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1. Einleitung
Der Begriff Pisa wird nicht mehr nur mit der italienischen Stadt, in der sich der berühmte Schiefe Turm befindet, assoziiert. Spätestens seit dem Jahr 2000 verbinden die meisten Menschen damit eine Studie, die nicht nur in Deutschland großes Aufsehen erregte und deren Resultate zahllose Diskussionen nach sich zogen.
Das Programme for International Student Assessment, kurz PISA, wurde von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ins Leben gerufen und hatte zum Ziel, eine internationale Analyse der Leistung von 15-jährigen Schülern mit der Absicht, einen detaillierten Vergleich zwischen den Teilnehmerstaaten ermöglichen zu können, durchzuführen und auszuwerten. Die Studie wurde in drei Zyklen unterteilt, die in den Jahren 2000, 2003 und 2006 vollzogen wurden. Diese Hausarbeit fokussiert nur den ersten Zyklus des Jahres 2000 und stützt sich dabei maßgeblich auf die Zusammenfassung der zentralen Aspekte dieses ersten Zyklus, die Stanat et al. in der Abhandlung PISA 2000: Die Studie im Überblick (2002) zusammengetragen haben. Obwohl das Hauptaugenmerk auf der genannten Arbeit liegt, wurden in den letzten Jahren auch noch zahllose andere Werke über die PISA-Studie bzw. die einzelnen Zyklen veröffentlicht. Einige dieser Publikationen werden in dieser Hausarbeit vergleichend herangezogen.
Im Folgenden soll die PISA-Studie von 2000 zunächst kurz dargestellt werden. Hierbei handelt es sich um eine kurze Vorstellung der Grundlagen, Methoden und Ergebnisse, die in den nachstehenden Kapiteln detaillierter erklärt werden. Danach werden die Problemstellung der dieser Arbeit zugrunde liegenden Studie sowie der Literaturstand zum Zeitpunkt des ersten Zyklus erläutert. Dem folgt eine ausführliche Darstellung und Erklärung der Hauptziele und Fragestellungen der gesamten PISA-Studie und des ersten Zyklus. Dem schließt sich die Vorstellung der Methoden, die im Rahmen der Durchführung und der Analyse der Studie angewendet wurden, an. Dabei werden sowohl die Auswahl der an den Leistungstests teilnehmenden Schülern und Schulen als auch die Konzipierung und Durchführung der Tests sowie die ergänzenden Beobachtungen, Befragungen und Fragebögen Beachtung finden. Im darauf folgenden Kapitel sollen zuerst die wichtigsten Ergebnisse des internationalen und des nationalen Vergleichs aufgelistet werden, bevor die zentralen Resultate der PISA-Studie aus dem Jahr 2000 genauer analysiert und diskutiert werden. Abschließend werden sowohl Kritikpunkte als auch positive Aspekte und Folgen von PISA aufgezeigt, ganz besonders um die Auswirkungen, die diese Untersuchung mit sich brachte, hervorzuheben.
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2. Die PISA-Studie - die erste große Schulleistungsstudie
Das Programme for International Student Assessment gilt als „bisher umfassendste Schulleistungsstudie, die international durchgeführt wurde“ (Stanat et al. 2002, 1). Die Studie wurde Ende der 1990er Jahre als Teil eines Indikatorenprogramms von der OECD entwickelt und in drei Zyklen, jeweils im Abstand von drei Jahren, durchgeführt. Das zentrale Ziel der gesamten Studie ist es, den OECD-Mitgliedsstaaten und den an der Studie teilnehmenden Nicht-OECD-Mitgliedstaaten (siehe: ebd., 3; vgl. Organisation for Economic Co-operation and Development 2003, 12f) vergleichende Daten über ihre Bildungssysteme zur Verfügung zu stellen und die Erträge von Schulen in den Teilnehmerländern zu erforschen (vgl. Stanat et al. 2002, 1). Des Weiteren gibt es auch für jeden Zyklus separate Ziele und Forschungsanliegen, die an den jeweiligen Untersuchungsbereich angeglichen wurden. Der erste Zyklus, in dem die Analyse der Lesekompetenz den Schwerpunkt bildete, wurde im Jahr 2000 in die Realität umgesetzt. Der zweite Zyklus folgte 2003 und fokussierte die mathematische Kompetenz. Abschließend untersuchte PISA 2006 die naturwissenschaftliche Grundbildung. Alle drei Zyklen haben eins gemein: in allen Teilnehmerstaaten bearbeiteten Jugendliche im Alter von 15 Jahren Leistungstests, die im Anschluss analysiert wurden und deren Ergebnisse einen Vergleich zwischen den teilnehmenden Ländern ermöglichten. Betrachtet man den Entstehungsprozess von PISA, fällt auf, dass nicht nur ein reiner Vergleich zwischen den OECD-Mitgliedsstaaten angestrebt wurde, sondern die beteiligten Länder bei der Erstellung der Tests sehr eng zusammenarbeiteten, nicht zuletzt um vergleichbare Bedingungen zu schaffen (vgl. ebd., 5). Dabei wurde in einem ersten Schritt eine Vorauswahl an möglichen Fragen geschaffen, die in die Sprachen der Teilnehmerstaaten übersetzt wurden und sich im Zuge einer ständigen Kommunikation zwischen den Expertenteams immer mehr verdichteten. Nachdem diese internationalen Leistungstests ihre vollendete Form erhalten haben, wurden sowohl die Schulen als auch die Schüler, die an der Studie teilnehmen sollten per Zufallsverfahren ermittelt. Im Frühsommer des Jahres 2000 wurden die Tests durchgeführt. Um allumfassende, qualitative Ergebnisse zu erhalten wurden neben den Leistungstests Fragebögen, die die teilnehmenden Schüler und Lehrkräfte ausfüllten, Beobachtungen und Befragungen herangezogen. Die internationalen Leistungstests wurden in Deutschland durch nationale Tests erweitert, sodass ein detaillierter Vergleich zwischen den Bundesländern ermöglicht wurde.
Die PISA-Studie von 2000 lieferte eine Vielzahl von Informationen über die schulischen Systeme der Teilnehmerländer. Es konnten Profile der Kenntnisse und Fähigkeiten der
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Schüler gegen Ende der Pflichtschulzeit in fachbezogenen und fachübergreifenden Bereichen erstellt werden, wodurch spezifische Stärken und Schwächen schulischer Systeme identifiziert sowie Verbesserungsbedarf aufgezeigt werden konnten (vgl. Stanat et al. 2002, 2). Des Weiteren wird eine Veränderung der Ergebnisse im Zeitverlauf eingeräumt, d.h. die schulische Situation in den Teilnehmerstaaten ist flexibel und kann jederzeit - auf der Basis des Wissens über bestimmte Stärken und Schwächen - einem Wandel unterzogen werden. Die Bekanntgabe der Ergebnisse führte in Deutschland zu zahllosen Diskussionen, vorwiegend darüber, wie der „PISA-Schock“ (Jürgens-Pieper et al. 2002, 15) überwunden und das schwach strukturierte deutsche Bildungssystem reformiert werden könne.
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3. Forschungsstand und Problemstellung der Studie
Es ist bewiesen, dass bereits vor PISA ähnliche Studien durchgeführt wurden, die der Untersuchung der Schulleistung dienten, allerdings betonen die Initiatoren der PISA-Studie immer wieder, dass dies die bisher umfassendste, internationale Schulleistungsuntersuchung sei (vgl. Stanat et al. 2002, 1f) und erwähnen keine der Vorgängerstudien. Eine dieser Studien, die vor dem Jahr 2000 realisiert wurde, ist die Trends in International Mathematics and Science Study (TIMSS). Dabei handelt es sich um eine international vergleichende Schulleistungsstudie, die bereits seit 1995 alle vier Jahre von der International Association for the Evaluation of Education Achievement (IEA) durchgeführt wird (siehe: TIMSS and PIRLS International Study Center 2009). TIMSS analysiert zwar, genau wie PISA, die mathematische und naturwissenschaftliche Grundbildung von Schülern, allerdings werden Kinder und Jugendliche der Grundschule, der Sekundarstufe I sowie der Sekundarstufe II geprüft und der Bereich der Lesekompetenz wird völlig außer Acht gelassen. Als Ergänzungsstudie hat die IEA erstmals im Jahr 2001 die Progress for International Reading Literacy Study (PIRLS) ausgeführt, die in einem fünfjährigen Turnus die Lesekompetenz von Schülern untersucht (vlg. ebd.). Auffällig ist hierbei, dass die erste PIRLS-Studie ein Jahr nach dem ersten Zyklus der PISA-Studie stattfand. PISA scheint daher so zukunftsweisend zu sein, dass Initiatoren ähnlicher Schulleistungsfeststellungen diesem Beispiel folgten.
Andererseits liegt es auch nahe, dass die OECD sich bei Konzeption der PISA-Studie an TIMSS orientiert bzw. die dort durchgeführten Tests umstrukturiert und ergänzt hat. Das Ziel ist es daher neben der reinen mathematischen und naturwissenschaftlichen Bildung mithilfe der Vervollständigung durch Lesekompetenztests ein umfassendes Bildungsprofil eines Landes erstellen zu können, das auch noch einen Vergleich zwischen mehreren Ländern zulässt. Die Ergänzung durch die Überprüfung der Lesekompetenz ist dabei insofern von großer Bedeutung, weil das generelle Textverständnis im Allgemeinen als Basis für das Verstehen von mathematischen und naturwissenschaftlichen Problemen sowie diverser anderer Sachverhalte und somit als Schlüsselqualifikation angesehen wird (vgl. Behler 2002, 12). Demnach stellt die Vermittelung von Lesekompetenz ferner eine der wichtigsten schulischen Aufgaben dar. Inwieweit dies in Deutschland und weltweit in die Realität umgesetzt werden kann, gilt es zu untersuchen.
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4. Fragestellungen und Ziele der PISA-Studie von 2000
Die drei Zyklen von PISA zielen hauptsächlich darauf ab, dass die Teilnehmerstaaten ein umfassendes Bild davon erhalten, wie gut ihre Schüler mithilfe der Schulbildung auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet werden. Die Grundlage hierfür ist die Annahme, dass jeder Schüler bestimmte Basiskompetenzen besitzen sollte, die für eine Teilnahme am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Leben essentiell sind (vgl. Stanat et al. 2002, 1; Organisation for Economic Co-operation and Development 2003, 12). Ob und inwieweit diese Basiskompetenzen, denen eine weitaus größere Bedeutung zugesprochen wird als dem reinen Faktenwissen, bei den Schülern der Teilnehmerländer vorhanden sind, soll in der PISA-Studie untersucht werden. Es wird ermittelt, ob die Schüler ein vertieftes Verständnis für zentrale Konzeptionen ausgeprägt haben, ob sie Ergebnisse kommunizieren und Informationen kritisch beurteilen können. Das Ziel ist es daher zu prüfen, ob die Jugendlichen in der Lage sind, „ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in realistischen Situationen anzuwenden und zur Bewältigung von Alltagsproblemen zu nutzen“ (vgl. Stanat et al. 2002, 6).
Des Weiteren nimmt die Frage nach sozialen Ungleichheiten einen großen Stellenwert bei der Untersuchung ein. Demnach wurden nicht nur die im Test erzielten Ergebnisse der einzelnen Schüler berücksichtigt sondern es wurde auch nach dem sozialen Hintergrund, d.h. nach einem eventuellen Migrationshintergrund, dem Beruf der Eltern etc., sowie dem Leseverhalten der Teilnehmer der Studie gefragt, um nicht nur die reinen Ergebnisse ermitteln sondern auch die Ursachen für diese transparent machen zu können. Bereits bevor der erste Erhebungszyklus im Jahr 2000 durchgeführt wurde, war die grundlegende Planung der gesamten PISA-Studie abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass die drei Kompetenzbereiche Lesekompetenz sowie mathematische und naturwissenschaftliche Grundbildung getestet und analysiert werden sollten, aber auch, welche Aspekte dabei von besonderer Bedeutung sind. Während im ersten Zyklus wichtige Vorraussetzungen selbstständigen Lernens fokussiert wurden, sollten im zweiten und dritten Zyklus allgemeine Problemlösefähigkeiten bzw. Kenntnisse und Fähigkeiten im Umgang mit modernen Informations- und Kommunikationstechnologien untersucht werden (vgl. ebd., 2). In der vorliegenden Abhandlung zur PISA-Studie werden die Untersuchungsziele aller drei Zyklen und ganz besonders des ersten sehr genau erklärt, um so eine Begründung für die gesamte Analyse zu liefern (vgl. ebd., 1f, 6).
Arbeit zitieren:
B.A. Constanze Roscher, 2009, Die PISA-Studie von 2000, München, GRIN Verlag GmbH
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