Konfuzianismus und Demokratie: Eine Analyse des Gleichheitsbegriffs im Konfuzianismus 04.01.2009 ,QKDOWVYHU]HLFKQLV
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Konfuzianismus und Demokratie: Eine Analyse des Gleichheitsbegriffs im Konfuzianismus 04.01.2009 (LQOHLWXQJ
Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit der Frage ob der Gleichheitsbegriff im Konfuzianismus mit einer westlichen Sichtweise politischer Gleichheit vergleichbar ist. Gleichheit gilt als eines der Grundelemente von Demokratie und daher könnte, sofern der Gleichheitsbegriff im Konfuzianismus dem westlichen ähnlich ist bzw. entspricht, dieser eine Demokratisierung in China unterstützen. Die Hypothese ist, dass Konfuzianismus in seinen Grundlagen weder demokratisch noch undemokratisch ist, jedoch Elemente enthält, die für eine Demokratie und/oder Demokratisierung förderlich sein können. Daher wird angenommen, dass der Konfuzianismus einen Wert für Gleichheit enthält, der dem einer Demokratie ähnlich ist und prinzipiell nicht gegen politische Gleichheitsbegriffe wirkt.
Zunächst werden in Abschnitt 2 der zugrunde liegende Gleichheitsbegriff und seine Kriterien definiert und im darauf folgenden Abschnitt 3 eine kurze Beschreibung des Konfuzianismus gegeben. In Abschnitt 4 erfolgt dann die Analyse des Konfuzianismus auf demokratische Elemente am Beispiel des Gleichheitsbegriffs. Dieser Abschnitt ist in 5 Teile unterteilt. Als erstes gebe ich unter den Punkten 4.1 und 4.2 eine allgemeine Definition von Gleichheit und Ungleichheit im Konfuzianismus, sowie eine Analyse der Bedeutung von Rationalität und freiem Willen im Konfuzianismus. Anschließend erfolgt die Analyse des Gleichheitsbegriffs in drei Kriterien:
Den Grad an Gleichheit im Sinne der horizontalen Beziehungen einer Zivilgesellschaft, mit der Absicht Erkenntnis darüber zu erlangen ob es neben den bekannten vertikalen hierarchischen Beziehungen auch weitere gleichwertige horizontale Beziehungen gibt. Die Analyse erfolgt im Vergleich zu Beziehungen in Zivilgesellschaften. Eine Analyse der Gleichheit im Konfuzianismus LQ +LQEOLFN DXI ´JHQGHU HTXDOLW\´ 'LHVHU ]ZHLWH 7HLO GHU $QDO\VH EHVFKlIWLJW VLFK PLW GHU Fragestellung, inwieweit Frauen im konfuzianischen Gedankengut an traditionelle Rollen gebunden sind und/oder ob es Möglichkeiten einer ´JHQGHUHTXDOLW\´LP.RQIuzianismus gibt.
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Und abschließend eine kurze Analyse weiterer mit Gleichheit in Demokratien zusammenhängender Aspekte. Die Analyse fokussiert hier auf der Fragestellung, ob Konfuzianismus neben der oben genannten Aspekte weitere grundlegende Elemente enthält, die prinzipiell förderlich für eine Demokratisierung bzw. eine Demokratie sind.
In Abschnitt 5 erfolgt eine Zusammenfassung und Bewertung des Erkenntnisgewinns dieser Hausarbeit.
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Der politische Gleichheitsbegriff gilt als eine der Grundvoraussetzungen von Demokratie. Es ist jedoch sehr umstritten, wie Gleichheit zu definieren ist und wo ihr, zum Schutz kollektiver und individueller Freiheit, Grenzen gesetzt werden sollten. Einige weitläufig anerkannte Kriterien sind die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz, welche Sonderrechte und Sondergerichte verbietet, die nur für einzelne Gruppen, Schichten oder Klassen gelten. Ein Beispiel sind die Nürnberger Rassengesetze vom 15. September 1935, die Juden und andere Minderheiten in Nazideutschland zu Menschen zweiter Klasse machten. Neben der Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, muss also auch eine Gleichheit der Chancen gewährleistet werden. Nach Rawls, dem verstorbenen Harvard Professor für Politische Philosophie und Begründer des egalitären Liberalismus, bedarf es der gleichen Verteilung bestimmter primärer sozialer Güter, wie grundlegender Freiheiten und Möglichkeiten, um die Gleichheit der Chancen zu gewährleisten. Darüber hinaus sollten jedoch auch Bedürfnisse wie die Wohlfahrt und der Wohlstand der Bürger berücksichtigt werden. Indem der Staat diesen Bedürfnissen entgegen kommt, ermöglicht er seinen Bürgern als freie und gleiche Bürger einer Demokratie zu funktionieren. (Daniels 2003, Seite 242) Auf der anderen Seite werden allerdings auch einige Ungleichheiten erlaubt, sofern sie zum Vorteil aller sind und die Freiheiten und Möglichkeiten der Einzelnen nicht gefährden. Da es schwer zu messen ist, wie gleich einzelne Bürger oder soziale Gruppen sind, wird statt dessen häufig der Grad an
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Ungleichheit gemessen. Gewöhnlich wird dazu ein Index primärer sozialer Güter zugrunde gelegt, der sowohl Rechte und Freiheiten, Macht und Möglichkeiten, Einkommen und Vermögen als auch die soziale Grundlage von Selbstrespekt umfasst. (Daniels 2003, Seite 241)
Des Weiteren ist die Gleichheit der Chancen ein wichtiges Kriterium, das in einem Rechtsstaat gewährleistet werden sollte, da wirtschaftliche und soziale Bedingungen, die Freiheiten der Bürger gefährden können. (Knütter 1992) Die Sicherung der Gleichheit der Chancen erfordert zusätzlich, dass wir Menschen für Arbeit und Ämter nicht nur in Bezug auf ihre relevanten Talente und Fähigkeiten beurteilen, sondern dass wir zusätzlich institutionelle Messverfahren zur Korrektur der Art und Weise einrichten, wie Klassen, Rassen und Geschlechter, möglicherweise die normalen Entwicklungen der nötigen Talente und Fähigkeiten behindern. (Daniels 2003, Seite 241) Rawls schreibt den Menschen zusätzlich zwei fundamentale Leistungsmöglichkeiten/Kräfte zu: Rationalität und Vernunft. Ihre Rationalität lässt sich darauf zurückführen, dass sie in der Lage sind über ihre Ziele nachzudenken, sie selbst zu wählen und zu überdenken, sowie die richtigen Hilfsmittel zu wählen um ihnen nachzugehen. Als vernünftig beschreibt er Menschen insofern als vernünftig, als dass sie einen Sinn für Gerechtigkeit besitzen und unter normalen sozialen Bedingungen Fähigkeiten entwickeln, die es ihnen erlauben zu beurteilen, ob etwas recht oder unrecht ist. Des Weiteren gelten sie Menschen als vernünftig, da sie das Bedürfnis haben sich gemäß den Empfindungen Recht/Unrecht zu verhalten, sowie den Wunsch, dass andere Personen sich ebenso verhalten. Den Bedürfnissen der Bürger nach Gleichheit und Freiheit entgegen zu kommen bedeutet, ihnen die Möglichkeiten zu geben ihre moralischen Kräfte vollständig zu entwickeln. (Daniels 2003, Seite 242) Politische Gleichheit ist daher auch eine Bestätigung der Würde der Menschen, welche auf dem Gesetz der Gegenseitigkeit basiert (Rueschemeyer 2004, Seite 5). Ä'LHVHV*HVHW]KlOW,QGLYLGXDOLWlWXQG6R]LDOLWlWLP0HQVFKHQLP*OHLFKJHZLFKW Es sichert die höchstmögliche Selbständigkeit der Persönlichkeit unter gleichzeitiger vollkommenster Entfaltung der Sozialkräfte. Die gleichmäßige (QWZLFNOXQJQDFKEHLGHQ5LFKWXQJHQKLQHUVWPDFKWGHQ0LWPHQVFKHQ³ (Vaerting 2006, Seite 7) Die Aussage von Rueschemeyer führt zu einer weiteren wichtigen
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Charakteristik von Gleichheit, nämlich, dass es sich bei Gleichheit um Beziehungen zwischen den Bürgern handelt. Rice und Feldman (1997) ergänzen dieses Element und beschreiben Gleichheit als horizontale Wechselseitigkeits- und Kooperationsbeziehungen zwischen den Bürgern, die sich in einer Zivilgesellschaft gegenseitig als gleich behandeln. Diese stehen im Gegensatz zu vertikalen Abhängigkeits- und Autoritätsbeziehungen. (ebenda, Seite 1145) Letztere zwingen die Menschen stärker in soziale Rollen, wie z.B. das alle Kinder der Arbeiterschicht später Fabrikarbeiter werden, und schränken dabei ihren Handlungsspielraum, in Bezug auf die Vielfalt ihrer Entscheidungsmöglichkeiten z.B. betreffend ihre Karriere als Fabrikarbeiter, obwohl sie Arzt werden wollen, und die Möglichkeiten zur Selbstentfaltung ein. Auch McKerlie (1996) beschreibt Gleichheit in Form von wechselseitigen Beziehungen zwischen unterschiedlichen Menschen die besteht, wenn die Beteiligten gleichmäßig mit einem wertgeschätzten Gut versorgt sind. Dieses kann ein immaterielles soziales Gut wie beispielweise die Empfindung von Glücklichsein sein als auch materielle Güter wie das Sozialhilfeniveau. Der herrschende Grad von Gleichheit oder Ungleichheit hängt daher davon ab, wie gleichmäßig das wertgeschätzte Gut unter den Betroffenen verteilt ist. Eine moralische Betrachtungsweise des Wertes von Gleichheit sollte daher auf positive Ergebnisse ausgerichtet sein. (ebenda, Seite 274) Zusammenfassend handelt sich beim Gleichheitsbegriff also um horizontale sowie wechselseitige Kooperationsbeziehungen zwischen den Bürgern und nicht um vertikale Autoritäts- und Abhängigkeitsbeziehungen. Auf diese beiden Punkte wird in Abschnitt 4.3 noch weiter eingegangen und ihre Bedeutung ergänzend erläutert. Diese Beziehungen und ihre kritische Wahrnehmung können sich zum Besten entfalten, sofern die Bürger mit primären sozialen Gütern versorgt sind, so dass sie in der Lage sind, diese Beziehungen rational und vernünftig wahrzunehmen. Diese als Gleichheit bezeichneten Beziehungen garantieren allen Bürgern gleiche, grundlegende Freiheiten und Möglichkeiten. Sie beinhalten dabei den Wert der politischen Freiheit, die allen zugänglich ist und allen zusätzlich zum Vorteil reichen soll, in dem Sinne, dass allen Freiheiten gewährt werden bis zu dem Grad, dass dadurch die Freiheiten anderer nicht gefährdet werden. Soziale, ökonomische und kulturelle Ungleichheiten werden
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dabei bis zu einem gewissen Grad akzeptiert, sofern diese nicht die allgemeine Verbindlichkeit der Gleichheit oder die Freiheit des Bürgers gefährden oder zum Wohl aller sind. (Rueschemeyer 2004, Seite 24)
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Der Konfuzianismus ist die philosophische Lehre, beruhend auf den politischen Vorstellungen des Gelehrten Konfuzius. Konfuzius selber hat keines ÄVHLQHU :HUNH³ VHOEVW VFKULIWOLFK QLHGHU JHOHJW VLH HQWVWDQGHQ YLHOPHKU DXV GHn Sammlungen seiner Gespräche und Weissagungen wie sie nach Konfuzius' Tod von seinen Schülern überliefert und zusammengefasst wurden. Der Konfuzianismus war für mehr als 2000 Jahre die Staatsdoktrin des chinesischen Kaiserreichs und gibt in VHLQHP %XFK ´GHVSUlFKH³ GHP sogenannten Lun-yu, Verhaltensnormen und ethische Grundsatzvorstellungen vor sowie Anleitungen und Ratschläge für moralische Staatsführung und die Selbstkultivierung des Menschen. In der konfuzianischen Ideologie kann derjenige, der die Tugenden des Konfuzianismus meistert und Weisheit erlangt, zum Noblen (chinesisch: Junzi) werden, einem der höchsten Ideale im Konfuzianismus.
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Zhang Wei-Bin (1999) leitet aus einer modernen Perspektive des Konfuzianismus 11 Prinzipien der konfuzianischen Lehre ab. Eines dieser Prinzipien ist das Prinzip der natürlichen Gleichheit und sozialer Ungleichheit welches besagt, dass Menschen bei ihrer Geburt als natürlich gleichwertig angesehen werden und ihre soziale Position durch ihre menschlichen Qualitäten/ Talente bestimmt wird. Die soziale Position eines Menschen ist also nicht an
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externe Faktoren wie Volkszugehörigkeit oder die soziale Stellung der Familie gebunden. Diese Vorstellung von natürlicher Gleichheit schließt jedoch nicht ein, dass Menschen auch sozial und/oder ökonomisch gleich sein müssen. (ebenda, Seite 179) Des Weiteren basiert der Konfuzianismus auf der Idee, dass eine gute Gesellschaft hierarchisch organisiert sein soll. Das Ziel dieser hierarchisch organisierten Gesellschaft ist es, Harmonie und Stabilität zu erreichen, indem die Aufgaben in der Gesellschaft nach den Talenten der Menschen verteilt werden. Dabei sollen die tugendhaftesten und talentiertesten Männer an der Spitze der Gesellschaft stehen und die Menschen ihre Aufgaben gewissenhaft erledigen. Zudem sollen sie den höher Stehenden Respekt und Loyalität zollen, wohingegen selbige zum Wohl der ganzen Gesellschaft arbeiten sollen. Diese Struktur soll nicht einer privilegierten Klasse dienen, sondern allen Menschen zum Wohl und zu einer Harmonie der gesamten Gesellschaft führen. (Zhang 1999, Seite 179) Bei dieser Auffassung gibt es zwei wichtige Punkte die im Verlauf der Arbeit analysiert werden sollen. Erstens, ob im Konfuzianismus neben dem hierarchischen Gesellschaftskonzept, also den vertikalen Autoritäts- und Abhängigkeitsbeziehungen, auch horizontale, gleichwertige Beziehungen, vorhanden sind die mit politischer Gleichheit vergleichbar sind. Zweitens soll analysiert werden, wie weit faire und gleiche Möglichkeiten für alle existieren, die wichtigen Positionen an der Spitze der Gesellschaft zu erreichen, unabhängig vom sozialen Hintergrund oder Geschlecht, etc.
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Ein weiteres von Zhang (1999) definiertes konfuzianisches Prinzip ist ´IUHLHU :LOOH XQG 5DWLRQDOLWlW´ 'HU .RQIX]LDQLVPXV EHWUDFKWHW GLH *HVHOOVFKDIW als dynamisch und nimmt die Existenz einer universellen Wahrheit (auch Weg genannt) an, jedoch wird nicht davon ausgegangen, dass dieser Weg bereits vollständig ergründet wurde. Vielmehr wird der Verstand im Konfuzianismus als isolierte Existenz betrachtet, die nicht von außerhalb bestimmt ist. Jeder Verstand ist dem anderen von Natur aus ebenbürtig. (ebenda, Seite 178) Der Noble ist dabei kein Mittel zum Zweck für den Staat oder andere. Weder er noch andere sind als
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Jann Christoph von der Pütten, 2009, Konfuzianismus und Demokratie, München, GRIN Verlag GmbH
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