1.Einleitung.
Vor ca. sechs Millionen Jahren wurde der erste sogenannte Homo sapiens „geboren“. Aus dem Lateinischen übersetzt heißt das “der weise, kluge Mensch“. Die Geschichte des Rassismus ist sehr alt, und immerhin ein Teil der Menschheitsgeschichte. Die
menschlichen Vorurteile über Hautfarbe, Nationalität und Klassenzugehörigkeit wurden von Tag zu Tag größer. Waren diese bis zum 20. Jahrhundert eher sozialbedingt, so klingen sie heutzutage einfach unzivilisiert und geschmacklos. Schon Lev Nikolajeviþ Graf Tolstoj hat gegen solche Unmenschlichkeit gekämpft. Er schenkte seinen geerbten Sklaven die Freiheit und behandelte diese Menschen als ihm gleich. Doch leider gab es auch in Russland rassistische Vorurteile. Gleichwohl gehörten die Menschen mit schwarzer Hautfarbe zu einer „Sklavenklasse“ und wurden mit etwas Teuflischem assoziiert. Die Vorstellung, dass ein Mensch anders ist, oder dass er als Sklave behandelt werden soll, nur weil er eine andere Hautfarbe hat, sitzt leider immer noch im Denken manchen Menschen fest. In dieser Hausarbeit werden die moralischen, gesellschaftlichen und sozialen Vorstellungen, aber auch die rassistischen Vorurteile Russlands im 18. bis 21. Jahrhundert zusammengefasst und analysiert. Die gesellschaftliche Meinung des 18. Jahrhunderts wird von den größten russischen Schriftstellern wie A.S. Puškin, N. Gumilev und I. Gonþarov vertreten. Die moderne russische gesellschaftliche Meinung des 21. Jahrhunderts wird mithilfe der gegenwärtigen Medien wie z.B. Film und Musik vorgestellt. Im ersten Teil dieser Hausarbeit wird die öffentliche Ansicht bezüglich des Rassismus anhand von A.S. Puškins, I. Gonþarovs und von N. Gumilevs Werken analysiert. Diese berühmten Schriftsteller gehörten zur russischen literarischen Elite und präsentierten in ihren Werken die allgemeine gesellschaftliche Meinung Russlands im 17. - 20. Jahrhundert. Um die Arbeit möglichst korrekt zu gestalten, werden auch die Volksvorstellungen in Form von Traumerklärungen erfasst.
Im zweiten Teil werden die modernen russischen Vorstellungen von Afrika und besonders von den Afrikanern am Beispiel der modernen Popkultur und der Medien analysiert. Die moderne Musik- und Filmindustrie wird dabei in den Vordergrund gestellt. Der Film „
2. Provokation der Erzählung „ Der Mohr Peters des Großen“ von. A.S.
Puškin.
Der größte russische Schriftsteller, A.S. Puškin gehörte nicht nur zu den
zeitbewegenden und epochemachenden Lyrikern des damaligen Europas. Seine Familie bestand größtenteils aus den ursprünglichen russischen Bojaren und Adeligen. Puškin hat aber auch einige Tropfen afrikanischen Blutes in sich gehabt. Sein Urgroßvater Ibragim stammte aus Äthiopien, wurde aber als Geschenk für Peter den Großen nach Russland gebracht. Der Besitz von den schwarzen Sklaven gehörte zur damaligen Zeit in der ganzen Europa zu dem sogenannten Attribut der höheren gesellschaftlichen Status. Auf sämtlichen Gemälden und Vasen, die kurze Momente der damaligen gesellschaftlichen Lage
1 DieEigenübersetzungdesVerfassersderHausarbeit.
2 DieEigenübersetzungdesVerfassersderHausarbeit. 3
festhielten, wurden sehr oft russische Adelige mit jungen schwarzen Sklaven abgebildet. Die kleinen schwarzen Sklaven waren begehrenswerte Modeaccessoires der Zaren, Könige und Prinzen. Sie wurden zudem auch so behandelt - als kleine Spielzeugpuppen oder exotische, extravagante Tierchen. Das stellt auch Puškin auch in seiner Erzählung „ Der Mohr des Peters des Großen“ fest:
„=jZnbgy ijbgyeZ B[jZ]bfZ mqlb\h, gh [_ah \kydh]h hkh[_ggh]h \gbfZgby; wlh ihevklbeh _fm. H[udgh\_ggh kfhlj_eb gZ fheh^h]h g_]jZ dZd gZ qm^h, hdjm`Zeb _]h, hkuiZeb ijb\_lkl\byfb b \hijhkZfb, b wlh ex[hiulkl\h, ohly b ijbdjulh_ \b^hf [eZ]hkdehgghklb, hkdhj[eyeh _]h kZfhex[b_. KeZ^hklgh_ \gbfZgb_ `_gsbg, ihqlb _^bgkl\_ggZy p_ev gZrbo mkbebc, g_ lhevdh g_ jZ^h\Zeh _]h k_j^pZ, gh ^Z`_ bkihegyeh ]hj_qvx b g_]h^h\Zgb_f. Hg qm\kl\h\Ze, qlh hg ^ey gbo jh^ dZdh]h-lh j_^dh]h a\_jy, l\hj_gvy hkh[_ggh]h, qm`h]h, kemqZcgh i_j_g_k_ggh]h \ fbj, g_ bf_xsbc k gbf
gbq_]h h[s_]h.“ 3
Sein ganzes Leben verbrachte I. Ganibal in Russland. Er erreichte den Generalstatus, schrieb Hunderte von wissenschaftlichen und mathematischen Artikeln und bewies sich auch als unübertrefflicher Architekt. Dessen ungeachtet wurde er hinter seinem Rücken als aggressiver, schwarzer Sklave bezeichnet und in der russischen Gesellschaft zum Teil boykottiert. Puškin berichtete über solche Einstellungen in seiner biographischen Geschichte „Der Mohr Peters des Großen“, die von seinem afrikanischen Urgroßvater I. Ganibal handelte:
„…Dhg_qgh, - aZf_lbe =Z\jbeZ :nZgZkv_\bq, - q_eh\_d hg kl_i_gguc b ihjy^hqguc, g_ q_lZ \_ljh]hgm.... Wlh dlh _s_ \t_oZe \ \hjhlZ gZ ^\hj? M` g_ hiylv eb h[_avygZ aZfhjkdZy?“ 4 oder
„;ZlxrdZ-[jZl_p, - kdZaZeZ klZjmrdZ ke_aeb\uf ]hehkhf, - g_ ih]m[b lu k\h_]h jh^bfh]h ^blylb, g_ ^Zc lu GZlZrbgvdb \ dh]lb q_jghfm ^bZ\hem.“ 5 2
Wenn Ganibal nicht der Liebling des russischen Zaren gewesen wäre, hätte er bestimmt in solch einem abergläubischen Land, wie es das Russland des 18. - 20. Jahrhunderts war, keine Durchsetzungschance gehabt( Was auch natürlich die allgemeinen historischen Prozesse unterstützen. Die „schwarzen“ Afroamerikaner bekamen keine richtige Möglichkeit sich in der Gesellschaft auf dem gleichem Niveau wie die „weißen“ Mitglieder der gleichen Gesellschaft zu entwickeln). Es ist allgemein bekannt, dass Puškin „den Rohstoff“ für seine literarischen Texte aus dem Volksmund nahm. Mit Sicherheit kannte er auch die folgenden Bezeichnungen für schwarzhäutiger Afrikaner wie „h[_avygZ aZfhjkdZy“ 6 , „dh]lb q_jghfm ^bZ\hem“ 7 , „fa\j“ 8 , oder den sehr häufigen Vergleich mit dem Teufel und Luzifer. Puskin selbst wurde sehr oft wegen seines Temperaments als „afrikanischer Affe“ bezeichnet. So z.B. in dem Buch „Khggbd“, das die Bedeutung von verschiedenen Träumen erläutern
3 A.C.¿19!&.¤,*¿/,¦#!((.¦:"ª,%/1,A*,("".°/#=-/("¿,.º(-!.1981. Á.215
4 Ebd.S.233
5 Ebd.S233
6 A.C.¿19!&.¤,*¿/,¦#!((.¦:"ª,%/1,A*,("".°/#=-/("¿,.º(-!.1981. Á.233
7 Ebd.S.233
8 Ebd.S.234
4
sollte (Dies war ein wichtiger Bestandteil der russischen Volkskultur). Darin wurde ein in dem Traum erscheinender Afrikaner (in dem Buch als g_]j, zu Deutsch Neger, bezeichnet) als ein bösartiges Geschöpf dargestellt:
„ — lZdhc khg ]h\hjbl h lhf, qlh [hevrb_ gZ^_`^u h[_jgmlky ]hjvdbf jZahqZjh\Zgb_f.
?keb \Zf ijbkgbeky h[gZ`_gguc g_]j — wlh d i_qZevghfm kh[ulbx k [ebadbf ^jm]hf beb jh^kl\_ggbdhf. — bkiulZ_l_ \jZ`^_[gh_ hlghr_gb_ kh klhjhgu aZ\bkleb\hc khi_jgbpu.
?keb ijbkgbeZkv g_]jblygdZ — \Zk `^_l g_h[uqgh_ ijhbkr_kl\b_, \ oh^_ dhlhjh]h bkiulZ_l_ kZfu_ ijhlb\hj_qb\u_ qm\kl\Z. G_]jbl_ghd \h kg_ \ jheb \Zr_]h kugZ ij_^j_dZ_l Z]j_kkb\gh_ hlghr_gb_ d \Zf kh klhjhgu gZqZevkl\Z.“ 9
Dieses Tramdeutungsbuch wurde von einem Sprachwissenschaftler erfasst. Er sammelte zum Teil noch aus der Zeit Pushkins stammende Sinndeutungen und Begriffsbestimmungen sowie die einen oder anderen Traumerscheinungen. Solche Hinweise und Dokumente sind wirklich wichtig. Sie stellen nicht nur eine wissenschaftlich erfasste Information dar, sie präsentieren außerdem die allgemeine gesellschaftliche Meinung des Volkes insgesamt.
2.1. Die Afrikaimaginationen von Gonþarov.
Der andere berühmte russische Klassiker, Ivan Gonþarov, schilderte in seinem Roman „Die Fregatte Pallas“ seine erste Begegnung mit den Afrikanern folgendermaßen: „Was für Lippen, was für Augen! Der Körper glänzt wie Atlas. Dem Ausdruck der Augen fehlt es nicht an Klugheit und Güte, meist aber liegt Leidenschaft darin, so daß selbst ihr gewöhnlicher Blick nichts Sittsames ist. Das Lid öffnet sich langsam und weit, das Auge quillt ganz daraus hervor und offenbart mit einemmal alles, was sich in dem sinnlichen Körper verbirgt. Ihre Kleidung ist recht malerisch: sie tragen einen Rock, aber kein Hemd, … der Kopf ist mit einem Tuch umschlungen, und zwar sehr hübsch; den Augen des Europäers mißfallen kurze Harre auf einem weiblichen Kopf, und noch dazu krause Haare.“ 10 Im Vergleich zu den anderen russischen Schriftstellern, konnte sich Goncarov eine unabhängige Meinung über Afrika und seine Bewohner aus der eigenen Erfahrung heraus bilden. Zusammen mit der russischen königlichen Expedition unternahm er eine wissenschaftliche und wirtschaftliche Reise mit Zwischenhalten in England, Afrika und Japan. Während der Reise dokumentierte Goncarov seine täglich neuen Eindrücke, die später als Rohstoff für seinen Reisebericht „Die Fregatte Pallas“ dienten. Er verglich immer wieder die Afrikaner, deren Gewohnheiten und das tägliche Leben mit der russischen Bevölkerung. „Hätte ich nicht diese schwarzen glänzenden Gesichter, diese krausen, wie mit Birkenasche gepuderten Haare vor Augen gehabt, ich hätte geglaubt, plötzlich in irgendeine Gesindestube in der russischen Provinz geraten zu sein.“ Da waren zwei Negerinnen, wahrscheinlich
9 ¥.¥(,(8."Á(&&!.1001/(#!(&-&(".°/#=-/("¿,-#18"À(&(.1998.Á.364
10 IvanGoncarov.„DieFregattePallas“.HerausgegebenvonW.Boehlich.Hamburg.1991 5
Arbeit zitieren:
Mayya Betche, 2008, Rassismus in der russischen Literatur, München, GRIN Verlag GmbH
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