Veränderungen der Lernkultur führen seit einiger Zeit zu einem erweiterten Verständnis von schulischem Lernen, bei dem es um die Verknüpfung von inhaltlich-fachlichem, methodischstrategischem, sozial-kooperativen und selbsterfahrend-personalem Lernen geht, 1 das die Befähigung zur Reflexion des eigenen Lernens einschließt. Die Förderung der Handlungskompetenz von Schülerinnen und Schülern wird konsequenter in den Mittelpunkt des Unterrichts gerückt. Die Lehrpläne sämtlicher Bundesländer setzen mittlerweile auf handlungsorientierten Unterricht und selbstorganisiertes Lernen, um einen mündigen Bürger zu formen. 2 Um dieses Unterrichtsziel zu erreichen müssen allerdings die Unterrichtsmethoden, wie auch die Bewertung der Schülerinnen und Schüler verändert werden. Ein Weg, der hier eingeschlagen wird, ist die Einführung von sogenannten Kompetenzrastern.
„Kompetenzraster sind tabellarische Einschätzungsraster, mit denen Lernende und Lehrende gemeinsam arbeiten. Mit ihnen wird ein Entwicklungshorizont abgesteckt, in dem in differenzierter Weise der Weg beschrieben wird, und zwar von einfachen Grundkenntnissen bis hin zu komplexen Fähigkeitsstufen. Mit Kompetenzrastern werden Inhalte und Qualitätsmerkmale verschiedener Lern- oder Arbeitsbereiche in Form von 'Ich kann ...'-Statements definiert (z.B. 'Ich kann die Bedeutung von physikalischen Begriffen als Kommunikationsgrundlage erläutern ...'). Die Beschreibungen ermöglichen es Lernenden, sich zu orientieren und ihre Arbeiten mit den formulierten Kompetenzen in Beziehung zu bringen.“ 3
In einer Achse des Rasters sind Fähigkeiten und Schlüsselqualifikationen aufgeführt, die den fachspezifischen Lern- und Arbeitsbereich bestimmen. Zu diesen Kriterien werden in der anderen Achse Niveaustufen definiert. Die individuelle Zelle in der Matrix ist dann die Kompetenz, die (u.a.) mit 'Ich kann ...' näher beschrieben wird.
Konsequent umgesetzt, kann man für ein Schulfach den kumulativen Kompetenzerwerb über das Kompetenzraster definieren, bis hin zu den Anforderungen für Abschlüsse wie Mittlere Reife und Abitur. Kompetenzraster fördern das kompetenzorientierte Lernen, indem sie den jeweiligen Lernstand verdeutlichen und zur Festlegung von Zielen herausfordern. Außerdem
1 Vollstädt, Witlof; Kompetenzorientiert Leistungen ermitteln und bewerten; Praxis Schule 5-10, Heft 5/2008; S. 6
2 http://www.schleswigholstein.de/Bildung/DE/Bildungspolitik/Bildungsqualitaet/Bildungsstandards/harei__hs, templateId=raw,property=publicationFile.pdf 29. Januar 2010
3 http://www.kompetenzraster.de/ 29. Januar 2010
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sind sie ein wirksames Mittel zur Umsetzung und zum Operationalisieren der verabschiedeten Kultusministerkonferenz-Bildungsstandards. 4
Somit dienen sie auch dem selbstgesteuerten Lernen. Im Dialog zwischen Lehrer und Schüler kann sich der bestmögliche Lernweg erschließen: Diagnose -> Ziele -> Lernen -> Überprüfung -> Dokumentation -> Was ist mein nächstes Ziel? 5
Desweiteren ist Handlungsorientierung eines der zentralen Konzepte für die Gestaltung eines modernen Unterrichts. Der Begriff ist weder aus neuen Lehrplänen, der Lehr- und Lern-forschung, noch aus den Zielsetzungen neuer Prüfungsformen wegzudenken. Schülerinnen und Schüler sollen während ihrer Schulzeit aufbauend auf einem fundierten Fachwissen umfassende Handlungskompetenz erwerben. Das bedeutet die Fähigkeit, zielgerichtet, aufgabengemäß, der Situation angemessen und verantwortungsbewusst Aufgaben zu erfüllen und Probleme zu lösen, die sowohl die Lebens- als auch die Berufswelt aktuell fordern. Und dies alleine oder im Team, je nach Aufgaben- oder Problemstellung. Diese Zielsetzung erfordert sehr viel Einsatz von Lehrer- und von Schülerseite, wenn sie ernsthaft angestrebt wird. Um Handlungskompetenz zu entwickeln, muss der Unterricht sowohl fachliche, als auch methodische, soziale und personale Kompetenzen vermitteln. 6 Dies bedeutet, dass Unterricht konsequent und dauerhaft umgestellt werden muss, um die für den Aufbau von Handlungskompetenz erforderlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vermitteln.
Ein kompetenzorientiertes unterrichten und bewerten beginnt bereits bei der der Formulierung und Transparenz der Lernziele, wobei konkret festgelegt und de. Schülerinnen und Schülern verständlich vermittelt werden muss, was von ihnen erwartet wird. Dies bezieht sich zum einen auf die offenen Unterrichtsformen, in denen die Schülerinnen und Schülern sich selbst ihre Lernziele stecken und selbstorganisiert Arbeiten, aber auch die Lernziele, die am Ende eines Schuljahres erreicht sein sollen.
Doch nicht nur der Lehrer soll die Lernprozesse der Schüler bewerten, die Schülerinnen und Schüler sollen ebenfalls lernen sich selbst und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler einzu-
4 http://www.schleswigholstein.de/Bildung/DE/Bildungspolitik/Bildungsqualitaet/Bildungsstandards/harei__hs, templateId=raw,property=publicationFile.pdf 29. Januar 2010
5 http://www.kompetenzraster.de/ 29. Januar 2010
6 Grunder, H.-U.; Unterricht verstehen-planen-gestalten- auswerten; Schneider Verlag Hohengehren; Baltmannsweiler; 2007
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schätzen, anhand eines solchen Kompetenzrasters. Zum Beispiel in Präsentationen ist es dann sehr einfach die Schülerinnen und Schüler an eine solche Bewertung heranzuführen. Hier gibt es den Schülerinnen und Schülern im Vorherein eine klare Richtlinie, welche Anforderungen sie erfüllen müssen, um eine positive4 Rückmeldung zu bekommen, denn die einzelnen Stufen der Kompetenzraster sind zumeist klar ausformuliert, sodass sie den Schülerinnen und Schülern eine klare Richtlinie bieten, nicht nur im Unterricht, sondern auch in Präsentationen. Dies bedeutet eine Identifizierbarkeit von Qualität, Unterstützung beim erstellen der eigenen Präsentation und eine direkte konkrete Rückmeldung zur eigenen Leistung. Aufgrund der direkten und gezielten Rückmeldungen seitens der Mitschülerinnen und Mitschüler und des Lehrkörpers bietet es den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit der Kompetenzsteigerung und dem Lernen aus eigenen Fehlern. 7
Desweiteren bieten Kompetenzraster im Unterricht eine Orientierung an und eine Ausei-nandersetzung mit transparenten Fremderwartungen, was in diesem Fall die doch teils subjektive Vergabe von Noten durch den Lehrer erheblich einschränkt und die Gleichbehandlung des Einzelnen in den Vordergrund hebt. Die Schülerinnen und Schüler können so eine kriterienorientierte Selbsteinschätzung vornehmen, an ihren Kompetenzen arbeiten, sich eigene Ziele stecken und sich selbst ständig kontrollieren, auf welchem Wissensstand sie stehen und wo sie noch hinmöchten. Somit beteiligen sich die Schülerinnen und Schüler aktiver als bisher an der eigenen Leistungsbeurteilung aber in eingeschränkterer Form auch an der ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler.
Selbstregulierendes Lernen bündelt im Kern den Einsatz angemessener Lernstrategien, Fähigkeiten zur Lernprozessüberwachung sowie Formen der Selbstaktivierung. Kompetenzraster fördern das selbstregulierende Lernen, denn es werden Potenziale im Hinblick auf Lernstrategien bereitgestellt, Lernstrategien werden gefördert, ebenso, wie die Selbstaktivierung. 8
Allerdings sollten Lehrerinnen und Lehrer in ihrem Unterricht stets darauf bedacht sein sich in diesen Kompetenzrastern nicht zu verzetteln. Diese müssen klar definiert sein und sollten
7 http://www.kompetenzraster.de/ 29. Januar 2010
8 Grunder, H.-U.; Unterricht verstehen-planen-gestalten- auswerten; Schneider Verlag Hohengehren; Baltmannsweiler; 2007
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Arbeit zitieren:
BA Aileen Kollbaum, 2010, Möglichkeiten und Grenzen von Kompetenzrastern im Gegensatz zur gängigen Benotungspraxis, München, GRIN Verlag GmbH
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