Gliederung
1. Einleitung
2. Allgemeine Merkmale sozialpädagogischer Beratung
3. Sozialpädagogische Beratung im Rahmen der ambulanten Psychosozia-
len Betreuung (PSB) für substituierte Heroinabhängige
3.1 Das Methadonprogramm
3.1.1 Typische Merkmale der Lebenssituation der Heroinabhängigen in
sozialer , gesundheitlicher und rechtlich- politischer Hinsicht vor
Beginn der Substitution
3.2 Grundprinzipien und Zielsetzungen der PSB in Anlehnung an die
Rahmenkonzeption des FAT (Fachverband Ambulanter Therapien)
3.2.1 Der Prozeß der psychosozialen Beratung
4. Nachwort
5. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit befasse ich mich mit dem in vielen Praxisfeldern relevanten Aufgabengebiet der Sozialen Beratung. Zum einen möchte ich versuchen, Soziale Beratung als besondere Form der sozialpädagogischen Arbeit inhaltlich und konzeptionell näher zu bestimmen und sie dadurch gegenüber anderen Beratungsformen, etwa der psychologischen Beratung, abzugrenzen und handhabbarer zu machen. Zu diesem Zweck gehe ich zunächst auf die Grundstruktur und Zielsetzung Sozialer Beratung im Allgemeinen ein und erläutere schließlich ein in der Fachliteratur dargestelltes methodisches Grundkonzept. Zum anderen möchte ich beispielhaft einen sozialpädagogischen Beratungsansatz im Rahmen der ambulanten Psychosozialen Betreuung (PSB) von substituierten Heroinabhängigen vorstellen. Nicht zuletzt soll dieses auf die spezifische Problemkonstellation von Heroinabhängigen ausgerichtete Beratungskonzept in seiner Ausgestaltung die Gültigkeit der allgemeinen Grundprinzipien von Sozialpädagogischer Beratung und damit ihre spezifische Identität verdeutlichen. Gleichzeitig soll aber auch ansatzweise klar werden, wie sehr insbesondere die soziale Beratung für Abhängige von illegalen Suchtstoffen letztlich durch die widersprüchlichen drogenpolitischen und kulturellen Rahmenbedingungen bezüglich Inhalt und Effektivität bestimmt ist und sich dadurch von der Hilfeform etwa für Alkoholiker als Abhängige von legalen Suchstoffen unterscheidet. Um diesen Wirkungszusammenhang nachvollziehbarer erscheinen zu lassen, werde ich in Abschnitt 3.1.1. die Verquickung von rechtlich- politischen und sozial- gesundheitlichen Faktoren im Rahmen der Lebensumstände von Abhängigen vor Beginn ihrer Substitution grob beleuchten.
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2. Merkmale sozialpädagogischer Beratung
Sozialpädagogische Beratung als ein charakteristisches Aufgabegebiet der Sozialpädagogik hat in den letzten Jahrzehnten in hohen Maß an Bedeutung gewonnen. Die expandierten sozialpädagogischen Praxisfelder, welche als Reaktion auf die komplexer gewordenen sozialen Bedürfnislagen entstanden sind, haben die sozialpädagogische Beratung zu einem konstitutiven Bestandteil vieler öffentlicher und frei-organisierter Institutionen werden lassen. Im Zuge dieser Entwicklung wurde in Fachkreisen verstärkt über die theoretische Fundierung von sozialer Beratung als eigenständige Disziplin nachgedacht, die sie von dem traditionell psychotherapeutischen Aufgabenfeld fachlich abgrenzt (vgl. Nestmann, 1984, S. 102f). So besteht mittlerweile ein Konsens darüber, wie "Soziale Beratung" in ihren Grundzügen methodisch und theoretisch begründet ist und sich so als eigens sozialpädagogisches Fachgebiet auszeichnet.
Laut Stimmer ist soziale Beratung "(...) ein spezifisch strukturierter, klientenzentrierter aber dennoch problemorientierter kommunikativer Verständigungsprozeß, der methodisch, theoretisch, axiologisch und wissentschaftstheoretisch begründet und bezüglich seiner Wirkungen und Nebenwirkungen kontinuierlich überprüft wird". (Stimmer, In: ders., S.63). Die Zielgruppe sind Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen.
Kennzeichnend für die Zielrichtung einer klientenzentrierten und problemorientierten sozialen Beratung ist zum einen die Eröffnung sozialer und materieller Ressourcen, die problemspezifisch und problemunspezifisch Wohlbefinden fördert und Krankheit verhindern hilft und zum anderen die Förderung verschütteter und die Verbesserung defizitärer individueller und kollektiver Bewältigungskompetenzen (vgl. Nestmann, 1984, S. 111). Soziale Beratung ist also ein jeweils spezifisches Zusammenspiel von Wissensvermittlung in materiell- sozialer Hinsicht und der Förderung psychischer und sozialer Kompetenzen. Auf diese Art kann soziale Beratung als psychosoziale Beratung verstanden werden (vgl. auch Stimmer a.a.O.). Ähnlich charakterisiert R.E. Pearson den Begriff. Pearson zufolge beinhaltet Soziale Beratung zum einen auf Klienten bezogene Interventionen zum Abbau "klientenabhängiger Unterstützungsbarrieren" und zum anderen kontextbezogene Interventionen zum Abbau von Unterstützungsbarrieren des sozialen Umfeldes (vgl. Pearson, 1997, S. 7f). In diesem Sinne setzt laut Stimmer die Problemorientierung sozialer Beratung Problemverursachungsmodelle voraus, die auf der Lebensstil-, der Lebenswelt- und der gesellschaftlichen Ebene angesiedelt sind und angemessene Lösungsalternativen erfordern (vgl. a.a.O., S. 66). Diese Grundausrichtung grenzt die Sozialpädagogische Beratung deulich ab von anderen Formen von beraterischen Interventionen: Gegenüber der Therapie zielt Soziale Beratung in erster Linie nicht auf die Behebung psychischer Störungen bzw. Fehlhaltungen, sondern bezieht in hohen Maß konkrete Veränderungen einschließlich realer Hilfen im Lebensumfeld des Ratsuchenden in die Hilfe ein. Trotz dieses nach "außen" gerichteten Blickwinkels werden ggf. auch psychische Veränderungsprozesse bewirkt, jedoch mehr im Sinne von psychosozialer Kompetenzförderung als durch analytische Aufdeckung zugrunde liegender Störungen und deren spezielle Bearbeitung. Für die Sozialpädagogische Beratung folgt daraus, daß sie gegenüber der rein psychologischen Intervention über ein komplexes Wissen über das soziale
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und gesellschaftliche Bedingungsgefüge für psychosoziale Probleme (u.a. sozialisationstheoretisches , sozialpsychologisches, rechtliches, kulturelles, gesellschaftstheoretisches Wissen) sowie über ein breites Spektrum an konkreten Lösungsalternativen auf der Lebenswelt- und der Lebensstilebene verfügen muß. Diese fachlichen Voraussetzungen unterscheidet die Sozialpädagogische Beratung auch von der Alltagsberatung ebenso wie von der professionellen Informationsvermittlung (z.B der Gesundheitsberatung, Berufsberatung etc.).
Die bis hierher bestimmte Einordnung Sozialer Beratung als Psychosoziale Beratung zieht eine Reihe von Grundprinzipien nach sich, die für die Struktur dieser Beratungsform kennzeichnend sind. Zum einen sind äußere Strukturelemente zu benennen wie die hohe Vielfalt an Themen und Beratungsorte (einschließlich des jeweiligen Settings der Beratung), die Art der beruflichen Qualifikation des Beraters (i.d.R. Sozialpädagogen mit therapeuthischer oder beraterischer Zusatzausbildung, Psychologen, Pädagogen), die Klienten (meist Einzelpersonen, Paare oder Gruppen mit jeweils spezifischen sozialen Problemen), die relativ kurze Beratungsdauer und die Freiwilligkeit der Beratung (i.S. eines selbstformulierten Willens zur Inanspruchnahme von psychosozialer Unterstützung) (vgl. Stimmer, 1994, S.65). Zum anderen werden die inneren Strukturelemente geprägt durch ein flexibles Methodenrepertoire. So ist Sozialpädagogische Beratung nicht an einer bestimmte psychotherapeutischen Richtung orientiert, sondern nutzt vielmehr alle Möglichkeiten vorhandener Ansätze, die mit-einander vereinbar und erfolgsversprechend sind (vgl. In: Belardi, 1996, S.35). Stimmer weist auf die Notwendigkeit der theoretischen Begründbarkeit (u.a. in handlungstheoretischer, ethischer und empirischer Hinsicht) einer gewählten Methode hin (vgl. Stimmer a.a.O.). Je nach psychosozialer Problemlage (ob z.B. Suchtprobleme oder erzieherische Probleme vorliegen) und institutioneller Konzeption finden in der Psychosozialen Beratung demzufolge eine Reihe methodischer Elemente aus den klassischen Therapierichtungen Verwendung, um auf Seiten der Klientel Veränderungen auf der Lebensstilebene und infolgedessen auch auf der Lebensweltebene zu ermöglichen.
Am Beispiel von Pearson möchte ich im folgenden eine mögliche Zusammenstellung von für die Beratung relevanter methodischer Ansätze aufzeigen. Pearson nimmt folgende Einteilung von beraterischen Interventionen zur Beseitigung oder Verringerung von klientenabhängigen Barrieren vor (neben den Interventionen zur Verringerung und Beseitigung kontextabhängiger Barrieren, die er an anderer Stelle beschreibt)(vgl. Pearson, 1997, S. 143 ff):
1. Interventionen und Strategien, die sich auf Einstellungsbarrieren beziehen. Hiermit ist die Veränderung von dysfunktionalen Einstellungen und Kognitionen gemeint, die eine ineffektive Grundlage für das Denken und Handeln in einer bestimmten Situation liefern. Bei der Wahl der Strategien und Interventionen wird zum einen der Prozeß berücksichtigt, durch welchen sich bestimmte Einstellungen und Kognitionen entwickeln (z.B. durch direkte oder stellvertretende Erfahrungen) und zum anderen die Art und Weise, wie sie aufrechterhalten werden (z.B. durch Wahrnehmungsrigidität oder Verleugnungstendenzen). Dadurch ergeben sich für Pearson folgende Strategien: -Korrigierende Erfahrungen: Hierbei geht es um die Vermittlung von
direkten Erfahrungen
(im Kontakt zum Berater oder im Rahmen von Gruppenberatungssituationen), die Vermittlung von
stellvertretenden
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Arbeit zitieren:
Martin Moharrer, 2000, Sozialpädagogische Beratung am Beispiel der Psychosozialen Betreuung für Substituierte im Rahmen des Methadonprogramms, München, GRIN Verlag GmbH
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