Schulsport mit asthmakranken Kindern 1
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 4
2 Asthma bronchiale. 6
2.1 Definition 6
2.2 Verschiedene Asthmaformen 8
2.2.1 Extrinsisches Asthma 8
2.2.2 Intrinsisches Asthma (Infektasthma) 9
2.2.3 Anstrengungsasthma. 10
2.3 Klassifikation. 11
2.4 Epidemiologie. 12
2.5 Ätiologie und Pathogenese 15
2.6 Mechanismus der Bronchokonstriktion 16
3. Medizinische Aspekte. 17
3.1 Asthmareaktion 18
3.2 Asthmasymptome 19
3.3 Diagnostik. 19
3.3.1 Anamnese 20
3.3.2 Körperliche Untersuchung 21
3.3.3 Lungenfunktionsdiagnostik. 22
4 Behandlungsmöglichkeiten des Asthma bronchiale 25
4.1 Prävention 25
4.2 Medikamentöse Behandlung 26
4.2.1 Schleimhautschützende und antientzündlich wirkende
Medikamente 27
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4.2.2 Bronchialerweiternde Medikamente 29
4.2.3 Medikamentöse Stufentherapie 31
4.3 Die Atemtherapie 32
4.4 Entspannungsverfahren. 35
4.4.1 Progressive Muskelentspannung 36
4.4.2 Autogenes Training 36
4.4.3 Kapitän-Nemo-Geschichten. 36
4.4.4 Biofeedback 37
5 Die Sporttherapie. 37
5.1 Motivation zum und im Sport 38
5.2 Zur Didaktik und Methodik des Sports mit Asthmatikern 39
5.2.1 Methodisch-didaktische Grundlagen. 39
5.2.2 Zur Methodik 41
5.3 Die Praxis der Sporttherapie. 42
5.3.1 Aufwärmphase 42
5.3.2 Belastungsphase 43
5.3.2.1 Große Spiele 44
5.3.2.2 Kleine Spiele. 44
5.3.2.3 Turnen an und mit Geräten 45
5.3.2.4 Gymnastik. 45
5.3.2.5 Laufen. 46
5.3.3 Abklingphase. 46
5.4 Zusammenfassung. 47
6 Asthmakranke und der Schulsport 48
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6.1 Medizinisch-physiologische Aspekte von Bewegung, Spiel
und Sport für Asthmakranke 48
6.1.1 Kraft 49
6.1.2 Schnelligkeit 51
6.1.3 Ausdauer. 52
6.1.4 Beweglichkeit 54
6.1.5 Koordination 55
6.2 Bedeutung von Bewegung, Spiel und Sport für die psychi-
sche und soziale Entwicklung des asthmakranken Kindes 58
6.2.1 Die Bedeutung von Bewegung ,Spiel und Sport für die
psychische und soziale Entwicklung des Kindes im
Allgemeinen. 58
6.2.2 Die Bedeutung von Bewegung, Spiel und Sport für die
psychische und soziale Entwicklung asthmakranker
Kinder 65
6.3 Gesundheitsförderung. 67
6.4 Zusammenfassung. 70
6.5 Rahmenbedingungen für den Schulsport mit asthmakrank-
en Kindern 71
6.6 Unterrichtskonzepte in der Literatur 75
6.7 Fortbildung für Lehrer 76
7. Schlusswort 77
8. Literaturverzeichnis 79
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1 Einleitung
„Schulsport mit asthmakranken Kindern“
Die chronische Krankheit, an der Kinder und Jugendliche in Deutschland am häufigsten leiden, ist Asthma bronchiale. Laut aktuellen, internationalen Schätzungen sind über 5% aller Kinder, zumindest vorübergehend, davon betroffen. „Asthma bronchiale ist eine anfallsweise, variabel und reversibel auftretende Obstruktion der Bronchien. Leitsymptom ist die Atemnot aufgrund einer Entzündung sowie eines hyperreagiblen Bronchialsystems. Die Hyperreaktivität kommt nicht nur beim Asthma bronchiale vor, ist jedoch sehr wesentlich und bestimmend für das Krankheitsbild.“ (Müller, Axel, 2006, S. 32) Da die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die an einer chronischen Krankheit leiden, in den letzten Jahren alarmierend zugenommen hat, ist es wichtig, über die Entstehung und den Verlauf solcher Krankheiten aufzuklären. Diese Aufklärung ist jedoch nicht nur für die Betroffenen und deren Familien hinsichtlich Therapie und Rehabilitation wichtig, sondern auch für Lehrer und Lehrerinnen. Nur mit ausreichenden Kenntnissen über die einzelnen Krankheitsbilder ist es den Lehrern möglich, einen erkrankten Schüler problemlos in die Klasse zu integrieren und einen sicheren und risikolosen Umgang mit ihm zu gewährleisten.
Vor diesem Hintergrund soll sich diese Arbeit mit der chronischen Atemwegserkrankung Asthma bronchiale beschäftigen, einem sportmedizinischen Problem im Schulsportunterricht.
Die bisher üblich gewesene Verfahrensweise, mit den jungen Asthmapatienten im Schulsport umzugehen, verdeutlicht wie wichtig es für Lehrer und Eltern ist, dass Aufklärungsarbeit geleistet wird.
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Turn- und Sportbefreiungen fördern nämlich nicht unbedingt die Gesundheit des Schülers, sondern bilden vielmehr eine zusätzliche Einschränkung in der Entwicklung.
Aus diesem Grund, also um die Lebensqualität des Heranwachsenden zu verbessern, werden alle Facetten des Sportunterrichts pädagogisch dazu genutzt, die Kinder zu integrieren statt auszuschließen und ihnen wichtige Ziele und Methoden der Asthmatherapie zu vermitteln. Das Ziel dieser Arbeit ist das Aufzeigen und Darstellen eben jener Möglichkeiten, die der Sport dazu bietet sowie deren Umsetzung im Schulalltag.
Zunächst soll ein Einblick in die medizinischen Grundlagen der Krankheit gegeben werden. Es sollen Fragen wie „Was ist Asthma?“, „Welche Ursachen hat es?“, „Wie wird es diagnostiziert?“ und „Wie wird Asthma behandelt?“ beantwortet werden.
Des Weiteren möchte ich zeigen, dass sportliche Betätigung bei Asthmapatienten nicht nur sinnvoll, sondern auch gesundheitsfördernd sein kann. Zwar stellen Sport und körperliche Bewegung im Allgemeinen ein besonderes Risiko dar, da die meist vorhandene bronchiale Hyperreagibilität bei fast jedem Asthmatiker zum Anstrengungsasthma führt, doch wenn man sich an gewisse Rahmenbedingungen hält und den Kindern ein adäquates Sportprogramm bietet, führt Sport zu einer nachgewiesenen Verbesserung des Gesamt-zustandes, sowohl bezogen auf die Gesundheit als auch auf die Lebensqualität. Aus diesem Grund ist es für mich keine Option, die Kinder als sportunfähig zu betrachten und sie mit Hilfe eines ärztlichen Attests vom Sportunterricht auszuschließen.
Insgesamt soll durch die folgenden Ausführungen deutlich werden, welche Bedeutung Bewegung, Spiel und Sport für die unterschiedlichen Aspekte der kindlichen Entwicklung haben. Diese Aspekte sollen unter medizinisch-
Schulsport mit asthmakranken Kindern 6
physiologischen (Hauptbeanspruchungsformen), psychosozialen und gesundheitspädagogischen Gesichtspunkten erörtert werden.
2 Asthma bronchiale
Vor dem Hintergrund der steten Zunahme von Asthmakranken im Kindes- und Jugendalter ist es wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten. Bei der Aufklärung soll der Fokus nicht lediglich auf medizinischen Aspekten liegen, sondern vor allem auf den Gründen für die Entstehung und Verbreitung dieser Krankheit, um so ausreichende Vorsorge- und Schutzmaßnahmen treffen zu können.
2.1 Definition
Der Begriff Asthma kommt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie Atemnot (Nolte, 1998, S. 12). Das Asthma bronchiale ist eine chronische Krankheit, die eine große Variabilität aufweist. Subjektiv wird sie von betroffenen Menschen als Atemnot empfunden, die durch einen Verschluss der Atemwege (des Bronchialsystems) verursacht wird. Die Ursache dieser Atemwegsobstruktion liegt in einer, in jedem Fall vorhandenen, Hyperreaktivität, also Überempfindlichkeit, die durch entzündliche Veränderungen hervorgerufen wird (Nolte, 1991, S. 8).
Versucht man, eine allgemein geltende Definition von Asthma zu finden, stößt man auf vier unterschiedliche Ansätze (vgl. Nolte, 1991, 1ff). Der Ansatz der: 1. ätiologischen Definition, 2. pathogenetischen Definition, 3. klinischen Definition, 4. funktionsanalytischen Definition.
Schulsport mit asthmakranken Kindern 7
Bei der ätiologischen Definition, die für möglichst jede Krankheit anzustreben ist, ergibt sich das Problem, dass die Ursache der Krankheit nur in einem kleinen Teil der Fälle feststellbar ist (z.B. exogen-allergisches Asthma). Deshalb ist nach dem derzeitigen Forschungsstand eine Asthmadefinition, die allein die allergische Entwicklung zur Grundlage hat, nicht richtig und unvollständig. Bei der pathogenetischen Definition wird der Fokus auf die Hyperreaktivität des Bronchialsystems gesetzt. Der Begriff der Hyperreaktivität beschreibt „... die Überempfindlichkeit der Atemwege gegenüber spezifischen oder unspezifischen Reizen physikalischer oder chemischer Art oder körperlicher Belastung“ (Petermann, 1999, S. 33).
Obschon bei jedem Asthmatiker ein hyperreaktives Bronchialsystem nachzuweisen ist, gibt es zwei Gründe, aus denen sich die pathogenetische Definition nicht durchsetzen konnte. Zum einen existieren auch andere Atemwegserkrankungen, wie z.B. der akute Atemwegsinfekt oder die chronische Bronchitis, bei denen ein hyperreaktives Bronchialsystem diagnostiziert werden kann und zum anderen scheitert die Definition an der Praxis, da zum Nachweis der Hyperreaktivität ein Provokationstest nötig wäre. Bei der klinischen Definition stehen, laut des „Ciba Foundation Guest Symposium“ (1959), der Anfallscharakter und die spontane Rückbildungsfähigkeit, also die sogenannte Reversibilität, der klinischen Symptomatik im Mittelpunkt der Betrachtung. Signifikant für diese Definition ist das Klagen der Patienten über „anfallsweise auftretende und spontan abklingende Atemnot“ (Nolte, 1998, S.56 ff).
Die Definition, die einer allgemein gültigen Asthmadefinition am ehesten gerecht wird, ist die funktionsanalytische. Durch die funktionsanalytische Diagnostik kann ein exakter Nachweis der Reversibilität der Atemwegsobstruktion geliefert
Schulsport mit asthmakranken Kindern 8
werden. Hierbei bilden die variable und reversible Strömungsbehinderung im Bronchialsystem und der morphologische Befund der Entzündung die Grundlage.
Diese Ansätze sinnvoll zusammengesetzt, führen zu der Asthmadefinition Noltes:
„Asthma ist eine variable und reversible Atemwegsobstruktion infolge Entzündung und Hyperreaktivität der Atemwege“ (Nolte, 1991, S. 3), wobei „variabel“ hier meint, dass der Grad der Atemwegsobstruktion starke, temporäre Schwankungen aufweist.
Als das zentrale Symptom von Asthma lassen sich jetzt die hyperreaktiven Bronchien bestimmen, die fast immer mit einer morphologisch nachweisbaren Entzündung der Atemwege einhergehen (vgl. Nolte, 1991, 43ff).
2.2 Verschiedene Asthmaformen
2.2.1 Extrinsisches Asthma
Man unterscheidet drei eigenständige Formen des Asthma bronchiale. Die erste Form ist das extrinsische Asthma (exogen-allergisch). Der menschliche Organismus verfügt über Abwehrmechanismen, um sich gegen schädliche exogene Einflüsse zu schützen. Gelangen, z.B. durch Inhalation, schädliche Stoffe in den Körper, so werden diese als Antigene 1 erkannt. Als Antwort darauf bildet der Körper Antikörper 2 zur Abwehr, deren Aufgabe die Inaktivierung dieser Antigene ist. Neben der Inaktivierung des Antigens können aber auch nachteilige, überschießende Reaktionen das Ergebnis einer Antigen-Antikörper-Verbindung sein. In diesem Fall handelt es
1 Antigene sind fremde Substanzen, die die Bildung von Antikörpern auslösen;
2 Antikörper sind spezifische Eiweiße, die vom Körper als Reaktion auf ein Antigen gebildet werden, um
dieses zu bekämpfen;
Schulsport mit asthmakranken Kindern 9
sich um eine Form einer allergischen Reaktion. Die Aktionen des Körpers
gegen Allergene 3 , die klinische Symptome hervorrufen, werden allgemein als Allergie definiert. In diesem Zusammenhang wird Asthma bronchiale auch zu den atopischen Erkrankungen gezählt. Menschen mit einer Atopie haben gegen ein oder mehrere Allergene bestimmte Antikörper gebildet, die in hohen Konzentrationen im Gewebe der Haut und der Schleimhäute sitzen. Bei erneuter Konfrontation mit dem Allergen kommt es jedes Mal zur Bildung der Allergen-Antikörper-Verbindung und in Folge davon auch zu der bereits beschriebenen allergischen Asthmareaktion (Köhler, 1995, S. 28ff). Beim allergischen Asthma bronchiale, unter dem die überwiegende Zahl der asthmabetroffenen Kinder und Jugendlichen leidet, vollziehen sich die nachteiligen Reaktionen an den Bronchien: Eingeatmete Umweltallergene lösen die Hyperreagibilität des Bronchialsystems aus. Die dann einsetzende Asthmareaktion führt zu einer chronisch werdenden Entzündung. Bei den Triggern des allergischen Asthmas kann zwischen saisonal und ganzjährig auftretenden Allergenen unterschieden werden. Zu den häufigsten saisonalen Allergenen zählen Pollen von frühblühenden Bäumen und Sommerkräutern sowie Graspollen und Schimmelpilzsporen. Ganzjährig beschwerdenverursachend sind Tierhaare, der Kot von Hausstaubmilben, bestimmte Medikamente und in geringerem Umfang auch einige Nahrungsmittel (Lecheler & Walter,1997, S. 21ff).
2.2.2 Intrinsisches Asthma (Infektasthma)
Für den Beginn des Infektasthmas ist häufig eine einfache Erkältung oder ein grippaler Infekt verantwortlich. Heilen diese nicht richtig aus, können sie zunächst zu einem über mehrere Wochen oder Monate andauernden Reizhusten, teilweise aber auch zu hartnäckigen Atemwegsverschleimungen mit pfeifender
3 Als Allergene werden allergieauslösende Antigene bezeichnet;
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Atmung führen. Später kann Atemnot dann sowohl bei körperlicher Belastung als auch im Ruhezustand auftreten (Lob-Corzilius, 1993). Köhler (1995) sieht eine Verbindung zwischen dem Infektasthma und der oben beschriebenen allergischen Form: Die Bakterien, die den Infekt verursachen, können durch eine Sensibilisierung des Organismus die Eigenschaften eines Allergens annehmen und infolgedessen die Aktivierung der Antikörper nach sich ziehen. Außerdem kann die durch den Infekt entzündete Bronchialwand das Ein-wandern von anderen Allergenen erleichtern.
2.2.3 Anstrengungsasthma
Anstrengungsasthma ist als akute Atemwegsobstruktion bei körperlicher Belastung auf der Grundlage bronchialer Hyperreaktivität definiert (Lecheler et al., 1997, S. 33ff). Das Anstrengungsasthma kommt sowohl beim extrinsischen als auch beim intrinsischen Asthma vor und ist, nach Nolte (1998), keine eigenständige Asthmaform.
Die Bronchialschleimhaut bei einem gesunden Menschen ist mit einer feuchten Schleimschicht bedeckt; die Luft innerhalb der Bronchien ist warm und wasserdampfgesättigt. Bei körperlicher Belastung kommt es zu einer Steigerung der Ventilation und somit auch zu einer Steigerung der Luftströmung innerhalb der Bronchien, durch die die wasserdampfgesättigte Luft abtransportiert wird.
Flüssigkeit verdunstet aus der Bronchialschleimhaut. Der bei der Verdunstung entstehende Wärmeverlust führt zum Auskühlen der Bronchialschleimhaut. Das Auskühlen der Bronchialschleimhaut ist nach neueren Untersuchungen der entscheidende Faktor für die Ursache zur Auslösung des Anstrengungsasthmas. Durch den Wärmeverlust kommt es zu einer Reizung der Nervenendigungen, die dann reflektorisch den Bronchialspasmus und damit einen Asthmaanfall auslösen (Erikson et al., 1989). Wird nach körperlicher Anstrengung ein Anstrengungsasthma ausgelöst, so kommt es in der Regel innerhalb einer halben Stunde zu einer Erholung und Rückbildung der Atembeschwerden.
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Die Wiederholung der Belastung innerhalb einer halben Stunde führt zu einer Abschwächung der Atembeschwerden. Diese verminderte obstruktive Antwort der Atemwege auf wiederholte Belastung wird als Refraktärperiode bezeichnet. Die Ursachen der Refraktärperiode sind noch nicht geklärt. Es wird aber angenommen, dass die Entzündungsmediatoren, die bei der Erstreaktion verantwortlich sind, bei einer kurz darauf folgenden Belastung erschöpft sind (Lecheler et al., 1997, S. 61ff).
2.3 Klassifikation
Nicht jedes Asthma ist gleich stark ausgeprägt. Da zur Schweregradeinteilung ganz unterschiedliche Parameter herangezogen werden können, wie z.B. die Häufigkeit der Symptome, subjektive Beschwerdeintensität oder Therapieumfang, gibt es keine einheitliche und allgemein gültige Klassifikation. Im Folgenden soll die, in Szczepanski, Schmidt (1997, S.7 ff) von der Weltgesund-heitsorganisation WHO empfohlene, Einteilung in vier Schweregrade dargestellt werden, die sich an den Lungenfunktionsparametern orientiert (siehe Tab. 1): Bei leichtem Asthma (Grad 1) tritt weniger als 5 mal pro Jahr eine erschwerte Atmung auf. Es kommt nicht zur Atemnot und die Lungenfunktion ist im beschwerdefreien Intervall ohne Befund. Kommt es 6-10 mal pro Jahr zu einer erschwerten Atmung mit Pfeifgeräuschen, so wird nach WHO-Klassifikation mäßiggradiges Asthma (Grad 2) diagnostiziert - selten tritt Atemnot auf. Anhand der Lungenfunktion kann eine pathologische Veränderung erkannt werden. Bei mittelschwerem Asthma (Grad 3) liegen kurz oder länger dauernde asthmatische Symptome bis 20 mal pro Jahr vor. Insbesondere in diesen Phasen ist die Lungenfunktion krankhaft mit erhöhtem Atemwegswiderstand und leichter Überblähung verändert. Bei schwerem Asthma (Grad 4) kommt es mehr als 20 mal pro Jahr oder dauerhaft zu asthmatischen Beschwerden, wie Pfeifgeräusche der Lunge oder häufige Atemnot. Die Lungenfunktion zeigt oft anhaltende krankhafte Veränderungen und eine deutliche Überblähung der
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Lunge. Aus einer erheblichen Verengung der Bronchien resultiert eine Erhöhung des Atemwegwiderstandes.
2.4 Epidemiologie
Asthma ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter geworden (Lecheler et al., 1997). Genaue Angaben über die Prävalenzrate von Asthma gibt es aber nicht, sie variieren zwischen 0,1 und 25% (Lecheler, 1990, Nolte, 1991, S.28ff).
Dies lässt sich, laut Nolte (1991) und Lecheler (1990), auf folgende Faktoren zurückführen:
1. Unterschiedliche Definitionen der Krankheit Asthma, 2. Unterschiede in den Erhebungen, je nachdem ob die punktuelle Prävalenz oder die kumulative Prävalenz erhoben wird, 3. Unterschiede in der Altersstruktur des untersuchten Kollektivs, 4. regionale Unterschiede in der Häufigkeit.
Relativ sicher ist die Erkenntnis, dass die Asthma-Prävalenz in den letzten 100 Jahren stark gestiegen ist. In einer Londoner Dissertation von 1882 ist die Rede von nur 0,001% stationärer Aufnahmen im St. Bartholomew-Hospital aufgrund von Asthma (im Sinne von Stevenson, 1882; in Lecheler/Walter, 1995). 1956 ermittelte Smith (1961) bereits eine Prävalenz von 1,8% unter den Londoner Schulkindern. 1971 lag sie schon bei 9,9% (Smith et al., 1971). In der Region Genf konnte in den Jahren von 1961 bis 1981 eine Zunahme von Asthma bei Kindern und Jugendlichen um ca. 25% nachgewiesen werden (Köhl/Völker, 1990, S. 11). Im Erwachsenenalter scheint die Asthmahäufigkeit, mit 0,5 bis 1,0%, der Bevölkerung etwas niedriger zu liegen als bei Kindern. Auf die Frage nach den Ursachen dieses Anstiegs gibt es bis heute keine
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befriedigende Antwort. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass die Lebensgewohnheiten in unserer Industriegesellschaft zu diesem Anstieg der Prävalenz führen. Folgende Faktoren scheinen dabei eine wichtige Rolle zu spielen (Lecheler Faktoren et al.,1997, S.33):
Änderung von Wohnort und Lebensweise (Verstädterung fördert offenbar Asthma), Belastung mit Luftschadstoffen (SO2/NOx/Ozon), Sozialstatus (Allergische Reaktionen sind häufiger in Bevölkerungsschichten mit niedrigem Einkommen), Infektionen.
Bei etwa der Hälfte der Erkrankten liegt der Zeitpunkt des Krankheitsbeginns im Vorschulalter. Während die Kinder zu ca. 90% an allergischem Asthma leiden, treten die Allergien mit zunehmendem Lebensalter als Asthmaauslöser in den Hintergrund (Köhl/Völker, 1990, S. 14ff).
Erstaunlicherweise leiden im Kindes- und Jugendalter 2-3 mal so viele Jungen wie Mädchen an Asthma (Lecheler et al., 1997, S. 20ff, Nolte, 1991, S. 41ff). Im Erwachsenenalter kehrt sich dann das Verhältnis der Geschlechter um. Eine Erklärung hierfür gibt es noch nicht.
Schulsport mit asthmakranken Kindern 15
2.5 Ätiologie und Pathogenese
Die für Asthma bronchiale charakteristische Hyperreagibilität der Bronchien ist zum Teil erblich bedingt. Die Hyperreagibilität ist definiert als „eine zur Stärke des Reizes überproportionale Kontraktion der Atemwegsmuskulatur“ (Ulmer, 1981, S. 61). Leidet ein Elternteil an Asthma bronchiale, erhöht sich das Risiko für das Kind, ebenfalls an Asthma zu erkranken von durchschnittlich 10% auf das Doppelte; sind beide Elternteile betroffen, steigt die Wahrscheinlichkeit für das Kind auf über 50%. Neben der Vererbung sind häufig schwere Erkältungen oder Infektionen im Säuglings- und Kleinkindalter Ursachen für Asthma bronchiale. Diese Infektionen sind zu 90% Virus bedingt, für die die Hyperreagibilität verantwortlich ist (Szczepanski, Schmidt, 1997). Die Asthmasymptomatik wird hervorgerufen, wenn bestimmte Reize auf die angeborene oder erworbene hyperreagible Bronchialschleimhaut treffen. Diese als Auslöser oder Trigger bezeichneten Reize, bewirken, dass bestimmte Vermittlersubstanzen, die sogenannten Mediatoren, freigesetzt werden. Die Mediatoren, z.B. Histamin, können einerseits direkt weitere Reaktionen auslösen, die als Folge eine chronische Entzündung der Bronchialschleimhaut bewirken und andererseits können Mediatoren auch indirekt Asthmasymptome hervorrufen, indem sie als Lockstoffe für weitere Entzündungszellen fungieren. Da letzteres wiederum neue Mediatoren freisetzt, schließt sich der Kreis für eine dann chronische, sich selbst unterhaltende Entzündung, die wiederum die Hyperreaktivität zur Folge hat.
Der zentrale Mechanismus, der die Asthmasymptomatik hervorruft, ist also die chronische Entzündung, ausgelöst und unterhalten durch die Mediatoren (Szczepanski, Schmidt, 1997).
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2.6 Mechanismus der Bronchokonstriktion
Von der Hyperreaktivität sind alle drei Strukturelemente der Bronchialwand betroffen: Die zirkulär verlaufende glatte Bronchialmuskulatur, die schleimbildenden Drüsen im Bronchialepithel und die Bronchialschleimhaut. Beim Kontakt mit den oben genannten spezifischen (Allergene, Infekte) und unspezifischen Triggern kommt es dann zu Veränderungen dieser drei Strukturelemente und damit zur Bronchialobstruktion. Dieser Vorgang lässt sich folgendermaßen beschreiben:
1. Durch den Spasmus der glatten Bronchialmuskulatur kommt es zu einer Verengung der Lumina des Atemwegsystems. Der typische anfallsartige Charakter der Asthma-Symptomatik ist durch diese Spastik erklärbar. Das gleiche gilt auch für die spontane Rückbildungsfähigkeit. 2. Weiterhin verengt die entzündliche Verdickung der Bronchialschleimhaut ebenfalls das Bronchiallumen. Dies gilt insbesondere für die kleinen Atemwege mit einem Durchmesser von 2 mm und weniger. 3. Schließlich kann der vermehrt produzierte Schleim aus den vergrößerten und überentwickelten Bronchialdrüsen die Atemwege verstopfen. Aufgrund seiner hohen Viskosität kann der Schleim in den Atemwegen nicht mundwärts transportiert und dann abgehustet werden. Infolgedessen kann es besonders zu einer Verstopfung der großen zentralen Atemwege kommen.
Gerade bei einem Status asthmatikus spielt diese Mukostase eine verhängnisvolle Rolle. Man nennt diesen Prozess auch die „Trias der Bronchialobstruktion“ (Köhl/Völker, 1990, S.13). Im Verlauf einer Asthmaerkrankung verstärken sich die drei Faktoren oft gegenseitig. Dazu kommt, dass die kleinen Bronchien nicht von Knorpelspangen gestützt und offen gehalten werden, sondern nur durch den elastischen Zug der Lungen. Hierdurch wird die Einengung der Bronchien vor allem in der Ausatmung wirksam. Eine
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