1. Einleitung. 3
2. Die Entstehung der Deutschsozialen Partei 4
2.1 Die Anfänge des politischen Antisemitismus in Deutschland 4
2.2 Gründung der Deutschsozialen Partei auf dem Bochumer Antisemitentag
(1889) 7
2.3 Das Profil der Deutschsozialen Partei. 9
3. Der Aufstieg der Deutschsozialen Partei (1890-1900) 10
3.1 Die Deutschsoziale Partei bei den Reichstagswahlen von 1890 und 1893. 10
3.2 Die Fusion der Deutschsozialen Partei und der Deutschen Reformpartei zur
Deutschsozialen Reformpartei (1894) 12
4. Neugründung und Niedergang der Deutschsozialen Partei (1900-1914) 15
5. Schluss 17
Literaturverzeichnis 19
2
1. Einleitung
Im Rahmen des Seminars ‚Antisemitismus im Deutschen Reich: Geschichte, Struktur und Funktion (1871-1933)’ ist u.a. näher auf den politischen Antisemitismus als eine Erscheinungsform der Judenfeindschaft im Deutschen Kaiserreich eingegangen worden.
Vor diesem Hintergrund widmet sich die vorliegende Hausarbeit der antisemitischen ‚Deutschsozialen Partei’ (DSP), die zu den wenigen politischen Organisationen der Antisemiten gehörte, die in der wilhelminischen Zeit einen gewissen Grad an Bedeutung und Einfluss erlangen konnte. So wird der Frage nachgegangen, welche Entwicklung die DSP seid ihrer Entstehung im Jahre 1889 bis zu ihrem Aufgehen in die ‚Deutschvölkische Partei’ im Jahre 1914 genommen hat. Konkret soll nachvollzogen werden, unter welchen Umständen es zur Gründung, zum Aufstieg und zum Niedergang der DSP kam.
Um die Entwicklung der DSP angemessen darstellen und verstehen zu können, bietet sich eine primär chronologische Herangehensweise an. Dementsprechend steht zunächst die Gründung samt Profil der DSP im Mittelpunkt der Arbeit, die vor dem Hintergrund der allgemeinen Entwicklung und Charakteristik des politischen Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich analysiert werden soll. Hiernach erfolgt eine Hinwendung zum Aufstieg der DSP bis zum Jahre 1900, im Rahmen dessen insbesondere die Reichstagswahlen der 90er Jahre sowie die Fusion der DSP mit der ‚Deutschen Reformpartei’ (1894) von Interesse sind. Abschließend widmet sich die Arbeit der im Jahre 1900 neu gegründeten DSP und deren Entwicklung bis 1914 vor dem Hintergrund des damaligen allgemeinen Zerfallsprozesses des politischen Antisemitismus in Deutschland.
Die Geschichte der DSP ist bisher nur unzureichend erforscht worden. Dementsprechend existieren gegenwärtig noch keine eigenständigen Darstellungen zu dieser Partei. Aus diesem Grunde sind bei der Beschäftigung mit der DSP nach wie vor die Basisartikel D. Frickes 1 zu den antisemitischen Parteien Deutschlands von besonderem Interesse. Darüber hinaus wurden in den letzten Jahren allgemeine
1 Dieter Fricke: Antisemitische Parteien 1879-1894, in: ebd. u.a. (Hg.): Lexikon zur Parteiengeschichte. Die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und Verbände in Deutschland (1789-1945). Bd. 1, Köln 1983, S. 77-88; ebd: Deutschsoziale Reformpartei (DSRP) 1894-1900, in: ebd. u.a. (Hg.): Lexikon zur Parteiengeschichte. Die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und Verbände in Deutschland (1789-1945). Bd. 2, Köln 1984, S. 541-546; ebd.: Deutschsoziale Partei (DSP) 1900-1914, in: ebd. u.a. (Hg.): Lexikon zur Parteiengeschichte. Die
3
sowie regional begrenzte Studien zum Antisemitismus veröffentlicht, wie z.B. von M. Zumbini 2 bzw. H. Pötzsch 3 oder M. Piefel 4 , die ebenfalls wichtige Informationen zur DSP liefern. Die Quellenlage erweist sich als vergleichsweise ergiebig, so kann neben den diversen Parteiprogrammen z.B. auf zahlreiche Flugblätter, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel sowie Akten staatlicher Behörden zurückgegriffen werden.
2. Die Entstehung der Deutschsozialen Partei
2.1 Die Anfänge des politischen Antisemitismus in Deutschland
Der 1848 eingesetzte und vom Liberalismus getragene wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland fand mit dem Börsenkrach von 1873 und der sich hieran anschließenden schweren Wirtschaftskrise (der sog. ‚Gründerkrise’), infolgedessen „Industrie, Handel und die Landwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen wurden“ 5 , ein jähes Ende. Diese angespannte ökonomische Situation, die der Bevölkerung die negativen Auswirkungen der Industrialisierung vor Augen führte und innenpolitisch einherging mit einem antiliberalen Kurswechsel Bismarcks, bildete gewissermaßen den „Nährboden des Antisemitismus“ 6 , der den Juden bzw. dem „verjudeten“ Liberalismus die Schuld an der wirtschaftlichen Misere gab. 7
bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und Verbände in Deutschland (1789-1945). Bd. 2, Köln 1984, S. 534-537.
2 Massimo F. Zumbini: Die Wurzeln des Bösen. Gründerjahre des Antisemitismus: Von der Bismarckzeit zu Hitler. Frankfurt a.M. 2003.
3 Hansjörg Pötsch: Antisemitismus in der Region. Antisemitische Erscheinungsformen in Sachsen,
Hessen, Hessen-Nassau und Braunschweig 1870-1914 (Schriften der Kommission für die Geschichte
der Juden in Hessen; Bd. 17). Wiesbaden 2000.
4 Matthias Piefel: Antisemitismus und völkische Bewegung im Königreich Sachsen 1879-1914
(Berichte und Studien; Nr. 46). Göttingen 2004.
5 Thomas Weidemann: Politischer Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich. Der Reichstagsabgeordnete Max Liebermann von Sonnenberg und der nordhessische Wahlkreis Fritzlar-Homberg-Ziegenhain, in: Hartwig Bambey u.a. (Hg.): Heimatvertriebene Nachbarn. Beiträge zur
Geschichte der Juden im Kreis Ziegenhain. Bd. 1, Schwalmstadt-Treysa 1993, S. 121.
6 Gräfe, Thomas: Antisemitismus in Gesellschaft und Karikatur des Kaiserreiches. Glöß’ Politische
Bilderbogen 1892-1901. Norderstedt 2005, S. 14.
7 Vgl. Werner Bergmann: Geschichte des Antisemitismus. 3., durchges. Aufl., München 2006, S. 40.
4
Nachdem zunächst im Presse- und Zeitungswesen vermehrt Ressentiments gegenüber den Juden zum Ausdruck kamen, war es der Berliner Hofprediger Adolf Stöcker, der im Jahre 1878 mit der Gründung seiner Christlichsozialen Arbeiterpartei (1881 in Christlichsoziale Partei (CSP) umbenannt) den Grundstein für den politischen Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich legte. 8 Dieser war in seiner „anti-emanzipatorischen Programmatik auf die Rücknahme der bürgerlichen Rechte der Juden“ 9 gerichtet, da nach Ansicht der Antisemiten in der Judenemanzipation die Ursachen der damaligen sozialpolitischen und ökonomischen Probleme begründet lagen. So hätten sich die Juden seit ihrer rechtlichen Gleichstellung mit Erfolg daran gemacht, eine dominierende Vorrangstellung in der deutschen Gesellschaft (vor allem im ökonomischen, publizistischen und politischen Sektor) einzunehmen, die es als „Wurzel allen Übels“ 10 zu bekämpfen und zu brechen gelte. 11 Ursprünglich ins Leben gerufen, um die Berliner Arbeiterschaft der Sozialdemokratie zu entreißen, gelang es Stöckers christlichsozialer Bewegung letztlich, mithilfe einer solch antisemitischen Agitation sowie sozialkonservativer Forderungen Teile des von wirtschaftlichen Existenzängsten geplagten städtischen Mittelstandes für sich zu gewinnen. 12
Nachdem der Berliner Hofprediger die Wirksamkeit der antisemitischen Agitation unter Beweis gestellt hatte, erschienen weitere antisemitische Agitatoren wie Willhelm Marr, Max Liebermann von Sonnenberg, Bernhard Förster oder Ernst Henrici auf der Berliner Bildfläche, die mit ihren - meist nicht sehr lange existierenden und wenig erfolgreichen - Organisationen 13 den jüdischen Einfluss auf die deutsche Gesellschaft einzudämmen versuchten. 14 Insgesamt kristallisierte sich ab 1879 eine ideologisch und politisch breit gefächerte antisemitische Bewegung in
8 Vgl. Peter G. J. Pulzer: Die Entstehung des politischen Antisemitismus in Deutschland und Österreich 1876 bis 1914. Gütersloh 1966, S. 78 und vgl. Werner Jochmann: Struktur und
Funktion des deutschen Antisemitismus 1878-1914, in: Wolfgang Benz & Werner Bergmann (Hg.):
Vorurteil und Völkermord. Entwicklungslinien des Antisemitismus. Bonn 1997, S. 181.
9 Werner Bergmann: Völkischer Antisemitismus im Kaiserreich, in: Uwe Puschner u.a. (Hg.):
Handbuch zur ‚Völkischen Bewegung’. 1871-1918. München u.a. 1996, S. 449.
10 Helmut Berding: Moderner Antisemitismus in Deutschland. Frankfurt a.M. 1988, S. 103.
11 Vgl. Gräfe: Gesellschaft, S. 9f..
12 Vgl. Jochmann: Struktur, S. 181f..
13 So gründete beispielsweise Marr die ‚Antisemiten-Liga’ (1879), Henrici die antikonservative ‚Soziale Reichspartei’ (1881) und Liebermann in Zusammenarbeit mit B. Förster den konservativen ‚Deutschen Volksverein’ (1881) (vgl. Pötsch: Region, S. 76).
14 Vgl. Berding: Moderner Antisemitismus, S. 87 und 101f..
5
der Reichshauptstadt heraus, die sog. „Berliner Bewegung“ 15 , der sich vor allem Handwerker, kleine Gewerbetreibende, niedere Beamte, Büroangestellte und Studenten anschlossen 16 und die „von Teilen der Judenmission bis hin zum Rassenantisemitismus reichte.“ 17 Die Pole dieses breiten antisemitischen Spektrums bildeten somit einerseits Verfechter eines gemäßigten, christlich motivierten Antijudaismus (z.B. in Person eines Adolf Stöckers), andererseits radikale Antisemiten (wie z.B. Henrici, Paul Förster oder später Hermann Ahlwardt), die einen betont unchristlichen, rassistisch begründeten Antisemitismus vertraten. 18 Die Grenzen innerhalb dieser antisemitischen Bandbreite waren jedoch fließend, so dass der Antisemitismus vieler radikaler Judenfeinde (wie z.B. im Falle von Liebermann von Sonnenberg) christliche Elemente enthielt, da dieser „trotz aller rassenantisemitischer Ausrichtung nicht frei von christlich-religiösen Vorurteilen“ 19 war. Zudem waren die Radikalantisemiten untereinander hinsichtlich des Verhältnisses zum politischen Konservatismus gespalten, so dass sich antikonservativ (beispielsweise Henrici oder später Otto Böckel) und konservativ eingestellte Antisemiten (wie z.B. Liebermann von Sonnenberg) gegenüberstanden. Trotz dieser Zerrissenheit gelang es den Rassenantisemiten schon bald nach Stöckers anfänglichen Erfolgen, seine christlich-soziale Bewegung an Bedeutung zu überflügeln und sich als Hauptströmung des politischen Antisemitismus zu etablieren. 20
Der politische Antisemitismus stellte somit keine einheitliche, sondern eine in sich gespaltene Bewegung dar, die „infolge der gegensätzlichen Auffassungen in ökonomischen, sozialen, religiösen und ideologischen Fragen“ 21 von großen Spannungen und Konflikten gekennzeichnet war. Ungeachtet dessen wurden immer wieder - letztlich wenig erfolgreiche - Anstrengungen unternommen, die unterschiedlichen antisemitischen Richtungen zusammenzuführen, um mit gebündelten Kräften
15 Die Antisemiten begannen sich jedoch auch außerhalb Berlins zu organisieren, so z.B. in Sachsen. Alexander Pinkert gründete beispielsweise 1879 in Dresden den ‚Deutschen Reformverein’ (1881 umbenannt in ‚Deutsche Reformpartei’) (vgl. Fricke: Antisemitische Parteien, S. 79).
16 Vgl. Paul W. Massing: Vorgeschichte des politischen Antisemitismus (Taschenbücher Syndikat, EVA; Bd. 78). Franfurt a.M. 1986, S. 30.
17 Bergmann: Völkischer Antisemitismus, S. 450.
18 Vgl. ebd., S. 450f..
19 Pötsch: Region, S. 80.
20 Vgl. Berding: Moderner Antisemitismus, S. 87 und 102f..
21 Jochmann: Struktur, S. 183.
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Bachelor Göran Norda, 2009, Die Deutschsoziale Partei (DSP). Entstehung, Aufstieg und Niedergang einer antisemitischen Partei im Deutschen Kaiserreich, München, GRIN Verlag GmbH
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