Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Monitoring und Indikatoren 4
3. Umweltindikatorensysteme 5
4. Die OECD Agrar-Umwelt-Indikatoren 6
4.1 Die Evaluation der Agrar-Umwelt-Indikatoren 8
4.2 Der Agrar-Umwelt-Indikatorenkatalog 10
Teil I - Landwirtschaft im weiteren ökonomischen, sozialen und ökologischen
Kontext 10
Teil II - Bewirtschaftungsverfahren und Umwelt 12
Teil III - Die Nutzung von Stoffeinträgen und natürlichen Ressourcen 13
Teil IV - Umweltauswirkungen der Landwirtschaft 15
5. Beispiel: Der Bereich „Biodiversität“ 21
5.1. Zum Begriff 21
5.2 Biodiversität und Agrarlandschaft 23
5.2.1 Die Entwicklung der Agrarlandschaft 23
5.3 Agrar-Umwelt-Indikatorenevaluation auf nationaler Ebene 26
5.3.1 Genetische Vielfalt der Nutzpflanzen und Nutztiere 26
5.3.2 Vielfalt wildlebender Arten und ihrer Lebensräume (Habitate) 29
6. Anwendung von Agrar-Umwelt-Indikatoren 31
7. Allgemeine Defizite 33
8. Ausblick 33
9. Quellen 35
1
Tabellen
Tab. 1: Indikatorenbereiche der OECD
Tab. 2: Treibhausgasemission in den OECD Ländern (2001)
Tab. 3: Entwicklung landwirtschaftlicher Anbausysteme in Mitteleuropa von 650 bis 1800
Tab. 4: Unterindikatoren der OECD-Agrarumweltindikatoren für „genetische Vielfalt“ von Nutztieren und -pflanzen.
Tab. 5: Agrar-Umwelt-Indikatoren des Bundesministeriums für Umwelt und Naturschutz für den Bereich „Genetische Vielfalt von Nutztieren und -pflanzen“ Tab. 6: : Agrar-Umwelt-Indikatoren des Bundesministeriums für Umwelt und Naturschutz für den Bereich „Biodiversität wildlebender Arten“
Abbildungen
Abb. 1: Anteil Anbauflächen unterschiedlicher Agrarprodukte 1925 und 2000
2
1. Einleitung
Landwirtschaft - das sind gelbe Weizenfelder und stinkende Kuhställe, Traktoren und Mähdrescher, Kartoffelernte und mannshoch wachsender Mais. Ein harmonisches Bild von Naturverbundenheit und einvernehmendem Miteinander von Mensch und Umwelt.
Doch ist Landwirtschaft längst nicht mehr ein Sektor der Produktion von Gütern auf umweltfreundlichem Wege. Im Zusammenhang mit Intensivierungsmaßnahmen und dem Einsatz neuer Technologien werden Ökosysteme mit Nährstoffen und Pflanzenschutzmitteln belastet. Böden versauern, versalzen oder werden durch Erosion degradiert. Die Landschaften sind homogener, steriler geworden, haben ihren ursprünglichen Charakter einem einheitlichen und nutzenbezogenem Erscheinungsbild geopfert. Die Massenproduktion hat ihre Spuren hinterlassen. Spätestens seit den siebziger Jahren existiert eine politische Plattform für Umweltbelange und mit der Erkenntnis über die wachsende Gefahren durch immer rasanter fortschreitende Entwicklungen in Richtung einer die Natur beeinträchtigenden Gesellschaft in den Industrienationen ist neues
Umweltbewusstsein entstanden. Eine Reihe von Umweltabkommen, Vereinbarungen und Richtlinien sind seither verabschiedet worden und auch auf regionalen Ebenen hat sich einiges im Bereich landwirtschaftlicher Umweltschutz getan, von der Ausweisung von Schutzregionen bis zu lokalen Aktionsgruppen und Vereinen. Es ist immer offensichtlicher geworden, dass sich zunehmend Konflikte auftun, die politische Eingriffe erforderlich machen. Eine nachhaltige, umweltgerechte Landwirtschaft widerspricht in vieler Hinsicht ökonomischen Anliegen. Es ist fraglich, inwieweit derartige Probleme auf politischen Handlungsebenen ausgetragen werden können, und ob hier politische Interventionen sinnvoll sind, ob nun von nationaler oder internationaler Seite. Bereits in Angriff genommene Vorhaben, wie die Umstellung landwirtschaftlicher Unternehmen auf ökologischen Landbau im Zuge der 1992 mit der Europäischen Agrarreform eingeführten Agrarumweltprogramme, verzeichnen erste positive Bilanzen. Doch um weiträumige Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Umwelt und der Umweltmaßnahmen und deren Effekte nachvollziehen zu können, bedarf es der ständigen Beobachtung und systematischen Erfassung.
3
In folgender Arbeit soll es um Umweltbelange in der Agrarlandschaft gehen und in diesem Zusammenhang um ein Monitoring, nicht nur auf internationaler Ebene. Wie wird das Konfliktfeld zwischen agrarischer Nutzung und Umwelt gehandhabt? Was für Instrumente sind entwickelt worden, um Probleme zu sichten und ihnen entgegenzuwirken? Was für Möglichkeiten stehen offen und wo besteht noch Handlungsbedarf?
2. Monitoring und Indikatoren
Auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro wurde mit der „Agenda 21“ in Kapitel 40 gefordert, eine Informationsgrundlage in Form von Indikatoren zu schaffen, um nationale und internationale Entwicklungsprozesse daraufhin prüfen zu können, ob sie dem Ziel der nachhaltigen Entwicklung gerecht 1 Dies betraf neben anderen Bereichen auch den vorsorgenden Schutz der
werden.
Umwelt unseres Planeten. Von über 170 Staaten wurde der Aktionsplan unterzeichnet, womit sie sich verpflichteten, das Ziel der Nachhaltigkeit in das 2
politische Handlungsfeld zu integrieren.
Verallgemeinernd lässt sich sagen, dass für den Schutz der Umwelt die Erfassung sämtlicher betroffener Bereiche und Regionen notwendig ist, um anhand von Bestandsaufnahmen Veränderungen und Verluste feststellen zu können. Diese Erkenntnis hat zur Forderung eines Umweltindikatorenkataloges geführt, mittels dessen ein umfassendes Monitoring möglich ist.
Monitoring kann als Überwachen verstanden werden und Überwachen kann definiert werden als Langzeitbeobachtung zur Erfassung von qualitativen und quantitativen Veränderungen und dadurch ermöglichter Ermittlung langfristiger
Entwicklungstrends, in diesem Zusammenhang der Umweltveränderung. Umweltmonitoring ist „die regelmäßige Kontrolle von freilebenden Organismen, Lebensgemeinschaften und deren Lebensräumen sowie von Ökosystemen und 3 Auch die Ursachenforschung
Landschaften und der sie beeinflussenden Faktoren.“
1 Jeffries, M.J., 1997: Biodiversity and Conservation, London
2 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2003), Wetterich, F.: Indikatoren für ein
nationales Monitoring der Umwelteffekte landwirtschaftlicher Produktion, Band 2, Bonn, S. 8 3 Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.) (1997): Erhaltung der biologischen Vielfalt, Münster, S.
4
und die Folgenabwägung von beobachteten Phänomenen spielen hier hinein. Das Monitoring soll mittels Indikatoren geschehen.
Indikatoren können definiert werden als Anzeichen bzw. Hinweise auf oder für etwas, z.B. ein Merkmal oder einen Sachverhalt. Sie werden entwickelt durch die Auswahl repräsentativer Messgrößen, deren Auswertung und Darstellung in einem geeigneten räumlichen Maßstab möglich sein muss. Sie dienen der Komplexreduktion aus einer Vielzahl von einzelnen Basisdaten. Dadurch erhält man ein vereinfachtes, aber dadurch leichter interpretierbares Abbild der jeweiligen Situation. Ein gutes Indikatorensystem beinhaltet eine möglichst geringe Anzahl von Indikatoren, die alle 4 Außerdem sollte es anwendungsbezogen und
wesentlichen Bereiche abdecken.
verständlich sein, weitgehende und flächendeckende Datenverfügbarkeit aufweisen, von gewisser Relevanz sein und einen engen Zusammenhang zur, in diesem Kontext, entsprechenden Umweltsituation haben.
3. Umweltindikatorensysteme
Die Kommission für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (CSD) hat 1995 ein Arbeitsprogramm für Indikatoren zu nachhaltiger Entwicklung verabschiedet. Bis 2001 wurde ein international anerkanntes und für alle Länder umsetzbares System von Indikatoren erarbeitet. EUROSTAT, das statistische Amt der Europäischen Union hat sich intensiv an der Erarbeitung beteiligt und außerdem eine auf die europäischen Staaten zugeschnittene Anpassung der CSD-Indikatoren
vorgenommen. Das speziell für europäische Verhältnisse entwickelte Konzept „Measuring Progress Towards a More Sustainable Europe“ der EU-Kommission und EUROSTAT beinhaltet Soziale Dimensionen wie Soziale Gerechtigkeit und Gesundheit, Wirtschaftliche Dimensionen wie Produktion oder Wirtschaftsstruktur und Umweltdimensionen wie Wasser, Landnutzung und Biodiversität. Jedoch ist das System für Umweltbelange nicht gut geeignet, da es durch das weiträumiges Spektrum, dass es abdeckt, kaum adäquate Aussagen über reale Umweltzustände machen kann. 5 Es existieren weitere Indikatorensysteme, z.B. das der Europäischen Umweltagentur EEA und das Umweltindikatorensystem der OECD (Organisation for
4 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2003), Wetterich, F.: Indikatoren für ein nationales Monitoring der Umwelteffekte landwirtschaftlicher Produktion, Band 2, Bonn, S.
5 Zieschank, R.: Zum aktuellen Stand von Umweltindikatoren im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung, Berlin
5
Economic Cooperation and Development). Dieses System der OECD, welches an umweltrelevante Themen angepasst ist, soll ein „kohärentes Bild nachhaltiger Entwicklung liefern und [...] der Herstellung politisch relevanter Informationen dienen.“ 6 Es ist gut strukturiert und umfangreich und es umfasst drei unterschiedliche Varianten von Umweltindikatoren. Erstens Zentrale
Umweltindikatoren, das sogenannte Core-Set oder den Kernbereich. Hierin sind etwa 50 Indikatoren zu unterschiedlichen umweltrelevanten Bereichen enthalten, wie Klimawandel (mit den Indikatoren O 2 -Emiossionsintensität und Treibhausgaskonzentration), Luftgüte, Gewässerqualität, Forstwirtschaftliche
Ressourcen, Biodiversität, Fischbestände. Als Zweites sind Indikatoren für umweltökonomische Gesamtrechnungen im OECD-Indikatorensystem vorgesehen. Das können Daten zur Erfassung von Stoffströmen, Verbrauchskennziffern oder Ausgaben für Luftreinhaltemaßnahmen sein. Hiermit soll eine Verknüpfung zwischen ökonomischer Produktion, Ressourcennutzung und Degradierung der Umwelt hergestellt werden. Diese Sorte Indikatoren ist bislang noch nicht ausgearbeitet worden und existiert lediglich konzeptionell.
Die dritte Indikatorenvariante stellt Umweltindikatoren für politische Handlungsfelder dar, sogenannte sektorale Indikatoren. Durch sie soll eine stärkere Einbeziehung von Umweltbelangen in sektorale Politikfelder, wie Energie, Transport oder Landwirtschaft stattfinden. Ein Beispiel für solche sektoralen Indikatoren sind sogenannte Agrar-Umweltindikatoren für den Bereich Landwirtschaft. 7
4. Die OECD Agrar-Umwelt-Indikatoren
Die OECD hat 1998 einen international abgestimmten Indikatorenkatalog entwickelt, um wesentliche ökologische Auswirkungen des landwirtschaftlichen Sektors zu erfassen. 8
Um ein Agrar-Umwelt-System beschreiben zu können bedarf es zunächst der Aufnahme von Basisdaten des Systems. Die Basisdaten eines Agrar-Umwelt-Systems liefern sektorale landwirtschaftliche Indikatoren und beinhalten u.a. Daten zur Fläche, die der Agrarproduktion dient, zu produktionsunterstützenden Arten und
6 OECD - Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2001): Agrar-Biodiversitätsindikatoren, Bericht über OECD-Expertentreffen in Zürich, Schweiz, November
7 ebenda
8 ebenda
6
Sorten, zu Bewirtschaftung und Gliederung aber auch zu Habitatansprüchen wildlebender Arten. Ein Agrar-Umwelt-System zeichnet sich dadurch aus, dass es neben der Erfassung von agrarwirtschaftlichen Aspekten Umweltbelange integriert. 9 Es wurden 13 international relevante Wirkungsbereiche landwirtschaftlicher Aktivitäten evaluiert. In Deutschland kommt nicht allen gleichrangig Bedeutung zu. 10 Für jeden der von der OECD evaluierten Wirkungsbereiche sind mehrere Indikatoren von bisher unterschiedlichem Konkretisierungsgrad vorgeschlagen worden, die Agrar-Umwelt-Indikatoren.
Tabelle 1 fasst die Agrar-Indikatorenbereiche der OECD zusammen, vermerkt die jeweilige Relevanz für Deutschland und in welcher Zuständigkeit sie sich in befinden.
Tab. 1: Indikatorenbereiche der OECD
FAL -Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft
IAP - Institut für Agrarpolitik, Marktforschung und Wirtschaftssoziologie, Uni Bonn,
IOL - Institut für Organischen Landbau, Uni Bonn
Von zentraler Bedeutung für ein Agrar-Umwelt-Indikatorensystem ist der derzeitige Zustand der Agrarumwelt. Es werden unerwünschte Veränderungen reflektiert, aber auch positive Zustände, die erhaltenswert sind. Weiterhin geht es um die
9 ebenda
10 ebenda
7
Arbeit zitieren:
Dipl. Geographin Josephin Lehnert, 2004, Agrar-Umwelt-Indikatoren , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Josephin Lehnert's Text Agrar-Umwelt-Indikatoren ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Josephin Lehnert hat den Text Agrar-Umwelt-Indikatoren veröffentlicht
Josephin Lehnert hat einen neuen Text hochgeladen
Nachhaltige Landnutzung durch Kooperation von Wissenschaft und Praxis....
Das Modellvorhaben Kulturlands...
Werner Konold, Alexander Gerber, Ralf Kirchner-Heßler
Agrar- und Ernährungswirtschaft im Umbruch
Jahrbuch der Österreichischen ...
Siegfried Pöchtrager
Praxis-Wörterbuch Umwelt, Naturschutz und Nachhaltigkeit
Practical Dictionary of Enviro...
Johann Schreiner, Claus-Peter Hutter
Nachhaltige Gesundheit und Entwicklung
Leitbilder, Politik und Praxis...
Alf Trojan, Heiner Legewie
0 Kommentare