Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 3
2. LEBEN UND SCHAFFEN CELAS. 3
3. APUNTES CARPETOVETÓNICOS. 5
4. BESONDERHEITEN DER TEXTE 7
4.1 EL GALLEGO Y SU CUADRILLA. 7
4.2 EINORDNUNG IN DEN ZYKLUS “DOCE FOTOGRAFÍAS AL MINUTO 8
4.2.1 “Doce fotografías al minuto 8
4.2.2 Inhalt von “Lincoln, Darwin Wilson García Company Limited 9
4.2.3 Erzählinstanzen 10
4.2.4 Rolle der Fotografien 13
4.3 INHALT VON „EL TONTO DEL PUEBLO“ 14
5. SPRACHE CELAS 16
6. WESENTLICHE RESULTATE. 19
LITERATURVERZEICHNIS 21
2
1. Einleitung
”Somos un país de aficionados!” 1
Dieses Zitat Celas, mit welchem er seiner Geringschätzung für den Dilletantismus vieler Schriftsteller Ausdruck verlieh, verwundert nicht, denn als Schriftsteller war er stets um Professionalität beim Verfassen seiner Texte bemüht.
Dies herauszuarbeiten ist auch das Ziel der vorliegenden Arbeit, welche sich dazu mit einem bedeutenden Ausschnitt seines facettenreichen Werkes auseinandersetzen will: der Gattung der so genannten apuntes carpetovetónicos, die für ihn einen „inagotable venero de temas literarios“ 2 darstellen.
Unumgänglich für die Bestimmung der Gattung und Abgrenzung gegenüber anderen sind daher die Meinungen und Definitionen einiger Autoren und Biografen, die sich intensiv mit der Gattung und dem Werk Celas auseinander gesetzt haben. Gegenstand einer Analyse werden dann zwei Texte der von Cela erfundenen Gattung sein, welche unterschiedlichen Schaffensepochen entstammen. Deshalb ist es von Interesse, sie auf ihre Gemeinsamkeiten, aber auch auf die Unterschiede hin zu untersuchen, die sie aufgrund ihrer Entstehungszeit und des ihnen eigenen Hintergrundes aufweisen. In diesem Zusammenhang wird des Autors Vorliebe für die vulgärsten und skandalösesten Themen, für das Absonderliche und für soziale Randfiguren zur Geltung kommen. Begonnen werden soll mit einer Annäherung an den Autor Cela, um, des Verständnisses halber, durch das Beleuchten seines Werkes eine grobe Eingliederung der untersuchten Gattung und deren Entstehungshintergrund zu ermöglichen.
Der nun folgende biografische Abriss bedient sich Auszügen des von Javier Villan entworfenen Werdegangs Celas, welcher im Internet unter elmundo.es in voller Ausführlichkeit zu finden ist
2. Leben und Schaffen Celas
Geboren wurde Camilo José Cela am 11. Mai 1916 in Iria Flavia, in der galicischen Provinz La Coruña. Es war vor allem hier, wo er seine Leidenschaft für die Corrida entdeckte und eine Ausbildung zum Torero anstrebte. Im Stierkampf sah Cela “la vida española” widergespiegelt. Im Jahre 1931 zog er mit seiner Familie nach Madrid. An der dortigen
1 Elmundo.es
2 VILANOVA, A.: 1997; XIII
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Universität schien er sich 3 Jahre später kurz für Jura und Medizin zu interessieren, gab aber bald Vorlesungen über zeitgenössische spanische Literatur den Vorzug. Bei Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges schlug er sich zuerst auf die Seite der Aufständischen, indem er Spionagearbeit auf republikanischer Seite leistete. Er wurde an der Front verwundet und schied damit aus dem Kriegsgeschehen aus. Nach Kriegsende verdingte er sich als Journalist. Inmitten einer Zeit, in der es gewöhnliche Romane im Überfluss gab, und geistige Erneuerungen und ein Abweichen von traditionellen Mustern im literarischen Bereich Mangelware waren, veröffentlichte Cela im Jahre 1942 seinen ersten Roman La familia de Pascual Duarte, welcher bis heute eines der meist verkauften und eines der am heftigsten der Zensur unterlegenen Werke spanischer Literatur des 20. Jahrhunderts ist. Gleichzeitig legte er das Fundament für das, was später charakteristisch für Celas Erfolg sein sollte: “su iberismo solanesco, el horror, la tragedia, el esperpento sombrío“. Dieser sogenannte Stil des tremendismo, durchwoben mit lyrischen und surrealistischen Nuancen, taucht erstmals in Celas Gedichtbänden der 40er Jahre auf, welche während des Bürgerkriegs verfasst wurden. 1948 veröffentlicht er sein Werk Viaje a la Alcarria, bei welchem es sich um die Chronik einer einsamen Wanderung handelt. Der ihm eigene Stil - eine Mischung aus Lyrik, das Gespür für Ästhetik, welches in der detailgetreuen Wiedergabe der umgebenden Landschaft zum Ausdruck kommt und die empathische Beschreibung der Bevölkerung eines ländlichen und armen Spaniens - verleiht ihm das Attribut als eines seiner schönsten Bücher zu gelten.
Sein bedeutendstes Werk, La colmena, ist geprägt vom Leben der 50er Jahre. Aufgrund der erotischen Passagen, die es beinhaltet, verhinderte die spanische Zensur jedoch eine Veröffentlichung, woraufhin es 1951 vorerst in Buenos Aires editiert wurde. Der Erfolg blieb nicht aus, und so war Cela in den nachfolgenden Jahre in der Lage seinen Lebensunterhalt als Vollschriftsteller bestreiten zu können.
1957 wurde er in die Real Academia Española aufgenommen, in welcher er bis zu seinem Tod den sillón Q. Maestro del lenguaje y gran innovador de la narrativa en lengua castellana innehatte. Das 1969 veröffentlichte San Camilo 1936 ist eine experimentelle Novelle, die mittels eines einzigen inneren Monologs, eine surrealistische und sonderbare Beschreibung des ersten Tags des Spanischen Bürgerkriegs wiedergibt.
El Diccionario Secreto (1978-1979), ein Ausflug in den Bereich der Lexikografie, ist zweifelsohne ein großes Werk philologischer Nachforschung, Klassifizierung und Dokumentation. In ihm widmet sich Cela den delikaten Bereichen der Sexualität, den „schändlichen Wörtern“ oder der Escatología. Seine Intention war aufzuzeigen, „que las
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palabras no tienen conducta, tienen significados“. Unter seinen letzten Werken hervorzuheben sind vor allem das in Galicien spielende Mazurca para dos muertos (1983), für welches Cela mit dem Premio Nacional de Literatura ausgezeichnet wurde. 1989 erhielt er als fünfter spanischer Autor endlich den Premio Nobel de Literatura, für welchen er bereits seit 1982 immer wieder vorgeschlagen wurde. Nachdem er 1995 den renommierten Premio Cervantes erhielt, erklärte er lakonisch, dass er seine Aufgabe darin sehe zu schreiben, nicht Preise zu gewinnen. Sein letztes Buch, Madera de boj (1999), handelt vom Fischerleben an der Costa de la Muerte. Am 17. Januar 2002 starb Camilo José Cela im Alter von 86 Jahren. Zweifelsohne war sein Leben von Turbulenzen gezeichnet, was nicht zuletzt seiner Rolle im Spanischen Bürgerkrieg zu schulden ist, aber auch seiner provokanten Art anecken und sich nicht einordnen lassen zu wollen. Camilo José Cela war geprägt von einem “liberalismo de raíz conservadora”, mit dem er zuerst das Misstrauen der Linken auf sich zog und nach der transición die unverhohlene Feindseligkeit der übrig gebliebenen Faschisten.
3. Apuntes carpetovetónicos
Die Gattung der apuntes carpetovetónicos kann nur sehr vage definiert werden, was nicht zuletzt der Komplexität und Vielfalt der einzelnen Erscheinungsformen zu schulden ist. Hilfreich ist zweifelsohne erstmals eine etymologische Annäherung und eine Übersetzung ins Deutsche:
- apunte: Notiz
- carpetovetónico: - Bezug auf die geografische Region
Gemäß Cela selbst, wurden die apuntes carpetovetónicos während seiner Sommeraufenthalte in Cebreros in den Jahren 1947-50 erfunden. Sie sind für ihn “la croniquilla atónita de los minúsculos acaeceres de la España árida” 3 , womit sich das “setting” der apuntes lokal einordnen lässt. Und er betont: “Fuera de este ámbito geográfico no puede darse el apunte carpetovetónico[...]” 4 . Wichtig zu erwähnen ist, dass sich seine Einstellung diesem Landstrich gegenüber “von Unbehagen über Abgeschiedenheit und Ärmlichkeit zu einem Wohlgefühl über die Biederkeit der Leute und die Stabilität der Lebensverhältnisse” 5 wandelte.
3 VILANOVA, A.: 1997; XIII
4 VILANOVA, A.: 1997; X
5 MATTAUCH, H.: 2002; S.123
5
Des weiteren heißen, laut Villanova die apuntes carpetovetónicos nicht nur so, um Bezug zu nehmen zu dem Ort, an dem sie entstanden sind, und zu dem ihm eigenen sozialen Umfeld, sondern auch “para designar el peculiar estilo que les confiere la contemplación de un determinado apecto de la realidad, existente en la España carpetovetónica“ 6 , wodurch sie Elemente des costumbrismo beinhalten.
Celas apuntes weisen auch einige signifikante Übereinstimmungen mit dem Stil des tremendismo auf, welcher sich durch eine übersteigerte Wiedergabe der “aspectos más crudos de la vida real” 7 kennzeichnet und der in den Werken vieler Autoren und Künstler des 20. Jahrhunderts zum Ausdruck kommt. Im Speziellen bediente er sich der Implikation tremendistischer Elemente, also der Darstellung des Abscheulichen, Schrecklichen, Abstoßenden, um mit ihnen “auf eine - der Zensur gegenüber getarnte - Enthüllung der "España negra"“ 8 abzuzielen.
Francisco Javier Díez de Revenga definiert die Gattung der apuntes als “relato popular o populachero”, welche die groteskesten Formen des costumbrismo aufweise und die eine “importante dosis de tremendismo” 9 beinhalte.
Themen sind die Schilderung unglücklicher Schicksale, degradierter und verunstalteter Personen, Krankheit oder Tod, um nur einige Erscheinungsformen der apuntes zu nennen, die aber immer mit einer karikierenden burlesken, bis sarkastischen Note versehen werden. Gerade diese Mischung “de lo truculento con el humor” ist ein wesentliches Charakteristikum der apuntes. Die schrecklichen und makabren Aspekte, die Primitivität und die Brutalität die den meisten seiner apuntes in mehr oder minder ausgeprägtem Maße innewohnen, spiegeln das karpetovetonische Spanien so wider, wie Cela es gesehen hat. Jedoch beinhaltet nicht jeder apunte das gleiche Maß an costumbrimso, tremendismo und caricatura, noch will es die Definition, dass all diese Charakteristika notwendigerweise gleichzeitig auftreten müssen, um einen Text als apunte zu klassifizieren. Eher scheinen 2 Typen der aproximación an den Gegenstand der España profunda zu existieren: la tremendista und la caricaturesca. Und oft scheint sich der Autor über den Weg oder die Erzählstruktur, den seine apuntes beim Schreiben einschlagen sollen, nicht im Klaren gewesen zu sein, sondern sind vielmehr das Resultat eines situativen Gefühlszustandes, was folgende poetisch ausgeschmückte “Pseudodefinition” belegt:
6 VILANOVA, A.: 1997; XI
7 DIEZ DE REVENGA, F.: 2002; S.100
8 RODIEK, C.: 1995; S.24
9 DIEZ DE REVENGA, F.: 2002; S.101
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Arbeit zitieren:
M.A. Martin von Cetto, 2006, Camilo José Celas "Apuntes carpetovetónicos", München, GRIN Verlag GmbH
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