Einleitung
In der vorliegenden Hausarbeit „Justinian und das Papsttum“ möchte ich die Konflikte Justinians mit den Päpsten, besonders mit Vigilius im „Drei - Kapitel - Streit“ untersuchen und herausfinden, inwiefern diese das Papsttum in der darauf folgenden Zeit geprägt haben. Dazu möchte ich vorab einen Überblick über Person und Lebensgang von Justinian geben („Die Herrschaft Justinians“). Im Anschluss daran möchte ich die Religionspolitik und auch das besondere Selbstverständnis Justinians beleuchten („Religionspolitik Justinians und Konflikte mit den Päpsten“), bevor ich zum Kern meiner Hausarbeit gelangen und die Konflikte innerhalb der Kirche darstellen und untersuchen will. Ein Ausblick und Fazit der Untersuchung soll die Hausarbeit abschließen.
I. Die Herrschaft Justinians
I.1 Der Weg zur Macht
Petrus Sabbatius kam um 482 als Bauernsohn in Taurisium, einem kleinen Ort nahe Skopje, in der Provinz Dardania (dem heutigen Kosovo) zur Welt und sollte erst später in Konstantinopel im Gedenken an frühere römische Kaiser den weiteren Vornamen Flavius annehmen. Seine Mutter Vigilantia war eine Schwester des späteren Kaisers Justin, welcher seinen Neffen zu einem uns unbekannten Zeitpunkt nach Konstantinopel holen ließ, um ihm eine solide Ausbildung zu ermöglichen. Es wird angenommen, dass Justin ihm den Namen Justinian gab und ihn auch adoptierte (vgl. BROWNING 1988: 29). Er wurde der letzte Kaiser, dessen Muttersprache Latein war.
Am Hof machte Justinian schnell Karriere und spielte während der Regierungszeit Justins I. (518-527) eine entscheidende Rolle: Bereits 519 führte Justinian den Titel comes domesticorum (Kommandant der kaiserlichen Leibgarde) und wurde anlässlich der Thronbesteigung seines Onkels in den Rang eines patricius erhoben, welcher die Nähe zum Kaiser ausdrückte (vgl. MEIER 2004: 29). 521 wurde er magister equitum et peditum praesentalis und war somit nominell einer der höchsten Reichsgeneräle. Im selben Jahr folgte mit dem ersten von vier Konsulaten der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere. Dieses Amt
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hatte im 6. Jahrhundert an politischer Bedeutung verloren, die Inhaber waren hauptsächlich für die Spiele in Hippodrom und Amphitheater sowie für die Verteilung der Spenden an das Volk zuständig. Das Hippodrom diente in einer Stadt wie Konstantinopel, in der es keine politischen Parteien oder Wahlen gab, als Plattform für den Pöbel, um Unmut gegenüber der Staatsmacht frei äußern und somit Druck ausüben zu können (vgl. BROWNING 1988: 50). Der Einzelne wurde hier Teil der anonymen Masse, die sich in Konstantinopel hauptsächlich in den zwei großen Zirkusparteien, den Grünen und den Blauen organisierte. Diese konnten zur Stimme des Volkes werden und ambitionierten Aristokraten wie Justinian eine große Hilfe auf dem Weg zur Macht sein. Dieser unterstützte mit großer Vehemenz die Zirkusgruppe der Blauen wohl auch, um sie als schlagkräftige Truppe im Kampf um die Nachfolge des alternden Justins einsetzen zu können. So bringen die Quellen Justinian beispielsweise mit der Ermordung des gotischstämmigen Reichsfeldherrn Vitalian in Verbindung, welcher als ernsthafter Anwärter auf die Thronfolge galt (vgl. MEIER 2004: 31).
Die Macht, die Justinian bereits zur Regierungszeit Justins besaß, zeigte sich auch in der Eheschließung mit Theodora, für die Justin eigens ein Edikt erließ, welches Senatoren von nun an erlaubte, Schauspielerinnen (Theodora spielte wohl Rollen in der zeitgenössischen Komödie), die ihrem früheren Lebenswandel abgeschworen hatten, heiraten zu dürfen (vgl. BROWNING 1988: 57).
Als Justin im Jahre 527 bedrohlich erkrankte, wurde ihm seitens des Senats vorgeschlagen, Justinian, der bereits seit 525 den Titel Caesar trug und somit als Thronerbe gehandelt wurde, zum Mitregenten zu ernennen. Die Doppelherrschaft sollte lediglich bis zu Justins Tod am 1. August dauern, Justinian wurde schließlich Alleinherrscher über das Imperium Romanum.
I.2 Das Selbstverständnis Justinians als christlicher Herrscher
Bereits zu Justins Regierungszeit, spätestens aber mit der Herrschaft Justinians erhielt das christliche Kaisertum eine neue Qualität: Justinian sah sich als Gottes Statthalter auf Erden und definierte sich mehr als alle anderen römischen Kaiser der Spätantike nur aus dem Bezug zum Urheber und Beschützer des Kaisers und seiner Herrschaft. Die Konsequenz in der Auslegung seines göttlichen Auftrages sowie die außergewöhnliche Frömmigkeit und das tiefe Sendungsbewusstsein Justinians bildeten die Basis seiner strikten Auslegung des Konzeptes einer christlichen Kaiserherrschaft. Er war davon überzeugt, dass die Gnade und Vorsehung
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Gottes ihm die Herrschaft verliehen habe und jedes Ereignis auf göttliches Wirken zurückzuführen sei. So interpretierte er Erfolge als Geschenke Gottes, während Misserfolge, Niederlagen und Naturkatastrophen für ihn göttliche Strafen darstellten (vgl. MEIER 2004: 12).
Aus diesem Selbstverständnis heraus begann während seiner Regierungszeit der Gedanke der Wiederherstellung des Kaiserreiches (restauratio imperii) und der Einheit im Glauben langsam in Justinian zu reifen. Um diesen Prozess verstehen zu können, ist es auch nötig, einen Blick auf die militärischen Auseinandersetzungen und Erfolge Justinians zu werfen.
I.3 Außenpolitik Justinians
I.3.1 Die Kriege gegen die Perser
Justinian musste sich mit Beginn seiner Alleinherrschaft sofort dem Krieg gegen das persische Sassanidenreich widmen, welcher bereits unter seinem Vorgänger ausgebrochen war und sich vom Kaukasus bis nach Mesopotamien erstreckte. Der Konflikt wurde letztendlich in der Frage um das am Schwarzen Meer gelegene Lazika entfacht, in welchem die Römer schon bald die Kontrolle besaßen, während die Perser das angrenzende Ibirien beherrschten. Der Konflikt breitete sich nun jedoch auch auf das direkte Grenzgebiet der beiden Großreiche aus, in dem Brände, Erdbeben und Flutkatastrophen zwischen 525 und 528 insbesondere die Städte des Ostens wie Antiochien und Edessa stark geschwächt hatten. Neben einem Bündnis mit dem Araberfürsten al-Harith sollte vor allem die Neuorganisation der militärischen Kräfte die entscheidende Wende bringen. Vor allem die außerordentliche militärische Begabung seiner obersten Feldherrn Sittas und Belisar stellten hier, wie auch in den späteren Jahren, für Justinian einen wahren Glücksfall dar. So konnte Belisar bereits 530/531 als magister militium per Orientem in der Schlacht bei Dara erste Erfolge erzielen, unterlag aber im folgenden Jahr bei Kallinikon. Der neue sassanidische König Chosroes I. (531-579) sollte sich zum härtesten Widersacher Roms entwickeln, auch wenn er, nachdem er die innenpolitischen Probleme im persischen Großreich weitestgehend gelöst hatte, im Jahr 532 bereit war, mit Justinian zu verhandeln (vgl. BROWNING 1988: 85). Im Sommer 532 schlossen die beiden den „Ewigen Frieden“, welcher durchaus als Erfolg für Justinian gewertet werden kann, betrachtet man die ungünstige Ausgangslage im Osten (vgl. MEIER 2004: 45). Das Abkommen beinhaltete die hohe, aber einmalige römische Zahlung von 11000 Goldpfund, aber auch die Rückerstattung
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zweier wichtiger Grenzfestungen in Lazika seitens der Perser. Im Osten des Reiches war nun Ruhe eingekehrt, die Justinian für seine Interventionen im Westen (gegen Vandalen und Ostgoten) nutzen konnte.
540 brachen die Kämpfe allerdings erneut aus, möglicherweise aus Angst Chosroes´ vor den immer größer werdenden Ressourcen des Römischen Reiches. Eine Ursache dafür war mit Sicherheit auch das Ausnutzen der günstigen Lage: Denn obwohl Justinian bereits 539 von den Angriffsplänen gewusst zu haben schien, konnte er nicht rechtzeitig Truppen an den ohnehin nur schwach verteidigten Euphrat entsenden. Es stellte sich bald heraus, dass der persische Angriff auf Antiochien zielte, welches das übermächtige Heer schon fast ungehindert ansteuern konnte (vgl. MEIER 2004: 89). Germanus, ein Vetter Justinians, konnte mit seinem nur 300 Mann umfassenden Heer und auch den lokalen Truppen den Persern nichts entgegensetzen und zog sich auf eine Verteidigungsstellung bei Hierapolis zurück. Nachdem sich bereits bedeutende Städte der Region Chosroes unterworfen hatten, sollte die größte Katastrophe für die Römer noch folgen: Trotz aussichtsloser Lage und mehreren Lösegeldforderungen Chosroes´ blieben die mittlerweile in Antiochien eingetroffenen kaiserlichen Gesandten stur und gaben nach Ansicht der Bevölkerung die Weltstadt schutzlos preis. Chosroes ließ gewaltige Schätze und zahlreiche Gefangene aus Antiochien nach Persien überführen, wo sie in einer eigenen Stadt angesiedelt wurden. Justinian schien den Glauben an die Vertragstreue Chosroes´ verloren zu haben und lehnte ein weiteres Friedensangebot ab. Auch mit Belisar an ihrer Spitze gelang es den Römern nur langsam, im weiteren Verlauf des Krieges die Lage zu stabilisieren, da auch die zweite Front gegen die Ostgoten in Italien nicht vernachlässigt werden durfte.
Der wichtigste Streitpunkt der Kampfhandlungen blieb Lazika, in das die Perser 541 vorgestoßen waren und wo vor allem im Bereich der wichtigen Festung Petra am Schwarzen Meer gekämpft wurde. Nachdem die Kampfhandlungen durch zwei ausgehandelte Waffenruhen, die sich bezeichnenderweise nicht auf Lazika bezogen, unterbrochen und durch den Ausbruch der Pest zunehmend erschwert wurden, waren 562 schließlich beide Großreiche zum Verhandeln bereit. Die Perser überließen in dem auf 50 Jahre geschlossenen Vertrag den durch Petrus Patrikios vertretenen Römern Lazika - die Ostgrenze konnte letztlich also doch gehalten werden, auch wenn dies die Römer jährlich 30000 Goldstücke kostete. Der Vorwurf, Justinian habe die Ostgrenze vernachlässigt, lässt sich so nicht halten: Auch wenn er aufgrund des Krieges in Italien eine eher defensive Taktik im Orient verfolgen musste, so setzte er doch die Mehrheit der oströmischen Truppen an den dortigen Grenzfestigungen
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ein. Mit der Unterstützung seiner obersten Feldherrn, aber auch durch das diplomatische Geschick des Petrus Patrikios konnte der Kaiser die römische Position gegenüber Persien dabei letztlich festigen (vgl. MEIER 2004: 96).
I.3.2 Die Kriege gegen die Ostgoten und Vandalen
Die Kriegsgeschichte (Bella) des Prokopios von Caesarea, welcher Belisar häufig auf seinen Feldzügen begleitete, dient wie bei den anderen Konflikten zu Justinians Zeit auch für die Kriege gegen die Vandalen und Ostgoten als zuverlässige Quelle. Die Eroberung des seit 442 unabhängigen Vandalenreiches war von Justinian wohl ursprünglich nicht geplant. Er bestand lediglich auf der Wiedereinsetzung Hilderichs, welcher Sympathien für den Katholizismus und Justinian hegte. Zu diesem Zweck entsandte er im Jahr 533 Belisar mit einem Heer von 15000 Mann zu einer Strafexpedition. Als dieses vor Sizilien landete, stellte Belisar fest, dass die Vandalen unvorbereitet waren, der Vandalenkönig Gelimer hatte den schlagkräftigsten Teil seines Heeres nach Sardinien entsandt, um dort eine Revolte niederzuschlagen. Die Römer begannen den Vormarsch auf Karthago, worauf Gelimer Hilderich beseitigte. Rasch feierten die Römer die ersten Siege bei Ad Decimum und Tricamarum, am 15. September fiel Karthago. Justinian war überrascht von dieser schnellen, nicht geplanten Eroberung Nordafrikas und führte diese wie auch die Erfolge zuvor auf die besonders auf ihm ruhende Gnade Gottes zurück (vgl. MEIER 2004: 64). Im Triumphzug führte Belisar, der mit dem Konsulat belohnt wurde, neben prächtigen Schätzen auch Gelimer unter den Kriegsgefangenen mit, anschließend mussten sich beide vor dem Kaiser niederwerfen.
Nachdem im Jahr 535 das eroberte Gebiet als praefectura praetorio Africae militärisch, zivil und kirchlich neugeordnet worden war, reifte in Justinian der Gedanke der restauratio imperii weiter heran, wohl auch bedingt durch den mit den Persern geschlossenen „Ewigen Frieden“ (vgl. MEIER 2004: 41). Nächstes Ziel wurde das ohnehin schon isolierte und von Machtkämpfen um die Thronfolge Theoderichs beherrschte Ostgotenreich. Doch wurden die Kämpfe langwieriger als erwartet: Während Belisar Sizilien und bald darauf Neapel einnehmen konnte, gelang es dem Feldherrn Mundos nicht, die Kontrolle über Dalmatien zu erlangen. Währenddessen wurde Witigis zum Nachfolger des glücklos agierenden Theodahats gewählt und konnte auch den Widerstand recht erfolgreich organisieren. Allerdings verlor er
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Arbeit zitieren:
Philipp Struß, 2009, Kaiser Justinian I. und das Papsttum, München, GRIN Verlag GmbH
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