-Calais zu einem zunehmenden Schrumpfungsprozess und die Eisen- und Stahlindustrie konzentriert sich heute hauptsächlich auf die Standorte Dünkirchen und Isbergues (vgl. DÖRRENBÄCHER/SCHULZ 2005a: 13). Aber auch in Maubeuge finden sich Eisen- und Stahlwerksanlagen. Das integrierte Stahlwerk in Dünkirchen, das erst 1962 in Betrieb genommen wurde und heute zum ArcelorMittal Konzern gehört, wurde schon aufgrund sich verändernder Standortbedingungen in Küstennähe erbaut. Die zunehmende Abhängigkeit von Rohstoffimporten und der transportkostengünstigere Produktabsatz ins Ausland begünstigten daher den Standort Dünkirchen (vgl. DÖRRENBÄCHER/SCHULZ 2005a: 13). Der Standort Dünkirchen in Nord-Pas-De-Calais ist ein gutes Beispiel für die Verlagerung vom Binnenland und den Kohlelagerstätten an einen küstennahen Standort, wie sie sich in vielen Schwerindustrieregionen beobachten ließ. Zum Produktionszentrum Dünkirchen gehören ein Koksofen, drei Hochöfen, drei Konverter zur Stahlerzeugung, vier Stranggußanlagen und ein Walzwerk. Das Werk stellt heute jährlich 6,5 Mio/t Stahl und 5.3 Mio/t Bandstahlrollen her (vgl. ARCELORMITTAL (a)). ArcelorMittal betreibt auch ein Werk in Isbergues, das sich auf kaltgewalzte Bleche und Bandstahlrollen für die Fahrzeugindustrie spezialisiert hat (vgl. ARCELORMITTAL STAINLESS EUROPE).
Neben ArcelorMittal ist auch ThyssenKrupp Electrical Steel in Isbergues tätig. In einem Elektrostahlwerk wird als Fertigerzeugnis kaltgewalzter Bandstahl hergestellt. Die jährliche Kapazität des Werkes beträgt aber lediglich 120000 Tonnen (vgl. THYSSENKRUPP ELECTRICAL STEEL).
Die Region Nord-Pas-De-Calais beschäftigte in der Eisen- und Stahlindustrie im Jahre 1976 56400 Arbeiter. Ende der 90er Jahre waren in Dünkirchen noch ca. 5500 und in Isbergues 1800 Menschen beschäftigt (vgl. DÖRRENBÄCHER 2005a: 13).
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3.1.2 Lothringen
Lothringen ist eine Region im Nordosten Frankreichs. „Das „Nordlothringer Eisen- und Stahlbecken (Bassin sidérurgique Nord Lorrain - BSNL) umfasst den größten Teil des Lothringer Eisen- und Stahlgebietes“ (MAY 1992: 191). Das Gebiet liegt in den beiden Lothringer Departements Moselle und Meurthe-et-Moselle und grenzt an Belgien, Luxemburg und Deutschland. Ein wichtiger Standortfaktor der zu einer starken Urbanisierung und Industrialisierung der Region führte, waren die Eisenerzlagerstätten des Unteren Doggers. Die als Minette bezeichneten Eisenerzvorkommen bildeten ein 100km langes und 18 km breites Gebiet zwischen Luxemburg und der französischen Stadt Nancy (vgl. PLETSCH 1997: 206). Ein zweiter wichtiger Standortfaktor waren die reichen Steinkohlevorkommen der Region. Heute ist Abbau der Eisen- und Kohlevorkommen im Lothringer Raum komplett aufgegeben worden. Die Mosel als schiffbarer Fluss gewann dadurch an Bedeutung für die Region, um Erze und Kohle importieren zu können. Die Beschäftigungsentwicklung in der Schwerindustrie Lothringens zeigt die typischen Merkmale einer Altindustrie: Anfang der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts gab es im gesamten Montansektor noch ca. 160000 Beschäftigte. Davon waren alleine 97400 in der Eisen- und Stahlindustrie tätig. 2002 waren es in allen Hüttenwerken, Gießereien und Walzwerken der Region nur noch 32400 Beschäftigte (vgl. DÖRRENBÄCHER 2005: 20). Aufgrund fehlender Ersatzarbeitsplätze im Industrie-und Dienstleistungsbereich stieg die Arbeitslosigkeit, obwohl sich in der Region eine bedeutende Autoindustrie entwickelt hat.
Heute konzentriert sich die Schwerindustrie in der Region auf wenige Standorte, an denen nur noch Stahl erzeugt und weiterverarbeitet wird. Im Jahre 2009 wurde in Thionville das Stahlwerk Gandrange inklusive einer Walzstraße geschlossen. Der Konzern ArcelorMittal gab als Gründe für die Schließung „Umweltschutzgründe und eine unrentable Produktion an“ (LUXEMBURGER WORT 2009). Gewerkschaften hingegen sehen die Gründe in einer schlechten Unternehmensführung, mangelnden Investitionen und Ausbildung sowie Finanzstatt Industrielogik (vgl. CHATON 2009). Am Standort Gandrange sollen knapp 600 der 1108 Beschäftigten abgebaut werden und an anderen Standorten des Konzerns weiterbeschäftigt werden. Nach Konzernangaben werde man sich am traditionellen Standort Gandrange auf die Drahtzieherei spezialisieren.
Das integrierte Stahlwerk Florange, das ebenfalls zum ArcelorMittal-Konzert gehört, soll hingegen mit Investitionen von 65 Millionen Euro modernisiert werden (vgl. LEYERS 2009). Das Werk Florange verfügt über zwei Hochöfen, Stahlerzeugungsanlagen, eine
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Arbeit zitieren:
Florian Viohl, 2009, Standorte und Strukturwandel in der Eisen- und Stahlindustrie Frankreichs und Großbritanniens im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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