Inhaltsverzeichnis:
1 EINLEITUNG: WÜRDIGUNG UND PROBLEME DER ABGESCHLOSSENHEIT DER
WERKE KANTS 3
2 HAUPTTEIL: KRITIK AN KANTS GEBUNDENHEIT DER ANSCHAUUNG INNERER
ZUST ÄNDE AN DIE ZEIT 4
2.1 KRITISCHE EINWÄNDE 4
2.1.1 Zeitunabhängigkeit der freien bzw. teilweise unfreien Seele und deren Anschauung 4
2.1.1.1 Vorraussetzungen für diese Zeitunabhängigkeit 4
2.1.1.1.1 Freiheitsbezüglicher Zusammenhang der Seele mit deren Ansehung 4
2.1.1.1.2 Unmöglichkeit des Verschwindens des Freiheitsgedankens 5
2.1.1.2 Zeitunabhängigkeit der Freiheit der Seele und deren Anschauung 5
2.1.1.2.1 Der Widerspruch Kants „Kausalität der Freiheit“ mit der Gebundenheit der Zeit an die
Freiheit 5
2.1.1.2.2 Der Widerspruch der Apriorizität der Zeit mit der Gebundenheit der Zeit an die Freiheit 6
2.1.1.3 Zeitunabhängigkeit der teils unfreien Seele und deren Anschauung. 7
2.1.1.3.1 Verschwinden der Zeit durch unendliche permanente Zustände der Seele und deren
Anschauung 7
2.1.1.3.2 Wichtigkeit des Wortes „Zustand“ für Permanenz 8
2.2 KRITIK AN DER ZUM OBJEKT GEMACHTEN SEELE 8
2.2.1 Der apriorische „innere Sinn“ 8
2.2.2 Kants „innerer Zustand“ als Objekt. 9
2.2.2.1 Objektivität Kants „Anschauungen“ durch die Sinnlichkeit 9
2.2.2.2 Unmöglichkeit der kant schen Personifizierung der Seele. 9
2.2.2.3 Widerlegung der Zeit in der empirischen Anschauung der Seele. 10
2.2.3 Unmöglichkeit der zeitlich-synthetischen a priori -Anschauung der Seele. 11
2.2.3.1 Gleiches in Gleichem 11
2.2.3.2 Weitere Einwände 11
2.3 SKEPTIZISTISCHE EINWÄNDE 12
2.3.1 Möglichkeit der Täuschung in der Idee der überhaupt zeitlichen Anschauung der Seele 12
2.3.2 Möglichkeit einer permanenten Zeitstillstandswelt 13
2.3.2.1 Eine einzige Sichtweise. 13
2.3.2.2 Der einzige Gedanke mehrerer Sichtweisen. 13
2.3.2.3 Die Nichtsnutzigkeit der Zeit 14
2.3.2.4 Die ort- und zeitlose Beziehung zwischen der Seele und deren Anschauung 14
3 SCHLUSSWORT: GEGEN DIE VOLLSTÄNDIGE AKZEPTANZ EINES
PHILOSOPHISCHEN GESAMTWERKS 14
4 LITERATURVERZEICHNIS: 16
2
1 Einleitung: Würdigung und Probleme der Abgeschlossenheit der Werke
Es ist wohl schwerer als bei anderen Philosophen, Kants Lebenswerk zu kritisieren, weil Kant versucht, sein Gesamtwerk sehr abgeschlossen zu halten. Dies geschieht vor allem dadurch, dass er einen möglichst großen Teil der Philosophie durch seine Werke zu behandeln sucht und diese in klar orientierte- und definierte Bereiche, wie z.B. die ethisch orientierte „Kritik der praktischen Vernunft“ oder die (erkenntnis-) theoretisch orientierte „Kritik der reinen Vernunft“ (in der er das „Handeln“ erst einmal „außen vor“ lässt; Kant hat mit seiner „Kritik der reinen Urteilskraft“ sogar einen klar orientierten Bereich zwischen seinen beiden anderen „Kritiken“ geschaffen, da er darin die Beziehung beider klar werden lässt) unterteilt und diese weiter in transzendentale Methodenlehre, welche die transzendentale Ästhetik und -Logik beschreibt, …usw. Er „zerstückelt“ seine Philosophie in köstlich aufbereitete Einzelteile, ohne die jene - als zu seiner Zeit sowieso schon als schwer eingestuft - noch schwerer zu lesen gewesen wäre und wahrscheinlich nicht ganz soviel zu Kants Erfolg beigetragen hätte. Die Abgeschlossenheit der Philosophie Kants hat jedoch auch ihren Preis: Sie erfordert an manchen Stellen seiner Werke einzelne oder gar mehrere offene Fragen (z.B. lässt Kant die Frage offen, „wie der Verstand zu … Erkenntnissen a priori kommen könne…“ 1 , er sagt nur, es sei „natürlich“ („was billiger und vernünftiger Weise geschehen sollte“) 2 , führt jedoch nichts anderes als Umschreibungen dieser Art hinzu), manchmal - besonders wenn man die übrige Philosophie Kants „im Hinterkopf hat“ und bisher recht schlüssig fand - allzu leicht zu glaubende Problemlösungen (z.B. bei Kants versuchter Antwort auf die Frage nach der „Form des innern Sinnes“, mit dem das Selbst die Seele beschaut; nach ihm sei es nämlich die Zeit 3 ; siehe Punkt B.), welche Kant zwar zum Zwecke der Allgemeinheit erwähnt, den Kritikern und Skeptikern (welche offene Fragen nur dazu benutzen, weitere offene Fragen („wenn wir dieses nicht wissen können, dann können wir jenes auch nicht wissen“) entstehen zu lassen)
1: Immanuel Kant, „Kritik der reinen Vernunft“, nach der 1. und 2. Orig.-Ausg. hrsg. von Jens Timmermann. Mit einer Bibliogr. von Heiner Klemme, Verlag Meiner, Hamburg, 1998, S. 53; Z. 5-7; B7
2: Kant, a.a.O., S. 53; Z. 9-10; B7
3: Kant, a.a.O., S. 109; Z. 9-10; A33
3
dadurch jedoch ein gebotenes Fressen vorlegt. Und nun findet durch die Kritiker, wie in einem magnetischen Gleichgewicht zweier Parteien um die „wahre Philosophie“, ein systematisches Revidieren aller derjenigen Punkte der Philosophie Kants statt, die von einer bestimmten offenen Frage abhängen.
2 Hauptteil: Kritik an Kants` Gebundenheit der Anschauung innerer Zustände
Im Folgenden werden Kritikpunkte, u. a. skeptizistische, an Kants Meinung in seiner „Kritik der reinen Vernunft“ angesetzt werden, die da lautet: „Allein ist es doch eine bestimmte Form, unter der die Anschauung ihres“ (der Seele) „innern Zustandes möglich ist, so dass alles, was zu den innern Bestimmungen gehört, in Verhältnissen der Zeit vorgestellt wird“ 1 . Die Form ist für Kant also die Zeit. Diese Hypothese wirft vor allem zwei Fragen auf:
Bedarf es einer „Zeit“ als Form? Ist es eine zeitliche, oder irgendeine andere Form, mit der wir unseren inneren Zustand „anschauen“?
2.1 Kritische Einwände
Die erste Frage legt es darauf an, den vorigen Satz Kants zu widerlegen, indem sie nur die Notwendigkeit der Zeit „als die Form … des Anschauens unserer selbst“ 2 zu widerlegen sucht.
2.1.1 Zeitunabhängigkeit der freien bzw. teilweise unfreien Seele und deren Anschauung
2.1.1.1 Vorraussetzungen für diese Zeitunabhängigkeit
2.1.1.1.1 Freiheitsbezüglicher Zusammenhang der Seele mit deren Ansehung
Zuallererst sollte man sich klar werden lassen, dass, falls die Seele vollkommen frei sein sollte (- die Seele muss nicht vollkommen frei sein, da solche Fälle denkbar sind, in denen z.B. eine fremde Macht die Seele auf ein Maß an Freiheit begrenzt und die weiteren Aspekte einer unendlichen Freiheit, die die Macht uns auch in unserem
1: Kant, a.a.O., S. 97; Z. 13-16; A23
2: Kant, a.a.O., S. 109; Z. 9-10; A33
4
apriorischen Denken vorenthält, verborgen hält; jedoch ist die Seele wohl auch nicht vollkommen unfrei, da beim „Anschauen“ der Existenz der Seele intuitiv auf deren Freiheit geschlossen wird und man durch dieses „Ansehen“ ein Potential von Freiheit, das mit der Seele verbunden ist, verbindet. Die Seele muss auch an die Freiheit gebunden sein, da sie ohne die freiheitliche Möglichkeit, etwas mit dieser Existenz der Seele „anzufangen“, sie irgendwie zu „benutzen“, nur ein leeres Dasein wäre; weitere Ausführungen gingen hier aber zu weit).
auch die Anschauung des inneren Zustands frei ist, da diese von der Seele abhängt und keiner sagen kann: „Ich (als meine eigene Seele) bin unfrei, meine (eigene) freie Seele anzuschauen.“. Die Seele selbst ist für „Existenz“ überhaupt ja ein grundlegenderer Begriff als ihre Anschauung. Wenn sie selbst nicht einen Mindestanteil an Freiheit in sich hätte, wäre alle Freiheit überhaupt nicht möglich. Dasselbe vorige Beispiel lässt sich mit der Umkehrung der Begriffe „frei“ und „unfrei“ wiederholen: Der Begriff der Anschauung der Seele („Die Freiheit zu haben…“) steckt schon in der Seele selbst („…, habe ich die Freiheit“). Die Anschauung der Seele gehört, sofern es eine teils unfreie Seele gibt, zu deren freien Teil, da in diesem Fall ja nur die Seele die Freiheit, sie selbst zu beschauen, geben kann. Die Anschauung der Seele hängt unmittelbar von ihr selbst ab.
2.1.1.1.2 Unmöglichkeit des Verschwindens des Freiheitsgedankens
Es ist nur eine freie oder unfreie oder teilweise freie (=einesteils freie und andernteils unfreie) Anschauung der Seele denkbar und keine anderen Arten, meine freie bzw. unfreie bzw. einesteils freie und andernteils unfreie Seele anzuschauen: Entweder ich erlebe in einem bestimmten Aspekt der Seele - hier in deren Anschauung - Zwang oder ich erlebe keinen Zwang, genauso wie es z.B. für ein bestimmtes Testverfahren auf eine bestimmte Erkrankung in der menschlichen Physiologie nur ein „positives“ oder „negatives“ Ergebnis gibt, und keine andere Möglichkeit. Diese „notwendige“ Freiheit bzw. Unfreiheit muss aber nicht in der Zeit liegen, wie im Folgenden gezeigt werden wird:
2.1.1.2 Zeitunabhängigkeit der Freiheit der Seele und deren Anschauung
2.1.1.2.1 Der Widerspruch Kants „Kausalität der Freiheit“ mit der Gebundenheit der Zeit an die Freiheit
In der „transzendentalen Dialektik“ seiner „Kritik der reinen Vernunft“ sagt Kant selbst, dass „man … sich nur zweierlei Kausalität in Ansehung dessen, was geschieht, denken …“ kann, nämlich „… entweder nach der Natur, oder aus Freiheit“ 1 . Die eine
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Arbeit zitieren:
M.A. Reinhart Heißler, 2004, Von der Frage nach der Form der Anschauung der Seele zu einer Kritik an Kants Antwort darauf: „die Zeit“, München, GRIN Verlag GmbH
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