Lakritze- Eine gefährliche Süßigkeit oder eine nützliche Pflanze in der Medizin?
1. Einleitung
„Ist Lakritze ungesund?“ Die Dosis macht das Gift, sagte schon Paracelsus.
Die Lakritze kann in größeren Mengen unerwünschte Nebenwirkungen haben. Ihr Hauptwirkstoff beeinträchtigt die Nierenfunktion. Teilweise wird sogar eine Verstärkung der Kortisonwirkung beschrieben.
Oft wird der Süßholzstrauch als „Wunderwaffe“ und Allheilmittel propagiert. Schon seit über 1000 Jahren ist bekannt, dass der Extrakt dieser Wurzel Effekte auf die Gesundheit des Menschen hat.
Gewisse entzündungshemmende, schleimlösende, hustendämpfende, magenschonende und blutdruckerhöhende Wirkungen wurden diesem Strauch zugeschrieben.
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Gerhild Strallhofer
Lakritze- Eine gefährliche Süßigkeit oder eine nützliche Pflanze in der Medizin?
2. Historisches
In der traditionellen chinesischen Medizin wird Lakritze als Arznei am häufigsten verwendet. In der westlichen Welt kannten schon die alten Ägypter, Griechen und Römer ihre Wirkungen. Schon seit dem dritten Jahrhundert vor Christus war sie in China geschätzt [SHIBATA S, 2000].
Die Ägypter verwendeten Lakritze in ihren Kultpraktiken; die Chinesen und die Hindus hingegen schätzten sie wegen ihren belebenden Eigenschaften. Nach heutigem Wissensstand glaubt man, dass die Griechen die ersten waren, die sich der pharmakologischen Eigenschaften der Lakritze bewusst waren. Sie waren es auch, die der Wurzel ihren bis heute gültigen Namen „Glycyrrhiza“ gaben: „glukos“ bedeutet süß und „riza“ Wurzel [FIORE et al., 2004]. Theophrastus (4.-3.Jhd.v.Chr., ein Botaniker und Pharmakologe) war einer der ersten, der medizinische Kräuter mit wissenschaftlicher Genauigkeit studierte. Laut seinen Aufzeichnungen war es den Skythen möglich mit Hilfe der Lakritzwurzel in der Wüste für viele Tage ohne Wasser, und nur wenig Käse zu überleben. Damals benutzte man sie bei Asthma, bei trockenem Husten und auch bei allgemeinen Beschwerden in der Brust. Gemeinsam mit Honig wurde sie zur Wundheilung verwendet [FIORE et al., 2004].
Dioscorides (1.Jhdt. n.Chr., ein Pharmakologe) schrieb seine „De Materia Medica“,
ein Werk über 650 medizinische Substanzen, darunter auch Lakritze. Ebenso erwähnte er ihre therapeutischen, ernährungswissenschaftlichem und medizinischen Eigenschaften [FIORE et al., 2004].
Pliny der Ältere (23-79 n.Chr.) erwähnte in seinem monumentalen Werk „Naturalis Historia“ ebenfalls die Lakritzepflanze. Bei seiner genauen Beschreibung unterlief ihm jedoch der vermeintliche Fehler, dass der sie bei den dornigen Pflanzen einordnete (Damals kannte man diese Art noch nicht.). Man munkelte, dass er wahrscheinlich noch nie selbst diese Pflanze vor Augen hatte; und einfach nur
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Gerhild Strallhofer
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vorhandenes Wissen abschrieb. Seine aufgezählten Eigenschaften stimmten jedoch mit anderen Aufzeichnungen überein, wie Hunger- und Durstdämpfer, Mittel gegen Asthma, Mittel gegen Sterilität. Ebenso konnten damals schon östrogene Effekte beobachtet werden [FIORE et al., 2004].
Aulus Cornelius Celsus (1.Jhdt. n.Chr.) empfahl insbesondere die Lakritzwurzel zur
Auflösung von Nierensteinen [FIORE et al., 2004].
Scribonius Largus (1.Jhdt. n.Chr.) schrieb über die Bedeutung der Lakritze bei
arteriellen Problemen und bei Stimmversagen [FIORE et al., 2004]. Galen (131-201 n.Chr.) erkannte die Bedeutung der Saftgewinnung aus der
Lakritzwurzel [FIORE et al., 2004].
Marcellus Empiricus (5. Jhdt n. Chr.) verordnete Lakritze zur Behandlung von
Störungen der Lunge, Magen, Darm, Nieren und des Rückens; ebenso bei Fieber und bei Verdauungsstörungen. Er erkannte die vermeintlichen diuretischen Eigenschaften, die ihm relevant erschienen (Heute weiß man, dass dieser Effekt der mineralkortikoiden Wirkung zugrunde liegt.). Ein möglicher diuretischer Effekt wurde wahrscheinlich eher verursacht durch die gleichzeitige Aufnahme anderer Pflanzen und Kräutern, wie Andorn, Wachholder und Wegerich [FIORE et al., 2004].
Cassius Felix (ebenfalls 5.Jhdt. n.Chr) verschrieb Lakritze (als gliquiritia) bei
trockenem Husten in Mischungen mit Oregano, Thymian und Ysop [FIORE et al., 2004]
Heiliger Isidor, Bischof von Sevilla (560-636) beschrieb die Etymologie von Glycyriza in seinem Werk „Etymologiarum sive Originum“ [FIORE et al., 2004].
Die Schule von Salerno (7.-9.Jhdt. n.Chr.) war ein bedeutendes Zentrum für die sorgfältige Untersuchung von Lakritze auf ihre pharmakologischen Eigenschaften [FIORE et al., 2004].
Lakritze- Eine gefährliche Süßigkeit oder eine nützliche Pflanze in der Medizin?
Der Kanon von Avicenna (980-1037 n.Chr.) war ein wichtiger Standort für die
Medizin von Hippokrates und Galen, aber ebenso für die Philosophie von Aristoteles. Lakritze wurde hier als Wundenmittel empfohlen, und sie fand Anwendung bei Geschwüren, bei Erkrankungen des Atmungstraktes, des Magens, der Niere und der Blase [FIORE et al., 2004].
Hildegard von Bingen (1098-1179) verwendete Lakritz als „liquiricium“ mit Fenchel und Honig gegen Herzschmerzen (wahrscheinlich Angina pectoris) [FIORE et al., 2004].
Im 15. Jhdt. in Deutschland begann man mit der Kultivierung von Lakritze in Bamberg. In England hatte man bereits im 16. Jhdt. eine extensive Kultivierung von Lakritze. Durch diese vermehrte Kultivierung verbreitete sich auch immer mehr das Wissen über ihre pharmakologischen Eigenschaften [FIORE et al., 2004].
Jacopo Filippo (1390-1400) erkannte ebenfalls eine therapeutische Verwendung. In seiner eher ungewöhnlichen Arbeit beschreibt er die Haupteigenschaft der Lakritze als ein kaltes und feuchtes Temperament („fredda de puocha frigiditè e humida temperamentre”). Ebenso verordnete er sie bei Atemwegserkrankungen und bei Problemen mit der Niere und der Blase [FIORE et al., 2004]. Castore Durante (1529-1590) wollte in seiner „Herbario nuovo“ (1585) medizinisches Wissen weiter verbreiten. Mehr als 900 verschiedene Arten listete er in alphabetischer Ordnung; neben ihren damals gebräuchlichen Namen, auch auf griechisch, lateinisch, arabisch, französisch, spanisch und deutsch. Herbarien konstituierten damals fundamentale Texte für Mediziner und Pharmazeuten. Kräuter mussten eindeutig zugeordnet werden. Er beschrieb die morphologischen Eigenschaften, Anbaugebiete und verschiedenen Qualitäten der Lakritze (hier: Regolizia). Im besonderen betonte er Fälle von Entzündungen der Blase und Nierenschmerzen [FIORE et al., 2004].
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Carl von Linné (1707-1778) unterteilte Pflanzen in verschiedene Geni und Spezien.
Er entwickelte eine Nomenklatur mit zwei Namen und beschrieb beim Genus Glycyrrhiza drei verschiedene Spezien: G. Glabra, G. echinata (dornig) und G. hirsuta (haarig) [FIORE et al., 2004].
Nicholas Culpeper (1616-1654) schrieb in seinem Werk „Complete Herbal” (1653),
dass die beste Lakritze in England wachsen würde. Ihr „heißes und feuchtes Temperament“ soll bei Rauhheit der Luftröhre, bei Heiserkeit, bei Krankheiten der Niere und Blase und bei Blasengeschwüren helfen. Außerdem soll sie die Magensekretion fördern, soll bei Atemschwierigkeiten helfen und soll förderlich für alle salzigen Körpersäfte sein. Ihre Wurzel wurde getrocknet und zu Pulver geschlagen, das auf das Auge appliziert wurde. Er meinte, sie sei wirksam gegen Schmerzen jeglicher Art, und fördere den Harndrang und sei bedeutend für die sogenannte „Hitze des Urins“ [FIORE et al., 2004]. Giuseppe Donzelli, ein Chemiker und Philosoph beschrieb Lakritze als „süße
Wurzel“ und nannte einige Gegenden in Deutschland, wo sie kultiviert wurde. Ebenso erwähnte er ihre charakteristischen Eigenschaften und empfahl den Saft bei Beschwerden der Blase und bei Nierenschmerzen [FIORE et al., 2004]. Der Pharmaceutical Code der Republik of Venedig (1790) beschrieb die Lakritze als eine Ingredienz, die für die „wunderbare“ Präparation namens „teriaca“ verwendet wurde. Dieses galt als ein altes, aber gutes Allheilmittel [FIORE et al., 2004]. In den Niederlanden empfahl man 1946 Lakritzextrakt bei gastrischen Geschwüren; bald darauf entdeckte man jedoch unerwünschte Nebenwirkungen [SHIBATA S, 2000].
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3. Fakten und Daten über Süßholz
Was ist Lakritze (Glycyrrhiza glabra L.)?
Tab.1: Ein Überblick über Botanik, Chemie und Inhaltsstoffe [1; modifiziert mit anderen
Quellen]:
Arbeit zitieren:
Gerhild Strallhofer, 2010, Lakritze: Eine gefährliche Süßigkeit oder eine nützliche Pflanze in der Medizin?, München, GRIN Verlag GmbH
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