1. Einleitung
Diminutive werden im allgemeinen Sprachgebrauch als ‚Verniedlichungsformen‘ bezeichnet. Doch was verbirgt sich dahinter? Obwohl wir sie ständig in unserem Alltag nutzen wissen wir doch meist nicht, welche Funktionen oder Bedeutung sie haben oder ob, und wenn welchen Regeln sie unterliegen.
Diminutiva können in verschiedenen Wortarten vorkommen, doch am häufigsten lassen sie sich bei den Substantiven finden. Nun können Substantive durch verschiedenste Wortbildungsverfahren modifiziert werden. Durch welche Modifikationsarten dies möglich ist soll im ersten Teil dieser Arbeit einleitend aufgezeigt werden. Im Folgenden wird das Augenmerk auf die Diminutivbildung des Deutschen gerichtet. Wobei der Schwerpunkt auf die zwei wichtigsten Diminutivsuffixe des Deutschen gelegt wird. Um die Modifikation der Diminutivsuffixe im Deutschen in einen internationalen Kontext einordnen zu können, werden ebenfalls die Diminutivsuffixe des Spanischen vorgestellt. Hierbei wird ein Einblick gegeben, der es ermöglichen soll einen sprachlichen Vergleich der Diminutivbildung der beiden Sprachen anstellen zu können. Dieser Vergleich soll u.a. auch die eventuellen Lernschwierigkeiten für z.B. Deutsch als Fremdsprache LernerInnen aufzeigen. Abschließend soll geklärt werden, ob der Themenbereich der Diminutivsuffixe befriedigend geklärt werden konnte und inwiefern er für ein Fremdsprachenlernen generell relevant ist.
2. Welche Modifikationsarten gibt es?
Wortbildungsprodukte und Wortbildungstypen können durch verschiedene Möglichkeiten entstehen. Substantive bilden den größten Wortbestand der deutschen Sprache. „Dementsprechend übertrifft auch die Wortbildung der Substantive die Wortbildung anderer Wortarten in der Menge an WBP [Wortbildungsprodukten] und in der Vielfalt an Wortbildungstypen“ (Barz/Schröder 2001: 204). Im Folgenden sollen sie wichtigsten Modifikationsarten von Substantiven zusammenfassend dargestellt werden, um einen ersten Einblick in das Spektrum der Modifikation geben zu können.
Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass es sechs bedeutende Modifikationsarten gibt, die sich jeweils durch beteiligte Affixe kennzeichnen. Zu diesen sechs Arten gehören: Diminuierung (Diminution), Augmentation, Taxierung, Negation, Movierung und Kollektivbezeichnung (vgl. Duden 2006: 740). Erben (2000: 88) ergänzt diese Liste noch durch die Soziation, wobei er hier zu bedenken gibt, dass es sich um Modifikationen handelt, die im heutigen Deutsch
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weder rückführbar noch aktiv sind. Das heißt, dass sie als Muster für Neubildungen nicht mehr verwendet werden können und so als mögliche Modifikationsbasen ausfallen. Wenn man dem Duden (2006: 740) folgt können diese sechs Typen der Wortbildung wie folgt kurz erläutert werden. Die Diminuierung ist ein Wortbildungsphänomen, das darauf abzielt eine verniedlichende Bewertung, eine Koseform zu bilden. Dies gelingt durch das Anhängen von Suffixen wie -chen, -lein, -le, -el oder -i. Beispielhaft seien hier Kindchen, Tischlein, Häusle, Kindl oder Mutti genannt. Bei der Augmentation werden wiederum Präfixe wie, Un- oder Erz-, mitdem Substantiv erweitert. Durch diese Art der Modifikation wird erreicht, dass eine stark positive oder stark negative Konnotation ausgedrückt wird. Mittels Taxierung können aus Substantiven nähere Erläuterungen gebildet werden. Mit Hilfe dessen, können Substantive falsche, schlechte, wichtige oder ursprüngliche Erläuterungen geben. Dies wird erreicht durch Präfixe wie Fehl-, Miss-, Un-, Haupt- oder Ur-. Erwähnt seien hier Fehlanzeige, Missernte, Unwetter, Hauptgebäude und Urtext. Die vierte zu nennende Modifikationsart ist die Negation. Hierbei wird eine Verneinung ausgedrückt. Präfixe für Negationen sind Miss- und Un-, wie in Misserfolg und Unglück. Bei der Movierung handelt es sich um die Zuordnung zum Maskulinen oder Femininen. Hier werden die Suffixe -in und -(e)rich angeführt. Beispielhaft kann auf Ärztin, Enterich und Gänserich verwiesen werden. Die letzte Modifikationsart ist die Kollektivbezeichnung, womit Mengen und Gesamtheit verdeutlicht werden. Die Modifikation des Substantives erfolgt bei der Kollektivbezeichnung überwiegend durch Suffixe wie -schaft, -heit oder -werk, wie es bei Studentenschaft, Menschheit und Astwerk zu finden ist.
3. Diminution - eine Begriffsannäherung
Bei der Diminution sind grundsätzlich zwei Perspektiven zu nennen, zum Einen die kosende und verkleinernde Funktion, zum Anderen die implizierte Konnotation. Diminution kann als Gegenmodell, jedoch nicht als direktes Antonym, zur Augmentation gesehen werden. Während bei der Augmentation starke Hervorhebungen (d.h. positive wie negative Verstärkung oder Vergrößerung) das Ziel sind, stehen bei der Diminution Verkleinerungen und auch viele Koseformen im Mittelpunkt. Diese Koseformen haben mit der Verkleinerungsform an sich nicht mehr allzu viel gemein, wie z.B. bei Mütterchen oder Küsschen. Daher können Augmentation und Diminution nicht als direkte Antonyme angesehen werden (vgl. Fleischer 1982: 181) „Bei der Diminution soll [u.a.] ausgedrückt werden, dass etwas kleiner ist als erwartet“, dies können sowohl Abstrakta als auch Konkreta sein (Donalies 2007: 76). Es geht oft weniger darum „etwas als räumlich klein hinzustellen,
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vielmehr darum, eine Größe zu kennzeichnen, zu der der Sprecher ein emotionales Verhältnis hat“ (vgl. Erben 2000: 87). Nach Barz/Schröder (vgl. 2001: 205) können sowohl Personen-, Tier- und Sachbezeichnungen einer diminuierenden Modifikation unterzogen werden. So lassen sich prinzipiell alle Substantive dem Diminutivverfahren unterziehen. Zu erwähnen ist hier die besondere Rolle des Diminutivsuffixes bei Stoffbezeichnungen, es bewirkt hier eine Abgrenzung, z.B. bei Lüftchen, kleiner Luftzug (vgl. Fleischer/Barz 1995: 182). Des Weiteren wird meist auch eine emotional-affektive Wertung impliziert. „Diese Wertung kann positiv (Städtchen) oder negativ (Bürschchen) sein“ (Barz/Schröder 2001: 205; Hervorhebung im Original). „Die emotionalen Konnotation behalten die Diminutiva auch bei adjektivischer und verbaler Basis, nicht jedoch als Termini wie Elementarteilchen, Blutkörperchen.“ (Fleischer/Barz 1995: 181; Hervorhebung im Original). Nicht allein vom Diminutivsuffix muss diese Konnotation abhängen, so ist zum Beispiel bei Weibchen der Kontext ebenfalls auschlaggebend (vgl. Barz/Schröder 2001: 205).
Bisweilen können einige Bildungen stark idiomatisiert sein. Dies geschieht in manchen Fällen so stark, dass die Basis frei nicht mehr gebräuchlich ist, wie z.B. bei Veilchen, Schneeglöckchen, Schneewittchen oder Ohrläppchen (vgl. Fleischer 1982: 183). „Nicht selten bilden Diminutiva eine stabile Komponente von Phraseologismen; -chen und -lein sind dann nicht austauschbar: aus dem Häuschen sein, sich ins Fäustchen lachen“ (Fleischer/Barz 1995: 182).
4. Diminutionen im Deutschen
Die Diminutivsuffixe der deutschen Gegenwartssprache sind fast ausschließlich mit neutralem Genus kombinierbar und bedingen keinen Wortartenwechsel. „Für die Diminuierung von Personen- und Sachbezeichnungen […] besteht ein überschaubares Inventar von Wortbildungsaffixen, die einander ergänzen oder miteinander konkurrieren“ (Barz/Schröder 2001: 205). Diminutivsuffixe kommen sowohl bei Verben, Adjektiven als auch bei Nomen vor. Die Gruppe der Nomen bildet die Masse der Diminutiva, hierbei ist die Basis ein Substantiv und das Wortbildungsprodukt ebenfalls (vgl. Fleischer/Barz 1995: 179). Die am häufigsten vorkommenden Suffixe der Diminutivmodifikation des Deutschen sind chen (Häuschen), gefolgt von -lein (Schifflein). Neben ihnen werden seltener noch fremdsprachliche Suffixe wie, -ine (Violine), -ette (Stiefelette) oder -it (Meteorit, mask.!) verwendet (vgl. Cartagena/Gauger 1989: 228). Donalies (2007: 76) zählt regionale Varianten wie -le, -li, -ke und auch regionale Unterschiede, wie z.B. der norddeutschen Tendenz zu
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Arbeit zitieren:
Melanie Kutz, 2008, Diminutivbildung im Deutschen und Spanischen, München, GRIN Verlag GmbH
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