Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Adolf Stoeckers Leben und Wirken bis zur Ankunft in Berlin. 2
3. Stoeckers Idealvorstellungen von Kirche und Gesellschaft. 5
4. Adolf Stoeckers Ankunft in Berlin. 6
4.1 Der fremde Geist’ in Deutschland 8
4.2 Stoeckers Wirken in Berlin bis zur Gründung der Christlich-sozialen Arbeiterpartei 10
4.3 Die Gründung der Christlich-sozialen Arbeiterpartei 11
5. Schluss. 12
Quellen - und Literaturverzeichnis. 14
1
1. Einleitung
Im Rahmen des Hauptseminars „Gesellschaftskrisen und Judenfeindlichkeit 1871-1933“ wurde unter anderem näher auf den protestantischen Hofprediger Adolf Stoecker eingegangen, der vor allem durch seine antisemitische Agitation eine einflussreiche aber auch umstrittene Persönlichkeit des Zweiten Kaiserreichs dargestellt hat. 1 Im Vordergrund der vorliegenden Hausarbeit soll Adolf Stoeckers Weg in die Politik vor dem Hintergrund seiner christlich-nationalen Werte und Ideale stehen. Es wird konkret der Versuch unternommen, Stoeckers Werdegang bis hin zum Parteipolitiker aufzuzeigen und unter Berücksichtigung seiner Idealvorstellungen von Gesellschaft und Kirche nachzuvollziehen. Dabei muss im Rahmen des hier Möglichen auf eine genauere Analyse der stoekerschen Liberalismus- und Sozialismuskritik verzichtet werden. Um zu diesem Erkenntnisziel zu gelangen, bietet sich eine weitestgehend chronologische Gliederung der Arbeit an: Zunächst wird näher untersucht, unter welchen Lebensumständen Stoecker aufwuchs beziehungsweise welche Personen und Ereignisse ihn in seinen jungen Jahren prägten. Hiernach werden Adolf Stoeckers christlich-nationale Werte und Ideale beziehungsweise seine Vorstellungen von der Gesellschaft und der Kirche herausgearbeitet. Vor diesem Hintergrund wird schließlich der Versuch unternommen, seinen weiteren Werdegang bis hin zum Eintritt in die Politik darzustellen und verstehen zu können.
2. Adolf Stoeckers Leben und Wirken bis zur Ankunft in Berlin
Adolf Stoecker wurde als Sohn eines gelernten Schmiedes und späteren Gefängnisinspektors am 12.12.1835 2 in Halberstadt geboren. 3 Er stammte aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, 4 in denen eine „schlichte Volksfrömmigkeit im Gewande des lutherischen Katechismus“ 5 zu Tage trat und „Zucht und Ordnung mit einer klaren Rangfolge von oben nach unten- und dem
1 Vgl. Günter Brakelmann: Adolf Stoecker und die Sozialdemokratie, in: Brakelmann, Günter/ Greschat, Martin/
Jochmann, Werner: Protestantismus und Politik. Werk und Wirkung Adolf Stoeckers (Hamburger Beiträge zur
Sozial- und Zeitgeschichte, Bd. 17), Hamburg 1982, S. 84-122, hier S. 116f.
2 Hier sei angemerkt, dass es Abweichungen in der Angabe des Geburtsdatums Adolf Stoeckers gibt. Vgl. hierzu
Grit Koch: Adolf Stoecker 1835-1909. Ein Leben zwischen Politik und Kirche (Erlanger Studien , Bd. 101),
Nürnberg 1993, S. 15.
3 Vgl. Martin Greschat: Adolf Stoecker und der deutsche Protestantismus, in: Brakelmann, Günter/ Greschat,
Martin/ Jochmann, Werner: Protestantismus und Politik. Werk und Wirkung Adolf Stoeckers (Hamburger
Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte, Bd. 17), Hamburg 1982, S. 19-83, hier S. 22.
4 Vgl. Michael Imhof: „Einen besseren als Stöcker finden wir nicht“. Diskursanalytische Studien zur christlich-
sozialen Agitation im deutschen Kaiserreich (Oldenburger Schriften zur Geschichtswissenschaft, Bd.3),
Oldenburg 1996, S. 44.
5 Greschat: Stoecker und der deutsche Protestantismus, S. 22.
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König von Preußen als dem Regenten von Gottes Gnaden an der Spitze“ 6 herrschten. Aufgrund seiner guten schulischen Leistungen konnte Stoecker Nachhilfeunterricht bei wohlhabenden Familien des Bildungsbürgertums erteilen. Hier drang er in eine Welt ein, in der sich ein „positiv-orthodoxe[r] Glaube und ein pietistisch-erbauliches Christenbild verbanden […] zu jener Mischung aus königstreu-patriotistischem und orthodoxem Konservatismus.“ 7 Dieses Bildungsbürgertum war somit zutiefst von der Erweckungsbewegung geprägt, 8 was auch den jungen Adolf Stoecker nachhaltig beeinflusste: „So tief bin ich damals in die Lebensmacht des Christentums hineingeführt, dass ich von da ab niemals wieder ernstlich in Zweifel oder Anfechtung des Glaubens gefallen bin.“ 9 Nach Beendigung des Gymnasiums nahm Stoecker im Jahre 1853 sein Theologiestudium in Halle a.d.S. und Berlin auf. 10 Dieses Studium schloss er mit guten Noten im Jahre 1858 mit dem ersten und 1859 mit dem zweiten theologischen Examen ab, ohne dass er sich während dieser Zeit ernsthaft kritisch mit seinem Glauben und seiner Religion auseinandergesetzt hatte. 11
Nach einer vierjährigen Tätigkeit als Hauslehrer adeliger Familien (bis zum Jahre 1862), unter anderem beim Grafen Lambsdorff im Kurland, trat Stoecker im Jahre 1863 seine erste Pfarrstelle in der kleinen Landgemeinde Seggerde an und wechselte von dort aus im Jahre 1866 in den Industrieort Hamersleben. 12 Hier wurde der junge Pfarrer zum ersten Mal unmittelbar mit der Not der Arbeiter konfrontiert, was bei Stoecker zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit der ´sozialen Frage` führte. 13 Ebenso erlebte er von hier aus sowohl den preußisch-österreichischen als auch den deutsch-französischen Krieg mit, wobei vor allem letzterer vom leidenschaftlichen Patrioten Stoecker dazu genutzt wurde, die vermeintliche macht- und wirkungsvolle Einheit des christlichen Glaubens und der deutschen Nation zu postulieren. 14 Denn er lebte in dem Glauben, dass die deutsche Gesellschaft weitestgehend immer noch christlich geprägt war und die gottgewollte monarchisch-
6 Ebd.,S. 22.
7 Koch: Stoecker 1835-1909, S. 16.
8 Vgl. Greschat: Stoecker und der deutsche Protestantismus, S. 22.
9 Dietrich von Oertzen: Adolf Stoecker. Lebensbild und Zeitgeschichte. 2. Bde., Berlin 1910, hier Ι, S. 25.
10 Vgl. Koch: Stoecker 1835-1909, S. 16.
11 Vgl. Greschat: Stoecker und der deutsche Protestantismus, S. 22f.
12 Vgl. Michael Imhof: „Einen besseren als Stöcker finden wir nicht“, S. 45.
13 Vgl. ebd., S. 45. Zu erwähnen bleibt, dass Adolf Stoecker ab 1864 21 Jahre lang für die ´Neue Evangelischen
Kirchenzeitung` (NEKZ) als freier Mitarbeiter tätig war (vgl. Koch: Stoecker 1835-1909, S. 23f.), wobei nahezu
alle seiner in der Zeit von 1864-1871 verfassten Artikel als „sprachliche und theoretische Vorarbeiten für das
Gebiet der sozialen Frage“ (ebd., S. 25) gelten können. Bezüglich der sozialen Frage siehe auch Kapitel 4.
14 Vgl. Greschat: Stoecker und der deutsche Protestantismus, S. 23, vgl. auch ebd.: Protestantischer
Antisemitismus in Wilhelminischer Zeit. Das Beispiel des Hofpredigers Adolf Stoecker, in: Brakelmann,
Günter/ Rosowski, Martin (Hg.): Antisemitismus. Von religiöser Judenfeindschaft zur Rassenideologie,
Göttingen 1989, S. 27-51, hier S. 32.
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konservative Gesellschaftsordnung akzeptierte. 15 So sah Stoecker den Krieg als eine große Chance an, dem in den vergangenen Jahrzehnten durch materialistisches Denken und Wohlbefinden in den Hintergrund geratenen christlichen Glauben des deutschen Volkes wieder neues Leben einzuhauchen. 16 Dementsprechend ging er auch davon aus, dass die Neugründung des deutschen Reiches einen protestantischen Staat hervorbringen würde. 17 Denn Frankreich hatte nach Meinung Adolf Stoeckers den Krieg nur verloren, weil es den christlichen Weg verlassen hatte. 18 So sollte die deutsche Bevölkerung Frankreichs Niederlage als eine Mahnung begreifen, Gott und dem Christentum treu und verbunden zu bleiben, um nicht selber dem Untergang geweiht zu sein. 19 Vor dem Hintergrund dieser Überzeugungen ist es verständlich, wie enttäuschend die tatsächliche Entwicklung 20 nach der Einigung des deutschen Reiches für Stoecker gewesen sein muss. 21 Im Herbst 1871 wurde Adolf Stoecker dann als Divisionspfarrer ins gerade eingenommene Metz berufen, von wo aus er 1874 von Wilhelm Ι. als 4. ´Hof- und Domprediger` nach Berlin zitiert wurde. 22
Es kann festgehalten werden, dass Stoecker mit der Berufung nach Berlin der Aufstieg aus kleinbürgerlichen Verhältnissen in die ´höfischen Kreise` Berlins gelungen war. 23 Über seine Person lässt sich darüber hinaus sagen, dass er sich insbesondere durch den Kontakt mit dem erweckten Bildungsbürgertum zu einem streng orthodoxen Pfarrer des Luthertums nationalkonservativer Prägung entwickelt hatte. Dabei bot ihm vor allem der deutsch-französische Krieg reichlich Gelegenheit, die ihm innewohnende Überzeugung der starken Verschränkung von Nationalismus und Christentum Ausdruck zu verleihen.
1515 Vgl. Werner Jochmann: Stoecker als nationalkonservativer Politiker und antisemitischer Agitator, in:
Brakelmann, Günter/ Greschat, Martin/ Jochmann, Werner: Protestantismus und Politik. Werk und Wirkung
Adolf Stoeckers (Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte, Bd. 17), Hamburg 1982, S. 123-198, hier
S. 168 und vgl. Greschat: Stoecker und der deutsche Protestantismus, S. 36.
16 Vgl. ebd., 35.
17 Vgl. Koch: Stoecker 1835-1909, S. 34 und vgl. Greschat: Stoecker und der deutsche Protestantismus, S. 35.
18 Vgl. Greschat: Stoecker und der deutsche Protestantismus, S. 35.
19 Vgl. Jochmann: Stoecker als nationalkonservativer Politiker und antisemitischer Agitator, S. 170 und vgl.
Greschat: Stoecker und der deutsche Protestantismus, S. 36.
20 Siehe bezüglich der innenpolitischen Entwicklung des deutschen Kaiserreiches Kapitel 4.
21 Vgl. ebd., S. 36.
22 Vgl. Imhof: „Einen besseren als Stöcker finden wir nicht“, S. 45f.
23 Vgl. ebd., S. 46.
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Arbeit zitieren:
Bachelor Göran Norda, 2006, Adolf Stoeckers Weg in die Politik vor dem Hintergrund seiner christlich-nationalen Werte und Ideale, München, GRIN Verlag GmbH
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Exegese "Der Hauptmann von Kapernaum" (Matthäus 8, 5-13)
Exegetische Analyse
Theologie - Biblische Theologie
Hausarbeit, 27 Seiten
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