Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Hauptteil
2.1. Einordnung des „Schwarzen Kanals“ in die Entwicklung des DDR-
Fernsehens unter kommunikationswissenschaftlichen Aspekten
2.1.1. Rhetoriktheoretische Verortung des DDR-Fernsehens und des
„Schwarzen Kanals“ 4
2.1.2. Bedeutung des DFF und des „Schwarzen Kanals“ 5
2.2. Der „Schwarze Kanal“ als Beispiel für ideologische Kritik im
Fernsehen
2.2.1. Konzept und Methode. 7
2.2.2. Fallbeispiel - Die Sendung am 12.12.1988. 8
2.2.2.1. Setting. 8
2.2.2.2. Primärorator. 9
2.2.2.3. Inhalt und Ablauf der Sendung. 10
2.2.3. Ideologische Fernsehkritik beim „Schwarzen Kanal“ 14
3. Schlussbetrachtung. 15
Literaturverzeichnis. 16
2
1. Einleitung
Im Rahmen des Seminars über „Rezension und Kritik“ wurden verschiedene Formen und Funktionen von Kritik erarbeitet. Eine wurde jedoch außen vorgelassen: Die ideologische Kritik. Der wohl bekannteste Vertreter dieser Kritik-/ Kommentargattung, der die Grenze zur Propaganda wiederholt überschritten hat, ist Karl-Eduard von Schnitzler mit seinem „Schwarzen Kanal“. Fast 30 Jahre lang war der Chefkommentator und Mitglied des Staatlichen Komitees für das Fernsehen der DDR mit seiner Sendung im DFF zu sehen. Das Magazin war als polemische Konterpropaganda konzipiert und sollte die „Verlogenheit der westlichen Politik am Beispiel des westdeutschen Fernsehens entlarven“ 1 . Die konzeptionellen, methodischen und rhetorischen Besonderheiten dieser Sendung herauszuarbeiten, ist Ziel dieser Arbeit. Hierfür werden zunächst einige rhetoriktheoretische Besonderheiten des DDR-Fernsehmediums erläutert, die zur genauen Einordnung der Kritik von Bedeutung sind. Auch der Nutzungsgrad ist von Relevanz und wird im folgenden Kapitel dargestellt. Das folgende Kapitel beschäftigt sich ausschließlich mit dem „Schwarzen Kanal“ als Beispiel für ideologische Kritik. Das erste Subkapitel widmet sich einer allgemeinen Darstellung zur Konzeption und Methodik des "Schwarzen Kanals", die darin bestand, Ausschnitte aus westdeutschen Fernsehsendungen zu zeigen und dann zu Agitationszwecken im Sinne der SED auszulegen. Das anschließende Fallbeispiel geht ausführlich auf die Art der Kommentierung und die tendenziöse Auswahl der Bildbeiträge ein und erklärt, weshalb diese sehr umstritten waren. Auf die Einordnung der festgestellten Kritikform geht das letzte Subkapitel ein.
Zur Materialwahl seien abschließend die für die Ausarbeitung unverzichtbaren, vollständig digitalisierten Sendemanuskripte erwähnt, die auf der Homepage 2 des Deutschen Rundfunk Archivs zur lückenlos zur Verfügung stehen.
1 Sächsische Zeitung vom 25.03.1985.
2 http://dra.orb.de/ (zuletzt abgerufen am 28.09.2009)
3
2. Hauptteil
2.1. Einordnung des „Schwarzen Kanals“ in die Entwicklung des DDR-Fernsehens unter kommunikationswissenschaftlichen
Aspekten
2.1.1. Rhetoriktheoretische Verortung des DFF und des „Schwarzen Kanals“ Für die rhetoriktheoretisch korrekte Einordnung des „Schwarzen Kanals“ als ideologischem Kommentar- und Kritikprogramm im DDR-Fernsehen, ist eine Verortung des Mediums an sich vonnöten. Die Unterschiede zwischen dem DFF und seinem Westpendant schlagen sich selbstverständlich auch rhetoriktheoretisch nieder. Zwar ist das Fernsehen im Osten ebenso ein Multiplikator von Sprache - insbesondere politischer Sprache - wie im Westen. Allerdings war - um mit Hannah Arendt zu sprechen - politische Sprache in der DDR kein Mittel zur Kommunikation, sondern ein Mittel struktureller Gewalt, 3 womit das Fernsehen die Rolle eines Multiplikators dieser strukturellen Gewalt einnahm.
Tatsächlicher Orator waren also nicht etwa einzelne Journalisten, sondern die Abteilung Agitation im ZK der SED, das den politischen Sendungen klare politisch-ideologisch definierte Vorgaben machte: „Die Aktuelle Kamera unterstand unmittelbar der Abteilung Agitation, ich zwar auch, aber denen haben sie ‚reingeredet, mir weniger.“ 4 Nur ein linientreuer „Parteijournalist“ wie von Schnitzler durfte politische Magazine, Reportagen,
Dokumentationen, Kommentare oder Nachrichtenbeiträge verfassen. Er bestätigt dies auch für seine persönliche Einstellung zum Fernsehen: „Ich betrachte den Journalismus als Mittel der Machtausübung, als Klasseninstrument. Da ich - durch Herkunft und Entwicklung dafür prädestiniert - an vorderster Front der Systemauseinandersetzung stehe, habe ich mich, seit ich Klasse und Zone gewechselt, mit den Organen der
3 ARENDT: 2003. S. 51.
4 LUDES: 1990: S. 273.
4
macht in den richtigen Händen immer besonders verbunden gefühlt.“ 5 Wie jeder Orator analysiert auch die Abteilung Agitation ihre Ziel-Widerstands-Mittel-Relationen. 6 Als Telos ergibt sich für die politischen Sendungen im DDR-Fernsehen der Versuch der Immunisierung gegen jede Form von Antikommunismus. Adressat ist vor allem das systemkonforme Fernsehpublikum. Die politische Opposition schaute ohnehin Westfernsehen, zumindest jedoch keine Propagandasendungen ihres eigenen
Staatsfernsehens. Widerstände sind vor allem politisch-ideologische Art feststellbar - also die Westmedien als „kapitalistische Gegenpropaganda“, die Attraktivität westlicher Lebensstandards, innerstaatliche Opposition, sowie aktuelle welt- und innerdeutsche politische Themen. Dem gegenüber stehen als rhetorische Mittel das Herausstellen der Integration der DDR in der sozialistischen Staatengemeinschaft, die Betonung der Freundschaft zur Sowjetunion, ökonomische Agitation, Negativberichterstattung über soziale, politische und wirtschaftliche Entwicklungen und im Besonderen über die Medien in der BRD, Nichtberichterstattung über innerstaatliche Opposition und Missstände. Insgesamt findet also eher ein „Monolog“ der Staatsdoktrin statt und kein multimedialer Dialog.
2.1.2. Bedeutung des DFF und des „Schwarzen Kanals“
Die jeweilige Bedeutung von Ost- beziehungsweise Westfernsehen für Bürger der DDR ist medienwissenschaftlich umstritten. 7 Empirisch gibt es keine klaren Belege wie häufig die jeweiligen Medien von den Einwohnern der DDR frequentiert worden sind. Dies rührt daher, dass die Abteilung Zuschauerforschung des Deutschen Fernsehfunks (DFF) aus politischen Gründen nur die Einschaltquoten für die eigenen Sendungen ermittelte und somit die gleichzeitige Quote für das Westfernsehen, das technisch in der DDR weithin verfügbar war, außen vor ließ. Es liegen zwar Umfragen 8 für die Nutzung von Westfernsehen aus den fünfziger, sechziger sowie späten
5 VON SCHNITZLER: 1989. S. 62.
6 KNAPE: 2000. S. 55.
7 LEVASIER: 2007. S. 226.
8 Vgl. ders: 2007. S.227.
5
Arbeit zitieren:
Roman Krawielicki, 2009, Ideologische Fernsehkritik am Beispiel des „Schwarzen Kanals“ im DDR-Fernsehen, München, GRIN Verlag GmbH
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