Inhalt
I. Einleitung. 1
II. Multinationale Unternehmen 2
III. Die Kritik der Globalisierungsgegner 2
IV. Faktor Umwelt im Heckscher-Ohlin-Modell. 3
V. Wirkungskanäle auf den Grad der Umweltverschmutzung. 4
VI. „Race to the Bottom“- und „Pollution-Haven“- Hypothese 5
V.1 Kritik an der „Race to the Bottom“- und „Pollution-Haven“-
HYPOTHESE 6
V.2 Empirische Ergebnisse 7
VII. Einkommen und Umweltschutz. 9
VIII. Die Auswirkung von FDI 11
IX. Lösungsansätze für eine Reduzierung der Umweltverschmutzung 13
X. Fazit 14
I. EINLEITUNG
Die facettenreichen ökonomischen, kulturellen, sozialen und insbesondere umweltspezifischen Auswirkungen der Globalisierung sind wesentliche Diskussionsaspekte unserer Gesellschaft, was sich beispielsweise an dem großen Medieninteresse an der aktuellen Klimakonferenz in Kopenhagen erkennen lässt. Da es jedoch unmöglich ist das gesamte Spektrum der Umweltdiskussion im Rahmen der Globalisierungsdebatte zu veranschaulichen, soll in dieser Arbeit eine Fokussierung auf die Frage stattfinden, inwieweit Multinationale Unternehmen die Umweltweltverschmutzung in Entwicklungsländern beeinflussen. Globalisierungskritiker und Globalisierungsbefürworter führen eine spannende Diskussion über negative und positive Folgen im Zuge der MNU 1 -Aktivität in Entwicklungsländern und versuchen mit immer neuen Analysen ihre Argumentation zu untermauern. Das Thema erfährt insbesondere auch deshalb zunehmende Brisanz, da das Ausmaß und die Anzahl international tätiger Unternehmen sich seit den 80er Jahren stark vergrößert hat, was sich auch an einem extremen Anstieg ausländischer Direktinvestitionen (FDI 2 ) erkennen lässt. Der Anteil der durch die Entwicklungs- und Schwellenländer attrahierten FDI ist ebenfalls in den 90er Jahren gegenüber den 70er und 80er Jahren stark gestiegen. Nicht vernachlässigt werden sollte, dass nachhaltiges Wirtschaften und die Rücksichtnahme auf Umweltauswirkungen zwischen MNU stark variieren können. Ziel dieser Arbeit soll es sein den aktuellen Stand der Forschung über die Wirkung von MNU und den von ihnen getätigten ausländischen Direktinvestitionen in der Diskussion im Rahmen der Umweltverschmutzung in Entwicklungsländern in einer differenzierten Auseinandersetzung widerzuspiegeln. Dabei sollen sowohl die Argumentation der Globalisierungskritiker, als auch die theoretischen Modellüberlegungen der Befürworter von Direktinvestitionen Erläuterung finden. Empirische Untersuchungen sollen als Belege für die kontroversen Meinungen angeführt und thematisiert werden. Abschließend soll auf bestehende Lösungsansätze sowie die Rolle der Nichtregierungsorganisationen und der informierten Öffentlichkeit im Kontext des Umweltschutzes eingegangen werden.
1 Multinationale Unternehmen.
2 Foreign Direct Investments, dt. Ausländische Direktinvestitionen.
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II. MULTINATIONALE UNTERNEHMEN
Der Begriff eines Multinationalen Unternehmens bezeichnet in der vorliegenden Arbeit ein Einzelunternehmen oder eine Gruppe von wirtschaftlichen Einheiten, deren Geschäftstätigkeit nationalstaatliche Grenzen überschreitet. Weltweit existieren heute etwa 65000 Multinationale Unternehmen mit ungefähr 850000 ausländischen Tochtergesellschaften. Das Wirken multinationaler Firmen ist in den vergangenen Jahrzehnten sehr kontrovers bewertet worden, wobei das Spektrum der Ansichten über die Auswirkungen transnationaler Geschäftstätigkeiten von „engines of development“ bis zum anderen Pol der Sichtweise als „tools of exploitation“ reicht. Problemtatbestände sind beispielsweise mangelhafte und ge-sundheitsschädliche Arbeitsbedingungen, Zahlung von Gehältern unterhalb des Existenzminimums, Überschreitung der gesetzlich festgelegten täglichen Arbeitszeit, Unterbindung der gewerkschaftlichen Koalitionsfreiheit, Nutzung von Kinder- und Zwangsarbeit sowie die in dieser Arbeit fokussierte Umweltverschmutzung, in Form von Ausbeutung der Ressourcen und Zerstörung der Biodiversität. 3
III. DIE KRITIK DER GLOBALISIERUNGSGEGNER
Eine auf Freihandel ausgerichtete Welt, so eine verbreitete Meinung von Globalisierungsgegnern, verschärfe die globale Umweltproblematik. Die Ausweitung des Handels und der Produktion führe zu steigendem Energieverbrauch, zunehmender Verschmutzung durch Warentransporte, Abbau und Zerstörung natürlicher Ressourcen. 4 Weiterhin wird argumentiert, dass durch FDI, als Ausprägung der Globalisierung, die Produktions- und Umweltstandards gesenkt werden würden, um unter Kostengesichtspunkten wettbewerbsfähig zu sein. Ferner führe das Unterbieten von Umweltstandards zahlreicher Volkswirtschaften aus Stand-ortattraktivitätsgründen zu einem „Race-to-the-Bottom“, d.h. zu einer Aufweichung der einzuhaltenden Vorgaben und Richtlinien. Ein anderes Schlagwort der Kritiker ist die „Pollution-Haven“-Hypothese (PPH), deren Kernaussage es ist, dass Unternehmen ihre Produktion in Entwicklungsländer verlegen, da diese zum Teil ein „Paradies“ für uneingeschränkte Verschmutzung seien. 5 Multinational agierende Unternehmen sind einer der Träger und Gestalter der Globalisierung, weshalb ein großer Teil der Globalisierungskritiker deren Wirken als ent- 3 Vgl.Ulz (2006). S. 11ff.
4 Vgl. Donges/ Menzel/ Paulus (2003), S. 100.
5 Vgl. Freihandel und Umwelt. (2004), S. 6f.
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scheidendes Moment der Umweltproblematik definiert. Attac 6 fasst dies so zusammen:„Globalisierung ist mehr als Welthandel oder Finanzmarktverflechtung. Wenn Konzerne ohne Rücksicht auf Umweltstandards produzieren, Gemeinschaftsgüter privatisiert werden und die Handlungsfähigkeit der Staaten geschwächt, bedroht dies auch unser Klima oder die letzten Urwälder der Erde. Die Umwelt ist in der Globalisierungsfalle. Ökologische Nachhaltigkeit und globale Gerechtigkeit ist nur möglich, wenn Klimapolitik und Globalisierungskritik zusammen gedacht, wenn soziale und ökologische Fragen miteinander verbunden werden.“ 7 MNU werden von Globalisierungsgegnern auch als Akteure bezeichnet, deren oberstes Ziel es ist die Freiheit zu haben zu produzieren und zu vertreiben, was sie wollen, wo sie wollen und so lange sie wollen sowie Kapital, Personal und Güter ungebunden bewegen zu können. Sie werden außerdem als über dem Gesetz stehend bezeichnet, sollten auch Menschen und Umwelt Schaden nehmen. 8 Balser/ Bauchmüller fassen in ihren Ausführungen zusammen, dass Vorbehalte gegen MNU überall auf der Welt in Mode gekommen seien und bezeichnen MNU als Lieblingsfeinde der Globalisierungsgegner. 9
IV. FAKTOR UMWELT IM HECKSCHER-OHLIN-MODELL
Die Problematik des Faktors Umwelt ist die, dass Umweltgüter nicht privater, sondern öffentlicher Natur sind, was das Zuordnen von Eigentumsrechten sehr erschwert. Aus diesem Grund bildet sich für Umweltgüter kein Markt und damit auch kein Preis. Aus spieltheoretischer Sicht besteht ein Anreizproblem sich an Reglementierungen zu binden, da ein Abweichen der anderen Vertragsparteien bei nicht bestehender Sanktionierung erwartet werden kann. Um diese Problematik einzudämmen, ist aber bereits beispielsweise versucht worden der Zertifikathandel als Internalisierungsinstrument zu implementieren. Das Heckscher-Ohlin-Modell der traditionellen Außenhandelstheorie basiert auf der Annahme unterschiedlicher Faktorausstattungen von Ländern als Ursache für ungleiche Güterpreisverhältnisse und damit für die Bestimmung komparativer Preisvorteile. Die Theorie würde demnach eine Spezialisierung der Länder auf das jeweilige Gut mit dem komparativen Preisvorteil voraussagen. Demnach haben umweltreichere Länder, was im Regelfall Entwicklungsländer sind, einen relativen Preisvorteil für umweltintensiver produzierte Güter. Dies bedeutet aus der Theorie für die
6 Dt.: Vereinigung für eine Besteuerung von Finanztransaktionen zum Nutzen der Bürger.
7 Globalisierung frisst Umwelt. http://www.attac.de/themen/globalisierung-und-oekologie/.
8 Vgl. George, S. (2002). S. 47.
9 Vgl. Balser/ Bauchmüller (2003). S. 22f.
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Realität abgeleitet, dass sich Entwicklungsländer auf die Produktion von umweltbeanspruchenden Gütern spezialisieren bzw. sich als Produktionsstandort für MNU „anbieten“ sollten.
V. WIRKUNGSKANÄLE AUF DEN GRAD DER UMWELTVERSCHMUTZUNG
Globalisierung bzw. die Aktivitäten von MNU lassen sich in drei Wirkungskanäle auf den Grad der Umweltverschmutzung unterteilen. Der erste in der Literatur genannte Kanal ist ein Mengeneffekt. Das Argument diesbezüglich ist, dass das zunehmende Wirken von MNU zu einer Ausdehnung der Produktion, des Handels und des Transportes führt. Die Folge ist eine verstärkte Umweltverschmutzung. Diese entsteht beispielsweise durch umfangreichere Warentransporte und damit Emissionen, Ressourcenverbrauch für Produktion und Energiegewinnung, Müllentstehung, Wasserverbrauch, Emissionen aus Produktionsprozessen, Rodungen und zahlreichen anderen Gründen. Als zweiter Kanal wird der Effekt auf die Zusammensetzung der produzierten und gehandelten Güter innerhalb eines Landes angeführt. Nach der Theorie von Heckscher-Ohlin spezialisieren sich Länder gemäß ihrem komparativen Kos-tenvorteil auf die Produktion bestimmter Güter. Dies kann an dieser Stelle auch als eine Verlagerung von Produktionskapazitäten durch FDI an Standorte verstanden werden, die einen entsprechenden Vorteil besitzen, sich beispielsweise durch weniger reglementierte Umweltschutzauflagen auszeichnen und damit geringe Kosten bei den MNU erzeugen. Für die Praxis würde dies eine entsprechende Standortverlagerung umweltverschmutzender Industrien in Entwicklungsländer bedeuten. Der dritte Kanal ergibt sich aus dem sogenannten Technologieeffekt. Es wird angenommen, dass eine außenwirtschaftliche Öffnung und damit verstärkter Handel bzw. der Zufluss von Direktinvestitionen sich auf das gesamtwirtschaftliche Produktionsniveau auswirken. Unter dieser Betrachtung wird davon ausgegangen, dass sich dadurch die Umweltbelastung pro Outputeinheit verringert. Als Begründung wird angeführt, dass MNU moderne Technologien durch FDI auch im Zielland einsetzen würden und diese weniger verschmutzungsintensiv seien. Außerdem würde inländischen Firmen durch die Öffnung zum globalen Markt die Möglichkeit gegeben ausländische Hochtechnologie zu erwerben. Insgesamt, so wird behauptet, führen der globale Handel und die Investitionen von MNU zu einem Anstieg des Wohlstands und dadurch zu einem gesteigerten Interesse an Umweltstandards. Dieser Zusammenhang wird im Rahmen der Kuznet-Kurve im Verlauf der Arbeit erörtert werden. 10
10 Vgl. Donges/ Menzel./ Paulus (2003), S. 100ff.; Monteiro (2009), S. 3.
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Arbeit zitieren:
Markus Rhöse, 2010, Ausländische Direktinvestitionen multinationaler Unternehmen in Entwicklungsländern verschärfen die Umweltproblematik?!, München, GRIN Verlag GmbH
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