Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung 3
2. Entstehungshintergrund des modernen Satanismus 4
3. Die Church of Satan 5
4. Philosophische Affinitäten der Church of Satan 7
4.1 Friedrich Nietzsche 7
4.2 Ragnar Redbeard 8
4.3 Differenzierung des Sozialdarwinismus der CoS 9
5. Politische Präferenzen 10
6. Magie der CoS 11
6.1 Lesser Magic 11
6.2 Greater Magic 13
7. Aussichten 15
8. Literaturverzeichnis: 17
9. Filmographie: 18
2
1. Problemstellung
Mit der vorliegenden Hausarbeit möchte ich anhand sozialdarwinistischer Inhalte der Church of Satan die Frage nach einer biologisierten Religion stellen. Dazu sollen, neben politischen Anschauungen, Übernahmen von nationalsozialistischen Symboliken und Ritualen in die satanische Religiosität Betrachtung finden. Ebenfalls sollen die damit einhergehenden Intentionen aus dem Kontext satanischer Weltsicht Darstellung finden.
Als Grundlage dieser Arbeit findet die Dissertation von Dagmar Fügmann Verwendung, die mit ihrer religionswissenschaftlichen Untersuchung empirische Belege über die Wertvorstellungen deutscher satanistischer Gruppierungen liefert 1 . Dazu kann die Monographie von Joachim Schmidt religionswissenschaftlichen Anspruch erheben, in der versucht wird, geistige Affinitäten zwischen Satanismus 2 und literarischen, künstlerischen und insbesondere philosophischen Strömungen auszumachen. 3 Dort bekommen beispielsweise Friedrich Nietzsche und Max Stirner große Bedeutung zugeschrieben. 4
Was weitere Quellen betrifft, so findet man den Satanismus wegen sozialdarwinistischer Inhalte oft in ein politisch rechtes Feld gerückt, was mich zu meiner Untersuchung ermutigte. Die Art der Argumentation lässt meist keinen verständlichen religiösen Kontext erkennen, da diffus oder einseitig zitiert wird, was politisiert. 5 Personen und Philosophien Ebenfalls finden sich
Kulturfeldüberschneidungen, z. B. von Satanismus und der Black Metal-Szene, ohne die unterschiedlichen Funktionen der Satansgestalt, blasphemischer Inhalte, Symbole
1 Fügmann, Dagmar: Zeitgenössischer Satanismus in Deutschland. Eine religionswissenschaftliche Untersuchung bei Mitgliedern satanistischer Gruppierungen und gruppenunabhängigen Einzelnen: Hintergründe und Wertvorstellungen. Würzburg: Dissertation Julius-Maximilians-Universität. 2008.
2 Der verwendete Terminus Satanismus ist im Verlaufe der Arbeit, wenn nicht anders beschrieben, als der von Schmidt verwandte autarke, sekundäre achristliche Satanismus zu begreifen. Gemeint ist hiermit eine weitgehend aus christlichem Kontext gelöste, diesseitsausgerichtete, materialistische Gegenreligion [nicht im Sinne von bloßem antichristlich], mit gleichzeitiger Ablehnung von Transzendenz. Die Philosophie der von Anton Szandor LaVey [d. i. Howard Stanton Levey] gegründeten Church of Satan [bei Schmidt fälschlicherweise ÄFirst Church of Satan³ genannt] ist für diese Kategorie repräsentativ (Fügmann 2008: 28; Schmidt 1992: 13-14).
3 Schmidt, Joachim: Satanismus: Mythos und Wirklichkeit. Marburg: Diagonal-Verlag. 1992.
4 (Ebd.: 80) Der Sozialdarwinist Ragnar Redbeard [d. i. Arthur Desmond] sei hier u. a. noch als direkte philosophische Quelle genannt (Fügmann 2008: 237; Flowers 1997: 173; Goodrick-Clarke 2009: 437; LaVey 1999a: 33ff.; Redbeard 2004: 12-13, 20-21; 39-40; 53-54). Dazu besteht Affinität zwischen dem quasi-satanistschen [da transzendenzbezogem und schwerpunktverlagertem] Sethanismus und der Existentialphilosophie Jean-Paul Sartres (Eremor 2000: 45; 50-51; Lerch 1998: 71-73).
5 Christiansen 2006: 185ff.; Goodrick-Clarke 2009: 436-437; Redbeard 2004: 13.
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usw. ausreichend auszudifferenzieren. 6 Weiter erscheint es wenig sinnvoll - zudem dem untersuchten Kulturfeld durch Außenperspektive entfremdet - eine Art Netzwerk herbei zu argumentieren oder aufzuzeigen, in welcher Weise Zusammenarbeit und Austausch zwischen einzelnen Personen/Institutionen erfolge. 7 Hierbei besteht die Gefahr, dass die einzelnen Weltanschauungen - ob beabsichtigt oder nicht - politisch aufgeladen werden. Gerade in Bewegungen, die ihre geistige Emanzipation aus Nonkonformismus, Individualität und der eigenen Meinungsfreiheit ziehen, ist dies zu berücksichtigen. Es ist Aufgabe in solch heterogenen Kulturfeldern nach höchstem Ermessen zwischen Einzelheiten zu differenzieren.
2. Entstehungshintergrund des modernen Satanismus
Wenn man den kulturellen Entstehungshintergrund der Church of Satan betrachtet, so findet man sich in San Francisco zur zweiten Hälfte der 60er Jahre wieder. Dort existierten - laut Joachim Schmidt - neben Zuwendung zur östlicher Religiosität auch zahlreiche satanische Kulte im Untergrund, die nach Schmidt ein Ergebnis der gescheiterten Ideale der Hippie-Bewegung gewesen sind. 8 Das Spektrum dieser satanischen Gruppen war höchst unterschiedlich, reichte also von harmlos bis extrem gewalttätig. Ein Großteil bezog Gedankengut hauptsächlich aus den Thelema-Lehren &URZOH\¶V, wobei kein tiefgehendes Verständnis, sowie Ausdifferenzierung, erbracht wurde. 9 Nach Schmidt sind verschiedene weltanschauliche Konzepte je nach Belieben übernommen worden, ohne eine einheitliche Philosophie/Religiosität hervorzubringen. Dazu gehörte auch die wahrscheinlich diffuse Glorifizierung von Adolf Hitler, Rassismus und Hakenkreuzen. Dies geschah aus Faszination am Bösen in reaktiver 10 Art und dem Wunsch, sich an autoritär organisierten Gruppen zu beteiligen. 11
6 Dornbusch 2006: 37; 83ff.; Goodrick-Clarke 2009: 416-417.
7 Christiansen 2006: 195-203; Goodrick-Clarke 2009: 421, 424-425.
8 Schmidt 1992: 145.
9 (EG:HLWHUVHLKLHUDQJHPHUNWGDVV$OHLVWHU&URZOH\¶V7KHOHPD-Lehre nicht als ÄSatanismus³ gewertet werden kann, da es hier Ziel ist, das Ego des Menschen mittels Prinzip des ÄScientific Illuminism³ eben nicht zu erhalten, sondern aufzulösen, um zu einem postulierten, transzendenten, also göttlichem, Willen zu gelangen (LudZLJII&URZOH\¶V6FKULIWHQQHKPHQMHGRFKLQGLUHNW Einfluss auf den heutigen ÄSatanismus³ (Fügmann 2008: 228; 236; 245; Schmidt 1992: 131).
10 Diese ausgeübte Weltanschauung kommt dem von Schmidt beschriebenen reaktiven, paradigmatischen konformen Satanismus gleich, beschrieben als Ablassventil für angestaute Triebkraft/Unzufriedenheit. Er ist vom soziokulturellen Umfeld abhängig. Er versteht Satan ± ebenso wie im christlichen Kontext - als Personifikation des Bösen, der sich jedoch im Protest gegen Gott als Stärkerer erweisen werde (Fügmann 2008: 26-27; Schmidt 1992: 12). Die Morde der Gruppe ÄFour Movement³ sind hier - neben den Taten Charles Mansons - ein Beispiel (Schmidt 1992: 148).
11 Ebd.: 146-148.
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Der inhaftierte Charles Manson wird von Schmidt ebenfalls in diese kalifornischen Szene eingeordnet. Durch die von Manson veranlassten Morde an weißen Personen aus hochrangiger Bevölkerungsschicht - unter anderem an der Schauspielerin Sharon Tate - und die von seinen Anhängern hinterlassenen, in Blut geschriebenen Nachrichten, versuchte Manson, einen Rassenkrieg zwischen Schwarzen und Weißen zu entfachen. Nach Gewinnen dieses Krieges durch die schwarze Bevölkerung, sollte dann die Manson Family die organisatorische Führung übernehmen, da die schwarze Bevölkerung dazu nicht in der Lage wäre. Manson sah sich selbst bei seinem gerichtlichen Prozess als den jungschen Schatten Amerikas, der geopfert werden müsse damit sich die Bevölkerung in ihrer Moral als gut wahrnehmen kann. 12 Mit Manson wurde nach Schmidt der Gesellschaft durch Medienpräsenz und -interesse der erste Mensch vorgeführt, wie sich die Bevölkerung einen Satanisten mit all seinen Attributen vorzustellen hatte. 13
Es mag möglicherweise einen weiteren Crowley-beeinflussten Kult in Hollywood gegeben haben, jedoch hat weder dieser noch ein anderer wesentlich zur Ausformung satanischer Lehre beigetragen, wie man sie heute im Satanismus kennt. 14 Eben nur wurde - durch Medienberichterstattung religiös motivierter Straftaten - ein Bild in Außenperspektive erzeugt, welches u. a. Attribute des Rassismus und Gewalt trans-portiert.
3. Die Church of Satan
Ebenfalls in San Francisco entstanden, grenzte sich die von Anton Szandor LaVey (1930-1997) 1966 gegründete Church of Satan 15 von der oben beschriebenen Unter-grundszene ab. Dabei wird erstmals ein religiöses Modell begründet, das ÄSatanismus³ als Selbstbezeichnung erhält und als achristlicher autarker Satanismus 16 gewertet werden kann. LaVey distanzierte sich durch strenge Auswahlkriterien soweit wie möglich von ortsansässigen Gruppen. Eben dahinter steht der Wille einer Elitebildung, wodurch sich die Mitglieder aus jungen Intellektuellen, Geschäftsleuten und Prominenz zusammensetzt. 17
12 Ebd.: 149.
13 Ebd.: 146.
14 Ebd.: 150 ff.
15 Im weiteren Verlauf CoS genannt.
16 Siehe Fußnote 2.
17 Ebd.: 154-155.
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Arbeit zitieren:
Andre Witt, 2009, Sozialdarwinismus der Church of Satan, München, GRIN Verlag GmbH
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