Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 3
2 Taras Bulba, die volltönende Stimme des Volkes 5
2.2 Der Roman „Taras Bulba“ als Perfektion der Gestaltung des ukrainischen Daseins. 5
2.2 Die epochemachenden Hintergründe des gogolischen Meisterwerkes. 6
3 Die Brücke zwischen den Völkern. 9
3.1 Der Roman „Die Brücke über die Drina“ als literarische Widerspiegelung des
Jahrhunderte dauernden Volksleidens 9
3.2 Vishegrad - die multikulturelle Stadt mit epochaler Gestaltung. 12
3.3 Die wesenhafte, lebende Landschaft 13
3.4 Das verbale Unterwerfen des bosnischen Volkes 15
4 Die Berührungspunkte in der ukrainischen und bosnischen literarischen
Widerspiegelung des gesellschaftlichen Daseins 17
4.1 Die sprachliche Gestaltung. 17
4.2 Die Volkselemente in der Gestaltung der beiden Romane. 20
Literaturverzeichnis 22
2
Einleitung
Jedes Volk, jede Nation verfügt über einen unvergleichbaren und einzigartigen Schatz. Zwischen unikalen Bräuchen, außergewöhnlichen Traditionen gibt es eine Gegebenheit, die besonders wichtig für die Existenz und Weiterentwicklung jedes Volkes ist. Ohne eigene Geschichte wird jede Gemeinschaft als nicht existent und verloren bezeichnet. Die Geschichte beeinflusst nicht nur das Dasein des Volkes, sondern wird als wichtigstes Element im Vorhandensein jeder Nation betrachtet. Die Geschichte umfasst nicht nur die epochemachenden Ereignisse jeder einzelnen Bevölkerung. Sie führt außerdem durch die einmaligen „kleinen“ Schicksale der einzelnen Menschen, die aber auch ein Teil des einheitlichen und gemeinschaftlichen Bezugs auf die ganze Geschichte sind.
In dieser Hausarbeit wird die außergewöhnliche Arbeit der zwei berühmtesten slawischen Schriftsteller analysiert und erforscht. Obwohl die beiden Schriftsteller in zwei völlig verschiedenen Ländern geboren und aufgewachsen sind, verbindet sie die ungewöhnlich starke Liebe zu der eigenen Heimat, den Traditionen und besonders zu den guten alten Volksgeschichten. Ihre Liebe aber blieb nicht einfach in ihren Herzen gefangen, sie wurde behutsam in einzigartigen und epochemachenden Romanen und Erzählungen zusammengefasst und an die Nachfolger weitergegeben. Nikolai Wassiljewitsch Gogol gehörte zu den berühmtesten Schriftstellern des 18 Jh. In seinen Werken spiegelte sich nicht nur das tägliche Leben des einfachen Volkes mit all seinen kuriosen Traditionen, Bräuchen und für die moderne Welt vielleicht nicht nachvollziehbaren Förmlichkeiten wider, sondern sie zeigen die ganze Größe und die Einmaligkeit des ukrainischen Volkes. Die von Gogol´ wiedergegebenen Lebensumstände zeigten einerseits das tägliche Dasein des Volkes wie familiäre Traditionen, festliche Bräuche und Sitten. Auf der anderen Seite aber offenbarten sie den Schwierigkeitsgrad der Frage nach der sozialen Freiheit der Ukraine und den starken politischen und gesellschaftlichen Druck vonseiten Russlands. Der Roman „Taras Bulba“ ist das beste Beispiel dafür. Langjähriger Krieg mit der Türkei, politische Unterdrückung durch Russland und das Opfern der eigenen Familie für das Wohl des Vaterlandes sind die wichtigsten Leitmotive dieses Romans. Nichtsdestotrotz blieben die liebevoll ausgeschmückten Beschreibungen der wunderschönen ukrainischen Landschaften, deren Sitten und märchenhafte aber auch stark religiöse Vorstellungen nicht außen vor. Dieser Darstellung erzeugte und vervollständigte das Bild des ukrainischen Volkes der damaligen Zeit. Gleichzeitig verband Gogol´ die Oberflächlichkeit des Täglichen mit der tieferen Frage des nationalen Daseins der Ukraine.
Ivo Andrič gehörte zu den Eliteschriftstellern der jugoslawischen Literatur. Für seine literarischen Werke mit einem Nobelpreis ausgezeichnet, widmete er sein ganzes Lebenswerk der Frage nach dem Vorhandensein Bosniens und dessen 3
Zusammenhang mit dem Orient. Die Tiefsinnigkeit seiner Romane wurde weltweit geschätzt und anerkannt. Neben dem Problem der politischen und gesellschaftlichen Unabhängigkeit Bosniens stellte Ivo Andrič die Frage nach dem multikulturellen Dasein dieses Landes in den Vordergrund. Die Erforschung der Problematik des Zusammenlebens der grundverschiedenen Kulturen machte seine Werke zu den einzigartigsten philosophisch-wissenschaftlichen literarischen Werken aller Zeiten. Das ganze Leiden des Volkes verbindet er, auch wie N. Gogol´, mit den außergewöhnlichen und liebevoll gestalteten Natur- und Landschaftsbeschreibungen, die vordergründig dem sittlichen Daseins des Bosniens beigeordnet waren. In dieser Hausarbeit wird an erster Stelle die geschichtlich-kulturelle Problematik der beiden oben erwähnten Werke („Die Brücke über die Drina“ von Ivo Andrič und „Taras Bulba“ von Nikolaj Gogol´) in ihren literarischen Aspekten gründlich ausgearbeitet und analysiert. Nach komparatistischen Verordnungen werden die beiden Werke zuerst einzeln und danach in einem komparatistischen Vergleich zusammengesetzt. Das von beiden Autoren wiedergegebene Bild des Daseins des Volkes mit allen dazugehörigen Eigenschaften wie den gesellschaftlichen Sitten und Bräuchen, Landschaftsbeschreibungen sowie den politischen und kulturellen Aspekten des beschriebenen Zeitabschnittes wird dabei im Vordergrund stehen. Die außergewöhnliche Sprachgestaltung und ihre literarische Funktion werden dabei im Vordergrund der Arbeit bleiben. Die hermeneutischen Hintergründe der beiden literarischen Werke werden dabei induktiv und gründlich ausgearbeitet und analysiert.
4
2 Taras Bulba, die volltönende Stimme des Volkes
2.2 Der Roman „Taras Bulba“ als Perfektion der Gestaltung des ukrainischen Daseins
Der Roman Taras Bulba von Nikolaj Gogol´ gehört zu den berühmtesten und bedeutendsten literarischen Werken der Weltliteratur. In diesem Meisterwerk wird atmende Lyrik des Volksmundes auffallend lebendig widergegeben. Es ist die Lebensgeschichte eines ganzen Volkes, die nur in einer Persönlichkeit personifiziert wurde. Es ist die Geschichte des Leidens der ganzen Nation, die Geschichte einer überwältigenden Liebe zu dem eigenen Heimatland, eine Geschichte von Mut, Furchtlosigkeit und Heldenhaftigkeit. In keinem anderen Roman hat Nikolaj Gogol die Liebe zu der Ukraine so wahrhaft willensstark und ausdrucksvoll offenbart. Kein anderer Roman gestaltet so wirkungsvoll die Frage nach dem ukrainischen Volk und dessen geschichtlichen Vorhandensein. „Taras Bulba“ gibt dem Leser die einzigartige Möglichkeit, die sozialen und gesellschaftlichen Zustände und deren Zeit nicht nur einfach zu erkennen, sondern in die wahren heldenmütigen Gefühle und die „andere“ Denkweise der damaligen Epoche einzutauchen und diese mitzuerleben. Als eines der Leitmotive dieses Romans sah Nikolaj Gogol´ den heldenhaften Kampf der ukrainischen Nation um die eigene Freiheit. Seitdem im 9. - 10. Jh. die Kiewer Rus erschaffen wurde, begann auch die offizielle Geschichte der ukrainischen Nation. Zu dieser Volksgemeinschaft gehörten auch die anderen slawischen Völker. Mit der Zeit aber wurde der Kampf um die Macht und die Grenzanordnungen immer stärker. Diese Auseinandersetzung führte zu einer Schwächung der ukrainischen Grenzen und einem unmittelbaren Angriff und der Trennung/Teilung der Ukraine von der polnischen und litauischen Seite. Ein Teil der Ukraine wurde später an Russland übergeben, ein anderer Teil an Österreich. Diese ständige Aufteilung führte zu einer Abschwächung und starken Beeinflussung der kulturellen und sozialen Basis des ukrainischen Volkes. In dem verzweifelten Versuch, die eigene Freiheit wiederzugewinnen und gleichzeitig die Grenzen vor den immer wieder angreifenden türkischen Rebellen zu bewahren, bildete sich zuerst eine Gruppe freiwilliger Männer, die sich als Kosaken bezeichneten. Zuerst als eine abwehrende militärische Kraft gegründet, kämpften die Kosaken später jahrhundertelang um die Freiheit der Ukraine. Die Demarkation der Kosaken und ihrer Freiheitsforderungen erreichte mit der Gründung der Saporoger Sitsch ihren Höhepunkt. Mit den eigenen, die alten Sitten ehrenden Gesetzen und Vorschriften bildete Saporoger Sitsch ein starkes und unabhängiges Land. Dieses Land gab, wenn auch vorläufig (die Saporoger Sitsch wurde spätestens mit Katharina der Großen der Herrschaft Russlands unterworfen), eine einzigartige Möglichkeit, die scheinbare Freiheit und die eigene, nicht vorgeschriebene Sittlichkeit zu erleben, denn die Kosaken kämpften nicht nur für die Freiheit des Landes.
5
Sie wurden zu einem Symbol der Verehrung des alten Christentums, der altertümlichen Gebräuche und eines Ehrenkodex. Diese kämpferische Mannhaftigkeit wurde darum zu einem der beliebtesten Motive bei Nikolaj Gogol´. Er stellte das ukrainische Volk und die Saporoger Sitsch als eine unheimlich starke, in seinen Überzeugungen nicht zu zerbrechende Kraft dar, die, nach Gogol, ganz Europa von der räuberischen Herrschaft der tatarischen und mongolischen Angriffe befreit hatte. Die Liebe zur Freiheit, die Lebensfröhlichkeit, die einzigartigen Lebenseinstellungen der Kosaken, aber auch ihr Humor und ihre Frömmigkeit waren vorbildlich für Gogol´. Gerade wegen dieser typisch kosakischen Charaktermerkmale wurden sie in Gogols Literatur zu einem Symbol des Friedens, aber auch der heiß begehrten Freiheit des ukrainischen Volkes auserwählt. Sie begeisterten ihn, in ihnen sah er die ganze Ukraine. Im Mittelpunkt des Romans „Taras Bulba“ stehen nicht die Schicksale der einzelnen Menschen, sondern das Schicksal des ganzen Volkes. Gogol´ abstrahierte Taras Bulba Charaktermerkmale wie Liebe zu der Freiheit und Heldenhaftigkeit, die er dem ukrainischen Volk zuschrieb, und personifizierte sie in „Taras Bulba“ zum Menschentypus.
2.2 Die epochemachenden Hintergründe des gogolischen Meisterwerkes
Der Roman „Taras Bulba“ wurde erstmals im Jahr 1835 in der Sammlung Mirgorod mit der Anmerkung „Die fortführende Erzählungen zu Abende auf dem Weiler bei Dikanka“ veröffentlicht. Dabei aber war diese Fortsetzung ein neuer Schritt im Leben des Schriftstellers. In dem ersten Teil seiner literarischen Karriere himmelte Gogol´ noch das Altertum und die Märchenhaftigkeit des ukrainischen Dorfes an. Seine Erzählungen waren liebevoll mit Landschaftsbeschreibungen der unberührten ukrainischen Natur, mit kleinen lustigen Geschichten aus dem Leben des einfachen Volkes, aber auch mit Begeisterung für die Verehrung der Sittenhaftigkeit aufgebaut. Diese liebenswürdigen Darstellungen erfüllten aber nicht den seit Jahren im Herzen Gogol´s reifenden Gedanken, die Oberflächigkeit des ukrainischen literarischen Daseins zu brechen, um die andere wahre und gleichzeitig aber auch unheimlich traurige Seite der ukrainischen Geschichte zu zeigen. Nichtsdestotrotz sollte „Taras Bulba“ die Gogol´ eigenen charakteristischen, literarischen Merkmale und seinen einzigartigen Schreibstil nicht verlieren. Obwohl „Taras Bulba“ einen der tiefsinnigsten und ernsthaftes Gedanken in sich trug, zeigte dieser Roman auch die bunte Farbpalette der ukrainischen Folklore und den unvergänglichen Glauben in eine bessere Zukunft der ganzen Nation.
Der Roman „Taras Bulba“ war ein Ausdruck der Unzufriedenheit mit der damaligen Darstellung des Volksbildes in der Literatur und Kultur. Für Gogol´ war unvorstellbar, nur auf dem Niveau der Beschreibung der Volksmusik und des Brauchtums zu bleiben, denn genau dies wurde in der Zeit vor Gogol´ mit dem ethnografischen 6
Arbeit zitieren:
Mayya Betche, 2009, Die Überlieferungen des Volksbrauchtums in dem historischen slawischen Roman, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Eine semantische Untersuchung der Konjunktion 'weil' mit Verbl...
Germanistik - Semiotik, Pragmatik, Semantik
Seminararbeit, 15 Seiten
Syntaktische und semantische Darstellung des Konnektors 'weil'
Hausarbeit, 17 Seiten
Über die Verwendung von weil-Sätzen in der Mündlichkeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Die Darstellung künstlerischer Entwicklung in 'Die Jesuiterkirche ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 17 Seiten
Analyse von Friedrich Schillers "Die Räuber"
Das Scheitern von Karl und Fra...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 13 Seiten
Probleme der Hilfsverbselektion bei der Perfektbildung in der deutsche...
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Tempuswandel - Zur Entstehung, Bedeutung und Funktion doppelter Perfek...
Seminararbeit, 33 Seiten
Bilingualismus und bilinguale Spracherziehung aus linguistischer Persp...
Examensarbeit, 108 Seiten
Die Rolle der Familie in Schillers "Die Räuber"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Mayya Betche hat einen neuen Text hochgeladen
Der Historiker als Detektiv - der Detektiv als Historiker
Historik, Kriminalistik und de...
Achim Saupe
für Klavier zu vier Händen
Antonín Dvorák, Klaus Döge, Andreas Groethuysen
0 Kommentare