Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Begriffsbestimmungen
2.1 Ethik 1
2.2 Moral 2
2.3 Parasoziale Interaktion 2
3. Daily Soaps 5
3.1 Genreentwicklung 6
3.2 Genrecharakteristika 7
3.3 Rezipienten 9
3.4 Daily Soaps im deutschen Fernsehen 9
3.4.1 Guten Zeiten, Schlechte Zeiten 10
3.4.2 Unter Uns 11
3.4.3 Verbotene Liebe 12
3.4.4 Marienhof 12
4. Diskussion 13
5. Fazit 17
6. Literatur- und Quellenverzeichnis 18
1. Einleitung
„Schon im Mutterleib bekommen Babies ‚Denver‘ und ‚Dallas‘ mit. Im späteren Leben können sie dann nicht mehr auf solche Serien verzichten. Denn schon vor der Geburt sind sie manipuliert und auf bestimmte Filme programmiert worden - süchtig nach ihnen. Deshalb: Lieber keine Fernsehserien, wenn sie schwanger sind." 1 Dieses Zitat stammt aus einer Familienzeitschrift aus dem Jahr 1988. Es macht deutlich wie TV-Serien auch noch Jahre nach ihrer Entstehung mit einem negativen Image zu kämpfen hatten. Auch heute gibt es immer wieder negative Vorurteile gegenüber Daily Soaps, da es für Außenstehende schwer nachzuvollziehen ist, warum Soap-Fans, insbesondere Mädchen, wochentags zu einer bestimmten Zeit immer vor dem Fernseher sitzen, um das Leben von fiktiven Personen zu verfolgen.
In der vorliegenden Arbeit betrachte ich Daily Soap unter moralischen Aspekten. Ich wende das Konzept der parasozialen Interaktion auf die Serien an und erörtere inwiefern die moralische Haltung der beteiligten Zuschauer dadurch beeinflusst werden kann.
Um eine Basis für die Diskussion zu schaffen, werde ich zunächst näher auf die Begriffe ‚Moral‘ und ‚parasoziale Interaktion‘ eingehen. Anschließend beschreibe ich das Genre Daily Soaps in Bezug auf die Entwicklung sowie grundlegende Charakteristika. Bevor ich mich abschließend mit der moralischen Fragestellung befassen werde, gebe ich zusätzlich noch einen Überblick über die derzeitige Situation des deutschen Daily Soap-Marktes.
2. Begriffsbestimmungen
2.1 Ethik
Der Begriff Ethik leitet sich aus dem griechischen Begriff ‚ethos‘ ab. Die wörtliche Übersetzung lautet ‚gewohnter Ort des Lebens, Sitte, Charakter‘. Heute versteht man unter Ethik die wissenschaftliche Lehre der Gesamtheit der sittlichen und moralischen Grundsätze einer Gemeinschaft oder Gesellschaft.
1 Junge Familie. Das Baby-Journal, Heft 5, 1988, S. 38. Zitiert nach: Wiegard, Daniela. Die ‚Soap Opera‘ im Spiegel wissenschaftlicher Auseinandersetzung. Marburg (Tectum Verlag) 1999, S. 7.
1
2.2 Moral
Der Begriff Moral leitet sich ab aus dem lateinischen Wort ‚mos/mores‘, was übersetzt ebenso ‚Sitten, Charakter‘ bedeutet.
Wenn man heute von Moral spricht, dann ist darunter der in einer bestimmten Gesellschaft oder Gemeinschaft geltende Komplex an Wertvorstellungen, Normen und Regeln zu verstehen. 2 Diese beinhalten sowohl Orientierungen sozialen Handelns als auch wechselseitige Verhaltenserwartungen. Allerdings muss besonders beachtet werden, dass Moral nicht allgemeingültig ist. Die Entwicklung moralischer Haltung erfolgt durch die Orientierung an Bezugspersonen im sozialen Umfeld. Bereits Kinder sind Teilhaber an sozialen Interaktionsprozessen, „in denen die Art der kognitiven Entwicklung und die Art des Erlernens sozialer Kompetenzen abhängt von der affektiven Beziehung zu den Bezugspersonen.“ 3 Jedoch werden zuerst nur moralische Regeln erlernt. Da im Bereich des Moralischen jeder Person ein freier Wille zugesprochen wird, wird eine moralische Haltung erst dann erlangt, wenn die Moral zum Bestandteil der eigenen Identität geworden ist. Durch kulturelle, sozio-ökonomische, politische, wissenschaftliche und andere Entwicklungen stehen die Normen und Werte einer Gesellschaft in einem ständigen Veränderungsprozess, wodurch wiederum die eigene moralische Haltung nicht starr bleibt, sondern durch permanente Reflexion einem Wandel unterzogen werden kann.
Im alltäglichen Sprachgebrauch wird heute jedoch nicht immer nur eine positive Konnotation mit den Begriffen ‚Moral‘ und ‚moralisch‘ verbunden. Je nach sozialem Kontext wird Moral häufig auch mit Spießbürgerlichkeit, Konservativismus oder Verstaubtheit gleichgesetzt.
2.2 Parasoziale Interaktion
Die parasoziale Interaktion ist ein komplexes Konzept, das bereits in den 50er Jahren zum ersten Mal in der wissenschaftlichen Literatur auftaucht. Geprägt wurde der Begriff 1956 von den amerikanischen Psychiatern Donald Horton und R. Richard Wohl, die untersucht haben, inwieweit von Medien und Mediendarstellern die Illusion einer interpersonellen Beziehung kreiert wird. Der Prozess
2 vgl. Matthias Rath. Medienethik und Medienwirkungsforschung. Wiesbaden (Westdeutscher Verlag) 1996, S. 65.
3 Detlef Horster. Pädagogik und Ethik. Stuttgart 1996, S. 290.
2
der Fernsehrezeption wird von Ihnen als aktive Handlung des Zuschauers im Sinne einer Interaktion mit den Fernsehakteuren geschildert. Da eine medial vermittelte Illusion einer nichtmedialen interpersonellen Beziehung entsteht, sehen die Autoren als Basis eine unausgesprochene Vereinbarung zwischen Medienakteur und Rezipient, in der beide so agieren, als wäre die Beziehung nicht medial, sich dessen aber vollkommen bewusst sind. Medienakteure, von Horton und Wohl ‚Personae‘ genannt, wenden sich direkt an das Publikum und geben vor, es ganz persönlich und privat anzusprechen. Das dadurch in das Geschehen scheinbar einbezogene Publikum reagiert im Gegenzug dazu mit mehr als bloßer Beobachtung. „It is... subtly insinuated into the program’s action and internal social relationship and, by dint of this kind of staging, is ambigiously transformed into a group which observes and participates in the show by turns.“ 4 Dieses Verhalten wird von den Autoren als parasoziale Interaktion benannt. Obwohl es lediglich ein Trugbild eines gesprächigen Gebens und Nehmens ist, kann man die parasoziale Erfahrung dennoch als ein Teil von Alltagserfahrung ansehen. „Es ermöglicht eine von den Anforderungen und Grenzen alltäglicher Face-to-Face-Beziehungen befreite Interaktion, die aber dennoch auf den Grundkonstituenten der Alltagskommunikation beruht.“ 5 Im Vergleich zur orthosozialen Interaktion ist die parasoziale Interaktion jedoch im wesentlichen gekennzeichnet durch einen Mangel an wirklicher Reziprozität, dem Fehlen von Spontaneität und der Unmöglichkeit direkter gegenseitiger Einwirkung auf den Ablauf des Geschehens. 6
Obwohl das Image der Persona teilweise konstruiert wird, erweist sich die Darstellung dem Zuschauer dennoch als eine objektiv wahrnehmbare Handlung. Die gesamte Erscheinung, die Gestik und Stimme, die Konversation und das Verhalten der Persona in den verschiedensten Situationen werden vom Zuschauer direkt beobachtet und interpretiert. Er lernt ihren Charakter kennen, versucht ihre Motive und Werte einzuschätzen und glaubt irgendwann die Persona intensiver zu kennen als beispielsweise einen guten Freund.
4 Donald Horton + R.Richard Wohl. Mass communication and para-social interaction. Observation on intimacy at a distance. In: Journal of Psychiatry, 1956, S. 215.
5 Lothar Mikos. Parasoziale Interaktion und indirekte Adressierung. In: Peter Vorderer. Fernsehen als Beziehungskiste: parasoziale Beziehungen und Interaktionen mit TV-Personen. Opladen (Westdeutscher Verlag) 1996, S. 100.
6 vgl. Thomas Fabian. Fernsehen und Einsamkeit im Alter: Eine empirische Untersuchung zu parasozialer Interaktion. Hamburg (LIT Verlag) 1993, S. 61.
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Arbeit zitieren:
Maike Julius, 2003, Volksverdummung oder Lehrstücke in Serie? - Der moralische Einfluss von Daily Soaps auf ihre Rezipienten unter Berücksichtigung der parasozialen Interaktion, München, GRIN Verlag GmbH
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