GLIEDERUNG
E I N L E I T U N G 1
VORGESCHICHTE 2
MAI BIS SEPTEMBER 1962 4
DIE KRISE IM OKTOBER 1962 6
NACH DER KRISE 12
L I T E R A T U R 1 3
II
EINLEITUNG
Im Oktober 1962 kam es zu einer sehr ernsten Konfrontation zwischen den beiden atomaren Supermächten der Welt, den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion. Der Auslöser für diese bedrohlichste Krise seit Ende des Zweiten Weltkrieges war die Stationierung sowjetischer Atomraketen auf Kuba. Die Kubakrise wird als Höhepunkt und gleichzeitig als Wendepunkt des Kalten Krieges angesehen.
In dieser Arbeit möchte ich, nach der Schilderung der Vorgeschichte des Konfliktes, besonders auf die zwei Wochen vom 14. 10. bis zum 28.10. 1962 eingehen und erläutern, wie die Krise eskalieren konnte und wie dann, vielleicht in letzter Minute, eine Lösung gefunden wurde, die die Welt vor einer atomaren Katastrophe bewahrte.
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VORGESCHICHTE
Die USA intervenierten nach 1902 drei Mal in Kuba, um amerikanische Interessen zu sichern. Dadurch geriet Kuba in eine völlige Abhängigkeit zu Amerika. Rund 80% der Wirtschaft Kubas wurden von den USA kontrolliert, 40% der Zuckerindustrie und 90% bei der Förderung von Rohstoffen. Während die amerikanische Industrie die kubanische Ökonomie beherrschte, hatte die amerikanische Mafia, besonders von Miami und Las Vegas aus, die Hotels und die Spielcasinos der Insel unter ihrer Kontrolle. 1
In den 50er Jahren regierte der kubanische Diktator Fulgencio Batista in Abhängigkeit von Washington. Er stützte seine Macht auf die Armee, die wiederum von den USA ausgebildet und finanziert wurde. Sein Regime war repressiv und nicht nur die Menschen, sondern auch ein Großteil der Unternehmer war gegen ihn. Nach einem langen, erbitterten Bürgerkrieg gelang Fidel Castro 1959 der Umsturz in Havanna, der von der Bevölkerung begeistert gefeiert wurde. Zunächst begrüßten auch die USA den Sieg Castros, da sie hofften, wieder mehr Einfluss zu erlangen, nachdem der ehemalige Diktator sich zunehmend den Wünschen Washingtons widersetzt hatten (besonders bei dem Wunsch nach moderaten politischen Reformen).
Castros Forderungen nach fairen handelspolitischen Bedingungen wiederum blieben in den USA ungehört. Castro wollte die Beziehungen mit den USA nicht abbrechen. Als er die USA um ein Darlehen bat, das brüsk abgelehnt worden war, wurde die feindselige Haltung der US-Regierung gegenüber dem neuen Regime auf Kuba immer deutlicher. Die USA unterstützten die Opposition gegenüber Castro durch Terror- und Sabotageakte und Mordanschläge. So war es nicht sehr überraschend, dass Castro die USA mehr und mehr kritisierte und politisch nach links rückte und andere, von den USA unabhängige, Handelspartner suchte. Anfangs waren die Kommunisten nur ein kleiner Teil der Revolutionsregierung, wurden aber immer stärker und einflussreicher. 2 Neben einem umfassenden Alphabetisierungsprogramm, kostenloser medizinischer Versorgung der Bevölkerung begann Castro vor allem eine grundlegende Landreform und verstaatlichte amerikanisches Eigentum - ein „Opfer“ dabei war die in Lateinamerika fast allmächtige United Fruit Company. Für seine Reformen benötigte Kuba aber Geld. Die USA verweigerten aber jegliche Kredite, ebenso der von den USA dominierte Internationale Währungsfonds. Chruschtschow dagegen hieß Castro als neuen Führer willkommen und unterzeichnete 1960 ein Handelsabkommen mit Kuba. Die amerikanische Reaktion kam bald: Im Oktober 1960 wurde der Export von Erdöl nach Kuba und Importe aller Waren von der Insel durch ein Dekret der Regierung verboten. Eine der letzten Amtshandlungen der Eisenhower-Regierung im Januar 1961 war der Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Gleichzeitig wies er die CIA an, einen Geheimplan zur Invasion Kubas und zum Sturz Castros auszuarbeiten. Als Kennedy Präsident wurde, übernahm er die weiter entwickelten Pläne
1 Dieses starke Interesse der US-Mafia an Kuba führte unter anderem dazu, dass die CIA professionelle Mafiakiller auf Fidel Castro angesetzt hat.
2 Hacke, S. 79.
2
größtenteils unkritisch und ließ es zu, dass Exilkubaner im April 1961 mit Hilfe der CIA einen Umsturzversuch unternahmen, der aber kläglich scheiterte. 3
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und von Beginn des Kalten Krieges an, war es das Ziel der USA und auch der Sowjetunion die jeweilige Einflusssphäre auszudehnen. Zwei gegensätzliche Wirtschaftssysteme und Ideologien standen sich unversöhnlich gegenüber und mit immer neuen Waffentechnologien versuchte man die eigene Überlegenheit zu demonstrieren. Es gab auf beiden Seiten Konzepte, dass man mit atomaren Erstschlagswaffen den Gegner überraschte und - eben mit dem ersten Schlag - weitgehend vernichtete. Große eigene Verluste nahm man dabei billigend in Kauf, soweit man den Gegner dabei eliminierte und als „Sieger“ aus der Konfrontation hervor ging. Um diese Erstschlagsmöglichkeit zu erreichen, sollten Atomraketen möglichst nahe am Feindesland stationiert werden. Die USA erreichten dies mit der Stationierung von Mittelstreckenraketen in Italien und vor allem in der Türkei. Die Sowjetunion hatte bis dahin keine Möglichkeit Mittelstreckenraketen in Reichweite des Territoriums der USA aufzustellen. Erst mit der Machtübernahme von Castro auf Kuba sah die Sowjetunion die Möglichkeit, diesen strategischen Nachteil auszugleichen. Im Oktober 1962 besaßen die USA eine Überlegenheit bei den Atomraketen von 17:1. Im April des gleichen Jahres waren in Italien und der Türkei insgesamt 45 Atomraketen von den US-Streitkräften installiert worden, die auf die UdSSR gerichtet waren und von der Sowjetunion natürlich als Bedrohung angesehen wurden. Zusätzlich verfügten die USA über Atomraketen, die von U-Booten aus abgefeuert werden konnten. Auch diesen Polarisraketen hatten die Sowjets nichts entgegenzusetzen. Diese Waffensysteme waren eindeutig dazu geeignet, einen atomaren Erstschlag zu führen, während die Langstreckenraketen und Langstreckenbomber, über die auch die Sowjetunion verfügte, zu einem Erstschlag nicht geeignet waren.
Die geplante Aufstellung von Mittelstreckenraketen auf Kuba hatte auch eine ökonomische Komponente, denn sie fungierten gewissermaßen als Langstreckenraketen und hätten somit zumindest vorerst den Haushalt der Sowjetunion entlastet. Diese Überlegung scheint auch die sowjetischen Militärs kompromissbereit gemacht zu haben, denn sie standen diesem Experiment auf Kuba zunächst sehr misstrauisch gegenüber. 4
Für Chruschtschow war dieses Einsparen an großen Finanzmitteln - wenn man, zumindest vorerst, keine weiteren Langstreckenraketen anschaffen musste - ein wichtiger Punkt, da er entschlossen war, viel Geld in die weitere industrielle Entwicklung des Landes zu stecken, um den Vorsprung des Westens zu verringern oder gar einzuholen.
3 Zinn, S. 142/143.
4 Hacke, S. 80.
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Arbeit zitieren:
Danka Todorova, 2006, Die Kuba-Krise 1962, München, GRIN Verlag GmbH
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