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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung - 3 -
2. Über den Film und seine Autorin - 4 -
3. Gegensatz Innenwelt und Außenwelt - 6 -
3.1. Haus - 7 -
3.2. Radio - 9 -
3.3. Strommasten - 9 -
3.4. Schrift - 10 -
4. Dissoziation von Bild und Ton - 10 -
5. Bedeutung der Sprache - Thema der Gewalt - 12 -
6. Geschlechterrollen - 14 -
6.1. Thema der Hausarbeit - 14 -
6.2. Der Vater - Ausschluss des Mannes - 16 -
7. Resümierende Schlussbemerkung - 18 -
Quellenverzeichnis ............................................................................. - 21 -
1. Einleitung
„Eine Kamera dringt in ein Haus ein, es ist Nachmittag, im Frühling, sie schaut, sieht.“ 1
Der Film Nathalie Granger ist wie ein langsames Eindringen in ein fremdes Territorium. Als Zuschauer fühlt man sich unwohl, denn die Umgebung ist unbekannt, das Haus ist ein Fremdes. Mit der Zeit erforscht man das Haus von zwei Frauen und nur ganz langsam legt sich das Gefühl von Unbehaglichkeit und Fremdheit.
Nach dem ersten Ansehen des Films, konnte ich, ehrlich gesagt, nicht sonderlich viel mit dem Film anfangen. Ich war etwas ratlos, ich war, auch wenn es paradox klingen mag, überfordert mit dem Minimalismus des Films. Die Handlung ist sehr reduziert, es gibt kaum Dialoge und keine Hintergrundmusik. Nathalie Granger ist kein Film, den man einmal ansieht und alles versteht. Man muss den Film öfter sehen und nach und nach sieht man immer mehr Facetten. Mir vielen auf einmal Dinge auf, die ich vorher noch nie gesehen hatte, ich nahm Gesten und Stimmen auf einmal ganz anders wahr als vorher.
In der vorliegenden Arbeit kann nicht auf alle Aspekte des Films eingegangen werden, das ist bei dieser Längenvorgabe unmöglich. Die Arbeit hat auch nicht den Anspruch eine Film- oder Stilanalyse zu sein. Es war mir wichtig, einzelne Thematiken und Aspekte näher zu beleuchten, die mich beschäftigt haben, mit denen ich mich auseinandergesetzt habe und die, wie ich denke, wichtig für die Wirkung dieses Films sind.
Die Arbeit ist thematisch in fünf Kapitel eingeteilt. Im ersten Kapitel werden allgemeine Informationen über den Film Nathalie Granger und die Autorin angesprochen. Es soll eine Einführung in die Thematik geben und wichtige Hintergrundinformationen liefern. Im zweiten Kapitel wird ein großes Thema des Films ausgearbeitet, nämlich der Gegensatz zwischen Außen- und Innenwelt. In einigen Unterpunkten wird auf die Symbolik des Hauses, des Radios, der Strommasten und der Schrift eingegangen, die alle vier als eine Brücke zwischen
1 Duras 1994, S. 94.
Innen- und Außenwelt gesehen werden können. Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der Trennung von Bild und Ton, welches ein wichtiges Charakteristikum im filmischen Werk von Marguerite Duras darstellt. Im fünften Kapitel wird die Bedeutung der Sprache thematisiert. Die Sprache ist im Film Nathalie Granger von großer Bedeutung und durch die Sprache kommt auch, die im Film allgegenwärtige Gewalt zum Vorschein. Das letzte Kapitel ist der Thematik der Geschlechterrollen gewidmet. Sowohl das Thema der häuslichen Arbeit und die damit verbundene Hinterfragung der Rolle der Frau als Hausfrau, als auch das Ausschließen des Mannes und die damit verbundenen stilistischen Eigenheiten des Filmes, stellen wichtige Aspekte von Nathalie Granger dar.
2. Über den Film und seine Autorin
Man weiß eigentlich nicht viel über Marguerite Duras. Es gibt einige gesicherte Eckdaten über ihr Leben. Aber der Rest ist eine Vermischung von Biographie und Fiktion. Sie hat vieles gesagt, vieles wieder revidiert und anders erzählt. Mal so. Mal so. Marguerite Duras schrieb aus einer inneren Notwendigkeit heraus. Oft legte sie ihren Texten eine biografische Quelle zugrunde, vor allem ihre Kindheit und Jugend in Indochina, die sie in ihren Werken verarbeitet. Liebe, Wut, Angst, Verzweiflung. Duras schrieb nie nach einer gewissen Struktur, sie ging von einem biographischen Aspekt aus und entwickelt ihre Gedanken weiter. Es ist in ihren Werken unmöglich zwischen Fiktion und Autobiographischen Anteilen zu trennen. Sie schrieb ihre eigenen Werke auch oft um, verstrickte Figuren in andere Handlungen, wiederholte Handlungen und beschäftigte sich immer wieder mit denselben Themen. Duras sagte selbst, dass sie, genau wie der Zuschauer, ihre Charaktere nicht kennt. Wenn sie an einem Text geschrieben hat, sei es so gewesen, als hätte ihr vor Jahren jemand eine Begebenheit erzählt, an die sie sich langsam, wie durch einen Nebel, erinnert und die sie jetzt niederschreibt. Die Personen und Handlungen entziehen sich dadurch ihrer Macht, sie versteht die Beweggründe ihrer Charaktere nicht. Sie kennt sie nicht. Sie
ist kein auktorialer Erzähler, der göttlich auf seine Kreaturen herabsieht, sie ist in derselben Position wie wir, die Zuseher. 2
Marguerite Duras schrieb vor allem Romane, aber auch im Theaterbereich war sie sehr aktiv und Ende der 1960er Jahren begann sie sich mit Film zu beschäftigen. Der Film Nathalie Granger entsteht 1972. Sowohl Drehbuch, als auch Regie sind von Marguerite Duras. Nathalie Granger wurde vom 2. bis 16. April 1972 gedreht. Das Haus, in dem sich der Film abspielt, steht in einem Dorf des Departements Yvelines und ist das Haus der Autorin selbst. 3 Ein Grund wieso sich Duras dem Film zuwandte war, dass sie selbst ihre Arbeit in die Hand nehmen wollte. Sie war mit den Verfilmungen ihrer Romane von René Clément und Tony Richardson sehr unzufrieden. Clément und Richardson verfilmten ihre Werke „Un barrage contre le pacifique und „Le marin de Gibralter“. Schon früh sind in ihren Romanen kinematografische Elemente vorgekommen, der Schritt zum Film scheint für Duras nicht weitgewesen zu sein. 4
Egal in welchen Genres Duras auch arbeitete, es ist immer eine Dominanz des Textes bemerkbar. Ihre Texte sind streng durchkomponiert, ihre Sprache einfach, ihr Stil knapp und elliptisch. Ihre Themen sind immer wieder dieselben, Liebe, Leidenschaft, Intensität zwischenmenschlichen Begehrens, Schmerz der Erinnerung und des Vergessens. 5 Der unverkennbare Stil der Duras wird auch als „effet Duras“ 6 bezeichnet. Kolesch und Lehnert beschreiben sehr schön diesen charakteristischen Ton der Duras, „...der ihre Erzählungen mit einer kargen, sehnsüchtigen Klangfarbe überzieht und durch kurze parataktische Sätze grundiert wird, die kühl-distanziert, andeutend und sich suggestiv wiederholend beständig um die Grenzen des Erzählens kreisen und die Stille zwischen den Worten betonen...“ 7 . Die „Stille zwischen den
2 vgl. Kolesch/Lehnert 1996, S. 9-36.
3 vgl. Duras 1994, S. 9 und S. 99.
4 vgl. o. A., 2002.
5 vgl. Kolesch/Lehnert 1996, S. 9-18.
6 Kolesch/Lehnert 1996, S. 10 und Radelhof 2005, S. 18.
„Der ‚effet Duras’ impliziert nicht allein einen elliptisch, nüchtern distanzierten Klang der Literatur Duras’, sondern deutet auf eine drehbuchartige Schreibweise, die ›Cinécriture‹. Als Effekt der dialogischen Dominanz tritt die Erzählung in den Hintergrund des Textes, wodurch die zunehmend kargeren Orts- und Figurenbeschreibungen bis zur eigenen Auflösung nebulös werden.“ (Radelhoff 2005, S. 21)
7 Kolesch/Lehnert 1996, S. 10f.
Worten“ ist in Nathalie Granger ganz besonders auffallend und von großer Bedeutung für den Film. 8
Ein Jahr nach den Dreharbeiten zu Nathalie Granger entstand das Buch zum Film. Das Buch ist im Stil eines Drehbuches mit romanhaften Einfügungen geschrieben. Dieses Buch ist zwar größtenteils parallel zum Film, weißt aber doch Unterschiede auf. Am Auffallendsten sind Szenenabfolgen, die im Buch, oder im Film, umgeändert worden sind. Auch findet sich im Buch eine Szene, die aufgrund der Eigenwilligkeit eines Vogels nicht gedreht werden konnte. Einerseits denke ich, dass es viel von der ursprünglichen Idee widerspiegelt, das heißt, von dem, wie der Film ursprünglich geplant war. Andererseits könnte das Buch auch eine Erzählung aus der Erinnerung sein, in der Sinneseindrücke sich ändern, stärker oder schwächer werden und man gewisse Dinge einfach vertauscht. Duras notiert auch sehr sinnvolle Anmerkungen zu den Blicken, Aussagen und Filmeinstellungen, die helfen den Film zu interpretieren, beziehungsweise nachzuvollziehen wie Duras selbst manche Aspekte gesehen hat.
3. Gegensatz Innenwelt und Außenwelt
Ein bedeutendes Thema, dass sich durch den ganzen Film zieht, ist der Gegensatz zwischen Innenwelt und Außenwelt, beziehungsweise zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem.
Der Film besteht aus einer Reihe von zum Teil sehr langen Einstellungen, die sich kaum aufeinander beziehen und nur durch das Haus zusammengehalten zu werden scheinen. Der Ort, wo der Film spielt, ist der Park und das Haus, indem Isabelle mit ihren Töchtern Laurence und Nathalie wohnt. Dieser Ort des Films wird gegen das Außen abgeschlossen. Die Außenwelt, dass ist der Druck des Schulsystems auf
8 vgl. Kolesch/Lehnert 1996, S. 9-36.
Arbeit zitieren:
Sophie Haslinger, 2008, Nathalie Granger (1972) – ein Film von Marguerite Duras, München, GRIN Verlag GmbH
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