Inhalt
1. Einleitung 3
2. Methodische Vorüberlegung 4
3. Analyse der vorhandenen Theorien zur Nachrichtenselektion
3.1.1 Der Gatekeeperansatz 4
3.1.1.1 Der Begriff des Gatekeepers 4
3.1.1.2 Entwicklungen der Gatekeeper-Forschung 5
3.1.1.3 Ansätze in der Gatekeeper-Forschung 7
3.1.1.3.1 Individualistische Untersuchungen 8
3.1.1.3.2 Institutionale Untersuchungen 8
3.1.1.3.3 Kybernetische Untersuchungen 9
3.1.1.4 Zusammenfassung 9
3.1.2 Der „News Bias“-Ansatz 9
3.1.2.1 Der Begriff der „New Bias“-Forschung 9
3.1.2.2 Arbeitsweisen der „News Bias“-Forschung 10
3.1.2.3 Das Dilemma der „News Bias“-Forschung 12
3.1.3 Der Nachrichtenwertansatz 14
3.1.3.1 Anfänge der Nachrichtenwertforschung 14
3.1.3.2 Johan Galtung und Mari Holmboe Ruge 15
3.1.3.3 Öystein Sande 19
3.1.3.4 Karl Erik Rosengren 19
4. Zusammenfassung 20
5. Literaturverzeichnis 21
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1. Einleitung
„Was wir über die Welt in der wir leben wissen, wissen wir durch die Massenmedien!“ Diesem Zitat von Niklas Luhmann können wir vorbehaltlos zustimmen. Die wenigsten haben den Bundeskanzler schon einmal persönlich getroffen oder haben gar den Irak bereist, um sich ein Bild der dortigen Lage zu verschaffen. Das Bild das unsere Welt formt ist das Fernsehbild, respektive Fotos und Berichte in den anderen Medien. Dies liegt in der Natur der Medien und auch in unserer kulturellen Disposition, da wir dem Inhalt der Medien Wahrhaftigkeit zuschreiben. Man könnte es bei dieser Betrachtung belassen und sich zurücklehnen in dem Bewusstsein, alles Wesentliche über die Welt zu wissen. Doch stellt man dem genannten Zitat ein weiteres gegenüber, ergibt sich ein anderes, sehr viel aufrüttelnderes Bild:
„Von über 99 Prozent allen Geschehens auf diesem Erdball erfährt der Zeitungsleser nichts, weil es einfach nicht zur Kenntnis der Presse gelangt. Aber damit nicht genug: über 99 Prozent aller Nachrichten, die schließlich doch der Presse bekannt werden, gelangen nie vor die Augen des Lesers, weil sie [...] [zuvor von Journalisten] aussortiert und dem Papierkorb anvertraut werden.“ dpa-Redakteur Manfred Steffens Wenn wir alles, was wir über die Welt (außerhalb unserer direkten Umgebung) wissen, durch die Massenmedien erfahren; diese aber fast alles aussortieren und uns nur ein Bruchteil dessen präsentieren, was tatsächlich passiert ist, dann stellt sich die Frage nach welchen Kriterien die zuständigen Stellen entscheiden was uns präsentiert wird. Wenn andere darüber entscheiden, was wir wissen sollen und was nicht, dann müssen wir klären wie es zu diesen Entscheidungen kommt. Wir müssen uns also auf die Suche nach den Mechanismen und Bedingungen der Nachrichtenselektion machen. Dies wollen wir in der vorliegenden Arbeit, wenigstens ansatzweise, versuchen. Da es unsere Möglichkeiten und den Rahmen dieser Arbeit übersteigen würde, tief schürfende Forschungen anzustellen, haben wir uns darauf beschränkt, die wichtigsten Forschungsrichtungen dieses Gebietes aufzuzeigen und zu analysieren. Dies sind die Gatekeeper-Forschung, die „News Bias“-Forschung und die Nachrichtenwert-Forschung.
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2. Methodische Vorüberlegungen
Methodisch haben wir den Weg der Inhaltsanalyse einschlägiger Fachliteratur gewählt. Allerdings können wir, wieder unter Verweis auf den ausufernden Umfang der Untersuchungen, keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Dennoch glauben wir durch diese Methode und die gewählte Literatur ein ausreichend genaues Bild der untersuchten Forschungsrichtungen gezeichnet zu haben, das uns erlauben wird unsere Frage zu beantworten.
3 Analysen der vorhandenen Theorien zur Nachrichtenselektion
3.1 Der Gatekeeper Ansatz
3.1.1 Der Begriff des Gatekeepers
"Simply put, gatekeeping is the process by which the billions of messages that are available in the World get cut down and transformed into the hundreds of messages that reach a given person on a given day." (Shoemaker 1991, S. 1). Pamela Shoemakers knappe Zusammenfassung subsumiert in einem Satz den Prozess der Selektion, der tagtäglich in der modernen Massenkommunikation stattfindet. Sie beschreibt diesen Vorgang, als Arbeit der so genannten Gatekeeper, diese wachen an ihren Schnittstellen („Gates“) in der Kommunikationskette zwischen Ereignissen und Nachrichtennachfragern und entscheiden, ob ihr Gate für eine bestimmte Nachricht geöffnet wird und weitere Stellen davon erfahren oder ob für diese Nachricht am jeweiligen Gate kein durchkommen ist. Die klassische Kommunikationskette sehe dabei wie folgt aus: Ein Redakteur einer Nachrichtenagentur muss darüber entscheiden, welche der ihm zur Verfügung stehenden Nachrichten (die wiederum Produkt vorangegangener Selektionsprozesse seiner Zuträger sind) an die Kunden (z. B. eine Zeitung) weitergeleitet wird. Er ist somit ein Gatekeeper, denn er entscheidet welche Nachrichten überhaupt weitergeleitet werden. Strittig ist allerdings ob der einzelne Redakteur oder aber die Institution Nachrichtenagentur als Gatekeeper bezeichnet werden sollte, doch dazu später mehr. Die ausgewählten Nachrichten erreichen nun eine Redaktion, in der wiederum aus der Flut der Agenturmeldungen jene ausgewählt
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werden müssen, die tatsächlich auf den begrenzten Seiten der Zeitung ihren Platz finden sollen. Die Redaktion oder der Nachrichtenredakteur fungieren also ebenfalls als Gatekeeper. Die Gatekeeper-Forschung geht also davon aus, dass die entscheidenden Mechanismen der Nachrichtenselektion in den Akteuren der Medienbranche zu suchen sind. Daher beschäftigt sie sich intensiv mit den Individuen - und in neuerer Zeit auch mit den Strukturen - die für die Auswahl des vorhandenen Nachrichtenmaterials zuständig sind.
3.1.2 Entwicklungen der Gatekeeper-Forschung
Die Gatekeeper- Forschung hat ihren Ursprung in einer Untersuchung, die an sich nichts mit Kommunikationswissenschaftlichen Fragestellungen zu tun hatte. Der amerikanische Sozialpsychologe Kurt Lewin untersuchte während des zweiten Weltkrieges die Einkaufsgewohnheiten amerikanischer Hausfrauen. Er wollte herausfinden, nach welchen Gesetzmäßigkeiten, welche Lebensmittel auf den Tisch kommen und wie man Essgewohnheiten ändern könnte. In seinen Befunden formulierte er die Theorie, wonach in formalisierten Institutionen aller Art, soziale und ökonomische Kanäle existieren, in denen es Veränderungen auf Grund von Entscheidungen an bestimmten Stellen gibt. Diese Stellen nannte er „Gates“. Wenn man also das soziale Geschehen verändern wolle, müsse man das Verhalten des Gatekeepers ändern oder ihn ersetzen. Lewin erwähnte eher beiläufig, dass diese Erkenntnis auch auf andere Bereiche wie z. B. die Massenkommunikation übertragbar sei. (vgl. Weischenberg 2004)
Diesen Aspekt griff zuerst David Manning White im Jahre 1950 auf und später auch zahlreiche andere Kommunikationswissenschaftler. White übertrug Lewins Ansatz auf den Vorgang der Nachrichtenauswahl in einer Zeitungsredaktion. Er wollte herausfinden, was den Journalisten dazu bewegt, bestimmte Nachrichten zu veröffentlichen und andere wiederum nicht. Dazu beobachtete er eine Woche lang den Nachrichtenredakteur einer Kleinstadtzeitung, im mittleren Westen der USA. Dieser sollte zu jeder ausgewählten oder aussortierten Nachricht seine Gründe für die jeweilige Entscheidung nennen. Dabei unterschied White zwischen objektiven Gründen, wie zum Beispiel zu schlecht oder zu lang geschriebene Nachrichten, die zur Ablehnung einer Nachricht führten, oder aber auch subjektive Gründe. Solche Gründe waren im hohen
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Maße von den persönlichen Vorlieben und Einstellungen des Journalisten abhängig. Etwa ein Drittel der Gründe waren subjektiv, zwei Drittel waren objektiv, wobei mit sich näherndem Redaktionsschluss immer mehr Nachrichten aufgrund von Länge o. ä. aussortiert wurden. (vgl. White 1950, S. 383-390) Mit seiner Studie legte White zwar den Grundstein für die moderne Kommunikationswissenschaftliche Gatekeeper-Forschung, aber auch für deren beständige Kritik. Von Anfang an wurde kritisiert, dass der Gatekeeper isoliert betrachtet wurde und sein Umfeld und andere relevante Einflüsse außer Acht gelassen wurden.
Walter Gieber und Warren Breed setzten in ihren jeweiligen Studien an diesem Manko der White-Studie an.
Der Soziologe Breed konzentrierte sich in seiner 1955 erschienen Dissertation auf die Frage:
„Wie wird Zeitungspolitik trotz der Tatsache durchgesetzt, dass sie häufig journalistischen Normen widerspricht, ihre Befolgung von den Vorgesetzten nicht gesetzlich befohlen werden kann und Redaktionsmitglieder persönlich oft anderer Meinung sind?“ (Breed 1973 [zuerst 1955], S. 359) Breed machte nach seinen Untersuchungen (Teilnehmende Beobachtung in Redaktionen und Intensivbefragungen von etwa 120 Journalisten) für dieses Phänomen die berufliche Sozialisation verantwortlich, die der Journalist im Laufe seiner Karriere durchläuft. Durch sie verinnerlichen die Journalisten die Normen einer Redaktion, worauf sie auch angewiesen sind, wollen sie sich reibungslos in eine Redaktion integrieren. Das bedeutet, dass Journalisten sich prinzipiell eher an Vorgesetzten und Arbeitskollegen orientieren, als an dem anzusprechenden Publikum. Das führt zu einem Teufelskreis, denn die Redaktion bezieht ihre Wertvorstellungen nur noch aus sich selber und weniger aus allgemeinen professionellen und gesellschaftlichen Standards.
Breed sieht hier die einzige Abhilfe, um zu einer freieren und verantwortlicheren Presse zu gelangen, Druck auf den Herausgeber auszuüben „…der die Richtlinien verkörpert und die Koordinationsarbeit leistet.“ (Breed 1973 [1955] S. 378)
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Arbeit zitieren:
Jonathan Vogelsang, 2005, Theorien der Nachrichtenselektion, München, GRIN Verlag GmbH
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