Betonung Gefahr der sittlichen Degeneration der Versuchung durch Reichtum, welche laut Weber schärfer als bei Calvin hervortrat, das Verwerfliche des Ausruhens auf dem vorhandenen Besitz und der Genuß des Reichtums, die wirtschaftliche Tätigkeit des Menschen gemäß des Willen Gottes einzig zur Mehrung seines Ruhmes und Arbeit als alterprobtes asketisches Mittel, welche unter allen Umständen einzuhalten seien, da Gottes Wille für jeden ohne Unterschied gelte, explizit fordere Gott nicht Arbeit an sich, sondern rationale, feste und spezialisierte Berufsarbeit!
Die Puritaner vertraten im Gegensatz zum dem vom englischen Staat zur Aufweichung eines sich entwickelnden bürgerlichen Bewußtseins geförderten „Vergnügngswilligen“ in der frühen Neuzeit und später durch die kapitalistische Gesellschaft geführte Förderung die “Arbeitswilligen” gegen die marxistisch begründete Klassenmoral der Arbeiter, das Prinzip asketischer Lebensführung. Nicht der Erwerb von Reichtum wurde abgelehnt, sondern die Verwendung des erwerbten Reichtums zur Auslebung nach Meinung der Puritaner niedriger, also nicht göttlicher respektive nicht-gottgefälliger Gelüste und daher eines luxuriösen Lebenswandels.
Als reales Beispiel für einen gesellschaftlichen Zwiespalt führt Weber den im 17. Jahrhundert in England vertretenen Zwiespalt zwischen der “Squirearchie”, der Trägerin des “fröhlichen alten England”, und den in ihrer gesellschaftlichen Macht stark schwankenden puritanischen Kreisen mit einer uniformen Freizeitgestaltung bis hin zu uniformer Kleidung auf, welcher sich auch noch zur Zeiten der Abfassung von Weber Text in der englischen Gesellschaft immer noch unbewusst vorhanden sei.
Dieser Gedanke der Uniformierung des Lebenswandels drücke sich noch zu Webers Zeit in der Schaffung eines einheitlichen „Produktionsstandards“ aus! Für Weber stell sich der Dreh- und Angelpunkt der asketischen Lebensführung in der Schaffung des Reichtums durch stetige Arbeit und asketische Lebensführung zur Mehrung des Ruhmes Gottes und der Versuchung eines durch den Reichtum ermöglichten ausgelassenen Lebenswandels dar, welcher viele Angehörige des
puritanischen Protestantismus in der frühen Neuzeit und bereits im Mittelalter das asketische Mönchtum erlegen sei. Derartige Gedanken seien folglich bereits im Mittelalter im Protestantismus unbewusst vorhanden gewesen, hätten sich aber schlussendlich erst eindeutig im asketischen Protestantismus durch die Förderung bürgerlicher, ökonomisch rationaler Lebensführung manifestiert und schließlich ohne Berücksichtigung theologischer Inhalte einen der Grundgedanken des Kapitalismus gebildet habe, worauf in der Praxis Die Behandlung der Arbeit als “Beruf” wurde für den modernen Arbeiter ebenso charakteristisch wie für den Unternehmer die entsprechende Auffassung des Erwerbes geworden wäre, und würden von daher auch zur Abfassung des Textes zur Debatte stehen, durch den Aufstieg der Kapitalismus der heutige Mensch Berufsmensch sein müsse, während der Puritaner es sein wollte! Nach der Durchdringung der Gesellschaft mit dem spirituell geprägten Leistungsdenken sei der spirituelle Anteil spätestens durch die Aufklärung und die Industrialisierung entwichen, woraufhin nur noch der eisern umklammernde Leistungsdruck erhalten geblieben sei, welcher sich in besonderem Maße in den USA manifestiert habe. Schlussendlich sei der Okzident in einer Sackgasse geraten, von der man noch nicht wisse, wie man ihr entkommen könne. Weber spricht hier explizit in Anlehnung an Friedrich Nietzsche „letzten Menschen“, der nicht wisse, „ob am Ende dieser ungeheuren Entwicklung ganz neue Propheten oder eine mächtige Wiedergeburt alter Gedanken und Ideale stehe [oder] mechanisierte Versteinerung, mit einer Art von krampfhaftem Sich - wichtignehmen verbrämt. […] “Fachmenschen ohne Geist, Genußmenschen ohne Herz: dies Nichts bildet sich ein, eine nie vorher erreichte Stufe des Menschentums erstiegen zu haben.”
Ich stimme Webers Aussagen in besonderem Maße bezüglich der kapitalistischmaterialistischen Geisteshaltung des modernen Menschen zu, welches zu Webers Zeit besonders in den USA ausgeprägt war und bereits „agonale“ Ausmaße angenommen hat, seine Ausführungen die Entwicklung vom asketischen Lebenswandel gepaart mit Arbeitsleistung aus dem christlich-protestantischer Sekten respektive Strömungen, sein Eindringen in die allgemeine bürgerliche
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Michael Jan Riepe, 2009, Ist das Gebot der Einfachheit des Lebens bei enormem Reichtum ein unlösbarer Widerspruch für die neuen Wirtschaftsmenschen?, München, GRIN Verlag GmbH
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