Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Begriffliche Ausgangspunkte. 3
2.1. Qualität 3
2.2. Qualitätssicherung. 6
2.3. Fehler. 7
3. Die neue Norm DIN EN 15038:2006. 9
4. Registrierung und Zertifizierung. 11
4.1. Registrierung 11
4.2. Zertifizierung. 12
4.3. Rezeption in der Fachwelt. 14
5. Eigendarstellung der Sprachdienstleister 16
5.1. Eigene Qualität - Qualität im Allgemeinen 16
5.2. Referenzen und Kundenlisten 17
5.3. Personalqualifikation. 18
5.4. Gütesiegel und Mitgliedschaften. 19
6. Fazit. 20
7. Bibliographie. 22
Anhang: 23
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1. Einleitung
Ziel der vorliegenden Arbeit soll sein, die von Übersetzungsdienstleistern in ihrer Darstellung mitunter angeführten Argumente „Qualität“ und „Qualitätssicherung“ näher zu untersuchen und zu hinterfragen. Dabei soll insbesondere die 2006 veröffentlichte, also ziemlich „junge“ DIN EN 15038 berücksichtigt werden, nach der sich Übersetzungsdienstleister registrieren und seit März 2007 auch zertifizieren lassen können. Zunächst soll jedoch auf den nicht nur in der Übersetzungswissenschaft und -praxis umstrittenen und vielschichtigen Begriff „Qualität“, der in engem Zusammenhang zum „Fehler“ zu sehen ist, eingegangen werden. Es folgt eine kurze Einführung in die DIN EN 15038, die jene ältere Norm DIN 2345 ablöst, und ein Überblick über die Reaktionen aus der Fachwelt. Des Weiteren werden die Verfahren zur Registrierung und Zertifizierung nach EN 15038 erläutert und anhand von ausgewählten Übersetzungsdienstleistern unterschiedliche Präsentationen gegenüber dem Kunden betrachtet.
2. Begriffliche Ausgangspunkte
2.1. Qualität
Der Begriff Qualität zählt in der allgemeinen Betrachtung von Sprachdienstleistungen zu den wichtigsten Elementen, die für den Kunden (neben der Einhaltung der Terminvorgabe) von Bedeutung sind. Wann immer es um die Bewertung von Übersetzern, Agenturen oder Übersetzungen geht, wird Qualität gefordert, in Zweifel gesetzt, abgesprochen oder belohnt. Kommt es jedoch zwischen dem Auftraggeber und dem Dienstleister zu Streitigkeiten aufgrund von Qualitätsfragen oder -mängeln, kann manchmal nur ein Gerichtsbeschluss die Situation klären. In einem solchen Fall muss im Laufe der Verhandlung anhand von Gutachten, Nachübersetzungen, Meinungen von (Sprach-)Fachleuten darüber entschieden werden, ob die vereinbarte Qualität (sofern es eine eindeutige Vereinbarung dazu gibt) erreicht wurde oder nicht.
Eine angemessene Bezahlung oder ein Nachlass auf das Honorar aufgrund von Reklamationsforderungen geht einher mit der Frage, welche Qualität vom Übersetzer
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erbracht wurde bzw. nicht erbracht wurde. Der Begriff Qualität ist jedoch weit weniger eindeutig, als vielleicht angenommen, was sich auch durch das Schema in Abb. 1 verdeutlichen lässt. Neben der individuellen Vorstellung von Qualität, die je nach Perspektive sehr unterschiedlich sein kann, gibt es einen eigenen Forschungszweig, der sich mit Qualität, deren Management, Sicherung etc. auseinandersetzt. Allein die Vielzahl der Komposita in diesem Fachbereich, in denen Qualität als Präfix oder Suffix vorkommt (z. B. Qualtitätsaudit, -beurteilung, -lenkung, -validierung, -verifizierung, ...) veranschaulicht die Komplexität des Begriffes Qualität. Abgesehen vom Fachgebrauch des Terminus Qualität existiert ein allgemeiner Qualitätsbegriff, der v. a. in den Medien und in der Werbung als Schlagwort eingesetzt wird, wenn z. B. von „erstklassiger Qualität“, „Markenqualität“ oder „Spitzenqualität“ (um nur einige zu nennen) gesprochen wird.
Der Wunsch des Kunden nach Qualität bei engem Termindruck, die Erfüllung aller Formatwünsche und Anpassung an die Kundenterminologie sowie ein knapp kalkuliertes Budget stellen für Sprachdienstleister daher ständige Herausforderungen dar, die allerdings auf dem Markt nicht immer erfüllt werden können. Die Verständigung zwischen Dienstleister und Auftraggeber auf eine gemeinsame Festlegung, was denn konkret unter der zu liefernden „Qualität“ zu verstehen ist, sollte m. E. zu jeder einzelnen Vertragsgestaltung dazu gehören. Allerdings scheint es für den Übersetzer nicht immer angebracht zu sein, den Kunden darauf anzusprechen (wenn es denn einen direkten Kontakt zum Kunden gibt), da dieser das Ansinnen des Übersetzers womöglich nicht versteht und für ihn in jedem Fall nur „erstklassige“ Qualität in Frage kommt, was auch immer darunter zu verstehen ist.
Das Schwierige bei der Betrachtung von Übersetzungsqualität ist aber auch der Gegenstand der Übersetzung selbst. Mit Ausnahme vielleicht von Prüfungsleistungen (die speziell für den Vergleich miteinander angefertigt werden) wird eine Übersetzung eines Ausgangstextes einmal und von einer Person angefertigt. Die Qualtität dieser Übersetzung wird in erster Linie an der inhaltlichen, stilistischen und formalen Abbildung des Ausgangstextes in der Zielsprache beurteilt. Die Einhaltung von Stilvorgaben und Konventionen lässt sich an Hand von zielsprachlichen Paralleltexten
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überprüfen, aber es ist unwahrscheinlich, dass der übersetzte Text (z. B. im Fall eines Handbuchs für eine neue Maschine) in der Zielsprache bereits vorliegt und so ein direkter Vergleich der beiden zielsprachlichen Texte möglich wäre. Den Vergleichspunkt bei der Beurteilung der Übersetzungsqualität, stellt daher zunächst der Ausgangstext dar, auch wenn in diesem Zusammenhang auf die Übersetzbarkeit des selben nicht eingegangen werden soll. Eine Übersetzung als Endprodukt einer Dienstleistung ist also nicht wie z. B. ein industriell gefertigtes Schraubgewinde mit anderen „Ausfertigungen“ des gleichen Modells vergleichbar, es gibt also keine „genormte“ Übersetzung eines Textes. Im Bereich der industriellen Produktion lassen sich eindeutige Anforderungen z. B. an Beschaffenheit, Material, Größe, Gewicht etc. stellen, an denen das jeweilige Objekt gemessen wird. Bei Übersetzungen als nicht normierbares Ergebnis einer Dienstleistung ist dies aber weitaus schwieriger. Normierung von Übersetzungsqualität orientiert sich aus diesem Grund an den Prozessen, die bei der Erstellung einer Übersetzung beteiligt sind. Wie im Einzelnen diese Prozesse verstanden und bewertet werden, wird deutlich, wenn im weiteren Verlauf auf die entsprechende Norm EN DIN 15038 eingegangen wird (Kap. 3).
Um einen näheren Zugang zum Begriff „Qualität“ zu bekommen, dem laut Duden (Duden:2000) auch „Güte“, „Wert“ und „Beschaffenheit“ als Synonyme beigeordnet werden, lohnt es sich, die Definition von Qualität als Fachbegriff zu betrachten, wie sie z. B. vom Handbuch Qualität vorgenommen wird: „Qualität = Relation zwischen realisierter Beschaffenheit und geforderter Beschaffenheit“ oder verkürzt „Realisierte Beschaffenheit bezüglich Qualitätsforderung“ (Geiger/Kotte 2005: 64). Diese kurze Definition zeigt, dass zur Erfüllung einer bestimmten Qualität eine vorherige Qualitätsforderung an das Produkt gestellt werden muss. Die erreichte Qualität kann also nur in Bezug auf die zu erfüllende Qualitätsforderung als gut oder schlecht bezeichnet werden. Die Forderungen an eine Übersetzung als Endprodukt eines Translationsprozesses können jedoch sehr unterschiedlich ausfallen. In der Translationstheorie gibt es zahlreiche unterschiedliche Ansätze, wie eine Übersetzung bewertet werden kann. Beispielsweise wird die „funktionale Äquivalenz“ eines Zieltextes gegenüber dem Ausgangstext betrachtet, die „Treue“ zum Ausgangstext
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oder die „Natürlichkeit“ und „Unauffälligkeit“ des Zieltextes. Für manche ist eine Übersetzung „geglückt“ und damit von guter oder sehr guter Qualität, wenn sie als solche nicht wahrgenommen wird, wenn der Rezipient keinen Widerspruch deutlich macht oder wenn sie schlichtweg einfach „funktioniert“. Das kann eine Übersetzung allerdings auch, wenn sie holprig klingt, falsche Kollokationen verwendet, der Kunde oder Endnutzer sich daran aber nicht stört, weil er gar keine hochwertige Übersetzung erwartet hat (beispielsweise, wenn eine Übersetzung von einem Text in einer beinahe ausgestorbenen Sprache nicht zu erwarten ist und dennoch erfolgt). In einem solchen Fall wäre es hypothetisch sogar möglich, dass eine Übersetzung, die grobe sprachliche Mängel aufweist, als qualitativ gute Übersetzung wahrgenommen wird, da sie ein wie auch immer beschaffenes Verständnis ermöglicht und die zugegebenermaßen niedrigen oder nicht vorhandenen Forderungen erfüllt oder übertrifft. Allein dieser Fall zeigt, dass die Vorstellung von Qualität und damit auch die Forderung an eine Übersetzung äußerst individueller Natur entspricht. Eine Übersetzung, die unter enormem Zeitdruck entstanden ist, kann qualitativ akzeptabel sein, da der Kunde nur eine „grobe“ Übersetzung angefordert hat und seine Erwartung dementsprechend niedrig war. Für einen anderen Kunden, der von einer druckreifen Übersetzung als Endprodukt ausging kann selbst eine marginale Layoutabweichung zu einer schlechteren Bewertung führen.
Es soll aber bei der Betrachtung von Übersetzungsqualität und der damit verbundenen Forderungen an den Übersetzer nicht um solche Extremfälle gehen, sondern um die realen Bedingungen im Übersetzungsalltag, wie er sich zwischen Kunde und Dienstleister ergibt. Um sowohl dem Sprachdienstleister als auch dem Kunden eine verlässliche Grundlage zu verschaffen, an der sich beide orientieren können, sollte ein Ziel der Übersetzungsbranche sein, einheitliche Standards zu schaffen und diese (dauerhaft) zu erfüllen. Im Zuge dessen würde auch eine Aufwertung des Berufsstandes erfolgen mit den von vielen Seiten geforderten Konsequenzen (angemessenere Bezahlung, Schutz der Berufsbezeichnung etc.).
2.2. Qualitätssicherung
Qualitätssicherung als Teil des Qualitätsmanagements wird von Kamiske und Brauer (2005: 208) als „Einbindung der qualitätsbezogenen Aktivitäten in die bestehende
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Aufbau- und Ablauforganisation des Unternehmens“ beschrieben, bei der „alle geplanten Tätigkeiten strukturiert und systematisch umgesetzt“ werden. In der internationalen Norm DIN EN ISO 9000:2005 wird folgende Definition angeführt: „Qualitätssicherung [ist] Teil des Qualitätsmanagements[...], der auf das Erzeugen von Vertrauen darauf gerichtet ist, dass Qualitätsanforderungen erfüllt werden.“ Überträgt man diese Ansätze auf die Arbeit eines Sprachdienstleisters wird deutlich, dass die Qualitätsanforderungen des Kunden den Ausgangspunkt für Qualitätssicherung bilden. Neben einer möglichst genauen Festlegung dieser Anforderungen an das zu liefernde Translat bildet die Einbeziehung aller verfügbarer Kundeninformationen (Vorgaben, gewünschte Fachtermini, Einbeziehung von Experten auf Kundenseite) mitsamt der Auswahl geeigneter und ausreichend qualifizierter Übersetzer eine der Grundlagen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Wie im einzelnen die Qualitätssicherung erfolgen soll und welche Elemente der Dokumentation angewandt werden können, wird von der Norm DIN EN 15038 im Detail angegeben.
Da Qualitätssicherung als ein wesentliches Ziel auch die Vermeidung von „Nicht“-Qualität vorsieht, soll im folgenden Kapitel, wenn auch nur kurz, auf Fehler eingegangen werden und mögliche Klassifikations- und Bewertungsmodelle vorgestellt werden.
2.3. Fehler
Der Begriff „Fehler“ ist häufig da anzutreffen, wo es um die Evaluierung und Kritik von Übersetzungen geht. Allgemein ist darunter eine „Nichterfüllung einer Forderung“ (Geiger/Kotte 2005: 18) zu verstehen, wobei die Forderungen an die zu erreichende Qualität bestimmen, welche Art von Fehler vorliegt und wie schwer der Fehler einzustufen ist. In der Übersetzungswissenschaft gibt es viele Ansätze, was unter einem Fehler zu verstehen ist (vgl. dazu Kaindl 1999, Lauscher 2000 und Hansen 2007) und auch auf der im Herbst 2006 in Leipzig abgehaltenen Tagung Lictra zum Thema „Translationsqualität“ hat man sich dieser Frage von verschiedenen Standpunkten her genähert. Ein Ansatz, der einen Einblick in den Umgang mit Fehlern gibt und schematisch zeigt, wie Qualitätssicherung im Übersetzungsalltag konkret aussehen kann, ist das von Gabriele Vollmar vorgestellte Modell der „pragmatischen Qualitätssicherung“ (Vollmar 2007). Hierbei wird eine zweistufige Qualitätsprüfung
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Arbeit zitieren:
Lorenz Althen, 2008, Qualität und Qualitätssicherung nach DIN EN 15038 als Verkaufsargument für Sprachdienstleister, München, GRIN Verlag GmbH
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