Inhalt
Einleitung 3
1. Der Dieb der Zeit
1.1. Differenzierungen 4
1.2. Abgrenzungen 5
2. Eis statt Ärger
2.1. Die Struktur der Aufgabe 6
2.2. Die Persönlichkeit 8
3. Hoffnungsschimmer
3.1. Umstrukturierung von Anforderungen 10
3.2. Verpflichtungen schaffen 11
Fazit 14
Quellenverzeichnis 15
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Einleitung
„Dieses Semester wird alles anders. Ich lese regelmäßig meine Texte und fange früh genug mit meiner Hausarbeit an. Dann hab ich am Ende des Semesters nicht so viel Stress und endlich einmal genug Zeit alles in Ruhe zu erledigen.“ Fast schon Tradition ist es: In den letzten Wochen des Semesters gehe ich nicht mehr vor die Tür, schlaf zu wenig, rauche zu viel und die Familie weiß schon gar nicht mehr wie ich eigentlich aussehe. Warum? Weil ich es wieder einmal versäumt habe, rechtzeitig mit meiner Arbeit zu beginnen.
Aber woran liegt das? Ich hatte es mir fest vorgenommen und war von meinen Vorsätzen überzeugt. Was also hält Menschen wie mich davon ab eine Frist zu setzten und diese auch einzuhalten?
Immer wieder verschiebt man selbst gesetzte Ziele, weil andere Dinge gerade wichtiger erscheinen. Die Geburtstagsferier der besten Freundin, die schließlich nur einmal im Jahr ist. Die Arbeit im Nebenjob bei der man kurzfristig einspringen muss, weil man das Geld schließlich auch braucht oder einfach nur ein guter Film der Freitagabend im Fernsehen läuft.
Warum lassen sich Menschen so leicht ablenken und warum gelingt es anderen scheinbar mühelos ihren Plan einzuhalten?
Zwischen 50% und 95% der Studenten zeigen dieses Verhalten, welches man im Fachterminus prokrastinieren nennt (vgl. Day, Mensink & O`Sullivan, 2000; Knaus, 2000). Doch es ist nicht nur ein Problem unter Studenten, auch wenn sich viele Forscher genau diesen in ihren Untersuchungen widmen. Man geht davon aus, dass 15% bis 20% der Bevölkerung sogar chronisch prokrastinieren (vgl. Owens et al., 2008, S. 367). Man findet es unter anderem in der Ökonomie. O`Donoghue und Rabin (1999, in Steel, 2007, S. 65) fanden heraus, dass viele Menschen erst sehr spät sich anfangen Rücklagen für ihren Ruhestand zu schaffen oder sie sparen überhaupt nicht und geraten dadurch nicht selten im höheren Alter in finanzielle Notlagen.
Wer kennt das nicht, man möchte immer mal wieder mehr sparen und es wäre auch relativ einfach einen Dauerauftrag einzurichten und somit jeden Monat eine bestimmte Summe zurück zu legen. Dennoch ist es sehr verlockend das Geld lieber für einen Kinobesuch, ein neues Handy oder einen Spontanurlaub zu benutzen.
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Und obwohl viele Menschen dieses Verhalten als schlecht, verwerflich und unschön betrachten, fällt es ihnen dennoch schwer etwas daran zu ändern. Prokrastination ist ein komplexes Problem, welches vielen Einflussfaktoren unterliegt und könnte aus den unterschiedlichsten Perspektiven betrachtet werden. Ich erhebe mit dieser Arbeit keines Falls einen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern habe nach bestem Wissen und unter Berücksichtigung des Umfangs dieser Arbeit Schwerpunkte gesetzt. Nach einer einführenden Differenzierung des Begriffs, werde ich besonders auf Zusammenhang der Aufgabenbeschaffenheit und
Persönlichkeitseigenschaften eingehen, bevor ich einen Ausblick gebe, wie man den Teufelskreis der Prokrastination durchbrechen kann.
1. Der Dieb der Zeit
Der Begriff Prokrastination wurde aus dem lateinischen procrastinare abgeleitet, was soviel wie „Aufschieben bis zum Morgen“ bedeutet. Es meint das Verschieben von Tätigkeiten oder Entscheidungen auf einen späteren Zeitpunkt obwohl man weiß, dass man sie (besser) gleich erledigen sollte (vgl. Neenan, 2008, S. 54).
1.1. Differenzierungen
Im Volksmund heißt es: Viele Köche verderben den Brei. In der Wissenschaft findet man ähnliche Argumentationen. Wo viele Forscher, da auch viele Definitionen und Differenzierungen. So unterscheiden Sapadin und Maguire (1996, S. 10, in Neenan, 2008, S. 55) in sechs procrastination styles, um zu beschreiben welche Ursachen dieses Verhalten auslösen. Sie gehen davon aus, dass Prokrastination durch einen inneren Konflikt ausgelöst wird (vgl. Neenan, 2008, S. 55). So nennen sie beispielsweise den „Träumer“, der sich lieber vor schwierigen Aufgaben drückt, anstatt sie als Herausforderung anzusehen und sich somit immer mehr aus der Realität zurückzieht und Träumen nachjagt. Oder den „Ängstlichen“ der durch viele Ereignisse überfordert wird, da er sich zu viele Gedanken macht. Er fragt sich zu oft „Was wäre wenn?“ und vermeidet Risiken und Veränderung da er kein Vertrauen in seine Fähigkeit Entscheidungen zu treffen hat. Oder der klassische „Krisenschaffer“ der fest davon überzeugt ist, nicht effektiv arbeiten zu können, wenn er nicht alles in letzter Minute macht. Er fürchtet die Langweile und schiebt deshalb alles auf,
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sozusagen damit es nicht langweilig wird, auch wenn das oft heißt, aus Zeitmangel schlechtere Leistungen zu erbringen.
Die meisten Menschen sind wohl ein Mischung aus mehreren Stilen (vgl. Neenan, 2008, S. 56). In manchen Situationen empfindet man sich selbst wohl eher als „Träumer“, in anderen wiederum als „Krisenschaffer“. Eine Diskussion darüber, ob prokrastinieren eher situationsspezifisch oderübergreifend ist, ist längst entfacht. So unterscheidet Shouwenburg (2004, in Owens et al., 2008, S. 366) klar zwischen state procrastination und trait procrastination. Letzteres bedeutet, dass sich das Aufschieben von Entscheidungen und Handlungen in mehreren Situation unseres Lebens zeigt. Elliot (2002) untersuchte in diesem Zusammenhang 281 Personen und erbrachte Re-test-daten mit einem Abstand von 10 Jahren. Er fand eine Korrelation von r=0.77 und belegt damit die Annahme, das Prokrastination ähnlich stabil wie eine Persönlichkeitseigenschaft ist. Auch Milgram und Tenne (2000, S. 141) erkennen Prokrastination als einen trait an und unterscheiden zudem vier unterschiedliche Arten:
1. academic procrastination: Das Aufschieben von akademischen Verpflichtungen bis zur letzten Minute oder im schlimmsten Falle das Nichterfüllen. 2. life routine procrastination: Schwierigkeiten alltägliche Anforderungen zu koordinieren und planmäßig zu erledigen.
3. decisional procrastination: Die Unfähigkeit zeitlich passende Entscheidungen zu treffen, bei wichtigen wie auch bei unwichtigen Sachverhalten. 4. compulsive procrastination: Vereintes prokrastinierendes Verhalten in Bezug auf Entscheidungen und Aufgabenerfüllung in einer Person.
Bei dieser Unterteilung bleibt relativ unklar wann von decisional procrastination, also dem Aufschieben einer Entscheidung oder von behavioral procrastination, dem Aufschieben einer beschlossenen Handlung, die Rede ist. Diese Differenzierung findet man häufig in der Literatur (Ackerman & Gross, 2005; Milgram & Tenne, 2000) und ich erachte sie als äußerst sinnvoll, da man zur Anwendung von Interventionsansätzen die Ausgangslage genau kennen sollte.
1.2. Abgrenzung
Prokrastination ist klar von Entscheidungsvermeidungsverhalten (decision avoidance) zu differenzieren. Letzteres beinhaltet das sich Personen bewusst dafür entscheiden Nichts zu tun, wohingegen Ersteres, das Aufschieben des Beginnens
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Arbeit zitieren:
Marianne Stein, 2009, Prokrastinieren - Warum wir Entscheidungen gern aufschieben, München, GRIN Verlag GmbH
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