Sigmund Freuds Sexualtheorie, die auch Kindern und sogar Säuglingen einen Geschlechtstrieb zuschreibt und somit Anfang des 20. Jahrhunderts die Existenz der infantilen Sexualität beweist, stieß anfangs auf Ablehnung und Empörung. Kinder wurden als asexuelle Wesen angesehen, die, der allgemeinen Ansicht zufolge, keinen Sexualtrieb benötigten, da sie biologisch noch nicht zur Fortpflanzung fähig sind. Freud wollte mit diesem Irrglauben brechen und verwies in seinem Werk „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ auf die Bedeutung der Infantilen Sexualität und warum man sie nicht verschweigen sollte. Denn Freud betont die Wichtigkeit des Sexualtriebes für das Seelenleben des Menschen, wonach die sexuelle Entwicklung ausschlaggebend ist für die spätere Sexualität, aber auch für psychische Krankheiten, wie Neurosen. Deshalb spricht man auch oft von der psychosexuellen Entwicklung. Aber kann man bei Kindern im Vorschulalter schon von Sexualität sprechen? Wie definiert Freud eigentlich den Sexualitätsbegriff? Um diese Fragen zu beantworten, werde ich auf Textauszüge vom oben genannten Werk von 1905, sowie auf das 1916/17 publizierte Werk „Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse“ zurückgreifen.
Die infantile Sexualität lässt sich schon im Säuglingsalter nachweisen und beschreibt eine Zeitspanne bis zur Pubertät. Der Sexualtrieb wird von Freud als Kraft angesehen, die schon bei Kleinkindern vorhanden ist. Diese Sexualität dient allerdings nicht der Fortpflanzungsfunktion, sondern der Lustbefriedigung. Dies ist auch der Grund, weshalb Freud zwischen sexuell und genital unterscheidet. Sexuell bezeichnet sämtliche sexuelle Aktivitäten, die sich nicht nur auf die Genitalien beziehen. Im Grunde sind geschlechtliche Tätigkeiten, die nicht den Zweck der Fortpflanzung erfüllen, pervers. Diese Perversionen sind jedem gegeben, da sie angeboren sind. Demnach besitzen auch Säuglinge die Fähigkeit zur Perversion, die die Wurzel des Sexualtriebes bildet (Freud,1905,S.73). Wenn sich dies zum Hauptträger des Sexuallebens entwickelt, sind sie hauptsächlich perverse Triebe. Wenn sie aber unterdrückt und verdrängt werden, können sie zu Krankheitssymptomen führen. Es gilt also den Mittelweg zu einem
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normalen Sexualleben zu finden. Die Keime der Perversionen lassen sich nur beim Kind feststellen und dessen Regungen beobachten, da seine Geschlechtsmerkmale noch nicht ausgereift sind um der Fortpflanzung zu dienen. Deshalb ist es auch bedeutend, die Libidoentwicklung des Kindes zu studieren, um Aussagen über die spätere Sexualität und Psyche des Menschen treffen zu können. Leider ist dies oft nicht so einfach, da der Großteil der gelebten oder erfahrenen eigenen infantilen Sexualität vergessen oder verdrängt wird. Das kann konventionell erzieherische Gründe haben. Freud zufolge ist das Vergessen auf die infantile Amnesie zurückzuführen (Freud,1905,S.77), die unter Umständen auch eine hysterische Amnesie zur Folge haben kann. Dieses Argument kann als Begründung für das damalige Leugnen der Existenz der infantilen Sexualität gesehen werden.
Die Infantile Sexualität gliedert sich in Entwicklungsphasen, die sich ungefähr zeitlich eingrenzen lassen. Sie beginnt mit der Geburt, bis sie das eigentliche Ziel, das normale Sexualleben der Erwachsenen, als Ausgang der Entwicklung, erreicht hat. Die Phasen durchläuft jeder Mensch und es zeigen sich auch nur Andeutungen des Sexualtriebes, der bloß in psychischen Krankheitsfällen aktiviert wird. Das infantile Sexualleben ist durch die prägenitale Sexualorganisation gekennzeichnet, da hier die Genitalien weder ganz ausgebildet sind, noch ihre eigentliche Rolle einnehmen (Freud,1905,S.99). Die erste Phase, die der Säugling durchläuft, nennt man orale oder kannibalische Phase. Die Sexualtätigkeit wird hier, durch die Natur gegeben, mit einer anderen lebenswichtigen Aktivität gleichgesetzt; nämlich der Nahrungsaufnahme über die Mutterbrust. Somit wird das Sexuelle daran oft übersehen oder einfach ignoriert. Aber das Objekt der Nahrungsaufnahme ist gleichzeitig das Objekt der Libido, dessen Einverleibung hier das Sexualziel ist (Freud,1905,S.99). Das Ende dieser Phase wird durch das Lutschen bestimmt, wo sich der Säugling von der Mutter unabhängig macht und seine Libidotriebe nicht auf ein fremdes Objekt, sondern auf den eigenen Körper richtet (autoerotisch). Das Lutschen oder Ludeln an einer Stelle am eigenen Körper gilt als klassische Äußerung der infantilen Sexualität. Dabei sind die rhythmisch wiederholten
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Arbeit zitieren:
Carolin Strohm, 2008, Warum nennt Freud die infantile Sexualität sexuell?, München, GRIN Verlag GmbH
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