Inhaltsverzeichnis
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1 E i n l e i t u n g
3
2. Modale Interpretation nach Heinz Vater
2.1. Das Problem der Futurtempora 5
2.2. Werden Infinitiv Präsens 5
2.3. Werden Infinitiv Perfekt 7
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3. Futurtempora nach Rolf Thieroff
3.1. Futur I 8
3.1.1. Modalität 9
3.2. Futur Präteritum I 10
3.2.1. Die Zukunft der Vergangenheit in Grammatiken des Deu-
tschen 11
3.2.2. Futur Präteritum I in der erlebten Rede 12
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4. Zukunft in der Vergangenheit im Deutschen nach Vuillaume
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5. Die Bedeutung der Futurtempora bei Peter Bichsel
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6. Methodisch-didaktische Reflexion
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7 F a z i t
8. Literatur 20
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1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit der Bedeutung der Futurtempora im Deutschen. Gegenstände meiner Untersuchung sollen zum einen die modale Interpretationen von Futurtempora im Deutschen nach Heinz Vater, zum anderen die Problematik des Futurs nach Rolf Thieroff und Marcel Vuillaume sein.
Zunächst werde ich die modalen Interpretationen von Futurtempora behandeln, bevor ich näher auf die Bedeutung des Futurs nach Thieroff und Vuillaume eingehen werde. Anschließend beschäftige ich mich mit der Bedeutung der Futurtempora gemäß den Arbeiten von Thieroff. Diese möchte ich an ausgewählten Beispielen aus Peter Bichsels Kurzgeschichten („Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen”, 1993) veranschaulichen.
Darauf folgt eine methodisch-didaktische Reflexion, die essentielle Erkenntnisse für die Unterrichtspraxis liefern soll.
2. Modale Interpretation nach Heinz Vater
Tempus ist vorrangig als Gegenstand der Semantik zu betrachten, erstreckt sich jedoch auch auf die linguistischen Bereiche Morphologie, Syntax, Pragmatik sowie Psycho- und Textlinguistik.
Nach Wunderlich (1976), Reis (1980) und Bierwisch (1983) u. a. bildet die wörtliche Bedeutung sprachlicher Ausdrücke die Grundlage der semantischen Disziplin. Hierbei kann „Ausdruck“ ein Wort, eine Phrase oder einen Satz darstellen. Der Begriff „Bedeutung“ bezieht sich den Autoren zufolge auf die Dimensionen „Sinn“ und „Referenz“. Mit Sinn ist die innersprachliche Ebene gemeint, mit Referenz hingegen die außersprachliche. Die sprachlichen Ausdrücke werden immer in Bezug auf ihre „Wirklichkeit“ gesehen. Die Mehrheit der Linguisten vertritt die Auffassung, dass es sich bei den Tempora um Sprachmittel handle, die eine so genannte Zeitreferenz aufweisen. Mit „Zeitreferenz” ist der „Bezug sprachlicher Mittel auf zeitliche Relationen zwischen Ereignissen” 1 gemeint.
1 Vater (1997), S.53
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Es werden Relationen der persönlichen Zeit angegeben. In diesem Sinne führt Comrie (1985) grammatische sowie lexikalische Mittel im Zusammenhang mit der Zeitreferenz an. Zu den grammatischen Mitteln zählen Tempora und Aspekt (falls vorhanden), lexikalische Adverbien - wie zum Beispiel jetzt, heute - und Präpositionalphrasen - wie vor drei Tagen, beim Essen, in zwei Jahren”. Comrie weist darauf hin, dass sich grammatische und lexikalische Mittel stark unterscheiden. Als Differenzierungskriterien gelten Obligatheit und Gebundenheit 2 .
Nach Bull (1968) existiert ebenso die Relation der persönlichen Zeit (personal time), die er jedoch von der öffentlichen Zeit (public time) abgrenzt. Die öffentliche Zeit wählt als Maßstab die „metrische Periodizität von Naturphänomenen” 3 . Die persönliche Zeit wiederum entspricht Zeitabschnitten subjektiv eingeschätzter Zeitspannen. Das Jetzt steht im Zentrum der persönlichen Zeit. Seit Bühler (1934) geht man davon aus, dass das Jetzt „ein deiktisches, am Sprechereignis orientiertes Zeitintervall ist, der zeitliche Null-Punkt in einem egozentrischen Koordinatensystem 4 . Das Sprechereignis bildet immer den Ausgangspunkt. Diesen Punkt nennt Reichenbach (1947) „point of speech” symbolisiert durch „S”. Das Sprechereignis vollzieht sich zu einem Zeitpunkt „E“ - „point of event”. Die Zeitleisten „vor“, „gleichzeitig“ und „nach” markieren ein Geschehen mit Bezug auf „S“ als vergangen, gegenwärtig oder zukünftig. Im Gegensatz zu den Grammatikern, die das finite Verb als zeitliche Dimension ansehen, vertritt Weinrich (1964) die These, dass Tempora Ausdruck von Sprechhaltungen darstellten. Gemäß Weinrich lassen sich die Tempora zwei unterschiedlichen Gruppen zu-ordnen. Eine von diesen bezeichnet er als „besprechende“, die Präsens, Perfekt und Futur I beinhaltet. Die zweite sieht er als „erzählende“ an, nämlich Präteritum, Plusquamperfekt und Futur II 5 .
2 Comrie, S.10
3 Vater, (1997), S.54
4 Zitiert nach Bühler 1934
5 Vater, (1997), S.55
4
2.1. Das Problem der Futurtempora (werden + Infinitiv-Konstruktion)
Die Diskussion um die deutschen Futurtempora hat Saltveit (1960, 1962) in Bewegung gesetzt. Er führte die These an, dass modaler und temporaler Wert „im Verhältnis der umgekehrten Variationen” zueinander stehen: Bei zunehmendem Zukunftsbezug nimmt die „Modusfunktion” ab und umgekehrt 6 . Vater führte die These ein, dass „werden + Infinitiv grundsätzlich als Modalverbkonstruktion zu werten” ist 7 . Bei einem Vergleich mit den Modalverben müssen, können, wollen, sollen, dürfen, mögen und möchten kann man feststellen, dass werden syntaktisch und semantisch wie ein Modalverb reagiert, sowohl bei Gegenwartsbezug - „Es wird (gerade) zehn Uhr sein“ - als auch bei Zukunftsbezug„Peter wird (morgen) kommen.“ Bei Beschreibung eines mittleren Grades der Wahrscheinlichkeit zeigt sich werden mit einer konstanten, kontextinvarianten und damit wörtlichen Bedeutung 8 .
Vater führte ein, dass sich im Deutschen in Bezug auf die Bezeichnung von Zukünftigem zwei Systeme differenzieren: Spontansprache mit Gebrauch von Präsens und die Schriftsprache mit häufigem Gebrauch der werden-Formen. Bei Analysen der gesprochenen Sprache (Telefondialoge) ergibt sich, dass zukünftige Ereignisse zu 75% durch einfaches Präsens und nur zu 5% durch die werden-Konstruktion ausgedrückt wurden 9 .
2.2. werden + Inf. Präsens
Vater vertritt die These, dass die Konstruktion werden + Infinitiv nicht in Bezug auf die Zukunft, sondern auf die Gegenwart entsteht. So wird (1) als Antwort auf die Frage Wie spät ist es? benutzt. Der Unterschied zwischen (1) und (2) ist nicht in der unterschiedlichen Zeitreferenz festzustellen, sondern in der in (1) „mit ausgedrückten inferentiellen Modalität; es ist eine Wahrscheinlichkeitsaussage 10 . (1) Es wird zehn Uhr sein.
6 Vater (1997), S.58
7 ebd.
8 zitiert nach Reis, 1980
9 Vater (1997), S.58
10 Vater (1997), S.59
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(2) Es ist zehn Uhr.
Eine Verbindung mit „perfektiven“ Verben wie kommen oder „neutralen“ Verben wie arbeiten ist in Bezug auf die Gegenwart zu treffen: (3) Peter wird kommen. (4) Peter wird arbeiten.
Den Satz (3) kann der Sprecher äußern, nachdem er ein Geräusch an der Tür gehört hat, den Satz (4), nachdem er Peter nicht am erwarteten Ort angetroffen hat. Umgekehrt, d.h. in Bezug auf die Zukunft, ist keine inferentielle Modalität festzustellen, also die Bezeichnung einer Sprechannahme über die Wahrscheinlichkeit des ausgedrückten Ereignisses 11 . Die spezifische Aktionsart des Verbs ist auch hier kein Hindernis für die Annahme einer Modalaussage. Dies wird durch die Beispiele wie (6a) und (6b) gezeigt, wo das Präsens eine nicht modale Zukunftsaussage ausdrückt. Werden+ Inf. Präsens drückt hier eine Wahrscheinlichkeit aus: (5) Peter wird zu Hause sein. (6a) Morgen ist Mittwoch. (6b) Morgen wird Mittwoch sein.
Die Beispiele in (7a) und (7b) beweisen, dass in werden + Infinitiv Präsens eine Modalität enthalten ist. Der Geburtstag ist mit Sicherheit voraussagbares Geschehen und das „gilt sogar für den Fall, dass der Sprecher den bevorstehenden Geburtstag nicht erleben sollte“ 12 .
(7a) Nächsten Freitag habe ich Geburtstag. (7b) Nächsten Freitag werde ich Geburtstag haben.
Vater stellt fest, dass werden einen mittleren Grad der Wahrscheinlichkeit aufweist. Die ausgedrückte Wahrscheinlichkeit ist zwischen müssen und können zu treffen: (8) Peter muss/wird/kann zuhause sein.
Die Gründe, die dafür sprechen, dass werden wie ein typisches Modalverb reagiert, sind folgende:
- Es verbindet sich mit einem Infinitiv ohne zu.
- Es bezeichnet einen Wahrscheinlichkeitsgrad in Bezug auf das im Hauptverb ausgedrückte Ereignis.
11 ebd.
12 ebd.
6
Arbeit zitieren:
Danka Todorova, 2005, Tempus und Temporalität im Deutschen, München, GRIN Verlag GmbH
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