Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis S.1
I Einleitung S.2
II Hauptteil S.5
1 Lerntheorien S.5
1.1 Behaviourismus S.5
1.2 Kognitivismus S.8
1.3 Konstruktivismus S.10
1.4 Fazit für diese Arbeit S.11
2 Multimediale Lernsoftware S.14
2.1 Multimedia - Definitionen und Kriterien S.14
2.2 Lernsoftware und ihre didaktischen Funktionen S.16
3 Begriffsklärung S.19
4 Spüren - Bewegen - Lernen: Die kindliche Entwicklung S.20
4.1 Pränatale Entwicklung S.21
4.1.1 Taktile Wahrnehmung S.21
4.1.2 Vestibuläre Wahrnehmung S.22
4.1.3 Auditive Wahrnehmung S.22
4.1.4 Visuelle Wahrnehmung S.23
4.2 Körpermotorik und Reflexe S.23
4.2.1 Erstes Beugestadium: 1.-7. Lebenswoche S.24
4.2.2 Erstes Streckstadium: 7.-12. Lebenswoche S.27
4.2.3 Zweites Beugestadium: 4.-6. Lebensmonat S.28
4.2.4 Zweites Streckstadium: 7.-9. Lebensmonat S.30
4.2.5 Sitzen, Stehen, Laufen: 10.-12. Lebensmonat S.32
4.3 Sexualität S.34
4.4 Das kindliche Beziehungsverhalten im 1. Lebensjahr S.34
4.5 Rückschlüsse für die Gruppeneinteilung in der Praxis S.35
5 Warum Babyschwimmen? S.38
5.1 Psychomotorisch-affektive Ziele S.39
5.2 Soziale Ziele S.40
5.3 Kognitive und motorische Ziele S.41
5.4 Individuelle Ziele - methodische Ansätze S.42
6 Hygiene und Krankheitsverhütung beim Babyschwimmen S.44
6.1 Kranke Säuglinge im Wasser S.44
6.2 Präventionsmaßnahmen beim Babyschwimmen S.45
6.2.1 Kleidung S.45
6.2.2 Wasserqualität- und Temperatur S.46
7 Eigenschaften des Wassers S.48
7.1 Auftrieb S.48
7.2 Widerstände S.51
7.2.1 Wellen- und Frontalwiderstand S.51
7.2.2 Reibungswiderstand S.52
7.2.3 Druckwiderstand S.53
7.3 Wasserdruck S 53
7.4 Sehen und Hören unter Wasser
7.5 Folgerungen für das Babyschwimmen
8 Zum Einsatz von Schwimmhilfen
8.1 Die Schwimmflügel 8.2 Die Schwimmscheiben 8.3 Der Schwimmreifen 8.4 Die Schwimmsprosse 8.5 Die Poolnudel
9 Vorgehensweise beim Babyschwimmen
9.1 Vorbereitung in der Badewanne 9.2 Griffe-ABC 9.2.1 Einhändige Halte- und Tragegriffe 9.2.2 Beidhändige Halte- und Tragegriffe 9.3 Tauchen - ja oder nein? 9.3.1 Vorteile 9.3.2 Nachteile 9.3.3 Tauchtechniken
9.4 Stundenbeispiel für Säuglinge im Alter von 4-6 Monaten: „Die Delfinis“ S.85
10.1 Farbauswahl und Oberflächengestaltung 10.2 Warum keine Verknüpfung von Text und Ton?
11 Evaluation der Lernsoftware
11.1 Definition von Evaluation 11.1.1 Formative Evaluation 11.1.2 Summative Evaluation
11.2 Evaluation der Lernsoftware „Babyschwimmen - Ganzheitliche Entwicklungsförderung im 1. Lebensjahr“
11.2.1 Versuchspersonen und Ablauf der Überprüfung 11.2.2 Korrelationen 11.2.3 Ergebnisse
11.2.3.1 Häufigkeitsverteilung zum Fragebogen 11.2.3.2 Ergebnisse der berechneten Korrelationen 11.2.4 Fazit
III Resümee S.105
IV Literaturverzeichnis S.108
V Abbildungsverzeichnis S.112
VI Tabellenverzeichnis S.114
VII Anlage S.116
Schlußbemerkung
Abkürzungsverzeichnis 1
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung Aufl. Auflage Bd. Band bspw. beispielsweise ca. circa cm Centimeter Diss. Dissertation Ebd. Ebenda evtl. eventuell ggf. gegebenenfalls insges. insgesamt Kap. Kapitel m Meter o.ä. oder ähnliche PC Personal Computer S. Seite s.o. siehe oben sog. so genannte u.a. unter anderem vgl. vergleiche WWU Westfälische Wilhelms-Universität www world wide web z.B. zum Beispiel
Einleitung.doc 2
I Einleitung
Wie die Entwicklung der Technik in den letzten zehn Jahren zeigt, nimmt die Bedeutung von Computern und mobiler Kommunikation stetig zu. Das Internet findet immer mehr Einzug in Privathaushalte. Die „Kinder des 21. Jahrhunderts“ werden mit diesem Medium bereits groß: Einkaufen und Verkaufen über das weltweite Netzwerk, Homebanking und Online-Partnersuche sind bereits zum Standard der jungen Generation geworden, und e-learning wird mit steigender Begeisterung bereits an Grundschulen gefördert. So ergab eine Fraunhofer-Studie zum Thema „Mediennutzung der Zukunft im privaten Sektor“ von 1998, daß bis zum Jahre 2009 die Nutzung netzbasierter Medien in allen Haushalten verfügbar sein soll. 1
Auch im Bundesministerium für Bildung und Forschung nimmt die Förderung von Bildungssoftware einen immer größer werdenden Platz ein. So forderte Bundesministerin Edelgard BUHLMAHN 2002:
„Von entscheidender Bedeutung ist die Entwicklung von Bildungssoftware mit einer hohen didaktischen Qualität. [...] Deshalb will ich eine anwendungsorientierte gezielte Förderung der Entwicklung von Bildungssoftware. Mein Ziel ist es, einen Beitrag zu leisten, daß Deutschland im Bereich des computergestützten Lehrens und Lernens weltweit in eine Spitzenposition hineinwächst und dabei die neuen Möglichkeiten des Internet voll ausschöpft.“ 2
Doch nicht nur in der Schule wird das Lernen am PC gefördert, auch im Berufsalltag wird die private Fort- und Weiterbildung am Computer immer mehr vom Arbeitgeber gefordert und somit zur Selbstverständlichkeit: „In immer mehr Berufen werden in immer kürzeren Zyklen neue Maschinen, Methoden, Verfahren und Prozesse eingeführt. Dies zwingt die Arbeitnehmer in solchen Berufsfeldern zu einer ständigen Wissensaufnahme, einer Form von Weiterbildung, die zum Teil als inzidentelles Lernen ‘on the Job’ auftritt, teilweise in formalen Weiterbildungsmaßnahmen arrangiert wird. Diese Beobachtungen haben die These vom lebenslangen Lernen begründet.“ 3
Da die Kosten für Einwahl und Benutzung des weltweiten Netzwerkes nach SCHULMEISTER jedoch bei einer realistischen Online-Lernzeit von 60-200 Stunden auf Dauer zu hoch sind, sieht er die Lösung in CD-ROMs:
1 Vgl. SCHULMEISTER, R.: Grundlagen hypermedialer Lernsysteme. Theorie-Didaktik-Design.
3. Aufl. München/ Wien/ Oldenbourg 2002. (Künftig zitiert: SCHULMEISTER: Lernsysteme.) S.32
2 BULMAHN, E. zitiert nach: SCHULMEISTER: Lernsysteme. S.21
3 Ebd. S.363
Einleitung.doc 3
„Es ist deshalb zwangsläufig, daß sich eine Scheidelinie herausbilden wird zwischen dem Internet als Informationsangebot (für Recherche und Ressourcen) und den interaktiven Lernangeboten, die auf CD-ROM verteilt oder im Präsenzstudium (z.B. in Mediotheken, Sprachenzentren) genutzt werden. Es werden sich Mischformen herausbilden, die das Internet zum Aktualisieren der CD-ROM nutzen.“ 4
In Anbetracht dieser Entwicklungen ist die Erstellung einer multimedialen Lernsoftware zum Thema „Ganzheitliche Entwicklungsförderung durch Babyschwimmen im 1. Lebensjahr“ durchaus eine logische Konsequenz. Die Software bietet den Eltern die Möglichkeit zur Fortbildung und das von zuhause aus. Sie lernen, ihr Kind selbst optimal fördern zu können, und der Besuch von offiziellen Babyschwimmkursen kann anschließend auf ein Minimum reduziert werden. Dies bedeutet für junge Familien eine finanzielle Entlastung, denn im Durchschnitt liegen heutzutage die Kosten für einen Babyschwimmkurs, bestehend aus zehn Einheiten inklusive Badbenutzung, im deutschsprachigen Raum bei 60-120!. 5
Die Zielgruppe der beiliegenden Software ist klar definiert: Sie soll angehende Kursleiter und Eltern von Neugeborenen ansprechen, die sich für das Eltern-Kind-Schwimmen im 1. Lebensjahr interessieren und sich darüber informieren möchten. Ihnen soll außerdem ein ausreichendes Basiswissen vermittelt werden, um gegebenenfalls selbständig mit ihrem eigenen Kind Schwimmstunden durchführen sowie Entwicklung und Bewegung des Kindes aktiv fördern zu können. 6 Die Lernsoftware ist allerdings nicht als professionelle Ausbildung zum Babyschwimmlehrer gedacht.
Um eine geeignete Basis für die Arbeit zu schaffen, wird zunächst eine Definition von „Multimedia“ erarbeitet, und es werden die Kriterien bestimmt, die nach heutigem Verständnis erfüllt sein müssen, um von einer multimedialen Arbeit zu sprechen. Weiterführend werden die didaktischen Funktionen einer Lernsoftware näher erläutert.
Der inhaltliche Teil dieser Arbeit, der sich konkret mit der Praxis des Babyschwimmens beschäftigt, berücksichtigt sowohl sportwissenschaftliche,
4 Ebd. S.358
5 Anm.: Ausfälle durch Krankheit oder Unwohlsein des Kindes werden meist nicht ersetzt, die Stunden können aber nachgeholt werde. (N.Sch.) Dies ergab eine Recherche im www. Vgl.: im Literaturverzeichnis angegebene Homepages zum Babyschwimmen
6 Anm.: Der Vorteil, wenn Eltern ihr Kind selbst unterrichten liegt darin, daß sie es genau kennen, wissen, wie es reagiert und das Problem des „Fremdelns“ nicht auftritt. (N.Sch.) Vgl. WAEGNER, N.: Babyschwimmen. S.81.
Einleitung.doc 4
biomechanische und medizinische Grundlagen, als auch pädagogischsoziologische Aspekte.
Den dritten Teil der Arbeit bilden zwei kleinere empirische Untersuchungen. Mithilfe von Fragebögen wurden einerseits Eltern zur Qualität der beiliegenden Software befragt, gleichzeitig wurden Sportmediziner und Kinderärzte aus Münster und Umgebung um ihre Meinung zum Thema „Babyschwimmen“ gebeten. Wie die Ergebnisse zeigen, stellt die Lernsoftware eine gute Alternative zu den üblichen Medien und Publikationen dar, und das Babyschwimmen kann einen entscheidenden Beitrag bei der ganzheitlichen Entwicklungsförderung von Säuglingen im 1. Lebensjahr liefern. 7
7 Anm.: Aus Gründen der Vereinfachung und besseren Übersicht werden in der folgenden Arbeit alle Altersangaben zu den Säuglingen nicht ausgeschrieben, sondern durch Zahlen abgekürzt. Aus den selben Gründen wird auch auf die explizite Erwähnung beider Geschlechter verzichtet: Die männliche Form eines Wortes (z.B. Kursleiter) soll in jedem Fall die weibliche mit einschließen. Aus praktischen Gründen wird auch die beiliegende Software im folgenden Text und unter Abbildungen verkürzt mit dem Titel „Babyschwimmen in 1. Lebensjahr“ angegeben. (N.Sch.)
Lerntheorien 9
„Das typische Paradigma dieses Ansatzes ist das der Problemlösung: Es geht nicht darum, auf gewisse Stimuli die (einzig) richtige Antwort zu produzieren, sondern weit allgemeiner darum, richtige Methoden und Verfahren zur Problemlösung zu lernen, deren Anwendung dann erst die (eine oder mehreren) richtigen Antworten ergeben.“ 17
Abb. 5: Lernmodell des Kognitivismus (schematisch)
(BAUMGARTNER/ PAYR: Lernen mit Software. S.105)
Beim Lernen mit Software finden die Ansätze des Kognitivismus besonders bei so genannten „Intelligenten Tutoriellen Systemen“ ihre Anwendung. Mit Hilfe solcher Software sollen dem Anwender auf meist spielerische Art spezifische Sachverhalte vermittelt werden (z.B. Anwenderprogramme für andere Software). 18
Durch einen hohen Grad an Interaktivität kann der Nutzer selbst bestimmen, wo er anfangen oder welche Teile der Software er überspringen und auslassen möchte. Zudem versucht die Software sich auf den Lernenden „einzustellen“, indem sie eine Analyse seiner Antworten vornimmt und daraufhin das weitere Vorgehen vom Programm festgelegt wird. KERRES relativiert jedoch den Nutzen eines solchen Programmes, indem er bemängelt, dass die Software bei der Beurteilung der Antworten nicht zwischen Flüchtigkeitsfehlern und Verständnisproblemen unterscheiden kann. 19
Genau an dieser Stelle greift die Idee des entdeckenden Lernens. Hierbei soll nicht das Programm den Lernweg festlegen, sondern der Lernende selbst steuert
17 BAUMGARTNER/ PAYR: Lernen mit Software. Innsbruck 1999. (Künftig zitiert: BAUMGARTNER/ PAYR: Lernen mit Software.) S.105
18 Vgl. KERRES: Medienentscheidung. S.72f.
19 Vgl. ebd. S.73
Lerntheorien 10
seinen Lernprozess. Oberstes Ziel ist nach EDELMANN die „Ausbildung von Problemlösefähigkeit“ 20 .
Für die Anwendung in einer Software bedeutet dies, daß dem Lernenden große Freiheit bei der Problemlösung und Navigation gelassen werden muß. Nur so kann der Lernende Wege und Strategien im Umgang mit dem Programm selbst wählen. 21 Besonders für selbstsichere und kompetente Lerner stellt das entdeckende Lernen somit einen positiven Ansatz für effektives Lernen dar. Ängstliche und misserfolgsorientierte Benutzer hingegen profitieren eher vom angeleiteten Lernen des Behaviorismus.
1.3 Konstruktivismus
Obwohl der Konstruktivismus bereits auf den Philosophen VICO aus dem 18. Jahrhundert zurückgeht, findet er erst seit den achziger Jahren diese Jahrhunderts seine konsequente Anwendung im didaktischen Design von Lernangeboten. 22 Die Konstruktivisten gehen davon aus, dass sich jedes Individuum seine eigene Realität selbst schafft und lehnen folglich eine objektive Beschreibung oder Erklärung der Realität ab. Auch Sinneswahrnehmungen werden nicht als objektive Abbilder sondern als subjektive Konstruktionen gesehen. Diese beruhen immer auf dem Vorwissen des Individuums und werden in Bezug zu diesem konstruiert. Deswegen erachten es Konstruktivisten als sinnvoll, stets in authentischen (realen) Situationen zu lernen und sie betrachten Wissen als Verknüpfung von Informationen und Konstrukten. Beim Lernen handelt es sich um einen aktiven und kreativen Prozess, bei dem der neue Input mit bereits bestehenden Konstrukten (entstanden durch bisherige Erfahrungen) verglichen wird, und er dann entweder an diese Konstrukte angepasst oder neu gebildet wird. 23
Lernen kann im Konstruktivismus nicht mehr auf das Wiederholen von Reiz-Reaktions-Schemata wie im Behaviorismus reduziert werden: „Für den Konstruktivismus ist der menschliche Organismus ein informell geschlossenes
20 EDELMANN, W: Lernpsychologie. Weinheim 2000. S.141
21 Vgl. SCHULMEISTER: Lernsysteme. S.72
22 Vgl. BLUMSTENGEL (1998) in http://dsor.upb.de
23 Vgl. HOLZINGER: Basiswissen Multimedia 2. S.146f.
Lerntheorien 11
System, welches auf zirkulärer Kausalität und Selbstreferentialität beruht und autonom strukturdeterminiert ist.“ 24
Abb. 6: Lernmodell des Konstruktivismus (schematisch)
(BAUMGARTNER/ PAYR: Lernen mit Software. S.108)
Bei der wenigen konstruktivistisch geprägten Software, die es bisher auf dem Markt gibt, handelt es sich hauptsächlich um Computerspiele, in denen der Spieler eigene Mikrowelten erschafft. In ihnen lässt er komplexe Simulationen ablaufen und ändert dafür verschiedene Parameter der Software. Laut SÜßENBACHER liegt das Lernziel solcher Spiele darin, die charakteristische Dynamik des jeweiligen Systems kennenzulernen, um dann positiv auf das System einwirken zu können. 25
1.4 Fazit für diese Arbeit
Abschließend bleibt festzuhalten, dass Lerntheorien lediglich beschreibenden Charakter besitzen und nicht herangezogen werden, um für ein Individuum die geeigneteste Lernstrategie zu ermitteln. Es ist nie auszuschließen, dass sich der Lernende verschiedene Strategien beim Wissenserwerb zu Nutze macht. Hiervon ist sogar eher auszugehen: Auch wenn Art und Aufbau der Inhaltspräsentation die Lernsoftware maßgeblich prägen, entscheidet doch jeder Nutzer subjektiv, wie er mit den Informationen umgeht und inwiefern er sie erarbeitet oder abspeichert.
24 BAUMGARTNER/ PAYR: Lernen mit Software. S.107
25 Vgl. SÜßENBACHER, W.: Software-Bildung. Innsbruck 1997. S.54
Lerntheorien 12
Aus diesem Grund wurden für die beiliegende Lernsoftware, mit der sich der Lernende insbesondere auf kognitiver Ebene auseinandersetzen muss, alle drei Hauptströmungen der Lerntheorien berücksichtigt.
Indem vor der Menüseite der Software ein erklärender Teil mit Empfehlungen zur Lernreihenfolge steht, wird allen mißerfolgsängstlichen Lernenden ein grober Rahmen zum angeleiteten Lernen gegeben. Dies entspricht den behavioristischen Prinzipien. (siehe hierzu Abb. 7)
Abb. 7: Einführung zum angeleiteten Lernen der beiliegenden
Lernsoftware „Babyschwimmen im 1. Lebensjahr“ (N. Sch.)
Ansonsten baut die Software vor allem auf dem Konzept des entdeckenden Lernens auf, welches erwiesenermaßen für motivierte und kompetente Lernende von Vorteil ist. Es sorgt mit seinen verschiedenen eingebundenen Medien für zusätzliche Motivation und bietet durch zahlreiche Verlinkungen (Schaltflächen) die Möglichkeit zum individuellen Lernen (siehe dazu Abb. 8).
Abb. 8: Beispielseiten mit zahlreichen Schaltflächen (Verlinkungen) aus
„Babyschwimmen im 1. Lebensjahr“ (N. Sch.)
Lerntheorien 13
Da sich der Benutzer einige Sachverhalte verdeutlichen sowie Halte- und Grifftechniken selbständig und aktiv üben sollte, wird allerdings auch eine Art Interaktion zwischen Software und Lernendem möglich. Bei Fragen kann er jederzeit gezielt Details nachlesen und anhand von Videosequenzen und Fotobeschreibungen seine Bewegungen überprüfen und üben (siehe dazu Abb. 9).
Abb. 9: Beispielseite zur Interaktion zwischen Lernendem und
Software aus „Babyschwimmen im 1. Lebensjahr“ (N. Sch.)
Multimediale Lernsoftware 14
2 Multimediale Lernsoftware
2.1 Multimedia - Definitionen und Kriterien
Seit Mitte der Achziger Jahre des 20. Jahrhunderts hält der Begriff „Multimedia“ immer mehr Einzug im menschlichen Sprachgebrauch. In seinen Anfängen bezeichnete er die Kombination verschiedener Medien, d.h. im besten Fall die Kombination von Text, Bild und Ton. FELDMAN definiert 1994 Multimedia als „seamless integration of data, text, images of all kinds and sound within a single, digital information environment.“ 26 Multimedia meinte also lediglich die Kombination digitaler Daten durch einen Computer oder die technische Integration auf einem digitalen Datenträger, beispielsweise einer CD-ROM. Diesen Ansatz kritisiert BRÄUER und setzt einen verbindlichen Gesamtzusammenhang voraus: „Nur die sinnvolle Kombination, die einen Inhalt unterstützt, hat einen Reiz.“ 27 Doch auch bei diesem Ansatz fehlt noch der Aspekt der Interaktivität, ohne den NEGROPONTE 28 eine Definition von Multimedia als unzureichend ansieht und dem ISSING und KLIMSA eine große Bedeutung für die Didaktik zuschreiben: „Als ein wesentliches Potential digitaler Multimedia-Systeme gelten erweiterte und neue Möglichkeiten der Interaktivität. Es ist vor allem dieses Merkmal, das sie für didaktische Zwecke besonders interessant erscheinen lassen.“ 29
Die beiden Autoren verstehen Multimedia als ein Konzept, dass nicht nur digitale Medien, sondern auch die gesamte technische und anwendungsbezogene Dimension integriert, wie Abb. 10 zeigt.
26 FELDMAN, zitiert nach SCHULMEISTER: Lernsysteme. S.19
27 BRÄUER, zitiert nach: RIEHM, U. und B. WINGERT: Multimedia. Mythen, Chancen und Herausforderungen. Mannheim 1995. S.146
28 Vgl. NEGROPONTE, Nicholas: Total Digital. Die Welt zwischen 0 und 1 oder die Zukunft der Kommunikation. München 1997. S.70
29 ISSING, L. und P. KLISMA (Hrsg.): Informationen und Lernen mit Multimedia. 3. Aufl. Weinheim 2002. (Künftig zitiert: ISSING/ KLISMA: Lernen mit Multimedia.) S.32f.
Multimediale Lernsoftware 15
Abb.10: Multimedia als vielfältiges Konzept, das sowohl technische als auch anwendungsbezogene Aspekte integriert und seinen Einsatz in den Bereichen Information, Kooperation, Lernen und Unterhaltung findet (ISSING/ KLIMSA, Lernen mit Multimedia, S.6)
Bis heute haben sich aus den unterschiedlichsten Definitionsansätzen Kriterien für Multimedia herausgestellt, die notwendig sind, um Multimedia als eine „interaktive Form des Umgangs mit symbolischem Wissen in einer computergestützten Interaktion“ 30 zu betrachten:
• Die Daten verschiedener Medien treten integriert auf.
• Der Computer verarbeitet und manipuliert Daten.
• Dem Benutzer werden durch diesen multisensorischen Eindruck interpretierbare Informationen vermittelt.
• Für die Unterscheidung von sequentiellen multiplen Medien und Multimedia ist die Interaktion des Benutzers mit der Software entscheidend.
• Die von Multimedia präsentierten Informationen erhalten ihren Wert erst durch die Interpretation des Anwenders und bilden gleichzeitig Anlässe für weitere eigene kognitive Konstruktionen. 31
Darüberhinaus sollte eine Multimedia-Anwendung einen Mehrwert für das Lernen ergeben. Durch das Ansprechen verschiedener Kanäle beim Lernen, durch
30 SCHULMEISTER: Lernsysteme. S.22
31 Vgl. ebd.
Multimediale Lernsoftware 16
Visualisierung abstrakter Sachverhalte oder die dynamische Darstellung von Prozessen werden z.B. wahrnehmungs- und lernpsychologische Faktoren gebildet. „Der Mehrwert kann aber auch in den von der Multimedia-Umgebung angeregten kognitiven Konstruktionen und Interpretationen des Lernenden bestehen, in der geistigen Auseinandersetzung mit den vorgestellten Inhalten. Dazu gehört auch die Kontextualität, die Einordnung des Inhalts in den weiteren Kontext von Umwelt, Gesellschaft und Geschichte und deren Interpretation durch den Lernenden.“ 32
2.2 Lernsoftware und ihre didaktischen Funktionen
Als Teilgebiet der Didaktik beschäftigt sich die Mediendidaktik mit dem Einsatz von Medien in Lernprozessen. Bei der Planung einer solchen lernprozessoptimierenden Software müssen nach HOLZINGER 33 folgende Aspekte, die alle in Interdependenz zueinander stehen, berücksichtigt werden: Merkmale der Zielgruppe • Festlegung von Lernzielen •
Spezifikation von Lerninhalten •
Auswahl der didaktischen Methode •
Strukturierung des Lernangebotes •
Stezifikation der Lernorganisation •
Merkmale und Funktionen der ausgewählten Medien und Hilfsmittel •
Die Betrachtung der sechs didaktischen Elemetarfunktionen nach STRITTMATTER und NIEGEMANN 34 liefert zudem die Grundlage für die Betrachtungen, inwiefern sich eine multimediale Lernsoftware von anderen Publikationsmöglichkeiten unterscheidet und worin ihr Mehrwert im Lernprozess besteht:
1. Motivationsfunktion: Die emotionale Haltung und der Grad der Motivation zum Wissenserwerb spielen im Lernprozess eine wichtige Rolle. Alle Funktionen eines Mediums, die beim Lernenden die Herausbildung und Festigung positiver Motivation provozieren und festigen sollen, bezeichnet man demnach als Motivationsfunktionen des Lernmediums.
32 Ebd. S.32
33 HOLZINGER: Basiswissen Multimedia 2. S. 222
34 Vgl. STRITTMATTER, P. und H. NIEGEMANN: Lehren und Lernen mit Medien. Darmstadt 2000. S.9f.
Multimediale Lernsoftware 17
2. Illustrationsfunktion: Zur Unterstützung des Lernprozesses bedient man sich bei der Darstellung von Fakten, Zusammenhängen und Prozessen unterschiedlicher Formen (z.B. Grafik, Text) und Blickwinkel (z.B. Sicht des Sportlers, Sicht des Beobachters). Die Illustrationsfunktion ist dabei nicht interaktiv, sondern in der Konstruktion des Lernmediums festgelegt und stellt in ihrer differenzierten Form die wesentliche Funktion der meisten Lernmedien dar.
3. Simulationsfunktion: Diese Funktion wird in den traditionellen Medien nur sehr selten umgesetzt, in Multimedia-Systemen kommt sie hingegen häufig zur Anwendung. Hierbei ist die Simulation interaktiv und ein Modell bildet die wesentlichen Eigenschaften eines realen Objektes ab. Für den Lernenden, der aktiv in die Simulation eingreifen kann, wird somit das Modell -nicht mehr das reale Objekt- zum Untersuchungsgegenstand.
4. Informationsfunktion: Die Informationsfunktion bildet die Grundlage jedes Wissenserwerbs, denn sie stellt alle für das Lernen relevanten Informationen zur Verfügung. Vor allen Dingen bei den traditionellen Medien spielte diese Funktion eine dominierende Rolle.
5. Unterstützungsfunktion: Diese Funktion ist bei Bedarf unmittelbar handhabbar, liefert aber keine direkten Lösungswege. Für traditionelle Medien stellen beispielsweise Tafeln, Tabellen und Taschenrechner Unterstützungen dar, bei Multimediasystemen ist die Hilfe-Funktion ein solches Werkzeug.
6. Adaptationsfunktion: Ziel dieser Funktion ist es, in Abhängigkeit von erreichtem Wissen möglichst günstige Vorgehensweisen für den weiteren Lernprozess zu wählen. Bei Hypermediasystemen wurde die Adaptationsfunktion bisher nur ansatzweise nachgewiesen.
Der Vorteil multimedialer Lernsysteme liegt also auf der Hand: die didaktischen Elementarfunktionen können als Hilfsmittel zum Erreichen der gesteckten Lernziele dienen, wobei alle herkömmlichen Medien in eine solche Lernsoftware integriert werden können. Kein anderes Medium bietet so vielfältige Illustrations- und Simulationsmöglichkeiten.
Multimediale Lernsoftware 18
Die zahlreichen Illustrationsmöglichkeiten ermöglichen gleichzeitig die Hervorhebung einzelner Sachverhalte und jeder Nutzer erhält die Möglichkeit, sich darüberhinaus noch individuelle Schwerpunkte im Lernprozess zu setzen. Bestes Beispiel hierfür ist der Hypertext. Alle wichtigen Informationen werden auf den Hauptfolien untergebracht, die jeder Lernende aufsuchen muss, unwichtigere oder ergänzende Informationen auf Nebenfolien, die je nach Interesse vom Lernenden aufgesucht werden können. Eine interne Verlinkung ermöglicht dabei das Springen zwischen diesen Bereichen. Komplizierte Vorgänge und Sachverhalte können in Modellen, Simulationen oder Videos in Zeitlupe besonders gut dargestellt werden und der Nutzer erhält die Möglichkeit problemlos einzugreifen. Mittels der Modelle wird also realitätsnah gelernt und es kommt zu einer aktiven kognitiven Auseinandersetzung mit dem Lernstoff. Dies entspricht einer zentralen Forderung des Kognitivismus und Konstruktivismus (vgl. S.9-12 dieser Arbeit).
Zudem kann der Lernende sein persönliches Lerntempo mitbestimmen, die Arbeit mit der Software jederzeit abbrechen und später an gleicher oder anderer Stelle wieder fortfahren. Dieses „Herauspicken“ einzelner Informationen erfolgt individuell und lernzielorientiert und wirkt auf den Benutzer besonders motivierend.
Der Motivationsschub, der nach HOLZINGER 35 allein durch die ungewohnte und neue Art der Präsentation von Wissen initiiert werden soll, bleibt als einziges kritisch zu hinterfragen. Der Lernende gewöhnt sich schnell daran 36 und gerade jüngere Menschen werden heutzutage damit bereits groß, sodass allein durch diese Präsentationsart eine Motivationssteigerung in Zukunft nicht mehr zu erwarten ist.
35 Vgl. HOLZINGER: Basiswissen Multimedia 2. S.21
36 Vgl. KERRES: Medienentscheidung. S.30
Begriffsklärung.doc 19
3 Begriffsklärung
Der in dieser Arbeit verwendete Begriff „Babyschwimmen“ meint nicht das eigenständige Schwimmen des Säuglings. Vielmehr ist hiermit eine Art Eltern-Kind-Schwimmen gemeint, die dem Wohle des Kindes dienen soll. Der Säugling soll nicht etwa erste Schwimmbewegungen machen in Form von Brustbeinschlägen oder Armzügen. Er soll die Gelegenheit erhalten, das Element Wasser kennenzulernen, die Angst davor zu verlieren, bzw. sie gar nicht erst aufzubauen und die Besonderheiten dieser Flüssigkeit nutzen, um seinen Horizont zu erweitern, seinen Schatz an Bewegungserfahrungen zu vergrößern und gleichzeitig den Kontakt zu den Eltern zu intensivieren. „Das Säuglingsschwimmen ist keine Schwimmschule, sondern eine Elternschule, die den Erwachsenen einen intensiveren Zugang zu ihrem Kind ermöglichen soll und unter anderem dadurch nachweisbar das gesamte Entwicklungsgeschehen des Kindes fördert.“ 37
„Dazu gehört auch das Babyschwimmen: Es fördert die Entwicklung Ihres Babys und beeinflußt die Organleistungsfähigkeit, die motorische und geistige Entwicklung sowie die Fähigkeit zu sozialem Handeln.“ 38
Gleichzeitig zur sozialen und stimulierenden Funktion, können im Wasser auch Bewegungs- oder Muskelschwächen erkannt und durch gezielte Übungen ausgeglichen werden, ohne daß das Kind bewußt davon etwas mitbekommt. Neben der spielerischen Mobilisation und Wassergewöhnung steht jedoch der Faktor Spaß für die Kinder an erster Stelle.
Da sich die Bezeichnung „Babyschwimmen“ in den letzten Jahren im allgemeinen Sprachgebrauch für diese Art von Schwimmstunden durchgesetzt hat, wird auch in der vorliegenden Arbeit dieser Terminus verwendet. 39 Warum man mit einem Säugling das Babyschwimmen durchführen sollte und was dabei im einzelnen zu beachten ist, behandeln die folgenden Kapitel. Vorab wird die kindliche Entwicklung im 1. Lebensjahr dargestellt um den Zusammenhang zwischen Entwicklung und Förderung durch Babyschwimmen herauszuarbeiten.
37 DIEM/ BÜRGER/ BUSSMANN u.a.: Säuglingsschwimmen. Hinweise für die praktische Durchführung. Herausgegeben vom BMBW. Werkstattberichte Nr. 30. Braunschweig 1981. (Künftig zitiert: DIEM/ BÜRGER/ BUSSMANN: Säuglingsschwimmen.) S.7
38 GRAUMANN, D.: Babyschwimmen. Ein Fachbuch für Schwimmlehrer und Eltern zur Förderung einer gesunden Entwicklung unserer Kinder. Flintbek 1996. (Künftig zitiert: GRAUMANN: Babyschwimmen.) S.11
39 Ähnlich gehen auch zahlreiche andere Autoren vor, wie bspw. AHRENDT, BAURMEISTER, CHEREK oder WAEGNER: Mögen ihre Ziele des Schwimmens zwar differieren, verwenden sie dennoch alle aus den oben angeführten Gründen weiterhin die Begriffe Babyschwimmen oder Säuglingsschwimmen. (N.Sch.)
Die kindliche Entwicklung.doc 20
4 Spüren - Bewegen - Lernen: Die kindliche Entwicklung
Für den Vorgang des Lernens sind zwei Systeme des menschlichen Körpers verantwortlich, die Sensorik und die Motorik. Dabei steht bewusst die Sensorik an erster Stelle, denn sie vermittelt zunächst die wichtigsten Einflüsse auf die Motorik. „Das Lernen der ersten 18 Monate läuft über unsere sensomotorischen Bahnen ab.“ 40 Auch PIAGET spricht bereits von dieser sensomotorischen Phase. Jahrelang fragte man sich, wie Impulse von der motorischen zur sensorischen Hirnrinde gelangen, wie die Verbindungen vom „Input“ zum „Output“ verlaufen. Heutzutage weiß man, dass beide Hirnrinden Einheiten vom anderen Bereich enthalten, so dass auch neurophysiologisch Spüren und Bewegen eindeutig zusammengehören. 41
Dabei sorgt die sensomotorische Re-Afferenz dafür, dass die Impulse die motorischen Handlungen verbessern, und die Bewegungsverbesserung fördert die menschliche Sensibilisierung, d.h. sie macht dem Menschen seine Fähigkeiten bewusster.
Eine ganzheitliche Entwicklungsförderung des Kindes kombiniert also Sensorik und Motorik und verbessert so die Wahrnehmung (Perzeption) des Säuglings: „Durch qualitative und quantitative Erweiterung von Erfahrungen und ihre Verknüpfung und Verarbeitung wird letztlich ein intelligenteres Verhalten erworben.“ 42
Das Babyschwimmen stellt eine Möglichkeit dar, den Erfahrungshorizont des Säuglings und Kleinkindes zu erweitern, denn die Bewegung im Wasser bietet dem Kind Reize, die es an Land nicht erfährt (bspw. Druck, Nässe, Kälte, Auftrieb, Widerstand). Somit gehört das Babyschwimmen zur frühen Bewegungsförderung dazu, die MEINEL bereits 1977 als sehr bedeutend ansieht: „Bedenken wir ferner, daß in dem Werdeprozeß sich auch die Entwicklung der Sprache und des Denkens vollzieht, so erkennen wir bereits hier die fundamentale Bedeutung der vielseitigen Bewegungsaktionen im Kleinkindalter.“ 43
40 ZINKE-WOLTER, P.: Spüren - Bewegen - Lernen. Handbuch der mehrdimensionalen Förderung bei kindlichen Entwicklungsstörungen. 4. Aufl. Dortmund 2000. (Künftig zitiert: ZINKE: Handbuch.) S.17
41 Vgl. ebd. S.18
42 Ebd. S.19
43 MEINEL, K.: Bewegungslehre. 2. Auflage. Berlin 1977. S.48
Die kindliche Entwicklung.doc 21
4.1 Pränatale Entwicklung
Jeder Bewegung geht eine Wahrnehmung voraus. Ohne Wahrnehmung ist keine Bewegung, kein neuronales Wachsen und kein Lernen denkbar, d.h. bevor der Mensch lernen kann, muss er spüren können. Bereits im Mutterleib erlebt und fühlt das Ungeborene sehr viel. Diese Erfahrungen sind für sein späteres Leben schon von enormer Bedeutung.
Motorik und Sensorik befinden sich von Anfang an in einem ständigen Wechselspiel, und die Entwicklung des Embryos verläuft sowohl pränatal, als auch postnatal stets von oben nach unten, d.h. von kranial nach caudal. Man spricht auch von der cephalocaudalen Entwicklungsrichtung. 44
4.1.1 Taktile Wahrnehmung
„Ab der 8. Woche bildet sich die taktile Wahrnehmung über den ganzen Körper aus und wird vom Fetus als gleichbleibender, sanfter Reiz durch die Eigenbewegungen im warmen Fruchtwasser erlebt.“ 45
Der Tastsinn über die Haut beginnt als erste Synapsenverschaltung. Dies geschieht als Vorbereitung zur späteren Nahrungsaufnahme perioral. Das Kiefergelenk und die Mundmuskulatur bilden sich entsprechend rasch aus, und ab der 12. Woche beginnt die Saugreaktion.
Parallel hierzu entwickelt sich die Zunge und übernimmt wichtige Funktionen: Sie nimmt über die Hirnnervenversorgung die Geschmacksqualitäten bitter, süß, sauer und salzig auf, sodaß das gustatorische System bereits im 4. Monat ausgereift ist. 46
In der 12.-16. Woche werden die Hände aktiv, d.h. die spätere Feinmotorik wird gebahnt. Die Hände können sich selbst greifen und erleben bereits den Kontakt zum Mund. Dieser taktile Hand-Mund-Kontakt besteht nach der Geburt weiterhin und vermittelt dem Säugling Sicherheit, da er bereits bekannt ist. Dies wird einerseits daran deutlich, daß Kinder die Welt entdecken, indem sie alles in den
44 Vgl. ZINKE: Handbuch. S.59, MEINEL: Bewegungslernen. S.299 und SCHÜTZ: Wassergewöhnung. S.13f.
45 ZINKE: Handbuch. S.59.
46 Vgl. ebd. S.101
Die kindliche Entwicklung.doc 22
Mund nehmen und so die Gegenstände erforschen, andererseits daran, daß sich ein Kind beruhigt, wenn es am Daumen lutscht.
4.1.2 Vestibuläre Wahrnehmung
Als Organ des Gleichgewichts und Hörens ist das Labyrinth in der 9.-10. Woche entwickelt und beginnt zu funktionieren. Das ungeborene Kind nimmt ständig die Bewegungen der Mutter, die Vibrationen durch ihre Organfunktionen, die Darmgeräusche und den Rhythmus ihres Herzschlags wahr. Das Kind gewöhnt sich daran, die Synapsenverschaltungen stabilisieren sich, und das Gewohnte vermittelt Sicherheit:
„Kinder deren Mütter in der Schwangerschaft [...] viele Monate liegen mussten, haben oft noch nach Jahren Angst vor schnellen Richtungsänderungen und Bewegungen [...], weil sie zu wenig der frühen vestibulären Reize erlebt hatten.“ 47
Verschiedene klinische Versuche haben auch gezeigt, daß sich Frühgeborene schneller und besser entwickeln sowie wacher auf ihre Umwelt reagieren, deren Inkubatoren täglich längere Zeit in Schaukelbewegung gehalten wurden, als Säuglinge, die in den üblichen feststehenden Inkubatoren lagen. 48 Auch das mütterliche Schwimmen in der Schwangerschaft kann sich folglich bereits positiv auf die Entwicklung des Kindes auswirken, die Bewegungen der Mutter und die Schaukelbewegungen im Wasser.
Durch den Druck von Uteruswand und Bauchdecke erfährt das Ungebore die Tiefensensibilität. Es spürt beim Bewegen den Widerstand auf seine Extremitäten, erfährt damit Begrenzungen und zugleich wird das Gefühl des sicheren Umfangenseins vermittelt. 49
4.1.3 Auditive Wahrnehmung
Durch die oben beschriebenen Vibrationen, die dem Kind das Gefühl für Rhythmus vermitteln, beginnt das Hören intrauterin. Erst ab dem 6. Monat kann
47 Ebd. S.60
48 Vgl. ebd.
49 Vgl. ebd. S.61
Die kindliche Entwicklung.doc 23
das Kind den mütterlichen Herzschlag als Ton hören, ebenso wie die mütterliche Stimme und Töne von außen. 50
Warum sich ein Säugling nach der Geburt so schnell beruhigt, wenn er an der linken Brustseite der Mutter liegt und deren Herzschlag hört, ist somit auch erklärt.
4.1.4 Visuelle Wahrnehmung
Ab dem 5. Schwangerschaftsmonat differenziert sich das kindliche visuelle System, sodaß bereits hell und dunkel wahrgenommen werden können. Etwa einen Monat später werden die taktile, vestibuläre und proprioceptive Wahrnehmung verknüpft, und das Kind fühlt Bewegungen, Druck, Temperatur, Schmerz, kann riechen, schmecken, hören und sehen. 51 Doch in der gesunden Entwicklung lernt das visuelle System vornehmlich postnatal. Nach der Geburt strömen zahlreiche Reize auf den Säugling ein und binnen weniger Stunden ist er in der Lage, seine Mutter am spezifischen individuellen Geruch zu erkennen, um nur ein Beispiel zu nennen.
4.2 Körpermotorik und Reflexe
Das Bewegen der Mutter regt die Bewegungen des ungeborenen Kindes an, sodaß es bereits in der 6. Woche mit den ersten eigenen Bewegungen beginnt. 52 Nach der Geburt folgt eine kurze Anpassungsphase des Säuglings an die neuen Bedingungen; erst danach wird die Entwicklung fortgesetzt: „In der Phase der Re-Organisation muß das Neugeborene sich mit einem neuen Phänomen der Schwerkraft auseinandersetzen. Schwebte der Embryo „schwerelos“ im Fruchtwasser der Mutter um die eigene Achse, so ist das Neugeborene durch die auferlegte Schwerkraft gezwungen, motorische Eigenaktivität zu entwickeln, um sich bewegen und aufrichten zu können.“ 53
Die Wassergeburt und das Babyschwimmen ermöglichen einen „fließenden“ Übergang zwischen diesen beiden Phasen. Durch die Wassergeburt werden die
50 Vgl. ebd. 62
51 Vgl. ebd. S.62f.
52 Vgl. ebd. S.67
53 Ebd. S.68
Arbeit zitieren:
Nadja Schäfers, 2004, Ganzheitliche Entwicklungsförderung durch Babyschwimmen im 1. Lebensjahr, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Nadja Schäfers hat einen neuen Text hochgeladen
Lernen und Kindliche Entwicklung
Elementarbildung und Sachunter...
Roland Lauterbach, Hartmut Giest, Brunhilde Marquardt-Mau
Säuglingsschwimmen und kindliche Entwicklung
Theorie und Praxis des Eltern-...
Lilli Ahrendt, Mathilde Kohl, Henning Kaiser
Seelische Gesundheit in den ersten Lebensjahren
Studien aus einer psychoanalyt...
Selma Fraiberg, Elisabeth Vorspohl
Schwangerschaft, Geburt und erstes Lebensjahr
Ein Begleiter für werdende Elt...
Regina Hilsberg
Bausteine der kindlichen Entwicklung
Die Bedeutung der Integration ...
Inge Flehmig, Rolf W. Flemig, Anna Jean Ayres
Familie, kindliche Entwicklung und Hörschädigung
Theoretische und empirische An...
Manfred Hintermair
0 Kommentare