Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Hauptteil. 5
1. Bildbeschreibung - Bildgestaltung. 5
1.1 Motiv(wahl) 5
1.2 Bewegungs-Komposition 6
1.3 Verzerrte Perspektive(n)? 8
1.4 Farbe 10
1.5 Emanzipation des Stilllebens. 13
1.6 Zusammenfassung 14
2. Intention. 17
2.1 Intention - malen was man sieht 17
2.2 Die Wahrnehmung. 18
2.3 Natur 19
3. Die Auswirkung(en) Cézannes 20
3.1 Einfluss des Impressionismus. 20
3.2 Aufhebung der Gattungshierarchie. 23
3.3 Cézanne und Matisse 25
3.4 Cézanne und der Kubismus 26
4. Cézanne - ein Vater der Moderne? 28
III. Fazit 31
V. Bildverzeichnis 33
VI. Literaturverzeichnis 40
I. Einleitung
Das Thema dieser Hausarbeit befasst sich mit dem Spätwerk Paul Cézannes Stillleben mit Äpfeln und Orangen, das er 1895-1900 mit Öl auf einer 73 x 92 cm großen Leinwand gemalt hat und sich heute in Paris, im Musée d’Orsay befindet. Diese Stilllebendarstellung veranschaulicht sehr gut, welche Intention Cézanne mit seiner Malerei verfolgt hat. Aus diesem Grund wird dieses Werk einleitend genutzt, um die Aufgabe des Künstlers und dessen Ziel nach Auffassung Cézannes vorzustellen. Dabei wird ebenfalls die Cézanne’sche Art und Weise zu malen veranschaulicht, die einerseits der Weg gewesen ist, seinen künstlerischen Absichten näher zu kommen, und andererseits die Form gewesen ist, seine künstlerische Absicht(en) am besten zum Ausdruck zu bringen.
Deshalb beginnt diese Arbeit mit einer ausführlichen Bildbeschreibung (Kap. 1), wodurch bereits die Besonderheiten der Cézanne’schen Malweise z. T. sichtbar werden sowie auch Grundzüge seiner Intention. Auf die Intention - vor allem das Problem der Wahrnehmung - geht diese Arbeit im nächsten Schritt genauer ein (Kap. 2).
Das dritte Kapitel verdeutlicht einerseits, wie bzw. wodurch die Malweise Cézannes die bis dahin noch in den Akademien herrschende Gattungshierarchie abgelöst hat und welche (anderen) Auswirkung(en) die malerische Darstellung(en) dieses Künstlers sowohl auf seine Zeit (zum Beispiel Weiterentwicklung bzw. sogar Ablösung des Impressionismus) wie auch auf die spätere(n) Generationen (besonders Matisse und den Kubismus) gehabt hat. Andererseits wird in diesem Kapitel veranschaulicht, warum Cézanne heute neben Van Gogh und Gaugin als einer der Väter der Moderne bezeichnet wird (Kap. 3).
Dementsprechend liegt der Schwerpunkt dieser Arbeit besonders auf der Erläuterung der visuellen Wahrnehmung eines Motivs nach Cézanne und deren künstlerische Umsetzung, wobei die Auswirkung(en) seiner Kunst ebenfalls vorgestellt werden.
In den Argumentationen stützt sich diese Arbeit hauptsächlich auf zwei Autoren: Gottfried Boehm und Maurice Morleau-Ponty. Außerdem bezieht sich diese Arbeit auf die Ansichten bzw. Aussagen unter anderem von Maurice Denis,
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Friederike Kitschen, Dorothe Lehmann, und Meyer Schapiro und Richard Shiff. Zusätzlich werden Äußerungen bzw. Berichte unterschiedlicher Zeitgenossen des Malers zitiert, wie zum Beispiel Emile Bernard, Louis de Bail und Paul Sérusier sowie Cézanne selbst.
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II. Hauptteil
1. Bildbeschreibung - Bildgestaltung
1.1 Motiv(wahl)
Das Spätwerk Cézannes Stillleben mit Äpfeln und Orangen (Bild.1) ist auf den ersten Blick sehr verwirrend.
Eine hell-leuchtende, weiß-graue und z. T. gelblich-blaue Fläche erfasst als erstes den Blick des Betrachters. Es ist ein weißlicher Stoff, der auf einem Tisch gefaltet ist und den Vordergrund des Bildes bestimmt. Auf diesem befinden sich rot-orange-gelbe Kugeln, die als Früchte - dem Bildtitel nach: als Äpfel und Orangen - zu definieren sind. Ein weißer Krug, der verziert ist mit Blumen bzw. anderen undefinierbaren, bunten, die Farben der Früchte aufgreifenden Ornamenten, eine weiße, ovale Obstschale mit Orangen sowie ein ebenfalls weißer, runder und scheinbar nach vorn kippender Teller, auf dem sich Äpfel befinden, sind zusätzlich zu den lose-verteilten Früchten auf der weiß-leuchtenden Tischdecke platziert.
Diese helle Stoffdecke, inklusive der sich darauf angeordneten Gegenstände, bildet einen Kontrast zu den dunkleren, schwer wirkenden und hauptsächlich in Blau-Tönen gehaltenen Stoffen, die in den Hintergrund gerückt sind, und die auch die reinen Gelb-, Orange- und Rot-Töne der Früchte sowie der Ornamente des Kruges enthalten bzw. wideraufgreifen. Dabei ist der linke Stoff eher mit warmen und eckigen Ornamenten verziert, wobei der rechtete mehr mit kälteren und gerundeten Mustern geschmückt ist. Fließend verlaufen die Stoffe dank ihrer Falten ineinander.
Das ganze Bild ist von den wild-drapierten, in sich tummelnden, zum Eigenleben erwachenden Stoffen ausgefühlt. Wie Berge eines Landschaftsbildes tummeln sich die blauen Stoffe im Hintergrund - ähnlich den Landschaftsbildern, die das Motiv Montagne Saint Victor darstellen (Bild.2). Von allen vier Bildrändern werden diese Stoffe überschnitten. Und nur die Bildecke rechts-oben ist mit einem braunen Ton ausgefühlt und somit nicht durch die Stoffe umhüllt, was einen Blick auf ein Fragment der Wand hinter der Stoffkomposition zulässt - ähnlich den früheren Stilllebendarstellungen Cézannes, in denen die Wand hinter der Motivkomposition, wie eine Fläche sichtbar bzw. erfassbar ist (Bild.3).
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1.2 Bewegungs-Komposition
Der blaue Hintergrund-Stoff in der linken Bildhälfte ist, wie bereits erwähnt, dunkler als in der rechten (s. Kap.1.1). Auf Grund dieser Schattierung der blauen Stoffe entsteht eine runde Bewegung, die von der rechten-unteren Bildecke zum oberen Bildrand verläuft und am rechten Bildrand unten endet. Dadurch wird das Szenario auf der weißlichen Decke noch mehr in den Vordergrund gerückt, so dass es fast aus dem Bild heraus zu fallen bzw. herausgedrückt zu werden droht. Unterstützt wird dieser Effekt durch den schweren Faltenwurf des weißlichen Stoffes, der in einer kubus-ähnlichen Form leicht diagonal - widersprüchlich den Gesetzen der Schwerkraft - nach rechts-unten fällt, so dass er in diese Richtung auch die Früchte und das Geschirr mit sich zieht. Der einzelne Apfel, der genau in der Bildmitte platziert ist, scheint ebenfalls mit der Decke bzw. von der Decke abzurollen. Unterstützt wird dieser Fall bzw. Zug der weißlichen Decke noch zusätzlich durch den nach vorn-rechts scheinbar kippenden Apfel-Teller. Auf diese Weise entsteht eine dynamische Diagonale, die das komplette Arrangement auf der Tischdecke mit sich aus dem Bild hinaus zu ziehen droht. Wird diese Linie (von unten-rechts nach oben-links) weiter verfolgt, so entdeckt der Betrachter eine Obstgruppe hinter dem Teller. Diese Früchte werden nach hinten hin immer kleiner und scheinen sich dadurch in dem dicken Stoff zu verlieren, was wiederum eine Tiefenwirkung erzeugt und somit ebenfalls ein Gegengewicht zu dem herunter fallenden Obst auf der herabrutschenden Decke. Ungewiss ist, ob die Obstschale und der Krug ebenfalls mit der Tischdecke abrutschen, denn es kann nicht definitiv bestimmt werden, ob sie tatsächlich auf dieser weiß-leuchtenden Decke stehen. An der Stelle nämlich, an der diese beiden Gegenstände den weißen Stoff berühren sollten, scheinen diese eher mit der Decke, auf Grund der fehlenden Konturen und dem gleichen Weiß-Ton, zu verschmelzen, so dass sie auch hinter und nicht nur auf der Decke stehen könnten. Stehen sie auf der Decke, so rutschen sie mit hinunter, stehen sie hinter der Decke, so bilden sie eine Gegenkraft zu dem Herabrutschen. Stehen sie auf der Decke, so gehören sie noch zum Vordergrund, stehen sie hinter, so gehören sie zum Hintergrund.
Eine weitere Gegenbewegung zu der dynamischen, herabrutschenden Diagonalen wird durch die Schräge der kaum sichtbaren Tischplatte, da sie durch die Fülle der Drapierungen fast vollkommen verdeckt wird, gebildet. Diese Bewegung vollzieht sich von rechts-oben nach links-unten. Eine Parallele verläuft zu dieser
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Tischoberkante. Diese wird aus den vor dem Krug in zwei Parallellinien angeordneten Früchten und dem Bildmittelpunkt-Apfel gebildet, wodurch die die Dynamik hemmende Gegenbewegung verstärkt wird. Diese beiden Parallelen nämlich verlaufen viel flacher zu den horizontalen Bildrändern als die bedrohende Diagonale, so dass sie das Herabrutschen der Tischkomposition stoppen. Zusätzlich wird das Hinabrutschen der Bildelemente durch den senkrechten Fuß der Obstschale, auf der sich die Orangen befinden, gebremst. Diese Senkrechte des Schalenfußes wird ebenfalls durch das fast senkrechte, unter der weißen Decke hervorblickende Tischbein und die zweite Falte der weißen Decke in der linken Bildhälfte, die senkrecht vom Tisch fällt, aufgenommen. Diese Falte ähnelt zwar auch einem Kegel, jedoch steht dieser nicht wie die große Deckenfalte kopfüber, sondern wird immer breiter, je näher er dem unteren Bildrand entgegen kommt, so dass das Gefühl der Stabilität verstärkt wird. Diese Stabilität wird außerdem noch einerseits durch die Komposition des Stilllebens auf der weißlichen Decke, andererseits durch die Horizontale, an der sich der helle, weißliche Stoff mit den dunklen, blauen berührt, unterstützt. Die durch die Stoffe gebildete Horizontale lässt nämlich eine Horizontlinie (wie in einem Landschaftsbild) assoziieren und die Komposition der Früchte ist eine gezielte Dreieck-Tischkomposition. Beide vermitteln das Gefühl von Festigkeit und Ordnung. Die Basis der Dreieckkomposition bildet die bereits beschriebene Parallele zu der Tischplatte (s.o.). Die zweite Linie des Kompositionsdreiecks beginnt an dem äußersten Apfel in der rechten Bildhälfte, der auf der Tischecke liegt. Sie läuft über den Krug hindurch bis zu der obersten Orange auf der Obstschale, von wo aus die dritte Dreieckslinie entlang der Orange, die am meisten links auf der Schale liegt, und an den Äpfeln auf dem Teller entgegen der linken-unteren Bildecke verläuft. Abgesehen von dieser die Stabilität des Bildes unterstützende Tischkomposition wirken zusätzlich die Gegenstände auf der Decke, sowohl die Früchte, wie auch das Geschirr, wie Figuren auf einer Bühne, was wiederum ein Gefühl von Ordnung und Statik verleiht.
Eine solche zwiespältige Komposition, die einerseits bewegt und chaotisch und andererseits doch in sich ruhend und geordnet wirkt, ist ein wesentliches Merkmal der Malweise Cézannes, was sowohl in den früheren (Bild.4) als auch späteren (Bild.5, Bild.6) Werken des Künstlers beobachtbar ist. Besonders die bühnenhafte
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Anreihung der Gegenstände ist in den früheren Bildern Cézannes sichtbar (Bild.3, Bild.7).
Besonders wenn der Betrachter diese scheinbar ruhig wirkenden Bildbeispiele vor Augen hat, wird ihm sowohl der geordnete Chaos und die überladene Fülle der Stoffe als auch der Erfindungsreichtum des Bildes Stillleben mit Äpfel und Orangen deutlich.
1.3 Verzerrte Perspektive(n)?
Ein Aspekt, der die gerade beschreiben Stabilität des Bildes außer Kraft setzt, ist die ständig schwankende Einteilung des Vordergrund und Hintergrund: Einerseits wird dank der Dreieck-Tischkomposition, der Bildhorizontalen (zwischen dem hellen und dunklen Stoffen) und der Obstgruppe hinter dem Teller das Bild eindeutig in Vordergrund und Hintergrund eingeteilt. Besonders, da die Früchte, die nicht auf der weißlichen Decke liegen und sich hinter dem Apfelteller befinden, eine Tiefenwirkung verursachen (s. Kap. 1.2) und infolgedessen nicht mehr zum Vordergrund gehören, sondern eher einen Verbindungspunkt zum Hintergrund herstellen. Andererseits springt der Blick des Betrachters ununterbrochen zwischen dem Vordergrund und Hintergrund. Dieses wird vor allem durch die Berührungsstellen zwischen der Tischdecke, der Obstschale und dem Krug, die ihren Standpunkt zwischen dem Vordergrund und Hintergrund abwechselnd verändern (s. Kap. 1.2), erzeugt. Nur der dunkle, drapierte Stoff scheint definitiv den Hintergrund zu bestimmen - wie auch Berge in der Landschaft diese Funktion übernehmen (s. Kap. 1.1). - Dabei erinnert die Berührungslinie zwischen dem hellen und dunkleren Stoff zusätzlich an eine Horizontlinie (s. Kap. 1.2), wodurch dem Bild doch (noch) ein ruhender Pol verleihen wird.
Ein anderer Aspekt durch welchen dieser Kippeffekt zwischen dem Vorder- und Hintergrund entsteht, ist die Darstellung der Gegenstände in unterschiedlichen Perspektiven. Die Obstschale und der Krug scheinen eher flächig als dreidimensional dargestellt zu sein und der bereits mehrmals erwähnte, scheinbar kippende Teller kippt gar nicht, sondern ist in eine Schrägstellung gesetzt. Dieser Effekt wird dank eines Holzklotzes, der unter den Teller geschoben wird und noch unter der Decke zu erblickenden ist, erreicht. Dadurch wird eine Darstellung einer größeren Aufsicht als bei den anderen Bildelementen ermöglicht. Demzufolge
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Arbeit zitieren:
Agnieszka Studzinska, 2004, Paul Cézanne: Stillleben mit Äpfeln und Orangen, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
Paul Cezanne: Der Steinbruch von Bibemus - Bildanalyse und Vergleich
Hausarbeit, 17 Seiten
Auguste Rodin - Die Bürger von Calais
Kunst - Bildhauerei, Skulptur, Plastik
Referat / Aufsatz (Schule), 5 Seiten
Bildinterpretation von Caspar David Friedrichs "Kreidefelsen auf ...
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