Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Persische Schriftzeugnisse zu Xerxes 2
I. Mesopotamische Schriftzeugnisse zu Xerxes 4
a.) Assyrisch-Babylonische Chroniken 4
b.) Xerxes in babylonischen Urkunden 5
c.) Astronomical Diaries 5
d.) Berossos 6
II. Politik und Wirtschaft in Mesopotamien 7
a.) Die Aufstände Babylons gegen Xerxes 7
b.) Kontinuität im Gebrauch des Titels šar babili. 8
c.) Die königliche Umstrukturierung der wirtschaftlichen
Verhältnisse……………………………………………………….S. 9
1.) Das Abbrechen der Archive 9
2.) Das Verschwinden der babylonischen Familien aus
Südmesopotamien und die Beziehungen des König zu den
Tempeln von Uruk 10
d.) Die Maßnahmen Xerxes´ in Babylonien 12
e.) Die Frage nach der Kontinuität der Kulte 12
Schlussbetrachtung: Ein Paradigmenwechsel 14
Literatur. 15
1
Einleitung: Schriftzeugnisse aus Persien zu Xerxes
Der Großteil der Inschriften des Xerxes 1 , stammt aus Persepolis (XPa-XPk), ist meistens dreisprachig (altpersisch, elamisch und babylonisch) und hat monumentalen Charakter. In XPa erfahren wir von der Errichtung des Torweges Alland durch Xerxes(§3), der wie sein Vater nach dem Willen Ahuramazdas „vieles andere Schöne […] in diesem Persien“ erbaut hat. In XPb lesen wir (§2): „Ich bin Xerxes, der große König, König der Könige, König der Länder vieler Stämme, König dieser großen Erde auch fernhin, des Königs Darius Sohn, der Achaimenide.“ Daneben existieren zwei (drei?) Inschrift aus Susa (XSa, XSb ?, XSc), eine Inschrift vom Berg Elevend (XE), eine Inschrift aus Hamadan (XH) und eine Inschrift vom Van-See (XV). Vaseninschriften lauten „Xerxes, der große König“. Interessant ist die Inschrift von Van für das Verständnis der Beziehung von Dareios und Xerxes (XV §2): „Es spricht der König Xerxes: Der König Dareios, der mein Vater (war), dieser hat nach dem Willen Ahuramazdas viel Schönes gebaut. Auch hat er befohlen, diesen Felsen zu behauen, indessen eine Inschrift nicht schreiben lassen. Darauf befahl ich, diese Inschrift zu schreiben. 2 Mich soll Ahuramazda schützen nebst den Göttern und meine Herrschaft, und was von mir gebaut worden ist.“ Diese Inschriften illustrieren zwar die Bauprojekte des Xerxes, liefern aber keine weiteren historischen Informationen. Vielleicht wird der Fundzufall in Zukunft hier etwas mehr Licht ins Dunkel bringen. Zwei prominente Ausnahmen gibt es jedoch: Die sog. Haremsinschrift und die daiv - Inschrift. Während erstere für die Frage nach der Akzession des Xerxes von Bedeutung ist, ist die daiv -Inschrift ein Zeugnis achaimenidischer Religionspolitik.
Die wissenschaftlichen Meinungen über diese Inschrift sind geteilt: Einerseits gibt es die Ansicht, dass die daiva - Inschrift kann zwar nicht als Quelle für historische Fakten genutzt werden kann, jedoch Bedeutung für die Interpretation der Religiosität des Königs hat. 3 Andererseits stellt Gregor Ahn fest: „[…I]n den Zeilen 35-41 dieses Textes ist in einer der dualistisch-antagonistischen Terminologie des Avesta vergleichbaren Sprache davon die Rede, dass der Großkönig nach dem Willen Ahuramazds ein in seinem Reichsgebiet gelegenes daiv - Heiligtum zerstört und stattdessen einen Kult für Ahuramazd eingerichtet hat. Sprachlich fällt dabei auf, dass Xerxes in dem fraglichen Abschnitt [XPh 35-41], der von der Zerstörung des daiv - Heiligtums berichtet, eben nicht auf eine bereits vorhandene
1 Im Folgenden zitiert nach F.H. Weißbach: „Die Keilinschriften der Achaimeniden“, Leipzig 1968, S. 106-119.
2 Im Original nicht kursiv.
3 Amélie Kuhrt, Babylonia from Cyrus to Xerxes, S.133. H. Sancisi-Weerdenburg wertet in ihrem Buch „Yaun
en Persai“, Leiden 1980, die Inschrift als „ahistorisch“; bei Gerold Walser in „Hellas und Iran“, Erträge der
Forschung 209, Darmstadt 1984, S.50 ist sie „ein Zeremonietext zur Bestätigung der königlichen Allmacht“.
2
Vorlage zurückgreifen kann, sondern in rhetorisch nicht gerade brillant zu nennender Form ein Anliegen zum Ausdruck bringt, dass ihm offenbar am Herzen gelegen haben muss. Damit ist diese Inschrift neben der Behistun - Inschrift des Dareios´ I. der einzige altpersische Text, der einen unmittelbaren historischen Bezugspunkt zu erkennen gibt.“ 4 Von großer Bedeutung ist auch eine Auflistung der Tribut zollenden Völker.
In der Diskussion stehen drei Ereignisse, auf die sich XPh beziehen könnte: 1.) Die Zerstörung des Marduktempels in Babylon, 2.) die Brandschatzung der Athener Akropolis und 3.) inneriranische Maßnahmen gegen einen nichtzoroastrischen Kult. 5 Eigentlich wollte ich alle drei Punkte überprüfen, da es den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, sie alle ihrer Richtigkeit nach abzuklopfen, möchte ich mich vor allem auf den mesopotamischen Aspekt der Fragestellung konzentrieren und versuchen, das Verhältnis des Xerxes zum Zweistromland herauszuarbeiten.
Die Vermutungen über eine Verbindung von XPh zu den Ereignissen in Babylonien stützen sich auf ein größtenteils von der griechischen Überlieferung vorgeformtes Bild. Von einer Zerstörung des Marduktempels wird schon seit den 80ern nicht mehr um jeden Preis ausgegangen. Xerxes wurde vor allem in den Arbeiten von Amelie Kuhrt und Heleen Sancisi-Weerdenburg als ein der mesopotamischen Tradition verpflichteter Herrscher gezeichnet, der sich bruchlos in den Kontext der achaimenidischen Herrschaft im Zweistromland eingliedert. Neuere Forschungen u.a. zur spätbabylonischen Wirtschaft 6 stellen diese (forschungspsychologisch verständlich) sehr optimistische Einschätzung wieder in Frage. Vor allem im Bereich der Wirtschaft sind deutliche Einschnitte festzustellen, wie sich im Abbrechen vieler Archive nach der Zeit des Dareios zeigt. 7 Auch blieb dies nicht ohne Auswirkung auf die ökonomische Struktur der Tempel und damit auch auf die Kultausübung.
Meine Fragestellung lautet also: Wie, wo und in welchen Ausmaßen änderten sich die Verhältnisse im Zweistromland unter der Herrschaft des Xerxes? In welcher Beziehung stand der König zu den Tempeln?
I. Mesopotamische Schriftzeugnisse zu Xerxes
4 Gregor Ahn: Religiöse Herscherlegitimation im achämenidischen Iran. Acta Iranica 31, Leiden 1992, S.111-
112.
5 Ahn, Religiöse Herrscherlegitimation…, S. 113.
6 Vgl. hierzu Heather D. Baker / Michael Jursa (Hrsg.): Approaching the Babylonian Economy, AOAT 330,
Münster 2005.
7 C. Waerzeggers: The Babylonian revolt against Xerxes and the end of archives, in: AoF 50, 2003/4, S. 150 -
173.
3
Zur Klärung dieser Punkte ist es nötig, die mesopotamischen Zeugnisse zu Xerxes vorzustellen. Trotz eines Mangels an „achaimenidenzeitlichen oder späteren Zeugnis[sen],… [die] explizit und umfassend auf die Frage nach der Bedeutung Babyloniens im Perserreich ein[gehen] “ 8 gibt es Möglichkeiten auf einen vorsichtigen Überblick. Aus Texten wie etwa den „Astronomical Diaries“ können Ereignisse emendiert und mit außermesopotamischen Zeugnissen wie z.B. mit den Palastereliefs in Persepolis abgegelichen werden. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf der Frage nach Bruch oder Kontinuität mit den mesopotamischen Traditionen liegen.
a.) Assyrisch - Babylonische Chroniken, Chronik 8 (hrsg. von A.K. Grayson, Winona Lake 2000)
Dem schlecht erhaltenen Chronikfragment BM 36304 (80-6-17, 30) 9 sind nur vage und hypothetische Informationen bezüglich Xerxes zu entnehmen. Z.7 rekonstruiert Grayson folgendermaßen:
7 […] an [ápil(?) m Da(?) I - ri - H ia(?) I -a-muš šar šarr[ani meš ]
7 […] …son of Darius, king of kings
Diese Lesung konnte aber bisher nicht bestätigt werden, obwohl es möglich ist, das Xerxes (bab. Ahiwarši) gemeint ist. Auch die Referenzen an die Begehung eines Festes des „ d Bel ana Bár(?)[sipa ki ]“ (akk. ana e-pe-šu isinni ša d Bel ana Bár(?)[sipa ki ]) in Zeile 12 und 13 und die Nennung des Namens Marduk-apla-iddina (Z.17) tragen nicht zur Erhellung des Kontextes bei, doch eine Verbindung zu Teilritualen des akitu-Festes könnte möglich sein. 10 Dies ist aber reine Spekulation. Schon seit der Zeit des Dareios gab es keine regekmäßige Teilnahme der Könige am Neujahrsfest.
8 Josef Wiesehöfer: „Kontinuität oder Zäsur ? Babylon unter den Achaimeniden“, S.168; in: Johannes Renger
(Hrsg.): „Babylon: Focus mesopotamischer Geschichte, Wiege früher Gelehrsamkeit, Mythos in der Moderne“
2. Internationales Colloquium der deutschen Orientgesellschaft (CDOG II), Saarbrücken 1999, S. 167-188.
9 A.K. Grayson: „Assyrian-Babylonian Chronicles“, Winona Lake 2000, S.112-113.
10 Vgl. hierzu A. Kuhrt / S. Sherwin-White: “Xerxes Destruction of babylonian temples.” S.75-76; in: H.
Sancisi-Weerdenburg / A. Kuhrt (Hrsg.): “Achaemenid History II. The Greek Sources”, Leiden 1987, S.69-78.
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Arbeit zitieren:
Johannes Bach, 2004, Xerxes und die mesopotamische Kultur, München, GRIN Verlag GmbH
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