Gliederung
1. Einleitung. 3
2. Historischer Umgang mit Homosexuellen in den Weltreligionen. 4
3. Das Spannungsverhältnis zwischen dem Islam
und der Homosexualität. 11
3.1. Rechtliche Stellung der Homosexuellen im Iranischen Strafgesetzbuch. 13
3.2. Der Umgang mit Homosexuellen in islamisch geprägten
L ändern am Beispiel Irans. 15
3.3. Menschenrechte und NGOs als Einflussfaktoren. 18
4. Literaturverzeichnis. 21
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1. Einleitung
Die folgende Arbeit beschäftigt sich im weiteren Sinn mit dem Spannungsverhältnis zwischen Homosexualität und Religion. Im engeren Sinn wird die Einstellung des Islams, und in größerer Ausführlichkeit die des Irans, zur Homosexualität beleuchtet. Dabei wird zu Beginn der Umgang mit Sexualität und daraus folgend auch die Haltung zu „gleichgeschlechtlicher Liebe“ 1 in den wichtigsten Weltreligionen historisch beleuchtet. Neben dem Islam, dem Christentum, dem Hinduismus, dem Judentum und dem Buddhismus dient auch die religiöse Welt im alten Mesopotamien, sowie in der griechischen und römischen Antike als Untersuchungsaspekt dem geschichtlichen Verständnis. Ferner liefert es Anhaltspunkte für die Entstehung der heutigen Beziehung von Homosexualität und Religion. Daran anschließend, widmet sich der Hauptteil dieser Arbeit dem Spannungsverhältnis von gleichgeschlechtlicher Liebe und Religion in der heutigen Zeit. Auf Grund der schieren Menge an Fakten bezieht sich die Fragestellung nach der Vereinbarkeit jener zwei Aspekte an dieser Stelle auf die größte Weltreligion, den Islam.
In Anlehnung an die historischen Vorkommnisse wird dabei untersucht, wie sich der Umgang mit Homosexuellen in islamisch geprägten Ländern entwickelt hat und zu welchen Ausprägungen dies in den jeweiligen Gesetzestexten geführt hat. Ein besonderes Augenmerk richtet sich zudem auf das Spannungsverhältnis zwischen weltgesellschaftlichen Elementen, wie den Menschenrechten und lokal etablierten Traditionen und Gepflogenheiten. Als Beispielland ist die Islamische Republik Iran sehr aufschlussreich. Die besonders fundamentale Auslegung des Islams wird hier von der Regierung vertreten und geht so weit, dass offiziell das Vorhandensein von Homosexualität vom Staatspräsidenten geleugnet wird.
1 Dieser Terminus ist in der nachfolgenden Arbeit als Synonym für Homosexualität anzusehen. Die Nutzung dieser Umschreibung soll dem besseren Lesefluss dienen und Wortwiederholungen vermeiden. Es ist jedoch anzumerken, dass die Begrifflichkeit „gleichgeschlechtliche Liebe“ in ihrem eigentlichen Sinn nicht per se mit Homosexualität gleichzusetzen ist. Viele der Religionen, die Homosexualität als Sünde geißeln, propagieren gleichzeitig die platonische gleichgeschlechtliche Liebe. So ist die „Nächstenliebe“ im Christentum beispielsweise keiner Geschlechterbeschränkung unterworfen und auch im Islam ist die geistige Liebe zwischen Männern etwas wünschenswertes.
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2. Historischer Umgang mit Homosexuellen in den Weltreligionen
Unter Homosexualität versteht man die sexuelle Orientierung zu einem Individuum des eigenen Geschlechts. Geschichtlich gesehen ist sie eng an den Ursprung des menschlichen Daseins geknüpft. Erste Erwähnungen werden auf die Zeit des „Alten Reichs“ 2 in Ägypten datiert. Ein Relikt dieser Zeit ist eine „Mastaba“ 3 , welche die hohen Beamten Nianchchnum und Chnumhotep in enger Umarmung darstellt 4 . Experten sind sich jedoch nicht einig, ob es sich bei den Beamten um ein Zwillingspaar handelte, oder ob die Darstellung die Liebe zum gleichen Geschlecht porträtiert. 5
Aus dem „Mittleren Reich“ 6 gibt es die Überlieferungen des „Klägers vom Memphis“ 7 , die eine Anekdote des Königs Neferkare und seinem General Sasenet erzählt. Die Geschichte besagt, das Letztgenannter allnächtlich vom König besucht wird, der über eine Leiter in sein Haus steigt, wonach „seine Majestät machte, was er wünschte“. Jene Redewendung wurde in manchen ägyptischen Texten dieser Zeit als Umschreibung sexueller Handlungen gedeutet 8 , lässt jedoch auch Raum für weitere Interpretationen.
Um die historische Bewertung von gleichgeschlechtlicher Liebe und dem daraus abzuleitenden Umgang mit Homosexuellen besser darstellen zu können, ist die Ergründung des his-torischen Verhältnisses von Religion und Sexualität an sich von Nutzen. Grundlegend ist festzustellen, dass Sexualität ein zentraler Aspekt vieler religiöser Überlieferungen ist. In der „Theologischen Realenzyklopädie“, dem umfassendsten deutschen Werk zu Theologie und Religionswissenschaft, wird Sexualität als „religionsgeschichtlicher Schlüsselbegriff“ bezeichnet. Sie „spielt eine überragende Rolle“, weil sie „zu den vitalen Antriebskräften gehört, die das Leben und mithin die Religionen bestimmen“. 9 Die nachfolgenden Betrachtungen befassen sich nicht nur mit den Weltreligionen, sondern auch mit der religiösen Sphäre der Antike, die eine Art Vorreiterrolle darstellt.
2 Ca. 2500 v. Chr
3 Entspricht dem arabischen Wort für Steinbank und bezeichnet eine Art (dekoriertes) Grab.
4 Ahmed M. Moussa: Das Grab des Nianchchnum und Chnumhotep, Mainz am Rhein, Zabern 1977
5 Parkinson, The Journal of Egyptian Archaeology 81, 1995, S. 62
6 ca. 2000-1700 v. Chr.
7 Emma Brunner-Traut, Altägyptische Märchen, 8. Auflage, München, 1989, S. 178-179 unter dem Titel „Der Kläger von Memphis“
8 Parkinson, The Journal of Egyptian Archaeology 81, 1995, S. 62
9 Theologische Realenzyklopädie. Band 31. S.186
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So ist im alten Mesopotamien eine starke Integration der Sexualität in das Weltbild zu erkennen. Ishtar, die Liebesgöttin, dient den Gläubigen als Sinnbild der Fruchtbarkeit und der Lust. Sie galt zudem als Symbol für Verführung, Lebenskraft und Fortpflanzung. 10 Auch in der Religion der Hellenen war Sexualität in natürlicher Weise in das Alltagsleben der Griechen integriert. Der Göttervater Zeus verkörperte den Inbegriff sexueller Aktivität. Er war mit Hera, seiner Schwester und Hauptgattin verheiratet, hatte zudem aber unzählige göttliche, sowie sterbliche Geliebte, Nymphen und auch ein Verhältnis mit dem Knaben „Ganymed“. 11 Als Symbol der Liebe und Erotik wurde die Göttin Aphrodite geschaffen, die in den Überlieferungen des Dichters Hesiod, aus dem fruchtbaren Meeresschaum emporgestiegen war. 12 Sie selbst hat durch ein Verhältnis mit dem Kriegsgott Ares Eros geboren, der in Theben und Sparta als „Gott der Knabenliebe“ verehrt wurde. 13 Den Griechen war der Eros als eine Kraft bewusst, „gegen die der Widerstand weder sinnvoll noch möglich“ war. 14 Das Verhältnis zur Sexualität war in der hellenischen Religion vollkommen natürlich und wurde als sinngebend wahrgenommen.
Auch in der Religion der römischen Antike ist Sexualität ein wesentliches Leitbild. Nach Bellinger gab es spezielle Göttinnen, die den Menschen bei der Ehe, Liebe und bei der Fortpflanzung zur Seite standen. 15 Der Gott Amor war für die heterosexuelle und ebenfalls für die homosexuelle Liebe verantwortlich. Die Göttin Bona Dea hingegen, war Symbol lesbischer Beziehungen. 16 Auch die Venus, die römische Version der Aphrodite, wurde als Göttin der Liebe und Schönheit verehrt.
Die Beispiele des Zeus, der Bona Dea, des Amor und des Eros zeigen, dass nicht nur die Sexualität, sondern auch die Homosexualität vollkommen in die religiöse Welt der Antike integriert war. Einen Gegensatz bilden die Religionen der Neuzeit, die das Thema Sexualität in ihrer Mehrheit als Tabuthema behandeln.
So verfügt der jüdische Glauben seit der Frühzeit des 12. Jahrhunderts über ein formales Regelwerk, verfasst von Moses Maimonides, zum Thema Sexualität. Es besteht aus 28 Sexualgeboten, demgegenüber 66 Sexualverbote stehen. 17 Das neuartige an der jüdische Sexualethik ist die Kanalisierung auf den Ehebegriff. Die Ehe ist im jüdischen Glauben die
10 E. u. G. Rotter, Venus Maria Fatima. Wie die Lust zum Teufel ging, Zürich 1996, S.20 f.
11 G. J. Bellinger, Sexualität in den Religionen der Welt, Frechen 1999, S.106 ff.
12 Hesiod, Theogonie, S.178 ff.
13 Conrad M. Stibbe, Das andere Sparta, 1996
14 Euripides fr. 431. zitiert in Jan Bauke-Ruegg, Die Allmacht Gottes, 1996
15 Siehe Fußnote 11, S.130
16 Craig Arthur Williams, Roman Homosexuality: Ideologies of Masculinity in Classical Antiquity, S.145
17 Siehe Fußnote 11, S.345
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Schwelle zur Sexualität. Außerhalb des ehelichen Bundes gleicht Sexualität einer Sünde. Im Talmud lässt sich diese Haltung an den folgenden Stellen gut ablesen: „Wer zwanzig Jahre alt ist und unverheiratet, lebt in der Sünde. In der Sünde, wie kommst du darauf? - Sage vielmehr, in sündhaften Gedanken.“ 18
„Ein Mensch, der keine Frau hat, ist kein Mensch, denn es heißt: ‚Mann und Weib erschuf er sie etc. und nannte ihren Namen Mensch.’“ 19 Im Bezug auf Homosexualität stellt das Judentum ein weiteres Novum dar. Nach Dr. David Greenberg war es die jüdische Zivilisation 20 , die „vor etwa 3.000 Jahren erstmals die Homosexualität für falsch erklärte“. 21 Außer den Juden „verbot keine der archaischen Zivilisationen die Homosexualität an sich“ 22 Die Eindeutigkeit dieses Verbots spiegelt sich in folgenden Versen des dritten Buches von Mose wieder: „Und bei einem Mann sollst du nicht liegen, wie man bei einer Frau liegt: ein Greuel ist es“. 23
„Und wenn ein Mann bei einem Mann liegt, wie man bei einer Frau liegt, dann haben beide einen Greuel verübt Sie müssen getötet werden, ihr Blut ist auf ihnen.“ 24 Im Judentum wird die gleichgeschlechtliche Liebe als etwas widernatürliches angesehen. Die Beschränkung der Sexualität auf die Ehe und der Monotheismus, der dem einzigen Gott keine weibliche Göttin an die Seite stellt, führen zudem dazu, dass historisch gesehen die Sexualität im Judentum nur im Privaten eine Rolle spielt und keinerlei Vorbilder in der Religion hat. Die Haltung zur Homosexualität ist hinsichtlich der Verse des dritten Buches von Mose als eindeutig ablehnend zu bewerten.
In klarer Abgrenzung zur Antike, wo die Integration von Sexualität in das Weltbild und in den Glauben selbstverständlich erscheint, ist für die meisten gläubigen Christen allein die Vorstellung eines möglichen Geschlechtslebens ihres einen Gottes eine blasphemische Tat. Parallelen sind dem gegenüber jedoch zum Judentum erkennbar, was auf die gemeinsamen religiösen Wurzeln zurückzuführen ist. So ist die Sexualität im Christentum in ähnlicher Weise auf die Ehe beschränkt und jeglicher sexueller Kontakt außerhalb dieses Rahmens wird als Unzucht angesehen. Auch gelten bei der Eheführung bestimmte Regeln, wie Monogamie und Treue.
18 Talmud, Kidduschin. 29b
19 Buch Genesis 5:2
20 etwa 1000 Jahre später folgte diesem Ansatz das Christentum
21 Dr. David Greenberg, The Construction of Homosexuality, University of Chicago Press, 1988, S.200 ff.
22 ebd.
23 3. Buch Mose 18:22
24 3. Buch Mose 20:13
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Arbeit zitieren:
Lucas Skupin, 2008, Das Spannungsverhältnis zwischen Homosexualität und Islam, München, GRIN Verlag GmbH
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