Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S. 3 - 4
2. Aufbau der Handlung und Konfliktstruktur S. 4 - 8
3. Mittel der Episierung S. 9 - 13
4. Diskussion S. 13 - 15
5. Schlussbemerkung 16
Literaturverzeichnis S. 17
S i g l e n S 1 8
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1. Einführung
Ein vaterloser Knabe stirbt auf einer beschwerlichen Reise, um für seine Mutter, die krank ist, medizinische Hilfe zu besorgen. Doch der Schüler stirbt nicht durch Schwäche oder Krankheit, sondern weil ein Brauch es verlangt. Bertolt Brecht schrieb das Lehrstück 1929 und es wurde 1930 im Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht) uraufgeführt. Der Jasager (vgl. Völker, S. 58 f.), geht auf das japanische Nô-Spiel Tanikô (Fabel) zurück und wurde 1930 auf Grund herber Kritik um Der Neinsager von Brecht erweitert (vgl. Kugli et. al., S. 69 f.). Der Leser trifft auf Figuren, die asoziales Verhalten zeigen. In einer aussichtlosen Situation handeln Beteiligte ihrer Pflichterfüllung gemäß, irrational und konsequent. Auch dann als es darum geht, jemanden zu töten. Der Brauch besteht darin, denjenigen, der auf einer Reise krank wird und nicht weiter kann, zu fragen, ob er verlangt, dass man seinetwegen umkehren soll. Darauf muss der Befragte antworten, dass man seinetwegen nicht umkehren und ihn mit seinem Einverständnis zurücklassen soll. Aus Furcht äußert der Knabe die Bitte, in das Tal geworfen zu werden, um einen einsamen Tod zu vermeiden. Daraufhin werfen die Mitreisenden den Schüler in den Abgrund. Der Jasager ist tot, weil er mit dem Falschen einverstanden war. Der Neinsager hingegen ist nicht damit einverstanden, dass man seinetwegen nicht umkehrt. Stattdessen erklärt der Knabe die Unvernunft des alten Brauches und fordert einen neuen, der dazu anregt in „jeder neuen Lage neu nachzudenken“ (BBS, S. 245). Der Knabe wird zurückgebracht. Bei der Kategorie Lehrstück könnte man meinen, ginge es um die Vermittlung einer Lehre. Dies jedoch ist nicht der Fall. Ein Lehrstück „lehrt, die Wirklichkeit genauer wahrzunehmen“ (Steinweg 1995, 19 f.). Im Zentrum der Lehrstücke stehen „[die] Spieler selber“, die durch „körperliche Einfühlung, Imitation und Verfremdung“ (ebd.) Haltungen erkennen können. Hierbei hält das Lehrstück die Möglichkeit bereit „neue Verhaltensmöglichkeiten entdecken und erproben [zu können]“ (ebd.). Die Schüler sollen auch darüber nachdenken, inwieweit sie mit der Gesellschaft in Verbindung stehen. Dies soll mit dem wiederholten Spielen von Konfliktsituationen, welche die „Tiefenstruktur der sozialen Wirklichkeit abbilden“ (vgl. ebd.), geschehen. Damit einher geht die Absicht, den Zusammenhang der persönlichen Konflikterfahrung „mit der gesellschaftlichen Konfliktstruktur zu erkennen“ (ebd.).
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Kernpunkte dieser Arbeit sind der Aufbau der Handlung, die Konfliktstruktur sowie die Mittel der Episierung im Lehrstück. Anschließend werden die Ergebnisse der Analyse diskutiert.
2. Aufbau der Handlung und Konfliktstruktur
Die Handlungen in Der Jasager und Der Neinsager sind bis zu der Stelle gleich, an der die drei Studenten das gemeinsame Tragen des Jungen über den Grat als unmöglich feststellen. Sowohl bei Der Jasager als auch bei Der Neinsager sind die Texte in jeweils zwei Teile gegliedert, markiert mit den Ziffern 1 und 2. Mit den nachfolgenden Umschreibungen „erster Teil“ und „zweiter Teil“ sind Der Jasager und Der Neinsager gemeint. Beide Teile beginnen mit dem großen Chor, der das Thema bekanntgibt: „Wichtig zu lernen vor allem ist Einverständnis“ (BBS, S. 219). In Raum 1 tritt der Lehrer auf. Dieser hat eine Schule in der Stadt und will sich von dem Knaben und dessen Mutter verabschieden, weil er auf Grund der Seuche, die in der Stadt herrscht, Ärzte konsultieren will, die „jenseits der Berge wohnen“ (ebd.). Der Knabe empfängt den Lehrer in Raum 1 und rechtfertigt sogleich sein Nichterscheinen in der Schule damit, dass seine Mutter krank war. Das Über- und Unterordnungsverhältnis zwischen Lehrer und Schüler wird hierbei ersichtlich. Zudem lässt sich erkennen, dass der Knabe in einem Interessenkonflikt steht. Der Pflicht zur Schule zu gehen und der notwendigen Pflege seiner Mutter, kann der Junge offenbar nicht gleichzeitig nachkommen. In Raum 2 unterhalten sich zunächst der Lehrer und die Mutter. Als der Lehrer im Begriff ist zu gehen, hält in Raum 1 der Junge ihn mit „Ich muß etwas sagen“ (BBS, S. 220) auf. Der Knabe äußert seinen Wunsch, mit auf die Reise zu gehen. Der Lehrer versucht ihn davon abzubringen: „Wie kannst du deine Mutter / Verlassen wollen, die doch krank ist?“ (ebd.). Der Lehrer redet ein zweites Mal mit der Mutter vorerst allein in Raum 2. Sie lässt ihren Sohn mit seinem Vorhaben gewähren, beteuert jedoch, dass nur er ihr noch bliebe, seitdem der Vater gestorben sei (der Knabe ist jetzt auch in Raum 2). Ein Konflikt zwischen der Mutter und dem Knaben kann an dieser
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Stelle damit beschrieben werden, dass die Mutter durch ihre Beteuerung zu erkennen gibt, dass sie kein Interesse daran hat ihren Sohn unter Umständen durch die beschwerliche Reise zu verlieren, der Knabe aber ein Interesse daran hat durch diese Reise unter Umständen zur Genesung seiner Mutter beizutragen. Am Ende des ersten Teils spricht die Mutter, eingeleitet durch den großen Chor:
Ich habe keine Kraft mehr.
Wenn es sein muß
Geh mit dem Herrn Lehrer.
Aber kehr schnell zurück (BBS, S. 225).
Ich möchte an dieser Stelle das Wort „schnell“ in der vorrangegangenen Zitierung nicht unbeachtet lassen, weil es meinem Erachten nach wesentlich zu einer Konfliktverschärfung zwischen der Mutter und dem Knaben führt. Nicht, dass sich der Knabe durch den Wunsch oder das Verlangen (durchaus interpretierbar) einer Erwartungshaltung gegenübersieht, sondern er diese auch noch „schnell“ erfüllen soll, macht die Konfliktsituation äußerst erwähnenswert.
Im zweiten Teil bleibt das Zweiraumkonzept bestehen. Lediglich dem Chor, wie auch schon im ersten Teil des Stückes, ist nicht eindeutig ein Raum zugeteilt. In Raum 1 treten der Lehrer, die drei Studenten und der Knabe ein. Eine Erwartung des Lehrers wird erkennbar, als er die Äußerung des Knabens „Ich fühle mich nicht wohl“ mit „Solche Dinge dürfen nicht sagen, die / auf eine solche Reise gehen“ (BBS, S. 226) entgegenstellt. Die drei Studenten „gehorchen“ (ebd.) dem Lehrer. Auch hier ist ein Über- und Unterordnungsverhältnis erkennbar. Sie stellen ihm Fragen bezüglich der Besorgtheit um den Knaben. Der Dialog zwischen Lehrer und Studenten entwickelt sich zu einer Frage-Antwort-Konversation. Suggestivfragen an den Lehrer bringen den Gedanken über eine eventuelle Erkrankung des Knaben mit ein: „Hoffentlich ist er nicht krank“ (BBS, S. 227).
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Arbeit zitieren:
st. rer. germ. Tom Kräplin, 2009, Zwischen Gemeinwohl und dem Wohl eines Einzelnen, München, GRIN Verlag GmbH
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