Die Konstantinische Wende
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Konstantin der Große 5
1.1. Aufstieg und Kampf um die Macht 5
1.2. Konstantin als Alleinherrscher 7
2. Innenpolitik 8
2.1. Allgemein 8
2.2. Die Gesetzgebung 9
3. Die Konstantinische Wende und die Religionspolitik 11
3.1. Überlieferungen bezüglich dem Glaubensbekenntnis Konstantins 11
3.2. Indizien für einen frühzeitigen christlichen Glauben bei Konstantin 13
3.3. Das Galeriusedikt (311 n. Chr.) 14
3.4. Der Sieg an der Milvischen Brücke (312 n. Chr.) 15
3.5. Die Opferverweigerung (312 n. Chr.) 17
3.6. Die Mailänder Konstitution / Das Toleranzedikt (313 n. Chr.) 19
3.7. Die Synode von Arles (314 n. Chr.) 20
3.8. Münzbilder 21
3.9. Der Konstantinsbogen, die Porphyrsäule u. das Kirchenbauprogramm 22
3.10. Das Konzil von Nicaea (325 n. Chr.) 24
3.11. Aspekte und Beweggründe Konstantins 26
3.12. Konstantins Tod (337 n. Chr.) 28
3.13. Die Konstantinische Wende nach dem Tod Konstantins 30
3.14. Kritik an der Konstantinischen Wende 31
4. Das Bild Konstantins in der Spätantike 32
Konklusion 33
Quellenverzeichnis 35
Literaturverzeichnis 35
2
Einleitung
Mit Konstantin dem Großen (306-337 n. Chr.) verbindet man im Allgemeinen die Zuwendung eines römischen Kaisers zum Christentum und in Folge dessen Förderung zur Staatsreligion. In dieser Arbeit soll diese Thematik näher beleuchtet werden. Dabei wird nach einem einleitenden kurzen Abriss zu Konstantins Leben mit seinen wichtigsten Etappen und der Innenpolitik, hier v.a. der Gesetzgebung, auf die Konstantinische Wende und deren entscheidende Ereignisse eingegangen werden. Schließlich soll noch kurz das Bild Konstantins, das die Menschen in der Spätantike von ihm hatten, aufgezeigt werden.
Unter der Konstantinischen Wende versteht man die Hinwendung Konstantins zum christlichen Glauben sowie die Abkehr von den heidnischen Göttern und Bräuchen sowie dem Polytheismus im Allgemeinen. 1 Die Konstantinische Wende wurde in früheren Zeiten oft als „Fundament der abendländisch-christlichen Geschichte“ 2 gesehen und Konstantin als zweiter Reichsbegründer nach Augustus. 3 Beschäftigt man sich mit dieser Materie, so kommen zweifelsohne einige Fragen auf, die es zu beantworten gilt: wann hat die Wende stattgefunden? Fand sie tatsächlich statt? Wie sind die historischen Fakten, wie die Leitgedanken des Kaisers? Waren Letztere eher religiös, politisch oder persönlich gesinnt? Ist die Wende als punktuelles Ereignis oder als längere Entwicklung zu sehen? Man muss darüber hinaus zwischen der Religionspolitik und dem persönlichen Glauben des Kaisers unterscheiden. 4 Nicht zuletzt ist auch der Aspekt zu beachten, dass in der Wende die Hinwendung der Kirche zur machtbesessenen Institution gesehen wird. 5 Die Quellenlage ist relativ gut. Eine positive Sicht bezüglich der Wende vermitteln die Kirchenhistoriker Eusebius von Caesarea, Laktanz, Sokrates, Sozomenus und Theodoret. Eine negative Sicht wird bei den heidnischen Historikern Eutropius, Ammianus Marcellinus und Zosimus geschildert. 6 Für diese Arbeit wurde eine Auswahl dieser Quellen verwendet und zwar relevante Passagen für die aufzuzei-
1 K.M.Girardet, Die Konstantinische Wende und ihre Bedeutung für das Reich, Althistorische Überlegungen zu den geistigen Grundlagen der Religionspolitik Konstantins d. Gr., in: E. Mühlenberg (Hrsg.), Die Konstantinische Wende, Gütersloh 1998, 9-122, 22.
2 H. Rahner Sj., Konstantinische Wende?, Eine Reflexion über Kirchengeschichte und Kirchenzukunft, in: Stimmen der Zeit, Bd. 167, Freiburg 1960/61, 419-428, 420.
3 E. Ewig, Das Bild Constantins des Grossen in den ersten Jahrhunderten des abendländischen Mittelalters, in: H. Hunger (Hrsg.), Das byzantinische Herrscherbild, Darmstadt 1975, 133-192, 133.
4 Girardet 1998, 16ff.
5 Rahner 1960/61, 419.
6 S. Hausammann, Alte Kirche, Zur Geschichte und Theologie in den ersten vier Jahrhunderten, Bd. 2, Verfolgungs- und Wendezeit der Kirche, Gemeindeleben in der Zeit der Christenverfolgungen und Konstantinische Wende, Neukirchen-Vluyn 2001, 187.
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genden Entwicklungen von Eusebius 7 , Laktanz 8 , Eutropius 9 und Zosimus 10 . Darüber hinaus findet sich in den Actus Silvestri 11 eine wichtige Stelle sowie in den antiken Rechtssammlungen, dem Codex Theodosianus und dem Codex Iustinianus 12 . Um das Bild abzurunden, wurden ein überlieferter Brieftext 13 von Konstantin, der Auszug einer panegyrischen Rede 14 sowie Bibelpassagen verwendet. Die Überlieferungen von Sokrates, Sozomenus und Theodoret werden in dieser Arbeit vernachlässigt, da sie aus dem 5. Jh. stammen und sich alle auf Eusebius zurückführen lassen. 15 Eusebius von Caesarea, der zweifelsohne die Hauptquelle für das Leben und Wirken Konstantins darstellt, wird in der Forschung als Legendenerschaffer und Lobredner, der gewisse Fakten beschönigt hat, gesehen. Konstantin wurde als heiliger Kaiser dargestellt, der mehrere Visionen des Erlösers hatte und private Besitze in Kirchenbesitz umwandelte. Eusebius’ Werke enthalten wahre Begebenheiten, aber das Hauptergebnis ist wohl eine positiv überzeichnete Legendenbildung. 16 Sein, in dieser Arbeit öfter zitiertes Werk, De Vita Constantini, gilt als Verherrlichung von Konstantins Leben, weshalb man damit etwas vorsichtig umgehen muss, wobei seine überlieferten und zitierten Originaldokumente als wahrheitsgemäß angesehen werden. 17 In der Vita Constantini lässt Eusebius - typisch für einen Panegyrikerbewusst Lücken, was gewisse Details betrifft. 18 Er hat den Kaiser eventuell nicht öfter als viermal persönlich getroffen, darüber hinaus ist kein übermäßiger Briefkontakt zwischen den beiden nachzuweisen. 19 Eusebius hatte also keinen besonderen Bezug zu Konstantin.
Bis zum Ende des 17. Jhs. bildeten Legenden die Grundlage des Bildes über Kaiser Konstantin. Erst in den letzten 300 Jahren wurde dies genauer beleuchtet,
7 P. Dräger (Hrsg.), Eusebios, Über das Leben des glückseligen Kaisers Konstantin (De vita Constantini), Griechisch / Deutsch, Oberhaid 2007. / V. Keil (Hrsg.), Quellensammlung zur Religionspolitik Konstantins des Großen, Texte zur Forschung, Bd. 54, Darmstadt 1989.
8 Keil 1989.
9 F.L. Müller (Hrsg.), Eutropii Breviarium ab urbe condita - Eutropius, Kurze Geschichte Roms seit Gründung (753 v. Chr.-364 n. Chr.), Einleitung, Text und Übersetzung, Palingenesia Bd. 56, Stuttgart 1995.
10 J.F. Reitemeier (Hrsg.), Zosimi Historiae, Graece et Latine, Leipzig 1784.
11 B. Mombritius, Sanctuarium seu Vitae Sanctorum, Bd. 2, Paris 1910.
12 Keil 1989.
13 Optatus, Zwisa 208,18.32a; siehe bei Keil 1989, 78.
14 R.A.B. Mynors (Hrsg.), Panegyrici Latini, 12 (9) 26,1, Oxford 1964.
15 A. Linder, The Myth of Constantine the Great in the West: Sources and Hagiographic Commemoration, in: Studi Medievali, Bd. 16, Spoleto 1975, 43-95, 48.
16 C.B. Coleman, Constantine the Great and Christianity, Three Phases: the Historical, the Legendary, and the Spurious, Studies in History, Economics and Public Law, Bd. 60, New York 1914, 107ff.
17 Keil 1989, 14f.
18 T.D. Barnes, Constantine and Eusebius, Cambridge (Mass.) / London 1981, 270.
19 Ebd., 266f.
4
erforscht und kritisch gedeutet. Dies führte zu einem skeptischen und kontrastreichen Blickwinkel bezüglich Konstantin 20 , der in dieser Arbeit nachgezeichnet werden soll.
1. Konstantin der Große
1.1. Aufstieg und Kampf um die Macht
C. Flavius Valerius Constantinus 21 wurde am 27. Februar in Naissus 22 geboren. Das genaue Geburtsjahr ist nicht bekannt 23 , es dürfte zwischen 272 n. Chr. 24 und 285 n. Chr. 25 gelegen haben. Sein Vater war Constantius I. Chlorus (293/305 26 -306 n. Chr.), über dessen Herkunft und Tätigkeit in jungen Jahren nichts überliefert ist. Seine Mutter Helena, eine Stallmagd, stammte aus Bithynien. Die beiden waren höchstwahrscheinlich unverheiratet. 27 Konstantin entstammte laut Zosimus einer unrechtmäßigen Beziehung mit einer Frau geringer Herkunft (Zosimus, Hist. nova II,8,2). 28 Constantius verließ wohl seine Geliebte und ihren Sohn, da er für einen der beiden neugeschaffenen Caesarenposten 29 vorgesehen war und sich seit den diokletianischen Reformen ein Konkubinat nicht mehr ziemte. Er ehelichte daraufhin die Stieftochter Maximians Theodora. 30
Über die Kindheit und Jugend Konstantins ist nicht viel bekannt. 31 Er wuchs am Hof Diokletians in Nikomedeia auf 32 und verbrachte seine Jugend dort. Er galt als Günstling des Diokletian (284-305 n. Chr.) und wurde im Alter von drei Jahren mit
20 K. Nowak, Der erste christliche Kaiser, Konstantin der Große und das “Konstantinische Zeitalter” im Widerstreit der neueren Kirchengeschichte, in: E. Mühlenberg (Hrsg.), Die Konstantinische Wende, Gütersloh 1998, 186-233, 187.
21 K.M. Girardet, Die konstantinische Wende, Voraussetzungen und geistige Grundlagen der Religionspolitik Konstantins des Großen, Darmstadt 2006, 9.
22 Provinz Moesia; heute: Nisch, Serbien.
23 M. Clauss, Konstantin I., in: M. Clauss (Hrsg.), Die römischen Kaiser, 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian, München ²2001, 282-301, 284.
24 S. Walentowski, Konstantin I. d. Gr., in: K. Brodersen und B. Zimmermann (Hrsg.), Metzler Lexikon Antike, Stuttgart / Weimar 2000, 302-303, 302.
25 Hausammann 2001, 192.
26 Die erste Jahreszahl gibt die Erhebung zum Caesar an, die Zweite die Erhebung zum Augustus.
27 Clauss 2001, 284.
28 Hausammann 2001, 192.
29 Seit 284 n. Chr. war Diokletian Kaiser des römischen Reiches. Zwei Jahre später erhob er seinen Gefährten Maximianus zum Mitkaiser, der sich fortan um den Westteil des Reiches kümmerte, während Diokletian im Osten regierte. Im Jahr 293 n. Chr. begründete er die Tetrarchie, d.h. zusätzlich zu den zwei Augusti wurden zwei Caesares ernannt, die als untergeordnete Mitregenten und vorgesehene Nachfolger fungierten. Dies waren Konstantins Vater, Constantius I. im Westen und Galerius im Osten (vgl. hierzu: S. Walentowski, Diokletian, in: K. Brodersen und B. Zimmermann (Hrsg.), Metzler Lexikon Antike, Stuttgart / Weimar 2000, 138-139, 139).
30 E. Dassmann, Kirchengeschichte II/1, Konstantinische Wende und spätantike Reichskirche, Stuttgart / Berlin / Köln 1996, 20.
31 Clauss 2001, 284.
32 A. Lippold, Constantinus, in: K. Ziegler und W. Sontheimer (Hrsg.), Der Kleine Pauly, Lexikon der Antike, Bd. 1, München 1979, 1286-1290, 1286.
5
der Tochter Maximians, Fausta, verlobt. 33 Im Jahr 305 n. Chr. dankten Diokletian und Maximian ab, woraufhin Constantius I. und Galerius auf den Thron folgten. Konstantin reiste zu seinem Vater nach Britannien. Dieser erlag aber am 25.07.306 in Eboracum (York) einer Krankheit und noch am selben Tag wurde Konstantin von den Truppen Britanniens zum Kaiser, also Augustus, proklamiert. Konstantin erhob seinen Vater nach alter Tradition zum Gott und war somit der Sohn eines Gottes. 34 Aber das Prinzip der Tetrarchie sah keine Erbfolgeregelung vor, sondern beim Tod eines Augustus sollte ein Caesar nachrücken und die beiden neuen Augusti sollten daraufhin einen neuen Caesar bestimmen. 35 Seine Machtergreifung war also eine Usurpation. 36
Machtkämpfe folgten mit seinen Konkurrenten Galerius (293/305-311 n. Chr.), Maxentius (306-312 n. Chr.), Licinius (308-324 n. Chr.), Maximinus Daia (305/310-313 n. Chr.) und Maximian (285/286-305 n. Chr.). Konstantin, der die Kontrolle über Britannien, Gallien und Hispanien innehatte, übertraf alle an Energie, Risikobereitschaft und Aggression. Er stabilisierte seine Macht durch das Zurückdrängen einfallender Germanen. 37 307 n. Chr. heiratete er Fausta, die Tochter Maximians 38 , durch welche er in die herkulische Kaiserlinie eintrat und damit mit Maximian verbunden war. 39 Im Jahr 311 n. Chr. starb Galerius. Maximinus Daia und Licinius teilten sich nun den östlichen Reichsteil, wohingegen Konstantin und Maxentius im Westen regierten. Am 28.10.312 siegte Konstantin über Maxentius an der Milvischen Brücke 40 und am 30.04.313 triumphierte Licinius bei Adrianopel über Maximinus Daia. 41 Nun waren nur noch zwei Herrscher im römischen Reich vorhanden. Am 03.07.324 gewann Konstantin schließlich die Schlacht gegen Licinius bei Adrianopel. Byzanz fiel nach zweimonatiger Belagerung 42 , woraufhin Licinius floh und ein neues Heer aufstellte. Im September 324 n. Chr. kam es jedoch zur Entscheidungsschlacht bei Chrysopolis. Licinius ergab sich und wurde im darauf folgenden Jahr, eventuell weil
33 Hausammann 2001, 194.
34 Clauss 2001, 284.
35 Hausammann 2001, 195.
36 Clauss 2001, 285.
37 Ebd., 285.
38 Lippold 1979, 1286.
39 H. Kraft, Kaiser Konstantins religiöse Entwicklung, BHTh 20, Tübingen 1955, 128.
40 Clauss 2001, 285f.
41 S. Burchert, Die Konstantinische Wende, Eine zusammenfassende Darstellung zentraler Aspekte, Barmstedt 2001, 11.
42 Clauss 2001, 287.
6
er neues Heer sammelte, ermordet. 43 Konstantin war nun Alleinherrscher im Römischen Reich. 44
1.2. Konstantin als Alleinherrscher
Ab 324 n. Chr. festigte und erweiterte Konstantin die innere Organisation des Reiches, die zuvor durch Diokletian reformiert worden ist. 45 Sein oberstes Ziel war die Friedensgewährleistung und die Einheit des Reiches, wozu er die Religionspolitik als Instrument benutzt hat. 46
Im Jahr 326 n. Chr. ließ Konstantin nach der Anklage durch Fausta überraschend seinen ältesten Sohn Crispus festnehmen und vergiften. Etwas später ließ er auch Fausta ermorden, darüber hinaus weitere Familienangehörige und hochgestellte Freunde. Der im Nachhinein proklamierte Grund war die angeblich unerlaubte Liebe Crispus’ zu seiner Stiefmutter Fausta. 47 Bei einem Ehebruch hätte Fausta nach römischem Recht allerdings gleichzeitig und schwerer bestraft werden müssen. Möglicherweise war es aber auch der Versuch eines Umsturzes durch Crispus 48 , worauf der Tod der Freunde hindeuten könnte. 49 Die spätere Todesstrafe von Fausta könnte man auch dahingehend interpretieren, dass Konstantin ihren Verrat an Crispus, vielleicht weil sie ihre eigenen Söhne mit Konstantin begünstigen wollte, aufgedeckt hatte und sich nun an ihr rächte. 50 Insgesamt besteht jedoch eine zu dürftige Quellenlage, um die Umstände und Gründe dieser Morde näher zu eruieren. 51
Zwischen 324 und 330 n. Chr. ließ Konstantin, veranlasst durch eine Vision, eine neue Hauptstadt im Stadtgebiet von Byzanz errichten. Es war eine alte Tradition, dass ein Sieger eine Stadt am Platz des Besiegten, in diesem Falle Licinius, errichten ließ. Er betitelte die Stadt in hellenistischer Tradition nach sich selbst: Konstantinopolis. Es wurden enorme Geldmittel für die Ausgestaltung der neuen Hauptstadt aufgebracht und hochgestellte Persönlichkeiten zwangsangesiedelt. So mussten Pächter von Staatsdomänen hier ein Haus bauen. Konstantin wandte heidnische
43 Hausammann 2001, 212.
44 Clauss 2001, 282.
45 Ebd., 288.
46 Hausammann 2001, 212.
47 Clauss 2001, 288.
48 Hausammann 2001, 236.
49 Clauss 2001, 288.
50 Hausammann 2001, 237.
51 Ebd., 232f.
7
Bräuche für die Stadtgründung an 52 und baute zwei heidnische Tempel. 53 Es gab also eine Gleichberechtigung von heidnischen Tempeln und christlichen Kirchen in der neuen Stadt. 54
Außenpolitisch trug sich ab 324 n. Chr. nichts Erwähnenswertes zu. Konstantin führte keine Kriege mehr persönlich und die Grenzverteidigung übernahmen seine Söhne. 55 Im Übrigen betrieb er eine dynastische Politik, indem er all seine Söhne zu Caesares, also präsumtiven Nachfolgern erhob: 317 n. Chr. seinen zweitältesten Sohn Constantin II., der erst im selben Jahr geboren wurde 56 , 324 n. Chr. seinen dritten, ebenfalls noch minderjährigen Sohn, Constantius II. 57 und im Jahr 333 n. Chr. schließlich auch seinen jüngsten Sohn Constans. 58 Sie wurden an der Regierung und Kriegsführung beteiligt. Im Juli 335 n. Chr. ernannte er noch seinen Neffen Dalmatius zum Caesar, und später verheiratete er dessen Bruder, Hannibalianus, mit seiner Tochter Constantina und schuf so einen weiteren Thronanwärter. 59 Fortan verwaltete jeder der vier Caesares einen Reichsteil. 60
2. Innenpolitik
2.1. Allgemein
Innenpolitisch führte Konstantin wichtige Reformen durch, so trieb er die von Diokletian eingeleitete Trennung des Heeres in limitanei und comitatenses 61 entscheidend voran, schuf eine straffe Rangordnung am Hof und gliederte das Reich in vier Präfekturen 62 , eingeteilt in 14 Diözesen und 117 Provinzen. Es lässt sich eine große Bautätigkeit zu seiner Regierungszeit verzeichnen. 63 Außerdem vereinheitlichte er das Steuerwesen nach dem Prinzip einer monarchischen Zentralverwaltung, verbunden mit örtlichen Regionalverwaltungen. Seine ab 312 n. Chr. durchgeführte Reorganisation der Prätorianerpräfektur sah vor, dass die militärischen Befugnisse der Präfekten nach und nach eingestellt und auf zivile Ämter, v.a. Steuereintreibung und
52 Clauss 2001, 288f.
53 Hausammann 2001, 240.
54 Clauss 2001, 289.
55 Ebd., 289.
56 G. Gottlieb, Constans, in: M. Clauss (Hrsg.), Die römischen Kaiser, 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian, München ²2001, 315-321, 315.
57 Clauss 2001, 288.
58 Ebd., 290.
59 Gottlieb 2001, 315f.
60 Lippold 1979, 1287.
61 limitanei = Grenztruppen; comitatenses = Feldarmee.
62 Oriens, Illyricum, Italia, Gallia.
63 Lippold 1979, 1288.
8
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Benjamin Knör, 2007, Die Konstantinische Wende, München, GRIN Verlag GmbH
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