Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Bezug zur Vergangenheit 5
2.1. Inspirationsquelle Kunstgeschichte 6
2.2. Vorbild oder Kopie? 8
3. Sex, Erotik und Provokation. Das Frauenbild Westwoods. 10
3.1. Krinoline und Korsett als Symbole der Weiblichkeit 11
3.2. Die Macht der Mode 14
4. Exkurs: Mode als Rebellion 16
5. Resümierende Schlussbemerkung 18
6. Literaturverzeichnis 20
7. Abbildungsnachweis 22
8. Abbildungen 23
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1. Einleitung
Mode ist Kunst, Notwendigkeit, großes Geschäft, Meisterwerk, Fantasie und für manchen sicherlich auch Belästigung. Mode ist ein Spiegel der Gesellschaft und Ausdruck des Zeitgeistes. Mode erlaubt es den Menschen ihre Erscheinung zu verändern. Die Kunsthistorikerin Anne Hollander erläutert, dass Mode es dem Menschen ermöglicht seine Welt zu kontrollieren, indem er Bilder von sich kontrolliert. 1 Mode ist demnach Inszenierung von Bildlichkeiten.
Die Modedesignerin Vivienne Westwood bedient sich dieses Wissens. Sie nimmt Anleihen an der Kostüm-, Kunst- und Kulturgeschichte, sie spielt mit plakativen Motiven und Klischees, sie provoziert durch Freizügigkeit einerseits, und durch britische Tradition und Opulenz andererseits. Vivienne Westwood erschafft mit ihrer Mode eine Vielzahl an Bildern, ja ganze Bildwelten. Die vorliegende Arbeit soll diesen Aspekt untersuchen und von verschiedenen Seiten beleuchten.
Der Fokus dieser Seminararbeit liegt auf zwei großen Themengebieten. Beide Themengebiete beziehen sich aufeinander und spielen auch in Westwoods Mode zusammen.
Zum einen ist das der Bezug zur Vergangenheit und Geschichte, der bei Westwoods Mode eine wichtige Rolle spielt. Es wird erläutert auf welche Weisen sich die Designerin Inspirationen aus der Kostüm- und Kunstgeschichte holt und wie sie diese in ihrer Mode verarbeitet. Viele Designer holen sich Inspiration aus der Kostüm-, Kunst-, Literatur und Kulturgeschichte. Aber keiner setzt sich so intensiv und offensichtlich damit auseinander wie Vivienne Westwood. Sie setzt sich nicht nur damit auseinander, sie kopiert regelrecht Kleidungsstücke aus der Kostüm- oder Kunstgeschichte. Sie mischt dabei Männer- und Frauenkleidung, verschiedene Epochen und Stile. Trotzdem bleibt sie nicht in der Vergangenheit hängen.
Im Zuge dieses Kapitels wird außerdem auf den Diskussionspunkt des Kopierens eingegangen. Wann wurde ein Kleidungsstück bloß als Inspiration genommen, ab wann ist
1 Vgl. Lehnert 2000, S. 193.
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von Kopie zu sprechen? Der Grad zwischen Kopie und Hommage, zwischen Inspiration und Abklatsch ist dünn und schwer einzugrenzen.
Als zweites großes Kapitel wird das Frauenbild in Westwoods Mode thematisiert. Es geht um Sexualität und Erotik, um die Macht des Weiblichen und um das Spielen mit Klischees. Vivienne Westwood ist eine starke Frau, die ein turbulentes Leben gelebt, hart gearbeitet, viel geleistet und viel erreicht hat. Sie ist Inspiration für viele Frauen. Ihre Mode spiegelt ihr Verständnis von Weiblichkeit und weiblicher Sexualität wieder und kann dabei auch falsch verstanden werden.
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2. Bezug zur Vergangenheit
Die Basis von Vivienne Westwoods Schaffen ist die Tradition, welche nach ihrem Erachten auf keinen Fall zerstört werden darf. Inspirationsquellen sind für sie die Kostümgeschichte, die bildende Kunst und die Literatur.
Der Bezug zur Vergangenheit ist ein sehr wichtiges Element, das in all ihren Kollektionen wiederkehrt. Neben der Verwendung historischer Elemente, zeichnen hochwertige Materialien, exakte Schnitte, wilde Stoffmischungen, eine Anlehnung an die britische Schneiderkunst, Opulenz und Eleganz ihre Mode aus. 2
Vivienne Westwood ist Autodidaktin. Sie hat nie eine Schneider- oder Design-Ausbildung absolviert. Nichts desto trotz ist ihre Herangehensweise eine sehr technische. Besonderen Wert legt sie auf die Schnitttechnik. Schon als Kind begann Vivienne Westwood zu nähen und als Jugendliche fiel sie durch ihre extravagante Kleidung auf. Um den Schnitt eines Kleidungsstückes herauszufinden, trennte Westwood dessen Nähte auf, um es schließlich wieder originalgetreu zusammenzunähen. 3
Westwood brach mit sechzehn Jahren die Schule ab und besuchte daraufhin ein Semester lang die Harrow Art School, wo sie Kurse in Modedesign und Silberschmiedekunst belegte. Als Tochter von Arbeitern konnte sie sich allerdings keine berufliche Zukunft in dieser Branche vorstellen. Sie machte stattdessen eine Lehrausbildung und unterrichtete an einer Volksschule. Auch wenn es sie in dieser Position nicht lange hielt, bleibt das Unterrichten für sie sehr wichtig. „A good teacher is someone who fires people by their enthusiasm“ 4 , sagt Vivienne Westwood selbst.
Sie hatte Professuren an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und an der Berliner Hochschule der Künste inne. Westwood versucht ihre Werte und ihre Herangehensweise an Modedesign ihren Schülern zu vermitteln. Dabei legt sie besonderen Wert auf handwerkliche Fähigkeiten. Eine grundlegende Schneidertechnik ist für sie die Basis jedes modischen Schaffens. Auch das intensive Studium historischer Gewänder und die damit
2 Vgl. Pollack 2001, S. 65.
3 Vgl. Wilcox 2004, S. 9-10.
4 Wilcox 2004, S. 10.
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einhergehende Auseinandersetzung mit dem Aufbau und der Struktur von Kleidungsstücken spielen bei Westwoods Mode eine große Rolle und sollen an ihre Studenten weitergegeben werden. 5
Seit jeher spielen der Bezug zur Vergangenheit und das Lernen aus der Geschichte eine wichtige Rolle im Schaffen von Vivienne Westwood. Die Designerin studierte in Eigenregie den Aufbau und die Struktur von historischen Kostümen im Victoria and Albert Museum und Gemälde von Francois Boucher und Antoine Watteau in der Wallace Collection. Westwood schöpft aus der Geschichte und zieht klassische Vorbilder heran, die sie für sich interpretiert und mit neuen Inhalten füllt.
2.1. Inspirationsquelle Kunstgeschichte
Der Bezug zur Kunstgeschichte spielt bei Westwoods Mode eine wichtige Rolle, vor allem die flämische Malerei des 17. Jahrhundert und die französische Rokkoko-Malerei. Im Folgenden werden einige Beispiele aus der Kollektion Portrait (A/W 1990-91) behandelt, bei welchen Vivienne Westwood verschiedene Inspirationen aus der Kunstgeschichte verarbeitete.
Westwood nannte die Kollektion Portrait, weil sie wollte, dass ihre Modelle wie aus einem Portrait entsprungen wirken sollten. Viele Stücke aus dieser Kollektion sind von Bildern aus dem 18. u. 19. Jh. Inspiriert. DL (Dangerous Liaisons) Suit (Abb. 2 und 3) :
Für die lange, rote Jacke mit schwarzem Samtkragen und Taschen diente das Gemälde Knabe mit Schläger von Walter Hawkesworth Fawkes (1760-1770) als kunsthistorisches Vorbild. Westwood studierte das Gemälde und „kopierte“ den Schnitt der roten Jacke, die der Junge trägt. Westwood zeigte die Jacke zusammen mit einem roten Bleistiftrock, einer Bluse und einem Tuch, bedruckt mit einem Detail aus einem Gemälde von Francois Boucher, als Frauenbekleidung in ihrer Kollektion.
5 Vgl. Pollack 2001, S. 62-68.
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Abb. 4 und 5:
Kunsthistorisches Vorbild ist hier ein Marketerie-Spiegel von André-Charles Boulle von 1713 aus der Wallace Collection. Westwood überträgt die Ästhetik der präzisen Einlegearbeit aus Holz ins Textile. Abb. 6 und 7:
Vivienne Westwood druckte bei diesem Modell einen Ausschnitt des Gemäldes Daphnis und Chloe von Francois Boucher (1943-4) auf eine Korsage.
In der Kollektion Salon (S/S 1992) druckte sie dasselbe Gemälde von Boucher dann auf T-Shirts und Taschen (Abb. 8 und 9). Durch Veränderung der Basis, auf die der Druck aufgebracht wird, erzielt sie ein jeweils völlig unterschiedliches Ergebnis. Sie bezieht sich nicht nur auf die Kunstgeschichte, sondern auch auf ihre eigene historische Vergangenheit, indem sie ein von ihr schon mal verwendetes Motiv zitiert. In Westwoods Kollektionen ist immer wieder ein Bezug zur eigenen historischen Vergangenheit bemerkbar, sie greift ältere Ideen und Modelle wieder auf und überarbeitet sie neu.
Durch den Druck auf Kleidungsstücke werden die berühmten Gemälde trivialisiert. Auf der einen Seite verehrt Vivienne Westwood die Rokoko-Maler und ihre Meistwerke und schöpft aus ihrer Kunst. Andererseits macht sie ihre Gemälde durch den Druck auf T-Shirts, Korsagen et cetera zu einem Massenprodukt und hebt sie damit von ihrem Sockel, auf den sie die Kunstgeschichte gehievt hat. Edwina Ehrmann sieht in diesem Vorgehen eine Anklage an die endlose Reproduzierbarkeit von Kunst und Massenmode:
„But the indiscriminate use of photographic prints of old master paintings on everything from neck ties to peek-a-bood T-shirts can also trivialise the originals, mocking the endless reproducibility of art and commercial fashion.“ 6 Watteau-Dress (Abb. 10):
Dieses Kleid aus der Kollektion Les Femmes (S/S 1996) wurde von den Gemälden des französischen Malers Antoine Watteau (1684-1721) inspiriert (Abb. 11). Auch die Watteaufalte wird von Westwood in einer eigenen Interpretation aufgegriffen. Die
6 Ehrman, S. 68.
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Arbeit zitieren:
Sophie Haslinger, 2009, Vivienne Westwood, München, GRIN Verlag GmbH
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