Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Sachteil: Chronologischer Überblick über die Weimarer Republik 3
2.1 Revolution und Gründung der Republik zwischen Kriegsende und Friedensschluss
(1918/19) 3
2.2 Die Republik in der Krise: Die Jahre zwischen 1919 und 1923 5
2.3 Das Ende der unmittelbaren Nachkriegszeit: Die Republik in der Phase der begrenzten
Konsolidierung (1924-1929) 8
2.4 Untergang der Republik: Die Ära der Präsidialkabinette (1930-1933) 11
3. Fachdidaktischer Teil: Chronologie als Kategorie geschichtlicher Betrachtung 14
3.1 Vorteile der chronologischen Betrachtungsweise im Geschichtsunterricht 15
3.2 Nachteile der chronologischen Betrachtungsweise im Geschichtsunterricht 17
4. Fazit 19
Literaturverzeichnis. 20
2
1. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit ist im Rahmen des Seminars ‚ Fachdidaktik I: Verfahrensweisen und Probleme der Fachdidaktik am Beispiel der Geschichte der Weimarer Republik’ entstanden und widmet sich dem Thema ‚Chronologie als Kategorie geschichtlicher Betrachtung’. So soll am Beispiel der Weimarer Republik verdeutlicht werden, dass Geschichte sich entlang der linearen zeitlichen Abfolge darstellen lässt und historische Themen auf diese Weise für den Geschichtsunterricht strukturiert werden können. Im Zuge dessen soll aufgezeigt werden, welche Vor- und Nachteile sich aus einer chronologischen Gliederung historischer Unterrichtsinhalte ergeben und wie diese sich durch weitere Strukturierungsmöglichkeiten sinnvoll ergänzen lässt.
Im Folgenden wird in einem Sachteil zunächst ein chronologischer Überblick über die Weimarer Republik gegeben werden. Hiernach folgt in einem fachdidaktischen Teil die Auseinandersetzung mit der Chronologie als Kategorie geschichtlicher Betrachtung, in deren Verlauf die Vorzüge und Nachteile der chronologischen Strukturierung historischer Themen beleuchtet werden. Am Schluss dieser Arbeit steht ein kurzes Fazit, indem die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst werden.
2. Sachteil: Chronologischer Überblick über die Weimarer Republik
2.1 Revolution und Gründung der Republik zwischen Kriegsende und Friedensschluss
(1918/19)
In der zweiten Hälfte des Jahres 1918 spitzte sich die militärische Situation Deutschlands und seiner Verbündeten dramatisch zu. Vor dem Hintergrund der Friedensnote Österreich-Ungarns vom 14. September und dem Ausscheiden Bulgariens aus dem Krieg am 29. September konnte die Oberste Heeresleitung (OHL) sich schließlich nicht mehr der Einsicht verschließen, dass der Krieg für Deutschland verloren sei. Daraufhin forderte sie am 29. September die Reichsregierung auf, unverzüglich ein Waffenstillstand mit den Alliierten und Assoziierten auszuhandeln. Dementsprechend richtete die erst kurz zuvor neu gebildete Regierung unter Prinz Max von Baden am 3. Oktober 1918 ein Waffenstillstandsgesuch an den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson auf der Grundlage seiner Vierzehn Punkte. 1 Die deutsche Marineführung hingegen konnte sich mit der Kapitulation Deutschlands noch nicht abfinden. So plante sie, sich in der Nordsee eine letzte Schlacht mit der britischen Flotte zu liefern, da man - einem militärischen Ehrenkodex folgend - lieber heldenhaft im Kampfe
1 Vgl. Wolfram Pyta: Die Weimarer Republik (Beiträge zur Politik und Zeitgeschichte). Opladen 2004, S. 10 und
12f..
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untergehen wollte als sich kampflos den Feinden zu ergeben. Doch die Matrosen sahen in diesem Unterfangen ein reines Selbstmordkommando, so dass es Ende Oktober zu ersten Befehlsverweigerungen auf einigen Geschwadern der vor Wilhelmshaven liegenden deutschen Hochseeflotte kam. Als die Seekriegsleitung schließlich meuternde Matrosen in Wilhelmshaven und Kiel kurzerhand verhaften ließ, sollte dies der Startschuss einer von Kiel ausgehenden Aufstandsbewegung darstellen: Massenhaft strömten die Kameraden der Verhafteten auf die Straßen, um für ihre Freilassung einzutreten; Demonstrationen, bewaffnete Auseinandersetzungen, die Bildung von Arbeiter- und Soldatenräte waren die Folge. Am 4. November befand sich die Stadt schließlich unter der Kontrolle der Aufständischen. In den folgenden Tagen breitete sich diese Revolte im gesamten Reich aus, allerorts wurden Soldaten-und Arbeiterräte ins Leben gerufen. Am 9. November erfasste die revolutionäre Bewegung schließlich die Reichshauptstadt. 2
Unter dem Eindruck der Geschehnisse sah sich der Reichskanzler Prinz Max von Baden an diesem Tag gezwungen, die Abdankung des Kaisers bekannt zu geben, ohne von diesem dazu ermächtigt worden zu sein. Gleichzeitig übergab er sein Amt dem Führer der Sozialdemokratischen Partei, Friedrich Ebert, der beabsichtigte, die revolutionäre Bewegung möglichst rasch abklingen zu lassen. Kurz danach rief sein Parteifreund, Philipp Scheidemann, aus einem Fenster des Reichstages die Republik aus. 3
Parallel zu den revolutionären Erhebungen im Reich, die den Kaiser und die Monarchie zu Fall brachten, wurde das Ende des Krieges vorbereitet. Am 11. November 1918 kam es schließlich zur Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens, in Folge dessen die Kampfhandlungen endgültig eingestellt wurden. 4 All seine Kräfte konnte man nun darauf verwenden, die im Zuge der Kriegsniederlage und der Novemberrevolution ausgelöste Staats- und Gesellschaftskrise zu beseitigen. Die Frage nach der künftigen politischen und gesellschaftlichen Ordnung Deutschlands sollte dabei einer verfassungsgebenden Nationalversammlung vorbehalten bleiben. Diese wurde am 19.1.1919 gewählt: Die SPD ging aus diesen Wahlen mit einem Stimmenanteil von 37,9% als Sieger hervor und bildete wenig später zusammen mit dem Zentrum (19,7%) und der DDP (18,5%) die sog. „Weimarer Koalition“. Aufgrund von Unruhen 5 in Berlin trat die Nationalversammlung am 6. Februar in Weimar zusammen. Zum
2 Vgl. Eberhard Kolb: Die Weimarer Republik (Oldenbourg Grundriß der Geschichte; Bd. 16). 6., überarb. und
erw. Aufl., München 2002, Weimar, S. 5f..
3 Vgl. Vgl. Henning Köhler: Geschichte der Weimar Republik (Beiträge zur Zeitgeschichte; Bd. 4). 2., durchges.
Aufl., Berlin 1982, S. 13f..
4 Vgl. Kolb: Weimar, S. 8f..
5 So kam es am 5.1.1919 zum sog. „Januaraufstand“ in Berlin, als eine von USPD, KPD (gegründet am
30.12.1918) sowie revolutionären Obleuten initiierte Demonstration aus dem Ruder lief, woraufhin die Berliner
Linksradikalen Zeitungsgebäude besetzten und die Regierung Ebert - Scheidemann für abgesetzt erklärten. Die
4
vorläufigen Reichspräsidenten wählte sie Friedrich Ebert, der Scheidemann mit der Regierungsbildung beauftragte. 6 Am 31. Juli verabschiedete die Nationalversammlung schließlich die künftige Verfassung des Reiches: Die sog. „Weimarer Verfassung“ trat am 11. August 1919 in Kraft und machte das Reich damit zu einer parlamentarischen Republik. 7 Während in Deutschland die Neuordnung des Staates und der Gesellschaft ausgehandelt wurde, blieb das Reich als Kriegsverlierer bei den seit dem 18. Januar 1919 in Paris stattfindenden Friedensverhandlungen außen vor. 8 Als die Alliierten schließlich am 7. Mai einer deutschen Delegation das fertige Vertragswerk zur Unterzeichnung übergaben, war dies ein Schock für die Regierung und die deutsche Öffentlichkeit, hatte man doch bis zuletzt auf einen milden „Wilson-Frieden“ mit erträglichen Friedensbedingungen gehofft. 9 Neben territorialer Verluste sowie Entwaffnungs- und Abrüstungsbestimmungen rief insbesondere der Artikel 231 des Vertrages Empörung und Entsetzen hervor, da dieser Deutschland und seinen Verbündeten die alleinige Kriegsschuld zuwies. 10 Freiwillig hätte keine Partei ihre Zustimmung zu diesem „Schmachfrieden“ erteilt. Vor dem Hintergrund der totalen Kampfunfähigkeit Deutschlands und eines ablaufenden alliierten Ultimatums jedoch rangen sich Regierung und Nationalversammlung schließlich nach heftigen Auseinandersetzungen dazu durch, den sog. „Versailler Vertrag“ am 28.6.1919 im Spiegelsaal von Versailles zu unterzeichnen. 11
2.2 Die Republik in der Krise: Die Jahre zwischen 1919 und 1923
Die Jahre zwischen 1919 und 1923 können als die Krisenjahre der Weimarer Republik angesehen werden, in denen die inneren Verhältnisse der aus einem verlorenen Krieg und einer Revolution hervorgegangenen parlamentarischen Demokratie keineswegs stabilisiert werden konnten. Einerseits lasteten die unmittelbaren Kriegsfolgen in Form schier unüberwindbar anmutender politischer, wirtschaftlicher und sozialer Probleme auf den Lasten der jungen Republik, andererseits war die Aufrechterhaltung der staatlichen Ordnung in Folge zahlreicher
Regierung setzte ihrerseits zur Niederwerfung des Aufstandes Truppen und Freikorps ein, im Zuge dessen am 15.
Januar auch die Führer des „Spartakusbundes“ und die KPD-Mitbegründer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg
umgebracht wurden (vgl. Pyta: Weimarer Republik, S. 28ff.).
6 Vgl. Dieter Gessner: Die Weimarer Republik. 2., durchges. Aufl., Darmstadt 2005, S. 7 und Kolb: Weimar, S.
18.
7 Vgl. Pyta: Weimarer Republik, S. 36ff.
8 Vgl. Kolb: Weimar, S. 24.
9 Vgl. Gessner: Republik, S. 9.
10 Vgl. Pyta: Weimarer Republik, S. 43f.. Stellte der sog. „Kriegsschuldartikel“ in den Augen der Alliierten
vornehmlich die rechtliche Grundlage dar, um gegenüber den besiegten Staaten Reparationsansprüche geltend zu
machen (vgl. ebd., S. 44), entfaltete er in Deutschland zusätzlich eine psychologische Komponente, und wurde so
„zum deutschen Trauma der Weimarer Zeit“ (Kolb: Weimar, S. 32).
11 Vgl. ebd., S. 34f..
5
Angriffe aus dem Lager der republikfeindlichen extremen Rechten 12 sowie extremen Linken ein ums andere Mal gefährdet. 13
Nachdem die revolutionäre Phase, die geprägt war von großen Streikaktionen, Besetzungen von Betrieben, Zeitungshäusern und öffentlichen Gebäuden, gewaltsamen Konflikten, sowie durch die Installation vorübergehender Räterepubliken in Bremen und Bayern, im Frühjahr 1919 erfolgreich überstanden war, 14 sollte die nächste Bewährungsprobe für die neue staatliche Ordnung der sog. „Kapp-Lüttwitz-Putsch“ sein. So besetzte am 13. März die Marinebrigade Ehrhardt unter Führung Lüttwitz’ das Berliner Regierungsviertel, nachdem diese im Zuge der Verkleinerung des Heeres auf 100000 Mann ihren Auflösungsbefehl erhalten hatte. Die aktuelle Regierung wurde für abgesetzt erklärt und eine neue Regierung Kapp/Lüttwitz proklamiert. 15 Das Ende des unzulänglich vorbereiteten Putsches bereits eine Woche später bedeutete indes keine Verschnaufpause für die Weimarer Republik, da sich an verschiedenen Orten des Reiches zur Abwehr der Kapp-Truppen bewaffnete Arbeiter zusammengeschlossen hatten (wie z.B. die „Rote Ruhrarmee“ im Ruhrgebiet), die sich nun weigerten, ihre Waffen niederzulegen. Blutige Auseinanderssetzungen zwischen den Selbstschutzeinheiten der Arbeiterschaft und den Reichswehr- sowie Freikorpstruppen waren die Folge, die sich teilweise über mehrere Wochen hinziehen sollten. 16
Noch unter dem Eindruck dieser turbulenten Zeit fanden am 6. Juni 1920 die ersten republikanischen Reichstagswahlen statt. Diese bescherten den Parteien der Weimarer Koalition bzw. den Anhängern der Republik im Allgemeinen eine schwere Niederlage, da ihre gemeinsame absolute Mehrheit verloren ging - die sie im Laufe der Weimarer Republik auch nicht wieder erlangen sollten - , während die rechts als auch links stehenden Oppositionsparteien deutlich an Stimmen zulegen konnten. 17 Da angesichts dieses
12 Die Rechtsextremisten sowie die politische Rechte im Allgemeinen, die während der revolutionären Phase noch
wie erstarrt angesichts des abrupten Staatsumsturzes gewirkt hatten, begannen unmittelbar nach Entstehung der
Republik ihre Kräfte zu sammeln und insbesondere gegen den Versailler „Schmachfrieden“ zu polemisieren.
Dabei bediente man sich auch der sog. „Dolchstoßlegende“: Hiernach sei das Heer auf dem Schlachtfeld
unbesiegt geblieben, jedoch von der Heimat verraten und damit quasi von hinten erdolcht worden. Die Schuld am
verlorenen Krieg und die hieraus resultierenden, als unerträglich empfundenen Friedensbedingungen wurden
somit den revolutionären Kräften in die Schuhe geschoben, da diese die heimatliche Unterstützung des an der
Front kämpfenden Heeres verhindert hätten. Die Repräsentanten der Weimarer Republik wurden fortan als
„Novemberverbrecher“ diffamiert. In Verbindung mit der „Kriegsschuldlüge“ konnten die rechts stehenden
Gegner der Republik auf diese Weise ein äußerst wirksames Agitationsgerüst entwickeln, welches auch weit über
ihre eigenen Kreise hinaus in der Gesellschaft Anklang und Zustimmung fand (vgl. ebd., S. 38f. und vgl. Pyta
45f.).
13 Vgl. ebd., S. 50ff.
14 Vgl. Kolb: Weimar, S. 21.
15 Vgl. Gessner: Republik, S. 10f..
16 Vgl. Kolb: Weimar, S. 41.
17 SPD -16,3%, Zentrum -6,1%, DDP -10,3%; DNVP +4,6%, DVP +9,5%, USPD +10,3% (vgl. Horst Möller:
Die Weimarer Republik. Eine unvollendete Republik. 8, Aufl., München 2006, S. 330).
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Bachelor Göran Norda, 2008, Die Republik von Weimar. Chronologie als Kategorie geschichtlicher Betrachtung., München, GRIN Verlag GmbH
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