Gliederung
1. Der Anbau der Kokapflanze in Bolivien
2. Methodik und Begrifflichkeiten
2.1. Methodik
2.2. Begrifflichkeiten
2.2.1. Angebotsreduzierungsstrategie
2.2.2. Eradication
2.2.3. Alternative Development
2.3. Herleitung der Vergleichskriterien
3. Vergleich der angebotsreduzierenden Instrumente zur Bekämpfung der
Herstellung illegaler Drogen in Bolivien
3.1. Performanzvergleich der Instrumente zur Angebotsreduzierung
3.1.1. Vergleich der Effektivität
3.1.2. Kosten-Effektivitätsanalyse
3.2. Nachhaltigkeitsvergleich der Instrumente zur Angebotsreduzierung
4. Fazit des Vergleichs
5. Anhang
6. Verzeichnis des Bildmaterials
7. Literaturverzeichnis
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Abkürzungen
UNODC United Nations Office on Drugs and Crime USA Vereinigte Staaten von Amerika EU Europäische Union UN Vereinte Nationen ENCOD European Coalition for Just and Effective Drug Policies ACI Andean Counterdrug Initiative INCSR International Narcotics Control Strategy Report WDR World Drug Report FTC Fuerza de Tarea Conjunta (Militäreinheit zur Vernichtung von Drogen) HPI United Nations Human Poverty Index UNGASS United Nations General Assembly Special Session GTZ Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit INCB International Narcotics Control Board USAID United States Agency for International Development USITC United States International Trade Comission USDOS United States Department of State IDP Integrated Alternative Development Program UNDPC United Nations Development Programme Colombia
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1. Der Anbau der Kokapflanze in Bolivien
Lässt sich auf Grund der verschiedenen Instrumente der Angebotsreduzierungsstrategie ein Erfolgsmodell für den Kampf gegen den Anbau der Kokapflanze in Bolivien ableiten? Um dieser Frage nachzugehen ist es essentiell, sich den Grundbedingungen, sowie dem Verhältnis der Bolivianer zur Kokapflanze zu widmen. Die soziokulturelle Bedeutung der Pflanze zu verstehen ist ebenso grundsätzlich, wie den Wandel des Anbaus nachzuzeichnen.
Damit die Kokapflanze gedeiht bedarf es bestimmter Voraussetzungen, die in den Anden Lateinamerikas vorzufinden sind. Dort schaffen hohe Durchschnittstemperaturen, ebenmäßiger Niederschlag und die geographische Lage Idealbedingungen für den Anbau (Bosch/Semmler 2007, 6).
Bildmaterial I
Die Karte zeigt das aus Bolivien, Peru und Kolumbien bestehende sogenannte „silberne Dreieck“, das ein Quasimonopol für den Anbau der Kokapflanze hat (UNODC 2009, 63). Die Größe der Anbaugebiete ist allerdings kein zuverlässiger Indikator für die Produk-tionsmenge von Kokain, da die Nutzung von Kokablättern sich nicht auf die Herstellung von Drogen beschränkt. 4
Viel mehr hat Koka seit über 3000 Jahren auch eine starke soziokulturelle Bedeutung für die lokale Bevölkerung. Funde datieren die früheste Kokanutzung auf etwa 1000 v. Chr. und belegen, dass sich die indigene Art des Kokakauens über die Zeit kaum verändert hat (Riveira et al. 2005, 455-458).
Der Nutzen getrockneter Kokablätter ist vielfältig. So werden sie noch immer als Hilfsmittel gegen die Höhenkrankheit, Hunger und Ermüdung sowie für spirituelle Rituale verwendet (Albrecht 1997, 112). Innerhalb der indigenen Bevölkerungsschichten der Andenländer ist die Verehrung der Kokapflanze auch als Symbol der kulturellen Identität weit verbreitet (Bosch/Semmler 2007, 8-9). Es ist festzuhalten, dass der Anbau und die Nutzung der Blätter geschichtlich stark mit Bolivien verbunden ist und sich über Jahrhunderte hinweg in einem konstanten Verhältnis zur indigenen Bevölkerung des Landes befand (Bosch/Semmler, 12).
Ein Bruch mit den traditionellen Anbauformen zeichnete sich erstmals um 1977 ab. In den folgenden 10 Jahren vergrößerten sich die Anbaugebiete der Kokapflanze so sehr, dass sie 1987 die 10-fache Fläche einnahmen (Hudson/Hanratty 1989). Die starke Ausweitung des Kokaanbaus in den 90er Jahren ist ein Anzeichen dafür, dass die Mengen an geernteten Kokablättern nicht mehr nur zur Deckung des traditionellen Bedarfs dienen. Auch die Verlagerung auf andere Anbaugebiete muss als Indiz für den Wandel in der Kokaproduktion gewertet werden (ebd.).
Traditionellerweise ist der Anbau in den Yungas von La Paz beheimatet. Die dort gezüchteten Kokapflanzen lassen sich kaum für die Produktion von Kokain nutzen, da ihre biologische Beschaffenheit dazu führt, dass man eine große Anzahl von Pflanzen benötigt, um eine sehr geringe Menge von Kokain zu erhalten (Bosch/Semmler 2007, 7). In der Chapare Region ist die Beschaffenheit für die Herstellung von Kokain ungleich günstiger (Dietz 1997, 187). Im Gegenzug werden die bitteren Blätter der Kokapflanzen der Chapare Region kaum für das traditionelle Kauen oder für Kokatee verwendet. Im Zuge der starken Vergrößerung der Anbauflächen ist eine Verschiebung der Anbaugebiete zu Gunsten der Chapare Region offensichtlich (ebd.).
Aus dem Wandel der Anbaugebiete lässt sich also auf einen Trend zur Kokainproduktion schließen. Die Gründe dafür sind vielfältig, lassen sich aber auf zwei wesentliche Entwicklungen dieser Zeit eingrenzen. Zum einen ist ein Nachfrageboom aus den Vereinigten Staaten von Amerika in den 70er Jahren und aus Europa in den 80er Jahren zu erkennen
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(Seffer 2009). Zum anderen wurden in Folge des Preisverfalls für verschiedene Rohstoffe die Mehrzahl aller bolivianischen Minen geschlossen. In dem zu dieser Zeit herrschenden Kokaboom sahen viele ehemalige Minenarbeiter die einzige Möglichkeit der Überlebenssicherung (Beke-Brahmkamp 1992, 36).
Bildmaterial II
Das vorangehende Diagramm verbildlicht, dass sich Bolivien als Konsequenz aus den genannten Entwicklungen Ende der 90er Jahre als drittgrößter Kokain-Produzent der Welt etablierte. In den Folgejahren von 1988 bis 2002 ist die Produktionsmenge deutlich zurückgegangen. 2003 ist wieder ein Anstieg zu erkennen, der 2008 mit einer Produktionsmenge von 113 Tonnen einen erneuten Hochpunkt der Kokainproduktion markiert (UNODC 2009, 66). Die Produktion in Bolivien und Peru schließt klassischerweise den Schritt der Herstellung von Kokainpaste ein. Die anschließende Weiterverarbeitung und Filterung zu reinem Kokain erfolgt jedoch meist in spezialisierten Drogenlaboren in Kolumbien.
Bildmaterial III
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Es lässt sich erkennen, dass die erneute Steigerung der Kokainproduktion analog zu der Vergrößerung der Anbaufläche von Koka erfolgt ist. Im Jahr 2008 lag diese bei etwa 30,500 Hektar. Diese Messungen geben ausschließlich den illegalen Kokaanbau wieder. Zur traditionellen Nutzung dürfen Bauern seit 2004 eine bestimmte Menge Koka anbauen. In Chapare werden 0,16 Hektar pro Familie und 7,000 Hektar insgesamt geduldet, in den Yungas von La Paz sind es mit 13,000 Hektar fast doppelt so viel. Das nachfolgende Bild zeigt eine Satellitenaufnahme von Feldern, die etwa die erlaubte Größe umfassen. In Bolivien nennt man diese Fläche „Cato“.
Bildmaterial IV
Durch die Globalisierung hat eine Professionalisierung und Internationalisierung nicht nur des Warenhandels, sondern auch des Drogenhandels stattgefunden. In der Folge sind Aus-wirkungen nicht nur regional zu spüren, sondern tangieren große Teile der Gesellschaft weltweit. So bestehen die negativen Konsequenzen des Drogenanbaus nicht nur aus ge-sundheitlichen Schäden der betroffenen Konsumenten, sondern sind auch für die lokalen Koka-Bauern zu spüren. Diese werden kriminalisiert und sind teilweise Opfer staatlicher Repression (Della Porte 1999, 11). Dennoch sehen viele Kleinbauern in Bolivien im ge-zielten Anbau hochwertiger, ausschließlich zur illegalen Produktion von Kokain desi-gnierter Kokapflanzen den einzigen Ausweg aus der existenzbedrohenden Armut. 7
Dies ist zum Teil der konsequenten Kokain-Nachfrage aus den Industrieländern geschuldet. Hinzu kommt ein Mangel an wirtschaftlichen Alternativen und eine größtenteils schlecht ausgebaute Infrastruktur in den ländlichen Regionen. Es ist somit wenig verwunderlich, dass der United Nations Human Poverty Index (HPI) Bolivien als eines der drei ärmsten Länder Südamerikas aufführt (vgl. Anhang A).
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2. Methodik und Begrifflichkeiten
Das folgende Kapitel gibt einen Überblick über die dieser Arbeit zu Grunde liegende Methodik (2.1.), erklärt die Begrifflichkeit der Angebotsreduzierungsstrategie und die zwei hauptsächlichen Instrumente zur Drogenbekämpfung (2.2.). Anschließend wird die Wahl der Kriterien für deren Vergleich hergeleitet (2.3.).
2.1. Methodik
Hinsichtlich der Erreichung des allgemeingültigen Ziels, Herstellung, Konsum und Handel illegaler Drogen effektiv zu bekämpfen, gibt es zwei sich maßgeblich unterscheidende Strategien der Herangehensweise.
Diese Arbeit behandelt die Angebotsreduzierung als Strategie zur Drogenbekämpfung und lässt folglich die nachfrageorientierte Strategie unberührt. Der gewählte Ansatz zeichnet sich durch einen stärkeren Bezug zu internationaler Politik und internationalen Beziehungen aus. Auch die vorwiegend von den USA diktierte Anti-Drogenpolitik der internationalen Gemeinschaft, legt ihr Augenmerk seit George Bush Senior’s Andenstrategie auf den Kampf gegen Drogen an der Quelle (Cutting 1994, 10). Diese Herangehensweise hat sich in Bezug auf Bolivien bis heute nicht geändert.
Bildmaterial V
Das vorangegangene Schema illustriert die inhaltliche Verortung der Fragestellung. Diese soll durch die farbliche Hinterlegung verbildlicht werden. „Alternative Development“ und „Eradication“ sind als Maßnahmen der Angebotsreduzierungsstrategie in der Dimension der „Instrumente“ anzusiedeln und werden im Analyseteil dieser Arbeit (3.) einem Vergleich unterzogen. Die „Strategie“ Dimension teilt sich in die zwei eingangs beschriebenen Strategien auf.
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Arbeit zitieren:
Lucas Skupin, 2009, Lässt sich auf Grund der verschiedenen Instrumente der Angebotsreduzierungsstrategie ein Erfolgsmodell für den Kampf gegen den Anbau der Kokapflanze in Bolivien ableiten?, München, GRIN Verlag GmbH
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