Inhalt
1. Einleitung 2
2. Der historische Kontext 3
2.1. Biographische Notizen zu Frieda von Bülow. 4
3. Inhalt und Aufbau des Romans 5
3.1. Zusammenfassung 5
3.2. Erzählstruktur 6
4. Die Konstruktion des Fremden 7
4.1. Räumliche Fremdheit 8
4.2. Kulturelle Fremdheit 10
5. Eigenwahrnehmung 12
5.1. Identitätsfindung durch Fremdwahrnehmung 13
5.2. Bothmann, das Ideal eines deutschen Kolonisators 14
6. Fazit. 16
7. Literaturverzeichnis 18
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1. Einleitung
Die deutsche Kolonialgeschichte geriet vor dem Hintergrund des Traumas der Nazi-Zeit lange Zeit in Vergessenheit. In der kollektiven Erinnerung verdrängt, erhielt das Thema seit einigen Jahren wieder vermehrte Aufmerksamkeit, sowohl in der wissenschaftlichen Aufarbeitung der kurzen Phase deutscher Kolonialherrschaft, als auch in der populären Betrachtung dieser Zeit. 1
Die literaturwissenschaftliche Beschäftigung mit der kolonialen Geschichte fand bislang vor allem im angloamerikanischen und französischen Raum statt. Besonders Edward W. Said untersuchte ihm Rahmen des „Postkolonialismus“ und der „Orientalism“-These den Einfluss amerikanischer Literatur auf die „Herausbildung imperialer Einstellungen, Referenzen und Erfahrungen“ 2 . Die Bedeutung des Kolonialismus für die Kultur und die Literatur in Deutschland ist aber bislang kaum untersucht worden, erst in den letzten Jahren mehren sich die Veröffentlichungen zu diesem Thema 3 . An der Universität Hamburg fand im Sommersemester 2008 darüberhinaus eine Ringvorlesung statt, die sich der literatur- und kulturwissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Kolonialismus widmete 4 .
Koloniale Herrschaft ist ein ganz besonderer Fall der interkulturellen Begegnung, denn vor dem Hintergrund eines „zivilisatorischen“, „religiösen“ oder „humanitären“ Sendungsbewusstseins wird ein Unterdrückungssystem etabliert. Koloniale Literatur nimmt dabei oft die Funktion ein, über fiktive Geschichten dieses Unrechtssystem zu legitimieren und positive Ideale kolonialer Herrschaft zu inszenieren. Gleichzeitig finden in kolonialer Literatur nationale Grenzziehungen statt. Besonders in Deutschland, das als souveräner Nationalstaat erst 1871 gegründet wurde, ist der Nationaldiskurs in der deutschen kolonialen Literatur des späten 19. Jahrhunderts in regem Gange.
1 Vgl. dazu die ZDF-Dokumentarreihe „Deutsche Kolonien“ sowie das zu diesem Anlass herausgegebene
populärwissenschaftliche Buch „Deutsche Kolonien. Traum und Trauma“: Graichen, Gisela, und Horst Gründer. Deutsche Kolonien. Traum und Trauma. Berlin, 2005.
2 Said, Edward W. Kultur und Imperialismus. Frankfurt/M, 1994, S. 14.
3 Vgl. u.a.: Kundrus, Birthe. Phantasiereiche. Zur Kulturgeschichte des deutschen Kolonialismus.
Frankfurt/M / New York, 2003; Honold, Alexander, und Klaus R. Scherpe (Hrsg.). Mit Deutschland um die Welt. Eine Kulturgeschichte des Fremden in der Kolonialzeit. Stuttgart/ Weimar, 2004; Dunker, Axel. Kontrapunktische Lektüren. Koloniale Strukturen in der deutschsprachigen Literatur des 19. Jahrhunderts. München, 2008.
4 Die Ringvorlesung trug den Titel: „Maskeraden des (Post-)Kolonialismus. Inszenierte Unter- Repräsentationder Anderen in der deutschsprachigen Literatur und im Film“ .
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Ich werde versuchen in dieser Arbeit am Beispiel des ersten Kolonialromans „Am andern Ende der Welt“ der Schriftstellerin und kolonialagitatorisch aktiven Frieda von Bülow die Konstruktion der Fremde und den damit in Verbindung stehenden Nationaldiskurs herauszuarbeiten und konzentriere mich dabei besonders auf den zentralen Charakter des „Eugen Bothmann“, der als idealisierter deutscher „Kolonialherr“ dargestellt wird.
Es ist klar, dass für den Umfang einer Hausarbeit dieses Thema nicht erschöpfend behandelt werden kann, aber ich versuche die wichtigsten Stellen in diesem Roman exemplarisch zu interpretieren
2. Der historische Kontext
Kurz nach der Gründung des Deutschen Reiches (1871) war eine deutsche Kolonialpolitik nur insofern existent, dass die politische Führung den Erwerb von Kolonien ablehnte. Bismarck stellte sich gegen eine territoriale Expansion auf anderen Kontinenten, denn für ihn überwogen die Nachteile, vor allem die politischen und diplomatischen Verwicklungen, gegenüber den Vorteilen, die die Errichtung eines Kolonialreiches mit sich zu bringen schienen. Die Kolonialbewegung erhielt im gesamten europäischen Raum in den folgenden Jahren aber einen deutlichen Aufwind, der bald zu einem Wettlauf um die letzten „weißen Flecken“ auf der Weltkarte wurde. In Deutschland schossen kolonialpropagandistische und kolonialagitatorische Vereine „wie Pilze aus dem Boden“ 5 und wirkten erfolgreich als „pressure group“ im Reich, sodass ab 1884 erste Besitzungen deutscher Kaufmänner unter deutschen „Schutz“ gestellt wurden. Nach „Deutsch-Südwestafrika“ (1884), „Togoland“ (1884) und Kamerun (1884) folgte 1885 „Deutsch-Ostafrika“, wo der Hauptteil der Handlung von „Am andern Ende der Welt“ angesiedelt ist. Später kamen noch einige Kolonien in Ozeanien und Kiautschou in China hinzu. Zusammen umfassten diese Territorien fast die sechsfache Größe des Deutschen Reiches. 6 Mit der Inthronisierung Kaiser Wilhelms II. (1888) begann eine neue Phase deutscher Kolonialpolitik, in der Weltmachstreben mit kolonialer Expansion verwoben ist und ein sprichwörtlicher „Platz an der Sonne“ für das Kaiserreich gesucht wurde.
5 Gründer, Horst. Geschichte der deutschen Kolonien. 4. Auflage. Paderborn, München, Wien, Zürich,
2000, S. 40.
6 Speitkamp, Winfried. Deutsche Kolonialgeschichte. Stuttgart, 2005, S. 39f.
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2.1. Biographische Notizen zu Frieda von Bülow 7
Es erscheint mir neben der allgemeinen Verortung der deutschen Kolonialgeschichte darüber hinaus unerlässlich zu sein vor der textimmanenten Arbeit die Autorin des Werks ein wenig genauer vorzustellen, denn es haben nicht nur ihre kolonialpolitischen Vorstellungen ihren Platz in ihren Werken gefunden, Frieda von Bülow verarbeitet an unzähligen Stellen ihrer Romane ihr eigenes autobiographisches Material. 8 Frieda Freiin von Bülow wurde am 12. Oktober 1857 in Berlin als Tochter einer alten Adelsfamilie geboren und wuchs mit der klassischen Vorstellung einer natürlichen Hierarchisierung der Gesellschaft auf. Frieda von Bülows Vater war Konsul und so verbrachte Frieda bis zu dessen Tod 1869 eine Zeit ihrer Kindheit im Ausland. Nach seinem Tod siedelten die Familie, die Mutter und ihre 5 Kinder, in eine Herrnhuter Gemeinde in Thüringen über. Mit ihrer Schwester Margarete verbrachte sie einige Zeit in England und zog gemeinsam mit dieser, ihrer weiteren Schwester Sophie und ihrer Großmutter 1881, nach Berlin, wo Frieda eine Ausbildung zur Lehrerin absolvierte. In Berlin hatte sie neben dem Verkehr in aristokratischen Kreisen auch Kontakt zu Helene Lange, die später die gemäßigte bürgerliche Frauenbewegung mitprägte. 1884 ertrank Frieda von Bülows Schwester Margarete beim Versuch ein ins Eis eingebrochenes Kind aus einem See zu retten. Der Tod ihrer Lieblingsschwester versetzte Frieda von Bülow einen schweren Schock, denn mit ihr ging eine Seelenverwandte von Bülows verloren. Der Verlust saß so tief, dass von Bülow die Leere in ihrem Leben mit neuem Sinn zu füllen versuchte und sich bald ganz der „Kolonialen Sache“ verschrieb. Sie lernte Carl Peters, einen der populärsten kolonialpolitischen Agitatoren und glühenden Verfechter der Idee eines deutschen Kolonialreiches 9 , kennen und gründete gemeinsam mit den beiden Schwestern Martha und Eva Pfeil 1886 den ersten Verein für Frauen, der sich der „kolonialen Sache“ verschrieben hatte: den „Deutschnationalen Frauenbund zur Krankenpflege in den Kolonien“. Zu dieser Zeit war es aufgrund des preußischen Vereinsgesetzes Frauen verboten sich politisch zu betätigen und so war der Verein für offiziell caritative
7 Vgl. zu diesem gesamten Abschnitt: Wildenthal, Lora. German Women for Empire, 1884-1945. Durham, London, 2001; Maltzan, Carlotta von. Africa and Europe: en/countering myths. Essays on literature and cultural politcs. Frankfurt/M, 2003; Hammerstein, Katharina von. Frieda von Bülow. http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/frieda-von-buelow/ (Zugriff am 27. September 2008).
8 Ich konzentriere mich in den biographischen Ausführungen auf die Zeit bis zum Jahr des Erscheinens von „Am andern Ende der Welt“ 1890.
9 Carl Peters erlangte später Berühmtheit als „Hänge-Peters“ nachdem er einen Skandal auslöste, weil er aus Eifersucht seine Konkubine und ihren Geliebten erhängen ließ.
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Zwecke gegründet worden. Erst 1908 wird das Vereinswesen reformiert und Frauen damit erlaubt sich politischen Vereinen anzuschließen. Gemeinsam mit Carl Peters sowie Martha und Eva Pfeil gründete Frieda von Bülow ebenfalls im Jahr 1886 die Evangelische Missionsgesellschaft für Deutsch-Ostafrika und drängte bald darauf, dass sich die Missionsgesellschaft stärker im Bereich der Krankenpflege in der erst 1885 durch „Schutzverträge“ von der Deutsch- OstafrikanischenGesellschaft annektierten Kolonie engagieren sollte. Im Auftrag der Gesellschaft reiste von Bülow 1887-1888 ein Jahr lang nach Deutsch-Ostafrika, wo sie als Leiterin der Krankenstationen versuchte moderne Pflegemethoden und Hygiene einzuführen. In dieser Zeit ging sie eine Affäre mit Carl Peters ein, den sie auch noch nach dem Ende ihrer Beziehung und dem öffentlichen Skandal um Peters als Helden verehrte. 1888 wurde der „Deutschnationale Frauenbund“ aufgelöst und Frieda von Bülow ihres Amtes in der Missionsgesellschaft entzogen, da ihre Affäre mit Carl Peters und ihr selbständiges Auftreten das Ansehen des Vereins beschädigten. Nach ihrer Rückkehr veröffentlichte sie 1889 „Reiseskizzen und Tagebuchblätter aus Deutsch-Ostafrika“, das erstmals Eindrücke ihrer Reise verarbeitete. 1890 schließlich wurde der Roman „Am andern Ende der Welt“ verlegt, um den es in den folgenden Ausführungen gehen soll.
Frieda von Bülow reiste 1893 noch ein zweites Mal nach Afrika und versuchte dort unter anderem als selbständige Plantagenbesitzerin ihr Glück, scheiterte aber und kehrte 1894 nach Deutschland zurück. Nach ihrer Rückkehr zog sie sich aus dem öffentlichen Leben zurück und konzentrierte sich fortan auf ihre schriftstellerische Tätigkeit.
3. Inhalt und Aufbau des Romans
3.1. Zusammenfassung
In ihrem Roman „Am andern Ende der Welt“ schildert Frieda von Bülow in 18 Kapiteln die Geschichte von „Monika von Uffeln“, deren Verlobter „Eugen Bothmann“ in der Zeit des europäischen Imperialismus als Plantagenbesitzer in Afrika zu Geld kommen will. Die Trennung von ihrem Verlobten setzt Monika derart zu, dass sie sich entschließt Bothmann nachzureisen. Ohne das Einverständnis ihrer Eltern bricht Monika eigenhändig auf und erreicht nach zweimonatiger Reise die Küstenstadt „Mwita“, in der sie vom dortigen deutschen Konsulatsverweser Danbruck in Empfang genommen wird und der ihr eine Herberge in der christlichen Mission verschafft, in
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Arbeit zitieren:
Kim Todzi, 2008, Die Konstruktion der Fremde in Frieda von Bülows Kolonialroman „Am andern Ende der Welt“, München, GRIN Verlag GmbH
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