1 Einleitung
1.1 Abstrakt
In der vorliegenden Hausarbeit beschäftigen wir uns mit dem Thema der landwirtschaftlichen Exportproduktion in so genannten „Entwicklungsländern“.
Der erste Teil der Arbeit gibt einen kurzen Überblick über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern und deren Entstehung auf Grundlage von wirtschaftsgeographischen Theorien. Anschließend werden Vor- und Nachteile der landwirtschaftlichen Exportproduktion anhand des Anbaus von Crash Crops dargestellt. Im letzten Abschnitt des ersten Teils werden Lösungsstrategien zur Verbesserung der Lage in den Entwicklungsländern aufgezeigt.
Da der erste Teil der Hausarbeit einen Überblick über das Thema „landwirtschaftliche Exportproduktion“ in „Entwicklungsländern“ geben soll, muss hier auf differenzierte Angaben verzichtet und auf viele Verallgemeinerungen zurückgegriffen werden, die den einzelnen Ländern nicht gerecht werden.
Als Übergang zum zweiten Teil der Hausarbeit wird ein Zwischenfazit gezogen.
1.2 Der Begriff „Entwicklung“
Bevor wir zu dem Hauptteil der Hausarbeit kommen, halten wir es für wichtig einen knappen Exkurs zu unternehmen, um darzulegen welche Auffassung von „Entwicklung“ dieser Arbeit zugrunde liegen und so eine Einordnung in den übergeordneten Zusammenhang des Seminarthemas „Geographien ungleicher Entwicklungen“ zu ermöglichen. Wir möchten also an dieser Stelle festhalten, dass der von uns verwendete Begriff „Entwicklungsland“ nicht den realen Sachverhalt der so bezeichneten Länder trifft. Sie befinden sich nicht in der Entwicklung, sondern zeichnen sich besonders durch Stagnation und/oder Unterentwicklung aus. Darüber hinaus können alle Länder, die diese Bezeichnung tragen, nicht als homogene Gruppe mit übereinstimmenden Charakteristiken zusammengefasst werden. Sie unterscheiden sich meist seht stark in der Ausprägung ihrer Entwicklungsmerkmale. Da man sich in der Geographie dieser Tatsache bewusst ist, unterteilt man Entwicklungsländer in verschiedene Kategorien. Diese basieren auf wenigen ökonomischen Indikatoren, die für alle Länder verfügbar sind. Festgelegte Grenzwerte teilen die Länder dann verschiedenen Gruppen zu. (Donges 1981: 1ff.)
Als ein Beispiel ist die Unterteilung in verschiedene Einkommenskategorien zu nennen. Die Weltbank unterscheidet hierfür nach dem Brutto Sozialprodukt (BSP) pro Kopf zwischen
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Ländern mit niedrigem Einkommen (Low Income Countries, 905$ oder weniger), mit mittlerem Einkommen (unterteilt in Lower Middle Income, 906$ bis 3.595$ und Upper Middle Income, 3.596$ bis 11.115$) und mit einem hohen Einkommen (High Income, 11.116$ oder mehr).1
Der Human Development Index (HDI) dagegen bietet ein umfassenderes Instrument zur Einstufung der Entwicklung von Ländern. Der HDI schließt die Lebenserwartung, den Bildungsgrad, sowie den Lebensstandard (Pro-Kopf Einkommen in realer Kaufkraft2) für die Ermittlung des Entwicklungsindikators ein. Entwicklung wird hier also nicht mehr nur als reine Wirtschaftsfrage behandelt. Wirtschaftliche und soziale Entwicklung können dadurch separat eingeschätzt werden, was es möglich macht die Annahme zu widerlegen, dass Wirtschaftswachstum mit der Verbesserung von Lebensstandards einhergeht. (Fischer et al., 2004: 31)
Wenn wir in unserer Hausarbeit von „Entwicklung“ sprechen, legen wir letztere Definition zu Grunde, auch wenn uns bewusst ist, dass die Verwendung des Begriffs „Entwicklung“ an sich kritisch zu hinterfragen ist.
TEIL I
2 Exportproduktion von Agrargütern in Entwicklungsländernein allgemeiner Überblick (Larissa Glückschald)
2.1 Internationale Wirtschaftsbeziehungen zwischen Industrie-und
Entwicklungsländern
2.1.1 Außenhandel aus theoretischer Sicht
Der Welthandel beruht auf dem Austausch von internationalen Gütern, wobei die Handelsbeziehungen zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern oft durch „komparative Kostenvorteile“ erklärt werden, insbesondere für den Handel von Industrieprodukten gegen Rohstoffe (Nohlen 1991: 391). Diese führen zu einer Spezialisierung auf Produkte, bei denen die Produktionskostenvorteile gegenüber anderen Ländern am größten bzw. Kostennachteile am geringsten sind (Nohlen 1984: 341-342). Das
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(http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/DATASTATISTICS/0,,contentMDK:20420458~menuPK:64133156~pagePK:641331
50~piPK:64133175~theSitePK:239419,00.html)
2 Mittels der realen Kaufkraft werden nationale Währungen (purchasing power parities) international vergleichbar gemacht (Brockhaus, 2006)
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heißt, die Güter werden im Optimalfall dort hergestellt, wo die Voraussetzungen (z.B. Infrastruktur oder Gegebenheiten des Bodens) am günstigsten sind und Handelsvorteile gegenüber dem Konkurrenten erzielt werden können.
Der Begründer der Theorie der komparativen Kostenvorteile David Ricardo (1772 bis 1823), sieht darin den wichtigsten Grund für die internationale Arbeitsteilung, da hier alle Teilnehmer des Welthandels profitieren. (Kaiser/Wagner 1991: 289). Wegen ihrer natürlichen Gegebenheiten (wie bspw. Klima) wurde den Entwicklungsländern die Aufgabe von Rohstofflieferanten übertragen, während die Industrieländer zu Konsumgüterproduzenten und Kapitalgebern wurden (Nohlen 1991: 333).
Im Gegensatz dazu stehen die Außenhandelstheorien, die genau in dieser Aufteilung keinen Vorteil, sondern einen Nachteil sehen. Die Außenhandelsbeziehungen zwischen Industrie-und Entwicklungsländern werden als „asymmetrische und irreversible“
Austauschbeziehungen zuungunsten der Entwicklungsländer gesehen. Es wird argumentiert, dass im Außenhandel bei steigendem Einkommen die Nachfrage nach Rohstoffen (Primärgütern) nur unterproportional wächst. Umgekehrt haben Industriegüter gute Wachstumschancen. (Knall/Wagner 1986: 41ff.)
2.1.2 Anfänge wirtschaftlicher Beziehungen
Die Anfänge der Aufteilung der wirtschaftlichen Beziehungen lassen sich zu Zeiten des Kolonialismus finden. Damals besetzten Europäer außereuropäische Gebiete und bildeten dort Handelsstationen. Dies verfolgte vor allem den Zweck durch Ausbeutung der Kolonien das Mutterland zu bereichern (Merkantilismus). Besonders Großbritannien machte sich unter anderem landwirtschaftliche Produkte (vor allem Zucker, Gewürze, Baumwolle etc.) zu eigen und verkaufte sie im eigenen Land zu hohen Preisen. Diese einseitige Nutzung des kolonialen Austauschs legte den Grundstein für die heute, wenn auch in gewandelter Erscheinungsform, existierenden asymmetrischen Interaktionen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern (Nohlen 1998: 432). Wie schon erwähnt wird Ricardos Theorie des komparativen Kostenvorteils noch heute als Begründung einer Politik herangezogen, die die Wirtschaftstätigkeit der Entwicklungsländer auf die Rohstoffproduktion beschränkt, da diese hier am günstigsten hergestellt werden können. Die Anhänger der Neo-Imperialismusthese hingegen sehen im Kolonialismus die Anfänge dieser wirtschaftlichen Strukturen (Donges 1981: 3) - der Zugang zu den Märkten und zu den Rohstoffen der Entwicklungsländer blieb offen. Fehlende Zollschranken verhinderten den Aufbau von nationalen Industrien und verfestigten die Monokultur der ehemaligen Kolonien. Noch heute deutet vieles darauf hin,
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dass der Kolonialismus, wenn sich die „politische Verfasstheit der Industrieländer oder der Entwicklungsländer nicht grundlegend ändert bzw. auf der internationalen Ebene der kapitalistische Weltmarkt das entscheidende Medium der Beziehung zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern bleibt, in gewandelter Form als Neokolonialismus weiterbesteht.“ (Nohlen, 1998: 433). Aus Sicht vieler Entwicklungsländer besteht heutzutage nur eine Scheinunabhängigkeit, die in dieser Form nur weit aus schwieriger anzuprangern ist (Nohlen, 1998: 433).
2.1.3 Entwicklung versus Unterentwicklung aus theoretischer Sicht
Entwicklungstheorien gelten als elementarer Bestandteil der Entwicklungs- und Entwicklungsländerforschung. Sie befassen sich mit den Ursachen von Unterentwicklung bzw. mit Strategien zu ihrer Überwindung. Sie thematisieren vor allem internationale Zentrum-Peripherie-Beziehungen, die als Gegensätze zwischen Industrie- und Entwicklungsländern zu verstehen sind.
Für die Probleme der Entwicklungsländer gibt es viele Ursachen. Ihre Analyse muss also sozioökonomische, historische sowie religiös-kulturelle Aspekte berücksichtigen. Daher überrascht es nicht, dass viele Entwicklungstheorien existieren, die in verschiedene Denkrichtungen gehen. Unter den ökonomisch ausgerichteten Theorien lassen sich grob zwei Richtungen identifizieren: Modernisierungstheorien und Dependenztheorien. Während die Modernisierungstheorien von endogenen Gründen ausgehen (als Hemmnis der Entwicklung zum angestrebten „Ideal Industrieland“ gilt das Festhalten an alten Traditionen), sehen die Dependenztheorien exogene Faktoren als verantwortlich für die Unterentwicklung vieler Länder. Die strukturelle Abhängigkeit von den Industrieländern (die Peripherie ist abhängig von den Zentren) gilt als Kernursache der Unterentwicklung. Hier ist nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die politische, die soziale und die kulturelle Abhängigkeit gemeint. Die Anfänge dieser Theorie sehen die Anhänger der Dependenztheorie in der Kolonialzeit. Unter dieser Art von Unterentwicklung ist nicht nur das bloße Zurückbleiben der Entwicklungsländer hinter dem Entwicklungsniveau der Industrieländer zu verstehen, sondern auch die „Folge einer über die Ausbeutungsmechanismen der Industrieländer sehr effizient funktionierenden Integration der Entwicklungsländer in ein von den kapitalistischen Industriezentrum dominiertes Weltwirtschaftsystem.“ (Haas/Neumair 2007: 72) - Die Zentralnationen haben sich ein weit gefächertes Güterangebot aufgebaut, die Peripherienationen hingegen verfügen nur über wenige Güter. Darüber hinaus handeln letztere überwiegend mit Rohstoffen, die in der Herstellung keine besonderen Fähigkeiten
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Arbeit zitieren:
Larissa Glück, 2008, Landwirtschaftliche Exportproduktion in Entwicklungsländern, München, GRIN Verlag GmbH
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