Gliederung
Einleitung 3
1. Theoretische Vorüberlegung 5
2. Die Rolle des Militärs im indonesischen Staat 7
2.1 Aufbau einer Armee 7
2.2 Das Militär in der Neuen Ordnung 9
3. Das Militär als Unternehmer 10
3.1 Ursachen 10
3.2 Methoden der wirtschaftlichen Aktivität 10
3.2.1 Formelle Geschäfte 11
3.2.2 Informelle Geschäfte 12
3.3 Auswirkungen 13
Fazit 15
Literaturverzeichnis 16
2
Einleitung
In vielen Staaten der Welt ist es in den vergangenen Jahrzehnten zu einer verstärkten (privat-)wirtschaftlichen Aktivität militärischer Stellen gekommen. 1 Dieses, in der einschlägigen Fachliteratur „Military Business“ oder kurz „MILBUS“ 2 genannte, Phänomen ist dabei keineswegs neu. Vielmehr lässt sich über mehrere Jahrhunderte beobachten, dass sich bewaffnete Kräfte aus einer Vielzahl von legalen oder illegalen Einnahmequellen finanzieren mussten. So war es lange Zeit nicht unüblich, dass Regierungen Kaperbriefe oder ähnliches an Söldner ausstellten und sich den Gewinn dann mit ihnen teilten.
Diese Methoden sind mit den heutigen Formen von MILBUS natürlich nicht mehr zu vergleichen, jedoch spiegeln sie sich „in the modern day practice of such countries as Zimbabwe and Indonesia, where the armed forces are expected to finance at least a part of their operations from private funds accumulated in various business ventures” 3 durchaus wieder. 4 Obwohl sich die Rolle des Militärs in Indonesien 5 seit dem Sturz Suhartos wandelt, stellt es noch immer einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor dar. 6 Dabei wurde die Existenz von MILBUS noch bis vor wenigen Jahren von der Bevölkerungsmehrheit als durchaus notwendig und legitim angesehen. 7
Gegenstand dieser Arbeit ist die Rolle des indonesischen Militärs als wirtschaftlicher Akteur und deren Auswirkungen auf Indonesiens wirtschaftliche Entwicklung. Bereits im Zuge der Asienkrise zeichneten sich massive wirtschaftliche Belastungen für Indonesien ab, welche sich dann schnell als die bis dahin schwerste Wirtschaftskrise des Landes erwiesen. 8 Diese Krise hatte ihre Ursachen natürlich nicht alleine in den wirtschaftlichen Verflechtungen des Militärs. Es wird jedoch oftmals argumentiert, dass sogenannte Rent-Seeking-Societies durch ein künstlich zugunsten des Staates, bzw. der führenden Kräfte aufrechterhaltenes Ungleichgewicht zwischen den wirtschaftlichen Akteuren neben Korruption auch zu negativen Handelsbilanzen und der Überbewertung der eigenen Währung führen.
1 Brömmelhörster/ Paes: Soldiers in Business, p. 1; Singh: Indonesian Military Buisness Complex, p.
8.
2 McCulloch: Trifungsi, p. 94; Singh: Indonesian Military Buisness Complex, p. 8.
3 Brömmelhörster/ Paes: Soldiers in Business, p. 3.
4 Brömmelhörster/ Paes: ebd., p. 2-3.
5 Bis Mitte der 1960er und seit den späten 1990er Jahren nennt sich das indonesische Militär Tentara Nasional Indonesia (TNI). Während der Zeit Suhartos hieß es Angkatan Bersenjata Republik Indonesia (ABRI). Der Einfachheit halber wird hier keine der beiden Eigenbezeichnungen verwendet.
6 Brömmelhörster/ Paes: ebd., p. 5; Kingsbury: Power Politics, p. 6.
7 McCulloch: Trifungsi, p. 94.
8 Törnquist: Indonesia’s democratisation, p. 182.
3
Dies würde letztlich zu einem wirtschaftlichen Schwund und zu Misswirtschaft führen. 9 Ob Indonesien unter Suharto tatsächlich eine Rent-Seeking-Society gewesen ist, kann dahingestellt bleiben. Jedenfalls weist es sicherlich Merkmale einer solchen auf. Unbestreitbar ist allerdings, dass sich Indonesiens wirtschaftliches System dieser Zeit in sehr starkem Maße durch Korruption, Klientelismus und ein zugunsten des Staates bzw. dessen Eliten aufrechterhaltenes ökonomisches Ungleichgewicht ausgezeichnet hat. 10
Anhand des indonesischen MILBUS soll nun untersucht werden, ob tatsächlich ein singulärer Weg in die Wirtschaftskrise vorgezeichnet war, oder ob sich hier nicht zumindest zeitweise durchaus Wachstumsfördernde Effekte finden lassen. Denn immerhin stiegen die ökonomischen Aktivitäten des indonesischen Militärs seit den 1950er Jahren deutlich an, 11 ohne dass es zu einer schweren Wirtschaftskrise gekommen wäre. Im Gegenteil war die indonesische Wirtschaft in den der Asienkrise vorangegangenen drei Jahrzehnten von hohen und stetigen Wachstumsraten geprägt gewesen. 12
Hierzu soll zunächst einmal ausführlicher gezeigt werden, aus welchen Gründen MILBUS zu negativen wirtschaftlichen Entwicklungen führen sollte. Anschließend wird die Entwicklung des indonesischen Militärs bis in die Zeit Suhartos dargestellt. Insbesondere die Selbstwahrnehmung des Militärs ist hierbei wichtig für das Verständnis seiner großen wirtschaftlichen Rolle. Darauf folgt dann eine Darstellung des indonesischen MILBUS und seiner Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.
9 Simonis: Rent-Seeking, S. 100-103; er selber sieht diese Theorie sehr kritisch.
10 Törnquist: Indonesia’s democratisation, p. 198-199.
11 McCulloch: Trifungsi, p. 94.
12 Booth: Development, p. 110.
4
1. Theoretische Vorüberlegungen
Zunächst einmal stellt sich die Frage, weshalb aus den wirtschaftlichen Aktivitäten militärischer Stellen überhaupt negative Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes erwachsen sollten. Es ist bereits kurz auf die Rent-Seeking-Theorie hingewiesen worden. Diese befasst sich allgemein mit den negativen Effekten einer staatlich kontrollierten, zentralistischen Wirtschaftspolitik. Unterentwicklung und Misswirtschaft seien demnach die Folgen einer auf Rentenerwerb ausgerichteten wirtschaftlichen Aktivität der herrschenden Gruppen, welche aufgrund ihres größeren Machtpotentials über eine „Verzerrung der ‚terms of trade’“ 13 den Agrarsektor ausbeuteten. Hieraus würden sich eine Überbewertung der heimischen Währung und letztlich Außenhandelsdefizite entwickeln, wodurch wirtschaftliches Wachstum wenn überhaupt nur sehr langsam, kapitalintensiv und auf Kosten des Wohlstands weiter Teile der Bevölkerung stattfinden könne. 14 Militärische Stellen können dabei ebenso wie andere staatliche Stellen zum Zwecke der Rentenallokation auf legalen oder illegalen Wegen Einfluss auf wirtschaftliche Gruppen ausüben und klientelistische Strukturen aufbauen. Die Folge dessen wäre, dass ökonomische Aktivitäten in sehr starkem Maße vom Wohlwollen des jeweiligen Patrons abhängig wären. Somit sind die Gewinne finanzieller oder personeller Investitionen nur schwer kalkulierbar.
Ein weiterer Aspekt ist die Intransparenz klientelistischer Wirtschaftssysteme. Nicht nur das für Investoren Ausgaben kaum nachvollziehbar sind. Oftmals kann auch nur noch bedingt nachvollzogen werden, ob die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen günstig sind, oder günstig gemacht werden. Die Kosten für Waren und Dienstleistungen erreichen hierdurch nicht selten ein Niveau, welches in keinem Verhältnis mehr zu ihrem eigentlichen Wert steht. 15 Indonesiens Militär stellte zumindest bis zum Sturz Suhartos unstreitig eine der herrschenden Gruppen dar. Unstreitig sind auch die negativen Auswirkungen des indonesischen MILBUS auf die militärische Qualität der indonesischen Streitkräfte. 16 Ebenso kann aber auch nicht bestritten werden, dass die indonesische Wirtschaft zwischen 1969 und 1994 trotz der wirtschaftlichen Aktivitäten militärischer Stellen massiv zulegte. Das BIP pro Kopf wuchs im gleichen Zeitraum im Durchschnitt um
13 Simonis: Rent-Seeking, S. 100.
14 Simonis: ebd., S. 100f.
15 McCulloch: Trifungsi, p. 122.
16 Crouch: Army and Politics, p. 285.
5
Arbeit zitieren:
Florian Heydorn, 2009, Das indonesische Militär als wirtschaftlicher Akteur in der Zeit der "Neuen Ordnung" - Wachstumshemmend oder wachstumsfördernd?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Florian Heydorn hat einen neuen Text hochgeladen
Rent-Seeking, Institutions and Reforms in Africa: Theory and Empirical...
Theory and Empirical Evidence ...
Pius Fischer
40 Years/ Research/Rent Seeking/2 Bde.
Volume 1: Theory of Rent Seeki...
40 Years of Research on Rent Seeking 2
Applications: Rent Seeking in ...
Roger D. Congleton, Arye L. Hillman, Kai A. Konrad
40 Years of Research on Rent Seeking 1
Theory of Rent Seeking
Roger D. Congleton, Arye L. Hillman, Kai A. Konrad
40 Years of Research on Rent Seeking 1
Theory of Rent Seeking
Roger D. Congleton, Kai A. Konrad, Arye L. Hillman
Rents, Rent-Seeking and Economic Development: Theory and Evidence in A...
Mushtaq H. Khan, Kwame Sundaram Jomo, Jomo Kwame Sundaram
0 Kommentare