1. Einleitung und Verortung der Einheit
Gegenstand dieser Arbeit ist der Entwurf einer Unterrichtseinheit für den Deutschunterricht in einer vierten Klasse der Grundschule. Das fächerübergreifende Thema „Menschen in Afrika“ wird in Form von Projektarbeit in Schülergruppen Mitte des vierten Schuljahres erarbeitet. Das Bilderbuch „Sag mir, wie ist Afrika?“ dient als Einführung in das Thema. Es ist bewusst positiv gehalten, poetisch und offen formuliert und dabei nicht pädagogisierend. Die Unterrichtseinheit soll dafür genutzt werden, den Kindern einen positiven emotionalen Bezug zu Afrika zu ermöglichen. Der Kontinent ist vielfältig, sehr komplex, scheinbar widersprüchlich und schwer zu durchschauen. Daher ist es wichtig, sich mit Unbefangenheit und Offenheit dem Thema zu nähern und den Kindern die Welt durch für sie wichtige Inhalte näher zu bringen. Dies soll unter anderem durch das Bearbeiten von Texten über gleichaltrige afrikanische Kinder geschehen. Die Schüler sollen ihren Alltag mit dem der Kinder in Afrika vergleichen. Gleichzeitig werden wichtige didaktische Grundlagen durch die verschiedenen Lehr- und Lern-Strategien geschult. Die Unterrichtsstunden enthalten sowohl expositorische als auch entdecken lassende Elemente. Die Planung des Unterrichts konzentriert sich auf die erste und zweite Stunde der insgesamt sechsstündigen Unterrichtseinheit. Parallel zu dieser ist eine Unterrichtseinheit in dem Fach HSU (in Hamburg Sachkunde) geplant, in der sich die Kinder mit den geografischen Merkmalen von Afrika auseinandersetzen. Somit gewinnen sie gleichzeitig eine Vorstellung über die Größe von Afrika, über die schwierigen Wetterverhältnisse und über die verschiedenen Tiere, die dort leben. Zur Vervollständigung des Themas sollen sich die Kinder im Fach Deutsch mit den kulturellen Aspekten des Kontinents und den dort lebenden Menschen auseinandersetzen. Da ich sowohl den Sachunterricht als auch den Deutschunterricht in dieser Klasse leite, lassen sich beide Fächer gut miteinander kombinieren und aufeinander abstimmen. Eventuell kann im Werkunterricht parallel ebenfalls zu diesem Thema gearbeitet werden (Basteln einer kleinen Lehmhütte oder eines afrikanischen Instruments).
Der Rahmenplan Aufgabengebiete (Hamburg 2003: 16) sieht für die Absolventen der vierten Klasse vor, dass sie am Ende des Schuljahres Unterschiede und Ähnlichkeiten untereinander wahrnehmen und sich Kenntnisse über die eigenen Lebensbedingungen und die der anderen angeeignet haben. Der Perspektivwechsel soll dazu genutzt werden, andere zu verstehen und Andersartigkeit schätzen zu lernen. All dies wird durch diese Unterrichtseinheit stark gefördert, indem die Schüler ihren Alltag und den ihrer Großeltern mit dem von Kindern im heutigen und früheren Afrika vergleichen.
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Der Rahmenplan Deutsch (Hamburg 2003) sieht vor, dass die Schüler verstehen, dass sie sich mit Büchern fremde Welten erschließen können. Zudem werden grundlegende Ziele des Deutschunterrichts durch die Arbeitsbereiche „Sprechen und Zuhören, Erzählen und Gespräche führen“, „Lesen“ und „Texte schreiben“ von der Unterrichtseinheit abgedeckt.
Darüber hinaus gab es für mich zwei wichtige Gründe das Thema Afrika für diese Unterrichtseinheit auszuwählen. Zum einen wurde das Thema auch in meiner Grundschulzeit von unserer Lehrerin mit uns erarbeitet. Dieses Projekt ist bis heute bei mir in sehr positiver Erinnerung geblieben und hat mich damals für den Kontinent begeistert und dazu angeregt, Spenden für die Kinder dort zu sammeln. Durch solche Projekte kann man Kinder für andere Kulturen begeistern und sensibilisieren. Und dies ist meiner Meinung nach in einer globalisierten Welt besonders wichtig. Der andere Grund ergab sich aus der Recherche nach einem geeigneten Thema für diese Unterrichtseinheit. Ich habe über Kinder mit Migrationshintergrund und deren Schwierigkeiten gelesen. Ich wollte gerne die Lernvoraussetzungen, die diese Kinder mitbringen, besonders berücksichtigen. So soll Abay, ein afrikanischer Junge, der erst ein Schuljahr zuvor aus Afrika in diese Klasse gekommen ist, durch diese Unterrichtseinheit die Möglichkeit bekommen endlich mehr Selbstvertrauen zu gewinnen. Durch seine sprachlichen Defizite ist er meist zu schüchtern, sich in den Unterricht zu integrieren. Seine Heimat als Thema macht ihn automatisch zum Experten und ermöglicht ihm einen großen Wissensvorsprung gegenüber seinen Mitschülern. Mir erscheint es sinnvoll, Kindern eine solche Lernchance zu bieten. Ob sie sie wirklich nutzen, ist nicht vorauszusagen.
Hilfreiche Anregungen zu dem gewählten Unterrichtsthema bietet das Begleitheft von „Sag mir, wie ist Afrika?“. Das „Didaktisches Material für die Grundschule“ (2005) von Regina Riepe und Gudrun Honke bietet viele Hintergrundinformationen, Unterrichtsmaterialien und Ideen für den Unterricht in der Grundschule. Die von den Schülern zu bearbeitenden Materialen stammen teilweise aus diesem Heft. Als Anregung für die gute Planung von Unterricht habe ich mich an „Unterricht planen: Handlungsorientierte Didaktik Teil 1“ (2007) von Georg E. Becker orientiert.
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2. Darstellung der Unterrichtseinheit
2.1. Gesamteinheit
2.1.1. Lernbedingungsanalyse
Die Klasse 4c der Helmut-Landt Grundschule Oststeinbek setzt sich aus acht Jungen und zehn Mädchen zusammen. Oststeinbek ist eine Gemeinde in Schleswig-Holstein, grenzt aber unmittelbar an Hamburg. Die Schulleiterin der Grundschule gibt den Lehrkräften viel Freiraum für neue Projekte und die Lehrer der Schule zeigen viel Eigeninitiative, wodurch die Schule einen sehr guten und modernen Ruf genießt.
Fünf Kinder der Klasse haben einen Migrationshintergrund. Ahmet, Seyma, Vesna und Yulia sind bereits in Deutschland geboren oder waren noch Kleinkinder als sie nach Deutschland kamen. Sie haben mittlerweile keine Probleme mehr mit der Deutschen Sprache und sind sehr gut in die Klasse integriert. Mitte des dritten Schuljahres kam Abay in die Klasse. Er ist mit seinen Eltern aus Mali nach Deutschland gekommen. Seine kulturellen, emotionalen und sprachlichen Lernvoraussetzungen weichen am meisten von denen der anderen Schüler ab. Er sprach damals ausschließlich Französisch und hat trotz Förderunterrichts immer noch Defizite, die besonders beim freien Sprechen durch fehlendes Vokabular auffallen. Sein alltägliches Leben in Deutschland weicht stark von dem in Mali ab, wodurch seine emotionalen Bezüge zu verschiedenen Unterrichtsthemen von denen der Kinder abweichen, die in Deutschland aufgewachsen sind. Er ist ein sehr freundlicher Junge, scheint aber durch die sprachlichen und kulturellen Differenzen immer noch gehemmt, sich vollkommen auf die anderen Schüler und somit auf den Unterricht einzulassen, obwohl es sich bei der 4c um eine offene Klasse handelt. Spricht man ihn direkt an, gibt er meist gute Antworten. Dies sollte man also möglichst in regelmäßigen Abständen tun und ihn durch Lob ermutigen, sich selbst mehr in den Unterricht einzubringen.
Das Leistungsmotiv der Klasse 4c ist stark ausgeprägt, besonders Colin, Jörg, Davina, Sara und Lea fallen durch sehr gute Leistungen im Unterricht auf. Sie haben an sich selbst eine hohe Erwartungshaltung und ihre Beiträge bestimmen maßgebend den Verlauf des Unterrichts. Die sprachliche Intelligenz ist vor allem bei Colin und Lea sehr ausgeprägt. Man sollte darauf achten, dass die Kinder bei Gruppenarbeiten auf alle Gruppen verteilt sind. Die anderen Schüler der Klasse sind leicht intrinsisch motiviert, arbeiten konstant mit und können dem Unterricht gut folgen. Holm, Jonas und Ahmet neigen manchmal dazu, sich gegenseitig abzu-
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lenken. Allerdings reicht in der Regel eine kurze Ermahnung, um ihre Aufmerksamkeit wieder für den Unterricht zu gewinnen. Bei Gruppenarbeit ist darauf zu achten, dass diese drei möglichst nicht in einer Gruppe zusammen arbeiten.
In der Woche finden regulär sechs Deutschstunden statt: Montags in der ersten und zweiten Stunde, dienstags in der dritten Stunde, donnerstags in der vierten und fünften Stunde und freitags in der ersten Stunde. Die Konzentration der Schüler ist in der Regel in der ersten und zweiten Stunde am höchsten, nimmt im Laufe des Unterrichtstages ab, aber auch in der vierten und fünften Stunde ist mit einer guten Mitarbeit zu rechnen.
Die räumlichen Gegebenheiten der Klasse bieten ideale Voraussetzungen für Gruppen- und Projektarbeiten (Gruppentische), was in der Vergangenheit bereits oft genutzt wurde: Die Schüler sind mit der Gruppenarbeit sehr vertraut.
Die Helmut-Landt-Grundschule Oststeinbek verfügt über ein kleines Medienzentrum (mit Computerraum), was die Nutzung von modernen Medien im Unterricht ermöglicht. Die Kinder können somit neben der Schülerbibliothek das Internet als Informationsquelle nutzen. In der Vergangenheit wurde bereits vereinzelt mit dem Computer gearbeitet. CD-Player und Overheadprojektoren stehen ebenfalls zur Verfügung.
2.1.2. Lernziele und Lerninhalte für die Gesamteinheit
Bei dieser Gesamteinheit steht die handelnde Auseinandersetzung mit dem Inhalt im Vorder-grund. Die Schüler durchlaufen also einen prozessorientierten, langfristigen Lernvorgang, was eine genaue Festlegung von Handlungszielen schwierig macht. Das fächerübergreifende Thema „Menschen in Afrika“ fördert vor allem die interkulturelle Erziehung der Schüler und soll gleichzeitig grundlegende Ziele des Deutschunterrichts verfolgen.
Allgemein dient die Unterrichtseinheit der Auseinandersetzung mit einer anderen Kultur und damit gleichzeitig der eigenen (Grobziel). Exemplarisch wird hier Afrika, als eine den Kindern fremde Kultur, entdeckend und forschend erschlossen. Zusätzlich werden eine Großmutter und ein Großvater der Kinder über deren Kindheit befragt, was den Schülern zudem einen Einblick über Veränderungen in der Gesellschaft (bspw. durch zunehmenden Wohlstand) gibt. Die Schüler sollen die eigene Situation mit den Lebensumständen der Kinder im frühe-
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ren und heutigen Afrika und denen der Großeltern vergleichen und sich dabei in die Lebenswelt dieser einfühlen können. Die erarbeiteten Informationen sollen festgehalten und an das Umfeld weitergegeben werden. Wie im Bildungsplan Grundschule vorgeschrieben, lernen die Kinder so Unterschiede und Ähnlichkeiten untereinander wahrzunehmen und sich Kenntnisse über die eigenen Lebensbedingungen und die der anderen anzueignen. Die kognitiven Fähigkeiten werden gefördert, indem sie kulturelle Kontexte benennen bzw. beschreiben und lernen durch den Perspektivwechsel, andere besser zu verstehen. Durch das positive Bild, welches durch das Bilderbuch „Sag mir, wie ist Afrika?“ vermittelt wird, sollen Andersartigkeit und Vielfalt als eigenständiger Wert wahrgenommen und geschätzt werden. Zudem ist davon auszugehen, dass das Thema bei Kindern durch den Projektcharakter auf großes Interesse stößt und ihnen somit Spaß macht.
Da Afrika in den Medien durch Kriegsmeldungen und Hungersnöte meist negativ dargestellt wird, setzen sich die Schüler im Unterrichtsverlauf zwangsläufig mit dem „dunklen“ Bild von Afrika und somit mit gesellschaftspolitischen Fragen und Problemstellungen auseinander. Ein bedeutsames Erziehungsziel, was hier verfolgt wird, ist die Herausbildung von sozialer Ver-antwortung, Solidarität und Zivilcourage.
Vorgaben aus dem Rahmenplan Deutsch (Hamburg 2003) werden durch das Thema ebenfalls abgedeckt. Die Schüler sollen durch die Arbeit mit Büchern während der Unterrichtseinheit erkennen, dass man mit Texten (Sprache und Schrift) Welten erschließen kann. Dies wiederum soll zur Förderung der Lesefreude beitragen und somit die Lesekompetenz der Schüler verbessern. Auch verbindliche Inhalte wie das Lesen von Bilderbüchern (aus anderen Kulturen) und Sachtexten wie Lexika werden berücksichtigt. Die Schüler erproben sowohl das Sprechen (Erarbeiten des Projekts, Vorstellen der Ergebnisse) wie auch das Zuhören (das Bilderbuch wird vorgelesen, andere Gruppen stellen ihre Ergebnisse vor). Das Thema Afrika soll das Interesse und die Freude an diesen grundlegenden gesellschaftlichen Fähigkeiten wecken, ästhetische und kreative Tätigkeiten entwickeln (bspw. durch die Gestaltung von Kollagen) und das Nachdenken und Verstehen der Schüler fördern. Zudem sind die Schüler angehalten selbst Informationen zu beschaffen und sich anzueignen. Durch die relativ offene Gestaltung des Unterrichts können besondere Lernbedürfnisse der Kinder erfüllt und die Persönlichkeitsentwicklung auch durch soziales Lernen gefördert werden.
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Arbeit zitieren:
Larissa Glück, 2009, "Sag mir wie ist Afrika?", München, GRIN Verlag GmbH
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