Inhaltsverzeichnis
1 Vorbemerkung 3
2 Sprachwahl in bilingualen/multilingualen Sprachgemeinschaften. 3
3 Das Konzept der 'Domäne' 4
3.1 'classical diglossia' vs. 'extended diglossia' 5
3.2 Die Situation des Sprachwechsels. 7
4 Schlussbemerkung. 8
5 Literaturverzeichnis. 9
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1 Vorbemerkung
Die hier vorliegende Hausaufgabe ist im Rahmen des Seminars 'Mehrsprachigkeit' entstanden und widmet sich dem Thema der 'Sprachwahl in bilingualen/multilingualen Sprachgemeinschaften'.
Als Ausgangspunkt dieser Untersuchung dient ein Zitat R. Wardhaughs, der die Sprachwahl
bilingualer/multilingualer Sprachgemeinschaften 1 vor dem folgenden Hintergrund analysiert (2002:95):
In a society in which more than one language (or variety) is used you must find out who uses what, when, and for what purpose if you are to be socially competent. Your language choices are part of the social identity you claim for yourself. Das Ziel dieser Hausaufgabe besteht somit darin, deutlich zu machen, dass die Sprachwahl in bilingualen/multilingualen Sprachgemeinschaften keineswegs willkürlich, sondern aufgrund gesellschaftlicher Normen und Werte erfolgt. Es soll gezeigt werden, dass die in einer Sprachgemeinschaft vorhandenen Sprachen und Sprachvarietäten einen unterschiedlichen Status und unterschiedliche soziale Funktionen aufweisen (s. Becker 13.04.06:1). Dementsprechend müssen die Sprecher einer Sprachgemeinschaft über ein Wissen bezüglich der Angemessenheit von Sprach- bzw. Varietätenwahl verfügen (s. Becker 13.04.06:1), um als sozial kompetent zu gelten und auf diese Weise einen Beitrag zu ihrer gesellschaftlichen Identität zu leisten. Dieses Untersuchungsziel soll im Folgenden anhand der soziolinguistischen Konzepte der 'Domäne' und der 'Diglossie' sowie über eine Analyse der Situation des Sprachwechsels erreicht werden.
2 Sprachwahl in bilingualen/multilingualen Sprachgemeinschaften
Bilinguale/multilinguale Sprachgemeinschaften verfügen über eine gewisse Anzahl von Sprachen bzw. Sprachvarietäten, aus denen sie in bestimmten Situationen wählen können. Wie bereits einleitend erwähnt, erfolgt diese Wahl jedoch nicht willkürlich, da die Sprachen und Sprachvarietäten für die jeweiligen Mitglieder der Sprachgemeinschaften symbolischen Charakter haben. Sie werden also mit bestimmten Werten assoziiert, die über die Sprachwahl zum Ausdruck gebracht werden können (vgl. Fishman 1975:52). Hiervon ausgehend
1 Dabei wird den weiteren Ausführungen der Untersuchung folgende soziolinguistische Begriffsdefinition von 'Mehrsprachigkeit' zu Grunde gelegt (Bechert & Wildgen 1991:1): „Man spricht von gesellschaftlicher Zwei-oder Mehrsprachigkeit, wenn in einer Gruppe die Praxis besteht, abwechselnd zwei bzw. mehrere Sprachen zu gebrauchen. Dazu muss nicht jedes Mitglied der Gruppe an jeder Form dieser Praxis teilhaben. Die soziale Einheit ist es, die in diesem Fall zwei- oder mehrsprachig genannt wird.“ Zudem soll hier nicht „[...] zwischen Sprachen, Dialekten [...], Soziolekten [...] und anderen Lekten bzw. Varietäten [...]“ (Bechert & Wildgen 1991:2) unterschieden werden (mit Ausnahme von Kapitel 1.2: hier ist im Zusammenhang mit der 'klassischen Diglossie' von Zweisprachigkeit die Rede, die sich auf Sprachvarietäten einer Sprache beschränkt).
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unterscheidet man eine sog. 'In-Group-Sprache' von einer sog. 'Out-Group-Sprache'. Während über erstere Werte wie Freundschaft, Solidarität oder familiäre Bindung vermittelt werden, dient die zweite dazu, Werte wie Bildung oder hohen sozialen Status anzuzeigen (s. Becker 13.04.06:3). Zwischen den Sprachen bzw. Sprachvarietäten findet somit eine „funktionale[...] Differenzierung“ (Becker 13.04.06:3) statt.
3 Das Konzept der 'Domäne'
Um generalisierende Aussagen über einzelne Sprachsituationen hinaus formulieren zu können, entwickelte Fishman (1972) das Konzept der 'Domäne'. Hierbei handelt es sich um ein abstraktes gesellschaftliches Konstrukt, das davon ausgeht, dass die Wahl einer Sprache bzw. Sprachvarietät von gewissen Bedingungen abhängig ist. Diese beziehen sich z.B. auf die Teilnehmer der Interaktion (ihre Sprachkenntnis, ihren sozio-ökonomischen Status, ihr Alter usw.), die Situation (Ort, Grad der Formalität usw.), das jeweilige Thema der Sprachsituation und die Funktion des Gesprächs (z.B. soziale Nähe oder Distanz schaffen, den sozialen Status anheben usw.) (vgl. Grosjean 1982:127). Bußmann definiert den Begriff der Domäne wie folgt (2002:177):
[...] Begriff, der ein Bündel von sozialen Situationen bezeichnet, die durch spezifische Umgebungsbedingungen (engl. setting) und Rollenbeziehungen zwischen den Interaktionsteilnehmern sowie durch typische Themenbereiche gekennzeichnet sind (Schule, Familie, Arbeitsplatz, staatliche Administration etc.). Domänen stellen somit gesellschaftliche Konstrukte dar, die durch eine sorgfältige Untersuchung und Zusammenstellung offensichtlich kongruenter Sprachsituationen ermittelt werden können (s. Fishman 1975:50). Mit Hilfe des Begriffs der Domäne lassen sich also über einzelne Sprachwahlsituationen hinaus gesellschaftliche Strukturen aufzeigen, denen die Verwendung einer Sprache bzw. Sprachvarietät zugeordnet werden kann (s. Becker 13.04.06:1). So konnten in vielen zweisprachigen Gemeinschaften Domänen wie „Schule“, „Kirche“, „Berufs- und Arbeitswelt“ oder aber auch Domänen wie „Familie“ und „Nachbarschaft“ nachgewiesen werden (s. Fishman 1975:50). Ein Beispiel für das Vorhandensein gesellschaftlicher Domänen stellt eine Untersuchung Fishmans und Greenfields (1970, entnommen Fishman 1975:53f.) dar, die die Relevanz von Personen, Orten und Themen für das Erkennen kongruenter und inkongruenter Situationen analysierte. Hierbei konnte Greenfield zeigen , dass sich bei den befragten (in der Bronx lebenden) Puertoricanern 5 wesentliche Domänen unterscheiden ließen: „Familie“, „Freundschaft“, „Religion“, „Erziehung“ und „Beruf“. Die Auswertung des Datenmaterials ergab, dass das Spanische überwiegend mit den Bereichen „Freundschaft“ und „Familie“ (als Bereiche mit einer Anhäufung von Vertrautheitswerten), die Domänen „Religion“, „Arbeit“ und „Beruf“
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Arbeit zitieren:
Bachelor Göran Norda, 2006, Sprachwahl in bilingualen, multilingualen Sprachgemeinschaften, München, GRIN Verlag GmbH
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