Die Epoche diokletianischer Christenverfolgung - Von ideologischem Existentialismus zu politischem Kalkül
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Die Entwicklung des Reiches unter Diokletian 4
2.1 Machtergreifung und Tetrarchie - Reichsreform und Konsolidierung nach außen 4
2.2 Die Entwicklung des Christentums seit Einstellung der valerianischen Verfolgung. 7
3 Die Verfolgungen. 9
3.1 Der Manichäismus. 9
3.2 Das Christentum 10
3.2.1 Motivationen. 10
3.2.1.1 Existentialistische Religionspolitik 10
3.2.1.2 Obligatorischer Staats- und Kaiserkult. 13
3.2.2 Die Christen im Heer. 15
3.2.3 Generelle Maßnahmen - Entscheidungsfindung und Legitimation 16
3.2.4 Die „Verbindlichkeiten des Altnationalen“ 16
3.2.5 Das (Die) Edikt(e): Anzahl und Inhalt - Lactantius, Eusebios und die moderne
Forschung 18
3.2.6 Konkrete Maßnahmen 21
3.2.7 Das „Edikt des Galerius“ 23
3.2.8 Die Umsetzung in den Provinzen 24
4 Von der Abdankung Diokletians bis zum Toleranzedikt des Galerius. 25
4.1 Dynastisches Durcheinander - Die Regelung der Nachfolge 25
4.2 Die Verfolgung der Christen seit 305: Ideologie oder politisches Kalkül? 26
4.3 Das Toleranzedikt des Galerius. 28
4.4 Licinius´ versöhnliche Haltung und der Christenhass des Maximin. 30
5 Constantin als Verfechter der christlichen Sache 32
5.1 Maximins Griff nach der Augustuswürde:
Licinius als christlicher Hoffnungsträger 32
5.2 Licinius: Vom Paulus zum Saulus. 34
5.3 Constantin: Religiosität und staatsmännisches Verständnis 35
6 Resümee 36
Literaturverzeichnis. 38
Anhang 40
Die Epoche diokletianischer Christenverfolgung - Von ideologischem Existentialismus zu politischem Kalkül
1 Einleitung
Hatte das Christentum schon im zweiten nachchristlichen Jahrhundert einen immer größeren Aufschwung erfahren, ließ es „Anfang des dritten Jahrhunderts [...] aus dem Munde markanter und bedeutender Köpfe im Rahmen des allgemeinenhöheren Geisteslebens seine Stimme hörbar vernehmen.“ 1 Das Judentum war vom Christentum zahlenmäßig längst übertroffen worden, in einigen römischen Provinzen des Ostens bestand die Hälfte der Einwohnerschaft aus Christen und die Religion pflanzte sich über Grenzen hinweg fort. In Armenien erreichte die Christianisierung im dritten Jahrhundert selbst das Königshaus. Aber auch den spezifisch römischen Kulturkreis erfasste das Christentum mehr und mehr. In der Mitte des 3. Jahrhunderts war die bisher überwiegend griechische Christengemeinde überwiegend römisch geprägt. Das Christentum erfuhr jedoch nicht nur eine territoriale, sondern zugleich eine gesellschaftliche Ausbreitung. Seine differenzierte geistige Kultur verschaffte ihm Eingang in höchste aristokratische Schichten und ließ sogar Mitglieder des römischen Kaiserhofes ›anfällig‹ werden. Dieses Zwischenspiel friedlicher Entwicklung des Christentums wurde in der Mitte des 3. Jahrhunderts durch die Maßnahmen Decius´ sowie Valerians abrupt unterbrochen. Diese Arbeit beschäftigt sich jedoch mit dem Vorgehen des Diokletian rund fünfzig Jahre später. Was waren seine Motivationen, in einem Zeitalter, in dem bereits verschiedene Gruppen verstärkt zum Monotheismus tendierten, in einer Phase, in der „das religiöse Bewusstsein getragen [war] von der Idee Gottes [...], eines Absoluten, eines Transzendenten mit persönlichem Charakter, das Grundlage und Ziel aller Dinge, das Gegenstand der Anbetung und der Liebe“ 2 war, gegen das erstarkte Christentum vorzugehen? Warum kam es darüber hinaus erst im letzten Viertel seiner Regierungszeit zu solch brutalem Vorgehen, das alles bisher da Gewesene in den Schatten stellen sollte, und in welchen Maßnahmen manifestierte sich dieses? 3
1 Alfed Heuss: Römische Geschichte, 8. Auflage, Herausgegeben, eingeleitet und mit einem neuen Forschungsteil versehen von Jochen Bleicken, Werner Dahlheim und Hans-Joachim Gehrke, Paderborn 2001, S. 425.
2 Marrou, H.I.: Von der Christenverfolgung Diokletians bis zum Tode Gregors des Großen, in: Rogier, L.J.; Aubert, R.; Knowles, M.D. (Hg.): Geschichte der Kirche, Bd. I, Von der Gründung der Kirche bis zu Gregor dem Grossen, Einsiedeln, Zürich, Köln 1963, S. 242.
3 Der vorgegebene Rahmen der Arbeit wird leider nicht eingehalten werden können, was ich jedoch folgendermaßen rechtfertigen zu können meine: 1. Um das zentrale Motiv diokletianischer Christenverfolgung nachvollziehen zu können, scheint es mir unerlässlich, das von Diokletian eingeführte Herrschaftssystem vorzustellen. 2. Bezüglich der Terminierung seiner Maßnahmen ist ein kurzer Überblick über die sonstigen innen- wie außenpolitischen Aktivitäten Diokletians von Nöten. 3. Von einem Ende genereller antichristlicher Maßnahmen wird mit Erscheinen des Toleranzedikts des Galerius, des ursprünglichen Caesars des Diokletian, gesprochen. Der Vollständigkeit halber werde ich jedoch wenigstens kurz auch auf die Auseinandersetzung Konstantins und Licinius´ eingehen, da es sich hier um eine Erscheinung handelte, deren Wurzeln auf die diokletianische Epoche zurückgehen. 4. Der Anschaulichkeit und Eindringlichkeit wegen werde ich relativ ausführlich mit den Berichten der zeitgenössischen Kirchenschriftsteller Eusebios und Lactantius arbeiten.
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Die Epoche diokletianischer Christenverfolgung - Von ideologischem Existentialismus zu politischem Kalkül
2 Die Entwicklung des Reiches unter Diokletian
2.1 Machtergreifung und Tetrarchie - Reichsreform und Konsolidierung nach außen
Im Sommer des Jahres 283 n.Chr. machten sich römische Truppen unter ihrem Kaiser M. Aurelius Carus 4 auf, um einen Feldzug gegen die Perser zu führen. Infolge des unerwarteten Todes des Kaisers 5 wurde der Eroberungszug jedoch nach der Einnahme der feindlichen Hauptstadt Ktesiphon 6 abgebrochen. Des Kaisers Sohn M. Aurelius Numerianus 7 führte den Zug daraufhin zurück gen Westen, wurde aber auf dem Weg durch Kleinasien Opfer eines Mordanschlags. 8 Die ranghöchsten Offiziere fielen sodann, getragen vom Gefühl des im Kampfe erworbenen Ruhmes, vom verbliebenen legitimen Kaiser, dem Bruder des Ermordeten, M. Aurelius Carinus 9 , ab und machten am 20.11.284 einen aus ihrer Mitte, den C. Valerius Diocles 10 , vor den Toren der bithynischen Hauptstadt Nikomedia zu ihrem neuen Kaiser. 11 Dieser dürfte sich gemäß dem von Septimius Severus (193-211) initiierten Bewährungsaufstieg im Militär von unten hinaufgedient haben, wobei er vermutlich auch Kommandos über ausgewählte Heeresteile innehatte, um auf diesem Wege Einlass in den
Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die Historizität besagter Berichte oft nicht nachzuweisen ist. Finden sich auch Parallelen bei anderen Autoren, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es sich um einseitig parteiische Darstellungen handelt, deren Inhalt z.T. durch rhetorische Mittel wie emotional gefärbte Betrachtungsweisen verschleiert wird. Sieht man aber einmal von dem tendenziösen Charakter der Quellen ab und reduziert insbesondere die Einzelheiten in der Darstellung der konkreten Verfolgungs- und Foltermaßnahmen qualitativ wie quantitativ, können die Autoren laut weiter Kreise der Forschung als glaubhaft angesehen werden.
4 Römischer Kaiser illyrischer Herkunft 282-283. Prätorianerpräfekt unter Probus (276-282), in Rätien von den Truppen zum Gegenkaiser erhoben (ca. Oktober 282) und nach der Ermordung des Probus allgemein anerkannt. Erhob seine Söhne Carinus und Numerian zu Caesaren.
5 Die meisten Autoren sprechen von einem Tod durch Blitzschlag.
6 Stadt in Mesopotamien, am Tigris. Residenz der Parther, bis diese 224 n.Chr. von der persischen Königsdynastie der Sassaniden gestürzt wurden.
7 M. Aurelius Numerius Numerianus, nach dem Tod des Carus mit seinem Bruder Carinus zum Augustus erhoben.
8 Die neuere Forschung steht nicht geschlossen hinter der These, dass sein Schwiegervater, der Prätorianerpräfekt L. Flavius Aper, hinter diesem Anschlag gesteckt habe, da dessen Position nicht dafür ausgereicht habe, das Amt für sich selbst zu beanspruchen.
9 M. Aurelius Carinus, von seinem Vater als Caesar mit der Verwaltung des Westens betraut.
10 Die duces aus gallienischer Zeit (253-268) erhielten vielfach den Titel protector domesticus verliehen, der einen kaisernahen Rang und die Zugehörigkeit zu einer Ehrenleibwache ausdrücken sollte. Daher wird Diokletian unter Numerian den Posten des ranghöchsten Protektors bekleidet haben. Somit leitete er als Kommandant der Prätorianer die kaiserliche Leibwache.
Im Zuge der Erhebung legte sich der vermutlich aus der an der Adria gelegenen Stadt Salona stammende Offizier sein zweites praenomen M(arcus) sowie das nomen gentile Aurelius zu und nannte sich somit C. Aurelius Valerius Diocletianus. Damit knüpfte er an die Reihe der mit diesem Gentiliz versehenen illyrischen Kaiser Claudius Gothicus (268-270; Als Führer einer Verschwörung hoher Offiziere gegen Gallienus [253/260-268] wurde er nach dessen Ermordung Kaiser.), M. Aurelius Probus (276-282; Dieser versuchte auf dem von Aurelian gelegten Fundament weiterzubauen und bemühte sich um die innere Konsolidierung des wiedervereinigten Imperiums.) und Carus sowie an Marcus Aurelius (161-180) an. Die soziale origo Diocletians ist schwer zu fassen. Die Forschung geht davon aus, dass er als Sohn eines Freigelassenen, der als Schreiber im Hause seines Patrons tätig war, um 240 in Dalmatien geboren wurde (316?).
11 Die Usurpation eines erfolgreichen Feldherrn stellte im römischen Reich durchaus keinen unüblichen Vorgang dar.
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zweiten Stand der römischen Gesellschaftspyramide, den ordo equester 12 , zu erlangen. Nach der Bestätigung durch die Offiziere wurde im Hinblick auf die zu erwartende Auseinandersetzung mit dem rechtmäßigen Augustus Carinus die formelle Zustimmung des Heeres eingeholt, die bezüglich der unrechtmäßigen Erhebung durchaus den Rang eines „rechtsstiftenden Akt[es]“ 13 hatte. Zur Durchsetzung und Behauptung seiner Herrschaft soll Diokletian am Ende seiner Antrittsrede den nichtsahnenden Aper, der in den Abstimmungen der Kommandeure unterlegen war, als potentiellen Rivalen mit dem Schwert getötet haben. 14 Nun war die Usurpation nur noch gegenüber Carinus durchzusetzen. Gelegen kam dem neu ernannten Kaiser, dass sich etwa zur gleichen Zeit ein weiterer Herrschaftsaspirant namens M. Aurelius Scabinus Iulianus in Oberitalien und im angrenzenden nordwestlichen Balkangebiet erhob. 15 Die in Italien ausgetragene Entscheidungsschlacht endete jedoch mit dem eindeutigen Sieg des Carinus.
Die verbliebenen Anwärter auf die Alleinherrschaft marschierten daraufhin aus westlicher bzw. östlicher Richtung aufeinander zu und trafen sich im Sommer 285 in Moesien an der Mündung des Flusses Margaus 16 in die Donau. Die Quellen überliefern, dass sich Carinus den Sieg hart erkämpft habe, jedoch kurz nach seinem Sieg aus in der Forschung umstrittenen Motiven umgebracht worden sei. 17 Das Ergebnis war eindeutig: Es gab nur noch einen Augustus im Reich, der seine Legitimation auf den consensus omnium et deorum zurückführen konnte und die nach der (nicht bezeugten) Anerkennung der Herrschaft durch den Senat 18 auch nicht mehr in Frage gestellt wurde. 19
12 Stand der Ritter.
13 Wolfgang Kuhoff: Diokletian und die Epoche der Tetrarchie, Das römische Reich zwischen Krisenbewältigung und Neuaufbau (284-313 n.Chr.), Frankfurt am Main 2001, S. 22.
14 So beraubte er den Machtfaktor der Prätorianer ihres führenden Kopfes und sah sich selbst in der Position, den Nachfolger Apers bestimmen zu können.
15 Eine eindeutige Identifikation fällt schwer: Vermutlich handelte es sich entweder um einen von Carinus neu ernannten Prätorianerpräfekten, der zur Beobachtung Diocletians ausgesandt worden war, oder um einen pannonischen Statthalter.
16 Der inzwischen Morava genannte Fluss mündet ca. 50 km östlich vom heutigen Belgrad in die Donau.
17 Es herrscht Unklarheit darüber, ob Diokletian in diese Tat z.B. auf dem Wege der Bestechung involviert war.
18 Zur Bestätigung des Machtwechsels gehörte neben der Verleihung des besonders wichtigen Elements der Rechtsstellung eines princeps, der tribunicia potestas, der ordentliche Konsulat, den Diokletian in üblicher Weise am 01. Januar des auf den Herrschaftsantritt folgenden Jahres, also 285, angetreten hatte. Der bisher nur im Osten verkündete Konsulat wurde nun auch im Westen bekannt gegeben und damit reichsweit gültig. Diokletian trat diesen zweiten Konsulat (Suffektkonsulat: 20.11-.31.12.284) in seinem Machtbereich allein an. Ob er mit dieser Maßnahme das Beschreiten des militärischen Weges im Machtkampf ausdrücken wollte oder ob der Verzicht auf die Bestimmung eines Kollegen als Angebot zum friedlichen Ausgleich aufgefasst werden kann, ist nicht völlig geklärt. Nach der Erringung der Alleinherrschaft substituierte er sich selbst als cos. prior und reklamierte zugleich den vorigen Kollegen des Carinus als seinen eigenen. Die Belassung hoher Berater und Beamter seines Vorgängers in ihren Ämtern und der Verzicht auf eine groß angelegte Säuberungsaktion sicherten Diokletian allgemeine Akzeptanz „und war insofern ein kluger, freilich auch naheliegender und notwendiger Schachzug im Interesse der Wiederherstellung eines allgemeinen inneren Konsenses.“ (Aus: Kuhoff: Diokletian und die Epoche der Tetrarchie, S. 27.)
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19 Der Gefahr lokaler Revolten und der Erhebung von Generälen zu Gegenkaisern versuchte Diokletian durch ein neues gewaltenpluralistisches Herrschaftssystem - zwei Augusti (Oberkaiser) mit je einem Caesar (einen eigenen Verwaltungsbezirk regierender Mitkaiser und designierter Nachfolger) - beizukommen. (Lactantius: „ut duo sint in re publica maiores, qui summam rerum teneant, item duo minores, qui sint adiumento“; De mortibus persecutorum, 18,5. Die Aufspaltung der kaiserlichen Gewalt war an und für sich nicht neu. Schon das frühe Prinzipat hatte sie zum Zweck der Nachfolgedesignation gekannt. Sie wurde dann fortgebildet zum Kondominat, wenn zwei Söhne dem Vater in der Herrschaft folgten, so wie es unter Diokletians Vorgänger Carus geschehen war. Ebenso wie im späteren diokletianischen System handelte es sich hier nicht um Realteilungen. Jeder regierte das ganze Reich, was sowohl nach den Grundsätzen des republikanischen Staatsrechts möglich als auch für die Begriffe einer Monarchie nicht undenkbar war. Die vorgefundenen Gepflogenheiten wollte Diokletian nun als Ansatz nutzen, anarchischen Tendenzen begegnen zu können. Dem Pluralismus der Anarchie durch Ausrufung von Generälen zu Kaisern kam er durch dessen Legalisierung zuvor und ernannte selbst seine Mitkaiser. Der kaiserlichen Machtstellung und der Person des Herrschers sollte wieder das alte Ansehen entgegengebracht werden. „Diesem System, das sich weder auf den dynastischen Gedanken noch auf Senat oder Armee stützte, fehlte aber noch eine ideologische und religiöse Grundlage, die den Herrschern den religiösmystischen Nimbus zu verleihen vermocht hätte, der dem kaiserlichen Amt nach so vielen Ermordungen von Kaisern verloren gegangen war.“ (Aus: Jacques Moreau: Die Christenverfolgung im Römischen Reich, Berlin 1971, S. 98 f.) So wurden die Akklamationen der Soldaten, die Diokletian zur Macht verholfen hatten, als irdisches Zeichen göttlichen Willens gewertet und sicherten so den Bestand dieses theokratischen Absolutismus. Das System der sogenannten Tetrarchie ermöglichte es der obersten Reichsgewalt, gleichzeitig an verschiedenen Orten des Imperiums gegenwärtig zu sein. So sah Diokletian kurz nach seiner offiziellen Anerkennung sowohl Gallien als auch die Donaufront als gefährdet an und gab das Kommando in Gallien schließlich ab. Er machte seinen General Maximian, der sich unter Aurelian und Probus hochgedient hatte, zum Caesar und infolge seines erfolgreichen Vorgehens in Gallien noch 286 zum Augustus (M. Aurelius Valerius Maximianus; Unter seiner Herrschaft standen fortan Italien, Rätien und Afrika.). Unter dem Eindruck der andauernden Germanenkriege wie der Usurpation des M. Aurelius Maus(aeus?) machte Maximian (?) Constantinus Chlorus (C. Flavius Valerius Chlorus) nach seiner Laufbahn als Prätorianerpräfekt 293 zum Caesar des Westreichs in den Provinzen Hispanien, Gallien und Britannien. Daraufhin ernannte Diokletian, der über Asien und Ägypten herrschte, seinerseits Galerius zum Caesar (Auch dieser war illyrischer Herkunft und hatte seine Laufbahn als einfacher Soldat unter Aurelian und Probus begonnen. Als C. Galerius Valerius Maximinianus bestand seine Hauptaufgabe neben der Verwaltung Griechenlands und des Balkangebietes im Schutz des westlich anschließenden Donaugebietes.) (Die Frage, ob die Initiative zur Ernennung zweier weiterer Kaiser von Diokletian oder Maximian ausging, ist umstritten.) Somit war da dyarchische schließlich durch das tetrarchische System abgelöst worden. Durch Heiraten mit weiblichen Verwandten der Augusti wurde das tetrarchische System dynastisch ausgebaut. (Zu diesem Zwecke hatten sich Galerius und Constantius Chlorus von ihren Lebensgefährtinnen trennen müssen.) Für die Zukunft war an gleichzeitiges Abtreten der Augusti und Nachrücken der Caesares gedacht (Nach Diocletians Abtritt 305 führte jedoch schon die Auswahl der neuen Caesares in eine Krise. Das erfolglose Eingreifen des Begründers des tetrarchischen Systems 308 hatte dessen Zusammenbruch zur Folge.). Die herausgehobene Stellung Diokletians wurde nicht in Frage gestellt. Wenn auch die Zuständigkeiten der Reichsregierung und Verwaltung auf alle Tetrarchen verteilt wurden und alle vier reichsweit Anerkennung fanden, bedeutete dies keine Reichsteilung, denn Diokletian blieb die letzte Instanz und hielt die Legislative in Händen, auch wenn die Gesetze im Namen beider Augusti verkündet wurden. Die hierarchische Ordnung wurde durch Adoptionen symbolisiert: Diokletian adoptierte Maximian. Entsprechend wurden von den beiden Augusti die entsprechenden Caesares adoptiert, Constantius von Maximian, Galerius von Diokletian.
Diokletian führte während seiner Herrschaft eine umfassende Reichsreform durch. Der konsequente Ausbau des staatlichen Zwangsapparates, über die der Herrscher seine absolutistische Macht auszuüben in der Lage war, und die systematisierte Auspressung der Untertanen sollte der inflationären Misere des Reiches sowie der finanzaufwendigen Bürokratisierung entgegenwirken. So wurden z.B. Produktion und Arbeitskraft auf Grund eines rigorosen Bewertungssystems einheitlich besteuert. Die streng geregelte Wirtschaft artete bald in einen regelrechten Dirigismus aus. Darüber hinaus sollte eine einheitliche Verwaltungsbasis eine militärische wie finanzielle Machtkonzentration einzelner verhindern.
Die traditionelle Gliederung und Verwaltung des Imperiums dezentralisierte Diokletian, indem er die Provinzen verkleinerte, deren Zahl somit auf ca. 100 stieg. Mehrere der neuen Provinzen wurden zu Diözesen zusammengefasst, an deren Spitze ein Vicarius stand. Darüber hinaus wurden Zivil- und Militärverwaltung getrennt. Der notwendige enorm große Beamtenapparat, dessen Korruptheit vorausgesetzt wurde, sollte durch Bespitzelung und Kompetenzüberschneidungen kontrolliert werden. Schließlich reformierte Diokletian auch das Militär: Eine erhebliche Verstärkung der Armee auf ca. 70 - allerdings kleinere - Legionen erlaubte es, in die neuen Grenzprovinzen je zwei Legionen unter einem dux zu legen. Eine mobile Armee aus Elitetruppen, die für
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2.2 Die Entwicklung des Christentums seit Einstellung der valerianischen Verfolgung
In den vergangen vierzig Jahren hatte sich die christliche Religion abgesehen von der Befürchtung einer neuen Verfolgung im Angesicht des Sol-Kultes 20 relativ ungestört
Notfälle bereit stand, war das Rückgrat der Reichsverteidigung. Auch der Armee wurde durch die Schaffung neuer Kommandostellen mit begrenztem Aufgabenbereich klargemacht, dass es nun schwerer wurde, auf mittlerer oder höherer Befehlsebene mit usurpatorischen Gedanken zu spielen. „Ein Vergleich all dieser Maßnahmen mit denen eines Decius oder Gallienus ergibt, dass nun die Institutionalisierung und Systematisierung dessen eintritt, was vorher experimentelle Neuerung, vager Versuch oder Augenblicksmaßnahme war. Das Ergebnis des rigorosen Eingriffs ist der spätantike Zwangsstaat, der den einzelnen mit seinem gesamten Leistungsvermögen für sich beansprucht.“ (Aus: Hans Dieter Stöver: Christenverfolgung im Römischen Reich, Ihre Hintergründe und Folgen, Düsseldorf und Wien 1982, S. 221.) An dieser Stelle soll noch ein schlaglichtartiger Überblick über die militärischen Aktivitäten Diokletians bzw. seiner Mitkaiser gegeben werden, um später erfolgende Thesen zur Datierung der Christenverfolgung abstützen zu können: Schon im Jahre 285 setzte sich Diokletian mit germanischen und sarmatischen Stämmen auseinander. In der Folge wandte er sich der Reorganisation der römischen Grenzsicherung in Syrien und Palästina zu. Diplomatischen Interaktionen mit dem Sassanidenreich und Armenien folgte 288 die aufgrund der Zuspitzung der Situation im Westen erzwungene persönliche Anwesenheit Diokletians im obergermanisch-rätischen Raum. Im Gebiet der oberen Donau konnte er einen Sieg über die Alamannen erringen. 289 ging Diokletian dann wieder an der unteren Donau gegen die Sarmaten vor. 290 war ein Einfall von Arabern in den syrischen Raum zurückgeschlagen worden. 293 und noch einmal 296 brach unvermutet ein neuer Krisenherd in Ägypten auf, der eine umfassende Neuordnung erforderte. Galerius siegte 294 über die Sarmaten, 295 gegen die Karpen. Ende des 3. Jahrhunderts war im Norden der römischen Ostgrenze ein Angriff der Sassaniden erfolgt, Tiridates III., Schützling Diokletians, wurde aus Armenien vertrieben, so dass das Land erneut zum Konfliktgegenstand wurde. Nach einer totalen Niederlage im Jahr 297 konnten Diokletian und Galerius unter dem Eindruck anschließender Erfolge jedoch die Friedensbedingungen diktieren, wobei es ihnen weniger um imperialistische Ziele als um eine systematische Reorganisation und Sicherung der Grenze ging. Maximian hatte schon Mitte der 80er Jahre des 3. Jahrhunderts mit der Niederwerfung des Bagaudenaufstands zu kämpfen. Die Einwohner Galliens gaben ihrer Unzufriedenheit darüber Ausdruck, dass in ihrem Land seit Jahrzehnten sowohl von den Germanen als auch von Truppen der Usurpatoren geplündert und gebrandschatzt wurde. Es bildete sich eine Bewegung, die mit elementarer Gewalt gegen jegliche Autorität zurückschlug. Darüber hinaus musste sich der zweite Augustus mit dem Usurpator Carausius auseinandersetzen, der es fertig brachte, ein britisches Sonderreich zu konsolidieren. Der illegitime Herrscher konnte Maximian 289 nicht nur schlagen, seine Herrschaft fand zunehmend auch in Nordwestgallien Anerkennung. Die Niederwerfung des Sonderreiches glückte erst Constantius Chlorus 293, die erfolgreiche Invasion Britanniens 296. Auch die Kämpfe an der germanischen Front rissen nicht ab. Diesen hatte sich hauptsächlich Constantius zu stellen, da Maximianus inzwischen durch Unruhen und Grenzkämpe in Nordafrika gebunden war. Karl Christ verweist auf die Priorität des militärischen Sektors und hebt die staatliche Schlüsselstellung der Armee hervor: „In dieser Hinsicht ist die enge Verbindung mit der Ära der Soldatenkaiser evident. Wenn sich Diokletians Tetrarchie dennoch wesentlich von jener vorausgehenden Epoche unterscheidet und im Rahmen des Stabilisierungsprozesses des Imperiums einen besonderen Rang einnimmt, so liegt dies an dem ganzen Komplex von Reformen, die inmitten der nicht abreißenden militärischen Aufgaben durchgeführt wurden.“ (Aus: Karl Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit von Augustus bis Konstantin, München 1988, S. 713.)
20 Als Sol Indiges besaß der römische Sonnengott einen Tempel auf dem Quirinal. Als Sol Invictus sollte auf Veranlassung des nach dem Sonnengott Elagabal benannten Kaisers Marcus Aurelius Antoninus (218-222), der den Sonnengott unter die offiziellen römischen Staatskulte aufgenommen hatte, ein schwarzer Stein angebetet werden. Der Kult verschwand jedoch mit der Ermordung des Kaisers wieder. Ebenso bedrohlich erwies sich zwischenzeitlich der substantiell mit der Verehrung des Sonnengottes verbundene, gleichfalls im Osten entstandene Kult des Mithras, dessen politisches Gewicht auf seiner weiten Verbreitung unter den Soldaten beruhte, der sich die Kaiser der Tetrarchie nicht entziehen wollten, zumal der Kult keinen Universalitätsanspruch besaß. Mithras war ein Lichtgott, ein der Sonne zur Seite stehender Genius des Aethers, und wurde zugleich als Schützer vertraglichen Rechts angesehen. Somit hatte er nicht nur eine Mittlerposition zwischen Hell und Dunkel, Himmel und Erde, Sonne und Mond, sondern auch zwischen Gut und Böse inne. Der Dienst dieses Gottes verbreitete sich von Persien über Italien, Gallien und das römische Germanien und wurde so allgemein, dass zahlreiche Priesterschaften und vielleicht die Hälfte der Einwohner Roms in seine Mysterien eingeweiht waren. Der Mithras-Kult, der in Höhlen (Mithräen) zelebriert wurde, erreichte seinen Höhepunkt im 3. Jh. n. Chr. Als Überwinder der Finsternis wurde Mithras, dessen Urtat die Tötung des Stiers war, später mit dem
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entwickeln können, nachdem Gallienus die von seinem Vater Valerian (253-260) initiierten Verfolgungsmaßnahmen im Sinne einer bewussten Abgrenzung gegenüber dem
außenpolitisch erfolglosen Vater hatte einstellen lassen. Christen stiegen sogar in die höchsten Ämter des Staates auf, wurden mit der Verwaltung von Provinzen betraut und befanden sich in großer Anzahl am kaiserlichen Hofe. Die rechtliche Lage der Christen war zwar nie ausdrücklich geklärt worden, dennoch kann von einer De-facto-Anerkennung gesprochen werden. 21 Auch unter Diokletian wurde militärischen Maßnahmen nach außen, bezüglich partikularer Tendenzen aber auch nach innen sowie der Reorganisation des Reiches zunächst Priorität eingeräumt. Das Christentum verbreitete sich sowohl geographisch als auch hinsichtlich seiner soziologischen Verwurzelung. Der neue Glaube beschränkte sich nicht mehr lediglich auf die unteren Klassen, sondern durchdrang alle Ebenen der römischen Gesellschaft. Die Anzahl der Christen stieg stetig an, so dass größere Gotteshäuser errichtet werden mussten. 22 Über den Status einer religio licita war das Christentum dennoch nicht hinausgekommen, der Erweis staatlicher Loyalität blieb obligatorisch. 23 Der Kirchenhistoriker Eusebios 24 war der Meinung, die Ursachen für das erneute Aufkommen antichristlicher
Sonnengott gleichgesetzt. Diverse Übereinstimmungen in Überzeugungen und Riten des Mithras-Kults und des Christentums führten schließlich zu einer aus ähnlichen Rekrutierungsmaßnahmen resultierenden Konkurrenz. So maßen beide Religionen einem Kultmahl große Bedeutung bei. Hierarchische Strukturen, das Vollziehen von Bräuchen in Abgeschiedenheit sowie die persönlich durch die Glaubensstifter Christus oder Mithras vollbrachte Erlösung der Gläubigen waren weitere Parallelen.
21 Eusebios und Lactantius sprechen von einer durch Aurelian (270-275) anberaumten Verfolgung, denen die Christen nur durch die plötzliche Ermordung des Kaisers hätten entgehen können. Dieser Sachverhalt kann mit dem Bestreben des Kaisers, zur Zentralisierung des Kultwesens den besonders im römischen Osten gepflegten Sol-Kult als reichsweit verbindlichen neuen Staatskult zu etablieren, und so den Monotheismus gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften zu stärken, erklärt werden. Die Bedeutung, die dem Sonnengott gerade unter Aurelian zuteil wurde, manifestierte sich in diversen Münzen, auf denen das Prinzip Sol dominus imperi Romani dargestellt wurde, sowie in der Einweihung des Sol-Tempels im Jahre 274.
22 Die wachsende Anziehungskraft des Christentums im Verlauf des 3. Jahrhunderts ist auch durch eine Veränderung in der Hierarchie zu begründen. Besessene und Wundermänner wurden von gebildeten Bischöfen, Gelehrten und Theologen als Gemeindevorsteher abgelöst. Das Vorbild der Märtyrer, das wiederholte Scheitern antichristlicher Maßnahmen sowie christliche Tugenden schweißten die Gemeinschaft weiter zusammen. Gerade die starke Verbreitung und das Vordringen des Christentums in ländliche Gebiete, das sich in den letzten Jahrzehnten des dritten Jahrhunderts vollzog, wird als entscheidende Voraussetzung für den Fehlschlag der großen Verfolgung angesehen. Das Christentum erstreckte sich um 300 in variierender Dichte praktisch über das gesamte römische Reich bis in die entlegensten Provinzen. Dennoch darf nicht übersehen werden, dass die Christen bezogen auf die Dimensionen des Imperiums eine Minderheit darstellten. „Selbst in den Gebieten besonders erfolgreicher christlicher Mission dürften damals nach den modernen Schätzungen allenfalls etwa 5% der Gesamtbevölkerung Christen gewesen sein.“ (Aus: Christ: Geschichte der römischen Kaiserzeit, S. 690.)
23 Jedoch wurde Christen, deren Tätigkeit die Teilnahme an heidnischen Kulten mit sich brachte, oft eine Sonderstellung gewährt, indem sie, um ihr Gewissen nicht beflecken zu müssen, von der Opferpflicht ausgenommen waren. Auch waren viele Christen im Heer beschäftigt und waren auch dort z.T. von Kulthandlungen befreit.
24 *wahrscheinlich in Palästina um die Jahre 260-265, um 339-340. In Kaisareia in Palästina war der Gelehrte presbyterianische Pamphilos aus Berytos bemüht, die literarische Hinterlassenschaft des Origenes, des einflussreichsten früh-christlichen Theologen, der unter der Christenverfolgung des Decius zu leiden gehabt hatte, zu sammeln und wissenschaftlich auszuwerten. Hierfür zog er sich Eusebios zum wichtigsten Gehilfen heran. Pamphilos starb während der Christenverfolgung 310 den Märtyrertod. Eusebios überstand die Haft und
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Maßnahmen an einer Art christlichen Selbstgefälligkeit festmachen zu können. Der sich einstellende Übermut nach der Einstellung der valerianischen Maßnahmen habe die neuen Verfolgungen nach sich gezogen.
3 Die Verfolgungen
3.1 Der Manichäismus
Als Anhänger altrömischer Tradition versuchte Diokletian, die geistige Einheit des Imperiums durch Beseitigung des Manichäismus 25 und des Christentums herzustellen. Im Jahre 302 erließ er in Alexandria ein Edikt gegen die Anhänger der manichäistischen, aus dem als Erzfeind angesehenen persischen Reich stammenden, Lehre. 26
„Iubemus [...] auctores quidem ac principes una cum abominandis scripturis eorum severiori poenae subici, ita ut flammeis ignibus exurantur“ 27
Die den Staatskult negierenden Manichäer erschienen der römischen Auslegung nach als Abgesandte der konkurrierenden Großmacht in Asien, die den Bestand des
wurde 313 zum Bischof von Kaisareia gewählt. Er vertrat die Lehre des Arianismus, nach der Christus nicht wesensgleich mit dem Vater, sondern ein Geschöpf des Vaters aus dem Nichts sei. Kaiser Constantin schätzte Eusebios als Bundesgenossen im Streben nach der Einheit der Kirche. Eusebios wiederum verehrte den Kaiser, weil dieser mit der Reichseinheit der Kirche den Frieden gab. Im Rahmen seiner Kirchengeschichte stellte er neben der Entstehung der Kirche u.a. die Christenverfolgung als historischen Vorgang dar.
25 Die von dem Babylonier Mani Mitte des 3. Jahrhunderts gegründete Heilslehre. Mani hielt sich für den letzten großen Propheten (u.a. nach Zarathustra, Buddha und Jesus), deren unvollkommene (weil nicht von ihnen selbst schriftlich fixierte) Religionen er zu krönen hatte. Seine Religion war eine Form der Gnosis, die auf radikalem Dualismus gründete, der seinerseits heilsgeschichtlich entwickelt wurde (ursprüngliche Scheidung -Vermischung - Wiederherstellung der Scheidung). In der mittleren Periode wurde der Sohn Gottes, der Urmensch, besiegt; seine Seele mit der Materie vermischt. In einem langen Erlösungsprozess wurden die Gesandten Gottes (darunter auch Jesus) wiederholt besiegt; sie vermochten die in die Körper gebannten Seelen nicht zu befreien, deren Rückkehr ins Lichtreich nur durch die Annahme der Heilsbotschaft Manis möglich war: die an ihn Glaubenden bildeten die Kirche der Vernunft. Heil lag im Bewusstwerden seiner selbst (geknüpft an radikale Enthaltsamkeit. Unvollkommene verfielen der Wiedergeburt.) Der Manichäismus verfolgte eine breite Missionstätigkeit und das Ziel, alle bisherigen Erlösungsreligionen an Universalität zu übertreffen, was den Heiden unweigerlich ein Dorn im Auge sein musste. Schon bald nach dem Tode Manis 277 fanden sich Manichäer im westlichen Mesopotamien, um 300 in Syrien, Nord-Arabien, Ägypten und Nordafrika. Im 4. Jahrhundert findet man sie auch in Italien, Gallien, Spanien, Kleinasien und Armenien. Gerade das gnostische Gedankengut, welches die Unvollkommenheit der aktuellen Welt postulierte und den Anhängern des Manichäismus das Heil in einer Abkehr von den irdischen Lebensbedingungen und (ebenso wie bei den Christen) der Zuwendung zum Jenseits verkündigte, macht deutlich, das dieser Kult nicht als eine den römischen Staat bejahende Glaubenslehre gelten konnte. Stellte der Manichäismus hinsichtlich seiner Ausdehnung wohl auch keine Gefahr für den römischen Staatskult dar, ist die ernstzunehmende Konkurrenz gegenüber dem Christentum nicht zu negieren.
26 Die auf alter Überlieferung beruhende römische Religion galt als unantastbar: „maximi enim criminis est retractare quae semel ab antiquis statuta et definita suum statum et cursum tenent ac possident. [...] unde pertinaciam pravae mentis nequissimorum hominum punire ingens nobis studium est.“ (Aus: Collatio: XV, 3,2 und 3,3; Entnommen aus: Molthagen: Der römische Staat und die Christen im zweiten und dritten Jahrhundert, S. 114.)
27 Mosaicarum et Romanarum legum collatio 15,3,6 [= Gregorianus VII De maleficis et Manichaeis ; FIRA² II S. 581] (Entnommen aus : Ingemar König : Der römische Staat II, Die Kaiserzeit, Stuttgart 1997, S. 217).
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Arbeit zitieren:
Markus Werges, 2004, Die Epoche diokletianischer Christenverfolgung - Von ideologischem Existentialismus zu politischem Kalkül, München, GRIN Verlag GmbH
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