A. - Einleitung
Der Prozess der Suburbanisierung nimmt fortlaufend Einzug in die Städte dieser Welt. Der Abzug der Stadtbevölkerung über die Stadtgrenzen hinaus hat zur Folge, dass sich das städtische Sozialgefüge, die Siedlungsstruktur, aber auch der Wirtschaftsraum verändert. Welche Ursachen und was für Folgen und Probleme dies für die Städte und das Umland hat, und wie die Städte hier entgegen wirken können, soll diese Arbeit deutlich machen. Mit dem Blick auf die Zukunft wird zudem kurz darauf eingegangen, was nach der Suburbanisierung kommt. Beginnend mit Punkt B. wird erläutert, was Suburbanisierung ist, und wie sich diese auf die drei ausgewählten Bereiche des Wohnens, der Industrie und des Handels- und Dienstleistungsgewerbes auswirkt. Zudem wird der Unterschied der Suburbanisierung zwischen West- und Ostdeutschland dargestellt. Mit der Schlussfolgerung schließt diese Arbeit ab.
B. - Was ist Suburbanisierung?
B.1. - Definition des Begriffs
Wie das englische Wort „suburb“ (zu Deutsch: Vorstadt) erschließen lassen kann, leitet sich der Begriff „Suburbanisierung“ aus diesem Wort ab. Suburbanisierung beschreibt den Abwanderungsprozess von der Stadtbevölkerung, der Industrie und des
Dienstleitungsgewerbes ins städtische Umland, wobei hinter den Stadtgrenzen neue vorstädtische Siedlungen entstehen. Umlandgemeinden werden somit zu Vororten der Städte in „hochindustrialisierten Ländern“ (HEINEBERG 2006, S. 44). „Suburbanisierung wird allgemein als ein Prozess angesehen, in dem sich Städte über die Grenzen ihrer bislang erreichten Besiedlung ausdehnen“ (BRAKE 2001, S. 15). Folglich wächst die Zahl der Bevölkerung in den Umlandgemeinden, wobei die Bevölkerung in der Stadt abnimmt. In den USA begann dieser Prozess ab 1830, und in Europa ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (HEINEBERG 2006, S. 57). Jährlich verlieren die großen deutschen Städte durch die Suburbanisierung Einwohner an ihr Umland (SCHÖNERT 2003). Somit gewinnt das Umland an Bedeutung, wobei gleichzeitig die Bedeutung der Kernstadt abnimmt. Es gibt in Deutschland jährlich eine Abwanderungsquote aus den Städten von ca. 0,5% der Gesamtbevölkerung. Folglich sind in 20 Jahren 10% der Bevölkerung aus der Stadt ins Umland abgewandert (SCHÖNERT 2003). Aufgrund der Abwanderung gibt es in der Stadt keine Zentralisation mehr. Somit entsteht ein Verlust von Zentralität in der Kernstadt. Die Zentralität der Stadt wird in Frage gestellt, und nimmt ab (BRAKE 2001, S. 21). Es kommt zu
3
einer Dezentralisierung bzw. Dekonzentration von Bevölkerung (Wohnsuburbanisierung), Produktion (Gewerbe - oder Industriesuburbanisierung) und Handel und Dienstleistungen (tertiäre Suburbanisierung) (HEINEBERG 2006, S. 44). Es bilden sich so genannte Speckgürtel um die Stadt herum, wobei eine Selektion einkommensstärkerer Bevölkerung zugunsten des Umlandes eintritt, was mit der Suburbanisierung einhergeht (BRAKE 2001, S. 21). Durch das Sinken der Bevölkerung, der Industrie und des Handels in der Stadt und die Zunahme der Bevölkerung, der Industrie und des Handels im Umland, kommt es zu einem Flächenwachstum. Somit beinhaltet das Schrumpfen des Stadtkerns eine Expansion der Fläche über die Stadtgrenzen hinaus.
B.2. - Die 3 Formen der Suburbanisierung
B.2.1. - Suburbanisierung des Wohnens
Bei der Suburbanisierung des Wohnens (oder der Bevölkerungssuburbanisierung) handelt es sich um den Prozess der Verlagerung des Wohnorts aus dem Stadtkern ins Umland. Bedingt durch Rückwanderungen von Flüchtlingen und dem Zuzug von Vertriebenen kommt es zu einer raschen Zunahme der Bevölkerung in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg (ZEHNER 2001, S. 135). Hinzu kam ein genereller Bevölkerungsanstieg in der Nachkriegszeit und eine höhere Mobilität durch die Massenmotorisierung, die wiederum durch „den zunehmenden Wohlstand der Bevölkerung begünstigt wurde“ (ebd., S. 135). Dies sind die ersten Beweggründe zur Abwanderung in die vorstädtischen Regionen. Selbst im 19. Jahrhundert waren diese Bedingungen gegeben, doch war zu dieser Zeit dem überwiegenden Teil der Bevölkerung eine Abwanderung nicht möglich, aufgrund fehlender finanzieller Mittel (ZEHNER 2001, S. 136). Dies bedeutet, das der suburbane Raum schon vor dem Einsetzen des Prozesses der Suburbanisierung nach dem zweiten Weltkrieg Standortvorzüge besaß, das aber der Wohlstand der Bevölkerung zur Realisierung der Abwanderung fehlte. Somit waren bereits im 19. Jahrhundert Suburbanisierungstendenzen vorherzusehen. Der schon in Kapitel B.1. genannte Begriff Speckgürtel kann ich zwei Sichtweisen symbolisch betrachtet werden. Zum einen trifft der Begriff Speckgürtel zu, da überwiegend wohlhabende Familien der Mittelschicht in diesem Umlandsbereich der Stadt leben (REGIONALVERBAND 2008), generell gefasst wohnen dort höhere soziale Schichten. Zum anderen deutet dieser Begriff darauf hin, dass hier sich das Stadtgeschehen mehr und mehr konzentrieren wird, bedingt durch die Abwanderung aus der Stadt. Vor allem Pendler wohnen in diesen vorstädtischen Bereichen, die zur Innenstadt pendeln (HEINEBERG 2006, S. 111).
4
B.2.2. - Suburbanisierung der Industrie und des Handels- und Dienstleistungsgewerbes
Die Suburbanisierung der Industrie ist der Prozess der Verlagerung der Produktionsstätten aus dem Stadtkern in das Umland. Es ist somit eine Standortverlagerung zu dezentralen Lagen oder eine Neugründung am Rand der Stadt (HEINEBERG 2006, S. 187). Dies betrifft auch Dienstleistungs- und Einzelhandelseinrichtungen (ebd., S. 187). In der Industrie liegt nicht nur eine Verschiebung der Produktionsstätten vor, sondern auch die Verlagerung der Arbeitsplätze in das Umland. Im Unterschied zum Handels- und Dienstleistungsgewerbe ist die Industrie nicht an die Wohnsuburbanisierung gebunden. Die
Dienstleistungssuburbanisierung kann durch die Wohnsuburbanisierung beeinflusst werden, da die Verlagerung des Wohnorts auch zu einer Verlagerung des Handels führt, bedingt dadurch, dass das Handels- und Dienstleistungsgewerbe an Verbraucher (die Bevölkerung) gekoppelt ist. Das Handels- und Dienstleistungsgewerbe ist an die Nähe zur Wohnbevölkerung angewiesen, während die Industrie durch überregionale
Marktverflechtungen verfügt, und keine direkte Abhängigkeit zur lokalen Bevölkerung aufweist (ZEHNER 2001, S. 141). Da sich durch die Wohnsuburbanisierung neue vorstädtische Regionen bilden, wird das Handels- und Dienstleistungsgewerbe auch an diese Standorte abwandern zur Erschließung neuer bzw. zur Substitution der alten städtischen Verbraucherkreise. Bedingt durch den Prozess der Wohnsuburbanisierung erfolgt die (Einzel-)Handels und Dienstleistungssuburbanisierung als Folge- und Ergänzungsbedarf des Wohnens im suburbanen Raum (BRAKE, 2001, S. 16). Innerstädtische kleine Läden werden immer unwichtiger, wobei großflächige, meist suburbane Gewerbeflächen mit multiplen Einkaufsmöglichkeiten die Konsumenten anzieht, und dazu führt, dass es in den Städten immer weniger bis gar keine kleinen Fachgeschäfte mehr geben wird. Neben der ergänzenden Suburbanisierung des Handels- und Dienstleistungsgewerbes gibt es ebenso die unabhängige Handels- und Dienstleistungssuburbanisierung. In diesem Fall wandert das Gewerbe in vorstädtische Siedlungen bzw. es ergründen sich ganze Shopping Malls, Einkaufszentren, Gewerbegebiete und Freizeitangebote. In den alten Bundesländern setze dieser Trend schon seit 1964 ein. Dort entstanden Shopping Center am Rande von Großstädten auf der „Grünen Wiese“ (periphere Standorte), was sagen soll, das diese Shopping Center nicht städtebaulich integriert sind, aber verkehrgünstig gelegen sind und ein großes Parkraumangebot bieten (HEINEBERG 2006, S. 188).
5
Arbeit zitieren:
Milena Pollmanns, 2009, Suburbanisierung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Suburbanisierung in Deutschland: Ursachen, Entwicklung und Folgen
Soziologie - Wohnen, Stadtsoziologie
Hausarbeit, 23 Seiten
Suburbanisierung - Verlauf in Ost- und Westdeutschland (Bsp. Mainz)
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Hausarbeit, 12 Seiten
Gorbatschow und die deutsch-sowjetischen Beziehungen am Vorabend der W...
Politik - Internationale Politik - Region: Russland, Länder der ehemal. Sowjetunion
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Milena Pollmanns's Text Suburbanisierung ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Milena Pollmanns hat den Text Suburbanisierung veröffentlicht
Milena Pollmanns hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare