Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Gender Mainstreaming - Definitionen und Definitionsschwierigkeiten 4
2. Gender Mainstreaming - Handlungsbedarf und Durchsetzungsvermögen. 6
3. Gender Mainstreaming - Instrumente und Ebenen der Implementierung 7
Zusammenfassung. 12
Literaturverzeichnis. 14
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Einleitung
Gender Mainstreaming und Frauenförderung sind Begriffe, die missverständlich oft als Synonyme verwendet werden. Gender Mainstreaming ist eine Strategie zur Verwirklichung tatsächlicher Gleichstellung. Frauenförderung wird ebenso wie Männerförderung als nur eine Maßnahme oder ein Instrument dieser Strategie bezeichnet. Der Ansatz von GM insgesamt ist demzufolge breiter.
Zwei typischen Missverständnisse gegenüber der Frauenförderung sind: ¾ „Frauenförderung gilt nur als eine rechtfertigungsbedürftige Sondermaßnahme. Dabei wird übersehen, dass das allgemeine Ziel der Gleichstellung in bestimmten Bereichen nur mit Mitteln der Frauenförderung verwirklicht werden kann. Heute wird das juristisch oft deutlich formuliert. So sagt Art. 141 EG-Vertrag, dass Fördermaßnahmen keine Diskriminierung darstellen. Das ist nur konsequent, da mit ihnen Diskriminierung gerade abgebaut werden soll. ... ¾ Mit Frauenförderung werden die geschlechtsspezifischen Zuschreibungen und Stereotypisierung reproduziert. Ein Beispiel dafür ist die "Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf", wenn nur Frauen Zielgruppen entsprechender Maßnahmen sind, dabei aber übersehen wird, dass auch Männer Vereinbarkeitsprobleme haben bzw. Frauen und Männer nicht nur Familie, sondern auch andere soziale Verpflichtungen, Ehrenämter oder auch das Privatleben mit der beruflichen Tätigkeit sinnvoll miteinander verbinden wollen.“ (Quelle: www.gender-mainstreaming.net, 17.11.2005)
Frauenförderung und Männerförderung werden nicht selten als separate Politikbereiche voneinander abgegrenzt und gegeneinander ausgespielt. Darin liegt eine Fehlinterpretation dessen, worauf Gleichstellungspolitik zielt. Gerade mit Gender Mainstreaming wird Gleichstellungspolitik für Frauen und für Männer gestaltet. Die Maßnahmen sind entsprechend dem Sachgebiet, Handlungsfeld und Auftrag jeweils verschieden. Sie haben jedoch das Ziel, Gleichstellung effizient und nachhaltig zu fördern. Missbräuchliche Interpretationen sind oft beobachtbar nicht nur über Frauen-, bzw. Männerförderung, sondern auch über Gender Mainstreaming selbst. „Gender Mainstreaming ist ein Begriffspaar, das in bestimmten Zusammenhängen auch fehlerhaft oder sogar missbräuchlich benutzt wird, beispielsweise wenn Programme oder Projekte, die Frauen adressieren, unter Hinweis auf "Gender Mainstreaming" abgebaut werden. Dagegen zeigen gerade die im Rahmen von GM erforderlichen Gender-Relevanz-Prüfungen und Gleichstellungsfolgenabschätzungen, dass in bestimmten Politikfeldern Maßnahmen
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erforderlich sind, die nur Frauen adressieren, in anderen Bereichen dagegen Strategien genutzt werden müssen, die sich in erster Linie mit Männern auseinandersetzen, und in wieder anderen nicht so sehr das Geschlecht, sondern eher die Lebensweise oder das Alter im Vordergrund stehen. GM zielt nicht pauschalisierend auf die Aufgabe bisheriger Formen der Gleichstellungspolitik, sondern auf ihre analytische Fundierung, also auf ihre optimierte Planung und Gestaltung.“ (Quelle: www.gender-mainstreaming.net, 17.11.2005)
1. Gender Mainstreaming - Definitionen und Definitionsschwierigkeiten
Die Fachliteratur ist durch Meinungsverschiedenheit betreff dessen gekennzeichnet, was Gender Mainstreaming bedeutet und welcher sein Umfang ist. Es seien dabei genauso viele Difinitionen von Gender Mainstreaming wie es „Mainstreamer“ gebe (Woodward 2004: 89). Der Begriff Gender Mainstreaming wird selbst von Forscherinnen und Forschern als „ein ebenso umstrittener wie missverstandener Begriff“ (Woodward 2004: 86) bezeichnet, der an sich auch „dazu benutzt werden kann, einen Mangel an Aktivitäten zu kaschieren oder sogar Programme zur Gleichstellung der Geschlechter abzubauen“ (Schwiebel 1999, zitiert in Woodward 2004: 87).
Manche Autoren formulieren Gender Mainstreaming als eine Doppelstrategie, die innerhalb der WID-Bewegung * in den frühen 80er Jahren entstanden, anfangs mit unterschiedlichen Bedeutungen gefüllt und nicht unumstritten sei (Frey 2004: 28). Ab den 90er Jahre sei da ein gewisser Konsensus, was man unter diesem Begriff bezeichne. So verstehe man heutzutage darunter schon eine „umfassende Strategie“, die ihren Fokus auf der Schaffung frauenorientierter Programme, der Integration von Frauen in existierende Programme, sowie Schwerpunkt setzende Aktivitäten und die Aufnahme von Frauen in existierenden Strukturen des Mainstreams habe. „Diese Definition trägt deutlich die Handschrift einer Doppelstrategie, die auf frauenspezifische Förderung nicht verzichtet“ (Frey 2004: 28). Ein bisschen anders scheint der Akzent zu sein, der von anderen Autoren und Nichtregierungsorganisationen (NRO) bei der Definierung von Gender Mainstreaming gesetzt wird. So beispielsweise legten Frauen-NRO während der in 2000 in New York stattgefundenen UN-Sondergeneralversammlung so genannte „Schattenberichte“ vor, die eine kritische Position über die Lage der Frauen und die Umsetzung frauenspezifischer Maßnahmen äusserten und die Forderung formulierten, „systematisch und abgestimmt eine Doppelstrategie von Frauenpolitik im Sinne spezieller Frauenförderung und des Empowerments von Frauen einerseits und des Gender Mainstreaming andererseits“ zu
* WID - Women In Development
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verfolgen (Heinrich Böll Stiftung 1999, zitiert in Frey 2004: 32). Laut dieser Formulierung ist folglich Gender Mainstreaming nicht als eine Doppelstrategie, sondern als der eine von zwei Komponenten einer Doppelstrategie zu verstehen.
Seit 1997 scheint auf europäischer Ebene und seit 1999 auch auf nationaler Ebene in Deutschland eine weitere Definition akzeptiert und überwiegend übernommen werden zu sein. Laut ihr bedeute der Gender Mainstreaming die „(Re-)Organisation, Verbesserung, Entwicklung und Evaluierung der Entscheidungsprozesse, mit dem Ziel, dass die an politischer Gestaltung beteiligten Akteurinnen und Akteure den Blickwinkel der Gleichstellung zwischen Frauen und Männern in allen Bereichen und auf allen Ebenen einnehmen“ (Definition des Sachverständigenberichts für den Europarat 1998, zitiert in Mückenberger & Tondorf 2001: 5).
Während sich die ersten zwei Definitionen auf die Natur des Gender Mainstreaming als Strategie konzentrieren, führt die dritte Definition einen zusätzlichen Aspekt des Begriffes ein - die Muster der heute immer noch dominierenden und geschlechtersensibler zu reformierenden Entscheidungsprozesse in der realen Welt.
In diesem Zusammenhang wird Gender Mainstreaming oft auch als eine Möglichkeit oder einen Ansatz interpretiert, Politik und Verwaltung zu transormieren, wobei dies ein radikales Abweichen von der Vergangenheit bedeute (Woodward 2004: 86). Gender Mainstreaming als Ansatz wird auch als ein Indikator wahrgenommen, der „einen der Unterschiede zwischen öffentlichem und privatem Sektor hervorhebt, dass nämlich im öffentlichen Sektor nicht die Profitmaximierung, sondern das Gemeinwohl Ziel aller Aktivitäten ist“ (Woodward 2004: 87).
Während einige Autoren als grundlegend die Frage stellen, ob es sich bei Gender Mainstreaming um eine Strategie, um eine Reihe von Instrumenten oder um einen Ansatz (Woodward 2004: 91) handeln sollte, betrachten ihn andere als eine Art „modifiziertes“ Konzept und eine „völlig neu strukturierte, umfassende Querschnittaufgabe“, die mit der „offensichtlichen Gefahr einer Bürokratisierung und gleichzeitigen Ökonomisierung von Geschlechterpolitik“ verbunden ist (Bereswill 2004: 53).
Sollte man Gender Mainstreaming als ein Konzept betrachten, dann wird eine weitere Definitionspräzisierung und eine weitere begriffliche Ausgrenzung erforderlich. So wird Gender Mainstreaming oft als ein Synonym von Geschlechterdemokratie betrachtet, die mittlerweile für ein „prominentes“, „ebenso umstrittenes“, „neues feministisches Leitbild“ oder „ein problematisches Label für zweigeschlechtlich strukturierte Indentitätspolitik“ steht. Für die Ausgrenzung der Geschlechterdemokratie von dem Gender Mainsteaming ist dabei
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Arbeit zitieren:
Ginka Tchervenkova, 2005, Gender Mainstreaming: Definitionen, Durchsetzungsvermögen, Implementierung, München, GRIN Verlag GmbH
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